Radiměř

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Radiměř
Radiměř CoA.jpg
Radiměř (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Pardubický kraj
Bezirk: Svitavy
Fläche: 2857 ha
Geographische Lage: 49° 42′ N, 16° 26′ OKoordinaten: 49° 41′ 58″ N, 16° 25′ 53″ O
Höhe: 485 m n.m.
Einwohner: 1.105 (1. Jan. 2017)[1]
Postleitzahl: 569 07
Verwaltung
Bürgermeister: Roman Satrapa
Adresse: Radiměř 167
569 07 Radiměř
Gemeindenummer: 578657
Website: www.obec-radimer.cz
Pfarrkirche Sankt Anna, im Hintergrund das Schulhaus

Radiměř (deutsch Rothmühl) ist eine Gemeinde im Okres Svitavy der Region Pardubice. Das Straßendorf erstreckt sich auf etwa 8 Kilometer Länge. Es war durch den Rothmühler Bach in den Markt Mährisch Rothmühl und das Dorf Böhmisch Rothmühl geteilt, der die historische böhmisch-mährische Landesgrenze bildete. Das Dorf hat 1094 Einwohner (2014) und eine Fläche von 28,6 Quadratkilometern. Radiměř liegt in der Landschaft des Schönhengstgaus, der ehemaligen größten deutschen Sprachinsel in Böhmen und Mähren. Vom übrigen deutschen Sprachgebiet des Sudetenlandes war die Sprachinsel gebietsweise nur um wenige Kilometer getrennt. Bis zur Vertreibung 1945/46 waren Böhmisch und Mährisch Rothmühl überwiegend von Deutschen bewohnt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die Gemeinde Rothmühl 1291 erstmals urkundlich erwähnt wurde, fällt die Ersterwähnung der Pfarrei auf das Jahr 1474. Mährisch Rothmühl besaß eine eigene Grundherrschaft, die ihren Sitz in einem Hof unterhalb der Kirche hatte. Böhmisch-Rothmühl war ein Kolonistendorf mit einem Erbgericht.
 Diese deutschen Kolonisten waren im 12. Jahrhundert von böhmischen Landesfürsten gerufen worden, um brach liegendes Land zu besiedeln und zu bearbeiten. Bauern, Handwerker, Kaufleuten und Bergarbeiter folgten dieser Anwerbung. Sie stammten hauptsächlich aus dem bayerischen Raum, aus Main- und Ostfranken und der Oberpfalz. [2] Der künstlich angelegte Mühlbach, der die beiden Orte politisch ab 1512 auf Grund von veränderten Herrschaftsansprüchen trennte, hatte über die gesamte Länge im Ortsbereich ein Gefälle von 180 Metern und ermöglichte den Betrieb von dreizehn Mühlen. Die Schulen Böhmisch und Mährisch Rothmühls waren getrennt, nicht so die Kirchengemeinde, die zur Mährischen Kirchenprovinz gehörte. Ab 1919 gab es eine Bürgerschule für beide Ortsteile, sodass Rothmühl als Marktgemeinde eine regionale Aufwertung erfuhr. Neben der Landwirtschaft waren die Leinwandherstellung und der Leinwandhandel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Garanten für die wirtschaftliche Entwicklung Rothmühls. Mit dem allmählichen Verfall des Leinengeschäfts verdienten dann etliche Rothmühler ihren Lebensunterhalt als Arbeiter. [3] Mit dem Münchner Abkommen 1939 wurde die Trennung Rothmühls in die böhmische und mährische Verwaltungszugehörigkeit aufgehoben. Am 17. Dezember 1950 fusionierte der tschechische Staat die beiden Orte endgültig.

Böhmisch Rothmühl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dorfgemeinde Böhmisch Rothmühl gehörte 1930 zum Bezirk und Gerichtsbezirk Politschka in Ostböhmen und hatte 1354 Einwohner, davon waren 1312 deutsch. Im Ort gab es zwei Kapellen, die dem Heiligen Johannes von Nepomuk und dem Heiligen Joseph geweiht waren.

Mährisch Rothmühl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marktgemeinde gehörte 1930 zum Bezirk Mährisch Trübau und Gerichtsbezirk Zwittau in Mittelmähren. Sie hatte 1456 Einwohner, wovon 1408 deutsch waren. Die nächste Eisenbahnstation war in Greifendorf. Mährisch Rothmühl hatte das Recht jährlich zwei Märkte abzuhalten. Die reich ausgestattete Rokokokirche Sankt Anna wurde zwischen 1771 und 1776 errichtet.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Schräggeteilt von Silber und Blau. Oben ein vierspeichiges rotes, unten ein vierspeichiges silbernes Mühlrad.

Ansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Varia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im ehemaligen Rathaus Hallgarten in 65375 Oestrich-Winkel befindet sich das Rothmühler Heimatmuseum, eine Einrichtung, die vom Heimatvertriebenen-Verein aufgebaut wurde. [4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Jandl: Rothmühl und seine Bewohner. Versuch einer Dokumentation. Arno Jandl, Hallgarten (Rheingau) 1970.
  • Hans Jandl: Rothmühl. Ein Dorf im Wandel. Arno Jandl, Hallgarten (Rheingau) 1972.
  • Hans Jandl, Erna Jandl: Parochia Radmühlensis. Pfarrei Sankt Anna Rothmühl. R. Jandl, Hallgarten (Rheingau) 1979

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  2. Rudolf Meixner: Geschichte der Sudetendeutschen. Preußler, Nürnberg 1983, ISBN 3-921332-97-4, S. 14 ff.
  3. Der Schönhengstgau, abgerufen am 29. September 2015
  4. Rothmuehler-Heimatmuseum, abgerufen am 29. September 2015