Hans-Hilmar Staudte

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Hans Hilmar Staudte während einer Zeugenaussage im Prozess Rasse- und Siedlungshauptamt der SS am 29. Januar 1948.

Hans-Hilmar Staudte (* 18. Januar 1911 in Kaldenkirchen; † 21. Januar 1979 in Münster) war ein deutscher Jurist sowie Schachmeister und -komponist.

Privates und Berufliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staudte studierte Jura und wurde 1940 an der Universität Hamburg mit der Dissertation „Nichtzumutbarkeit und strafrechtlicher Pflichtbegriff“ promoviert.

Während des Zweiten Weltkrieges übernahm Staudte die stellvertretende Leitung der Lebensborn-Rechtsabteilung.[1] Nach eigener Auskunft war er Richter am NSDAP-Gaugericht in München und SS-Obersturmführer, war verheiratet und hatte ein früh verstorbenes Kind.[2]

Nach Kriegsende befand er sich in alliierter Untersuchungshaft. Staudte sagte als Zeuge während der Nürnberger Prozesse aus.[1][2]

Später arbeitete bis zu seiner Pensionierung mit 65 Jahren als Ministerialrat im Bundesministerium der Finanzen in Bonn. Zugunsten der beruflichen Karriere beendete er seine Aktivitäten im Turnierschach. 1979 starb er nach langer Krankheit.

Turnierschach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staudte begann zunächst mit dem Turnierschach. 1925 wurde er Mitglied im Aachener Schachverein 1856. 1935 wurde er geteilter Zweiter bei der Meisterschaft des Niederrheinischen Schachverbandes. 1941 siegte er in Starnberg im Rahmen des Bayerischen Schachkongresses in einem von drei parallel durchgeführten Meisterschaftsturnieren, wodurch ihm der Aufstieg ins Meisterturnier gelang. 1950 belegte er bei der deutschen Meisterschaft in Bad Pyrmont zusammen mit Bogoljubow den geteilten 2. Platz hinter Unzicker. Im gleichen Jahr wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Schacholympiade 1950 in Dubrovnik Dritter, mit seinem Ergebnis von 7,5 Punkten aus 12 Partien erreichte er außerdem das drittbeste Ergebnis der Reservespieler.[3]

Seine beste historische Elo-Zahl betrug 2620. Diese erreichte er im Juni 1950.

Funktionär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staudte war von 1955 bis 1961 Schriftführer beim Deutschen Schachbund.

Schachkomposition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. e4    Dieser Abschnitt benutzt die verkürzte Figurine Notation (FAN) zur Beschreibung von Schachzügen.

Staudte befasste sich intensiv mit Endspielstudien. Er komponierte selbst Studien, die in Zeitschriften und FIDE-Alben veröffentlicht wurden.

Hans-Hilmar Staudte
Deutsche Schachblätter 1935
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3 Chess --t45.svg Chess pdt45.svg Chess pdt45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess plt45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 3
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                                                        (7+7)
Weiß zieht und gewinnt

Vorlage:Schachbrett/Wartung/Alt

Lösung:
 
1. g6!! (Ein effektvolles Bauernopfer, das Schwarz annehmen muss.)
 
Varianten:
 
1. ... fxg6 2.d4!! (2. ♘d4† macht nur remis.) 2. ... c2 3.h8! (Hinlenkung) ♚e6 (3. ... c1♛?? 4. ♘d4#) 4.d4†d5 5.xb3 a4 6.c1 mit Gewinn.
1. ...xg6! 2.e5†f5 3.d3 a4 (Droht Durchbruch mit 4. ... a3) 4.d4 c2 5.c1!e6 6.g4d5 7.f6!c4 8.xf4 a3! 9.e3 a2 10.xa2 bxa2 11. b3†!xb3 12.d2 a1! 13.xa1a2 14.xc2xa1 15.b3b1 16. f4!! (16. ♔xb4? ♚c2 17. ♔c5 ♚d3! 18. ♔d5 ♚e2 usw. mit Remis.) 16. ...c1 17.xb4d2 18.c5d3 (Oder 18. ... ♚e2 19. ♔d6 usw.) 19.d5e2 20.d6 (Nicht 20. ♔e5?) 20. ...xf2 (Oder 20. ... ♚f3 21. f5 mit Gewinn) 21.e7 und Weiß gewinnt.


Von Staudte selbst[4] wurde diese Studie als „einfaches, doch lehrreiches“ Beispiel mit praktischem Bezug zur Schachpartie und positionellem Spiel bezeichnet.

Jahrzehntelang redigierte er die Studienrubrik der Zeitschrift Schach-Echo und war hier auch als Preisrichter gefragt. Über Jahrzehnte war er in dem Aachener Anzeiger (später Aachener Nachrichten) für den wöchentlichen Problemteil verantwortlich.

1962 wurde er zum Internationalen Preisrichter für Schachkompositionen[5] ernannt.

Neben seinem kompositorischen Schaffen auf dem Gebiet der Studie beschäftigte sich Hans-Hilmar Staudte auch mit Märchenschach und veröffentlichte zahlreiche Hilfsmatt- und Selbstmatt-Aufgaben. Nachfolgend zwei Hilfsmatt-Aufgaben (Schwarz ist Anziehender) als Beispiele:

Hans-Hilmar Staudte
Theodor Steudel
(2588) Aachener Nachrichten 27.11.1970
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5 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess pdt45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 5
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3 Chess pdt45.svg Chess --t45.svg Chess pdt45.svg Chess pdt45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess pdt45.svg Chess plt45.svg 3
2 Chess rdt45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess rdt45.svg Chess plt45.svg Chess --t45.svg 2
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 C+                                                   (4+15)
Hilfsmatt in 4 Zügen

Vorlage:Schachbrett/Wartung/Alt

Lösung:
 
1.d5 O-O-O 2.e4†b1 3.a1†xa1 4.f4e1#


Diese im FIDE-Album aufgenommene Komposition zeigt einen Platzwechsel von weißem König und Turm und eine weiße große Rochade.

Hans-Hilmar Staudte
Schach-Echo 1971
2. Preis
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6 Chess plt45.svg Chess kdt45.svg Chess --t45.svg Chess plt45.svg Chess ndt45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 6
5 Chess --t45.svg Chess pdt45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 5
4 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 4
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 C+                                                    (6+5)
Hilfsmatt in 2 Zügen
3 Lösungen

Vorlage:Schachbrett/Wartung/Alt

Satzspiel:
 
1. ... b82.c7xd7#
 
Lösungen:
 
1.xa6 b82.a7xa7#
1.xa8 b8† 2.a7b7#
1.c5 b8† 2.b7c7#


Die Darstellung einer Häufungsaufgabe der Allumwandlung in Form eines Dreispänners, wobei die vier Möglichkeiten einer Bauernumwandlung auf Satz- und Lösungsspiel verteilt wurden.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aus der Welt der Schachstudie, Loeffler, Bad Nauheim 1961
  • mit Kurt Richter: Richtig und falsch. Praktische Endspielkunde, Walter de Gruyter, Berlin 1962, (2. Aufl. 1978, ISBN 3-11-007428-1)
  • mit Milu Milescu: Das 1×1 des Endspiels. Ein Lehr- und Lesebuch der Endspielkunst, Walter de Gruyter, Berlin 1965 (2. Aufl. 1981, ISBN 3-11-007431-1)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Volker Koop: Dem Führer ein Kind schenken – die SS-Organisation "Lebensborn" e.V., Köln 2007, S. 4.
  2. a b Vernehmung des Dr. Hans Hilmar Staudte am 16. Mai 1947 vormittags durch Robert Kempner sowie Vernehmung vom 25. August 1947 durch Herbert H. Meyer (14 bis 16 Uhr). In: Archiv des Institut für Zeitgeschichte, München, Signatur ZS-1545 1948/56 (online).
  3. Hans-Hilmar Staudtes Ergebnisse bei Schacholympiaden auf olimpbase.org (englisch)
  4. H. Staudte und M. Milescu: Das 1×1 des Endspiels. Ein Lehr- und Lesebuch der Endspielkunst, 2. erw. Aufl., Walter de Gruyter, Berlin 1981. ISBN 3-11-007431-1, S. 166
  5. Internationale Preisrichter für Schachkompositionen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]