Hans-Adam II.

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Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein, 2013

Hans-Adam II. (voller Name: Johannes Adam Ferdinand Alois Josef Maria Marco d’Aviano Pius Fürst von und zu Liechtenstein, Herzog von Troppau und Jägerndorf, Graf zu Rietberg, Regierer des Hauses von und zu Liechtenstein;14. Februar 1945 in Zürich, Schweiz) ist Fürst und Staatsoberhaupt Liechtensteins sowie Chef des Fürstenhauses Liechtenstein.[1] Die Regierungsgeschäfte nimmt seit 2004 jedoch sein Sohn Alois wahr.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liechtensteiner Fürstenfamilie
Coat of arms of Liechtenstein.svg

SD Fürst Hans-Adam II.
ID Fürstin Marie

Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans-Adam II. wurde 1945 in Zürich als Sohn des Fürsten Franz Josef II. von Liechtenstein (1906–1989) und dessen Gattin Fürstin Gina (1921–1989) geboren. Er erhielt seinen Namen nach seinem Vorfahren Fürst Johann Adam Andreas (Hans-Adam I.) und nach seinem Taufpaten Papst Pius XII. Er wuchs bei den Eltern im Fürstenhaus in Vaduz auf und absolvierte die Volksschule in Vaduz, ehe er an das Schottengymnasium in Wien ging. 1960 ging er nach Zuoz auf das Gymnasium Lyceum Alpinum, wo er mit der Schweizer Matura und dem deutschen Abitur abschloss. Er absolvierte anschliessend ein Praktikum bei einer Bank in London. 1969 schloss er das Studium an der Universität St. Gallen mit Erlangen des Lizentiats in Betriebs- und Volkswirtschaft ab.

Ehe und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. Juli 1967 heiratete der damalige Erbprinz Hans-Adam in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Florin zu Vaduz Gräfin Marie Kinsky von Wchinitz und Tettau. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, die den Titel Prinz (Prinzessin) von und zu Liechtenstein, Graf (Gräfin) von Rietberg und die Anrede Durchlaucht führen:

  • Erbprinz Alois (* 1968) ist mit Sophie Prinzessin von Bayern (* 1967) verheiratet. Sie haben vier Kinder:
    • Joseph Wenzel Maximilian Maria (* 24. Mai 1995)
    • Marie Caroline Elisabeth Immaculata (* 17. Oktober 1996)
    • Georg Antonius Constantin Maria (* 20. April 1999)
    • Nikolaus Sebastian Alexander Maria (* 6. Dezember 2000).
  • Prinz Maximilian (* 1969) ist mit Angela Brown (* 1958) verheiratet. Sie haben einen Sohn:
    • Alfons Constantin Maria (* 18. Mai 2001).
  • Prinz Constantin (* 1972) ist mit Gräfin Marie Kálnoky von Kőröspatak (* 1974) verheiratet. Sie haben zwei Söhne und eine Tochter:
    • Moritz Emanuel Maria (* 27. Mai 2003)
    • Georgina Maximiliana Tatiana Maria (* 23. Juli 2005)
    • Benedikt Ferdinand Hubertus Maria (* 18. Mai 2008).
  • Prinzessin Tatjana von Liechtenstein (* 1973) ist mit Philipp von Lattorff (* 1968) verheiratet. Sie haben sieben Kinder:
    • Lukas Maria (* 13. Mai 2000)
    • Elisabeth Marie Angela (* 25. Januar 2002)
    • Marie Teresa (* 18. Januar 2004)
    • Camilla Maria Katharina (* 14. November 2005)
    • Anna Pia Theresia Maria (* 3. August 2007)
    • Sophie Katharina Maria (* 30. Oktober 2009)
    • Maximilian Maria (* 17. Dezember 2011)

Offizielle Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürst Hans-Adam II. und Fürstin Marie auf Staatsbesuch in Wien 2013

1984 wurde er als Stellvertreter seines Vaters eingesetzt. Nach dessen Tod übernahm Hans-Adam II. 1989 die Regierung. Unter seiner Führung trat Liechtenstein den Vereinten Nationen und dem EWR bei.

2003 wurde ein Vorschlag des Fürsten zur neuen liechtensteinischen Verfassung von vielen Kritikern als ein Rückschritt in den Absolutismus bezeichnet. Dem Vorschlag stimmte jedoch die Mehrheit der Bevölkerung (64,3 %) in einer Volksabstimmung zu. Hans-Adams Aussage im Wahlkampf, er werde bei einer Niederlage in der Volksabstimmung das Land nach Wien verlassen, und sein bei der Thronrede zur Eröffnung des Parlaments geäusserter, indirekter Vergleich der Kritiker des Vorschlags mit den liechtensteinischen Anhängern des Dritten Reiches sorgten auch international für Aufsehen.

Am 15. August 2004 setzte er seinen Sohn Alois als seinen Stellvertreter ein und übergab ihm die Staatsgeschäfte.

Hans-Adam II. ist Ehrenmitglied der Katholischen Österreichischen Hochschulverbindung Nordgau Wien im ÖCV sowie der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Nordgau-Prag zu Koblenz im CV. Darüber hinaus ist er Ehrenprotektor der Liechtensteinischen Akademischen Verbindung Rheinmark und Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies in Österreich. Er ist Mitglied der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft und empfängt 2016 den Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Titel, Anrede und Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der volle Titel Hans-Adams II. ist gemäss dem liechtensteinischen Hausgesetz:

Fürst von und zu Liechtenstein, Herzog von Troppau und Jägerndorf, Graf zu Rietberg, Regierer des Hauses von und zu Liechtenstein.[2]

Alle Mitglieder des Hauses haben die Anrede Durchlaucht und führen das Wappen der Fürstlichen Familie.[1]

Vermögen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der entschädigungslosen Enteignung des Hauses Liechtenstein in der Tschechoslowakei im Jahr 1945 durch die Dekrete von Edvard Beneš blieben die mährischen Besitzungen im Eigentum des zuerst tschechoslowakischen, später des tschechischen Staates. Alle politischen und gerichtlichen Bemühungen des Fürsten Hans Adam II. – nach dem Ende der kommunistischen Diktatur 1990 – um Rückgabe des enteigneten Besitzes (neben den Schlössern Feldsberg, Eisgrub und Groß Ullersdorf noch weitere 14 Schlösser, 1.600 Quadratkilometer Land – mithin 2 % der gesamten Fläche Tschechiens und das Zehnfache der Staatsfläche Liechtensteins – sowie diverse Industriebetriebe) scheiterten am Widerstand der tschechischen Regierung, die dem Fürstentum Liechtenstein, um Beneš' Rechtsposition beibehalten zu können, sogar die diplomatische Anerkennung als Staat versagte.

Gleichwohl zeichnet sich Fürst Hans-Adam II. durch grosse Geschäftstüchtigkeit aus und stellte die solide wirtschaftliche Grundlage seines Hauses wieder her, die durch die Enteignungen in der Tschechoslowakei von 1945 derart stark gelitten hatte, dass unter der Regentschaft seines Vaters auch die berühmte Kunstsammlung zeitweise als «Notgroschen» herhalten musste und die Familie, wie Hans-Adam es formulierte, «dem Bankrott entgegensah». Dies gelang ihm vor allem durch die Erweiterung der kleinen Bank in Liechtenstein zur Privatbank LGT Group, die er bereits vor seiner Thronbesteigung international ausrichtete und zu einem bedeutenden Bankhaus machte. Seither konnte er auch die Kunstsammlung durch Zukäufe wieder ergänzen, deren barocke Hauptwerke er 2004 im Liechtenstein Museum in Wien der Öffentlichkeit zugänglich machte; die Sammlung des 19. Jahrhunderts ist im Stadtpalais Liechtenstein untergebracht, weitere Teile der Sammlung werden in Wechselausstellungen im Kunstmuseum Liechtenstein gezeigt.

Das Vermögen des Fürstenhauses, zu dem neben Immobilien und Grundbesitz in Österreich vor allem die LGT Bank zählt, wird von der Stiftung Fürst Liechtenstein gehalten und beläuft sich nach Schätzungen auf mehrere Milliarden Franken. Mit einem Vermögen von 5 Milliarden Dollar ist Hans-Adam II. der sechstreichste Monarch weltweit.[3]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den deutsch-liechtensteinischen Beziehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

«Was die deutsch-liechtensteinischen Beziehungen betrifft, warten wir hier auf bessere Zeiten, wobei ich zuversichtlich bin, denn in den vergangenen zweihundert Jahren haben wir immerhin schon drei Deutsche Reiche überlebt, und ich hoffe, wir werden auch noch ein viertes überleben.»

– Aus einem Brief des Fürsten an das Jüdische Museum Berlin[4]

Zum Bankgeheimnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans-Adam II.

«Gerade Deutschland muss man entgegenhalten, dass wir und die Schweiz mit dem Bankgeheimnis vielen Menschen, besonders Juden, das Leben gerettet haben. Deutschland sollte sich an der eigenen Nase nehmen und an seine Vergangenheit denken. Zum Teil konnten sich die Familien mit dem Geld, das sie in der Schweiz oder Liechtenstein hatten, freikaufen und sich so retten. Das war in kommunistischen Staaten ähnlich, das Bankgeheimnis hat Leben gerettet und rettet auch heute noch Leben. Ich denke dabei an manche Drittweltländer, die teilweise von blutrünstigen Diktaturen regiert werden. Ausserdem haben Deutschland und viele andere Staaten ein unglaubliches Durcheinander mit ihren Staatsfinanzen. Diese müssen sie erst einmal in Ordnung bringen. Dazu sind sie bis jetzt unfähig gewesen. Der Finanzcrash ist im Wesentlichen auf diese erschreckende Unfähigkeit zurückzuführen. Mir wird manchmal vorgeworfen, zu wenig diplomatisch zu sein. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass solche Leute nur eine klare Sprache verstehen.»

– Interview Hans-Adams II mit dem Liechtensteiner Volksblatt, August 2009.[5]

Zum Staat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

«Es wäre ein schöner Erfolg, wenn es der Menschheit im dritten Jahrtausend gelingt, alle Staaten in Dienstleistungsunternehmen zu verwandeln, die den Menschen auf der Basis der direkten und indirekten Demokratie sowie des Selbstbestimmungsrechtes auf Gemeindeebene dienen.»

– Persönliche Vision des Staates aus der Einleitung des Werkes Der Staat im dritten Jahrtausend.[6]

Vorfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahnentafel Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein
Ururgrosseltern

Prinz
Franz de Paula von und zu Liechtenstein
(1802–1887)
∞ 1841
Gräfin
Julie Potocka
(1818–1895)

Fürst
Alois II. von Liechtenstein
(1796–1858)
∞ 1831
Gräfin
Franziska Kinsky von Wchinitz und Tettau
(1813–1881)

Erzherzog
Franz Karl von Österreich
(1802–1878)
∞ 1824
Prinzessin Sophie Friederike von Bayern
(1805–1872)

König
Michael I. (Portugal)
(1802–1866)
∞ 1851
Prinzessin Adelheid von Löwenstein- Wertheim- Rosenberg
(1831–1909)

Graf Johann Nepomuk von Wilczek
(1837–1922)
∞ 1858
Gräfin
Emma Emo-Capodilista
(1833–1924)

Fürst Ferdinand Bonaventura Kinsky von Wchinitz und Tettau
(1834–1904)
∞ 1856
Prinzessin
Marie von und zu Liechtenstein
(1835–1905)

Graf Johann-Baptist Kinsky von Wchinitz und Tettau
(1815–1868)
∞ 1842
Iphygenia Therese Dadiany de Gyulvetz
(1821–1882)

Graf
Georg Festetics von Tolna
(1815–1883)
∞ 1849
Gräfin Eugenie Erdődy von Monyorókerék und Monoszló
(1826–1894)

Urgrosseltern

Prinz Alfred von und zu Liechtenstein
(1842–1907)
∞ 1865
Prinzessin Henriette von und zu Liechtenstein (1843–1931)

Erzherzog Karl Ludwig von Österreich
(1833–1896)
∞ 1873
Prinzessin Marie Therese von Portugal
(1855–1944)

Graf Joseph von Wilczek
(1861–1929)
∞ 1884
Gräfin Elisabeth Kinsky von Wchinitz und Tettau
(1865–1941)

Graf Zdenko Kinsky von Wchinitz und Tettau
(1844–1932)
∞ 1877
Gräfin Georgine Festetics von Tolna
(1856–1934)

Grosseltern

Prinz Alois von und zu Liechtenstein (1869–1955)
∞ 1903
Erzherzogin Elisabeth Amalie von Österreich (1878–1960)

Graf Ferdinand von Wilczek (1893–1977)
∞ 1921
Gräfin Norbertine Kinsky von Wchinitz und Tettau (1888–1923)

Eltern

Princely Hat.svg
Fürst Franz Josef II. (1906–1989)
∞ 1943
Gräfin Georgina von Wilczek (1921–1989)

Princely Hat.svg
Fürst Hans-Adam II. (* 1945)

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wer ist wer – Wer tut was. Handbuch für das Fürstentum Liechtenstein. Frank P. van Eck Verlagsanstalt 1995, Seiten VII–IX: Biografien der fürstlichen Familie.
  • Deutsches Adelsarchiv e.V. (Hrsg.): Genealogisches Handbuch des Adels (GHdA). Genealogisches Handbuch der Fürstlichen Häuser. Fürstliche Häuser Band XIV. C. A. Starke Verlag Limburg a. d. Lahn, 1991, (GHdA Band 100), S. 65–84.
  • Wilhelm Karl Prinz von Isenburg: Stammtafeln zur Geschichte der europäischen Staaten. Band I. Die deutschen Staaten. 2.verbesserte Auflage. J. A. Stargardt Verlag, Marburg 1953, Tafeln 175-179.
  • Detlef Schwennicke (Hrsg.): Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der europäischen Staaten. Neue Folge (EST NF), Band III / 1. J. A. Stargardt Verlag, Marburg, (EST NF III/1) Tafeln 30-39.
  • Norbert Jansen: Franz Josef II. Regierender Fürst von und zu Liechtenstein. Festschrift zum 40. Regierungsjubiläum S. D.. Amtlicher Lehrmittelverlag, Vaduz 1978. (mehrsprachige Ausgabe deutsch-englisch-französisch).
  • Harald Wanger: Die regierenden Fürsten von Liechtenstein. Frank P. van Eck Verlagsanstalt, Triesen 1995, ISBN 3-905501-22-8.
  • Verfassung des Fürstentums Liechtenstein vom 5.Oktober 1921. In: Liechtensteinisches Landesgesetzblatt, Jahrgang 1921, Nr. 15, Ausgabe vom 24. Oktober 1921.
  • Verfassungsgesetz vom 28.Juni 1984 über die Ergänzung und Abänderung der Verfassung vom 5. Oktober 1921 (Einrichtung einer Stellvertretung). In: Liechtensteinisches Landesgesetzblatt, Jahrgang 1984, Nr. 28, Ausgabe vom 18. August 1984.
  • Hausgesetz des fürstlichen Hauses Liechtenstein vom 26. Oktober 1993. In: Liechtensteinisches Landesgesetzblatt, Jahrgang 1993, Nr.100, Ausgabe vom 6. Dezember 1993.
  • Hans-Adam II. im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hans-Adam II – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Das Fürstenhaus von Liechtenstein: Hausgesetz vom 26. Oktober 1993, I. Das Fürstliche Haus Liechtenstein, Art. 2: Titel der Mitglieder des Fürstlichen Hauses.
  2. Hausgesetz des Fürstlichen Hauses Liechtenstein vom 26. Oktober 1993 (PDF; 64 KB)
    Hausgesetz des fürstlichen Hauses Liechtenstein vom 26. Oktober 1993. In: Liechtensteinisches Landesgesetzblatt, Jahrgang 1993 Nr. 100 ausgegeben am 6. Dezember 1993
  3. In Pictures: The World's Richest Royals: No. 6: Prince Hans-Adam II von und zu Liechtenstein In: Forbes Magazine, 20. August 2008
  4. Dokumentation: Der Brief von Fürst Hans-Adam II. im Wortlaut. In: Spiegel Online. 22. September 2008, abgerufen am 5. Februar 2014.
  5. Interview S.D. Fürst Hans-Adam von und zu Liechtenstein mit Chefredaktor Heinz Zöchbauer für die Staatsfeiertags-Ausgabe 2009 des Liechtensteiner Volksblattes. 13. August 2009 (PDF; 37 kB)
  6. Der Staat im dritten Jahrtausend. van Eck Verlag, Triesen 2009, S.9. ISBN 978-3-905881-03-5.
Vorgänger Amt Nachfolger
Franz Josef II. Coat of arms of Liechtenstein.svg
Fürst von Liechtenstein

seit 1989
im Amt