Österreichischer Cartellverband

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Cartellverband der katholischen österreichischen Studentenverbindungen

Wappen Logo
WappenCV.gif ÖCV Logo.png
Basisdaten
Name: Cartellverband der katholischen österreichischen Studentenverbindungen
Abkürzung: ÖCV
Vertreten in: OsterreichÖsterreich Österreich
ItalienItalien Italien
Gründung am: 10. Juli 1933
Auflösung: 1938, „Anschluss Österreichs“ an das Dt. Reich
Rekonstitution: 19. Mai 1945
Verbindungen: 49 Mitglieder (Liste)
Grundsätze: Religio, Scientia, Amicitia, Patria
Art der Mitglieder: Männerbünde
Religiöse Ausrichtung: katholisch
Stellung zur Mensur: nichtschlagend
Wahlspruch: In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas
Farbenstatus: farbentragend
Leitung/Vorsitz: KAV Bajuvaria Wien
Verhältnisse: EKV
Arbeitsgruppen: AGV
Verbandsorgan: Academia
Geschäftsstelle: Österreichischer Cartellverband
Lerchenfelderstraße 14
A-1080 Wien
Webseite: www.oecv.at

Der Österreichische Cartellverband (ÖCV) ist ein Korporationsverband von katholischen, nichtschlagenden, farbentragenden Studentenverbindungen in Österreich. Der ÖCV hat 49 Mitgliedsverbindungen in Österreich.

In Österreich wird der Verband meistens nur als Cartellverband bzw. CV bezeichnet, ist aber vom deutschen Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) zu unterscheiden. Der ÖCV spaltete sich am 10. Juli 1933 von diesem ab.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ÖCV ist ein Zusammenschluss einzelner Verbindungen unter Wahrung des Subsidiaritätsprinzipes, das heißt größtmöglicher Beibehaltung ihrer Eigenständigkeit. Alle Mitgliedsverbindungen des ÖCV sind gleichberechtigt und haben auf Sitzungen das gleiche Stimmrecht. Lediglich für den „protokollarischen“ Ablauf gilt das Anciennitätsprinzip, wobei die Verbindungen nach ihrem Beitrittsdatum sortiert werden, die sogenannte Amtliche Reihenfolge.

Entsprechend der Organisation der Verbindungen ist auch der ÖCV gegliedert: es gibt den aus der Aktivitas bestehenden ÖCV-Studentenverband und die aus den jeweiligen Altherrenschaften gebildete Altherrenschaft des ÖCV, die großteils aus Akademikern besteht.

In Städten, in denen es mehrere Mitgliedsverbindungen gibt, haben die ansässigen Verbindungen Ortsverbände gegründet, die die Arbeit der Verbindungen untereinander koordinieren sollen. Es gibt insgesamt 7 Ortsverbände:

  • Grazer Cartellverband (GCV), 6 Verbindungen
  • Innsbrucker Cartellverband (ICV), 6 Verbindungen
  • Leobener Cartellverband (LCV), 2 Verbindungen
  • Linzer Cartellverband (LiCV), 3 Verbindungen
  • Salzburger Cartellverband (SCV), 3 Verbindungen
  • Wiener Cartellverband (WCV), 22 Verbindungen
  • Wiener Neustädter Cartellverband (NCV), 3 Verbindungen.

Dabei ist eine Verbindung des WCV in Klosterneuburg ansässig, eine des NCV in Baden bei Wien.

Oberstes beschlussfassendes Organ ist die Cartellvollversammlung (C.V.V.). Einzelne Sitzungen finden nach Studentenbund und Altherrenbund getrennt statt. Hier hat jede Aktivitas beziehungsweise jede Altherrenschaft eine Stimme. Bei gemeinsamen Sitzungen von Aktiven und Alten Herren hat jede Verbindung zwei Stimmen, je eine für die Altherrenschaft und eine für die Aktivitas.

Im jährlichen Wechsel übernimmt eine Verbindung (u. U. auch ein Ortsverband) den Vorort, d. h. den Vorsitz im ÖCV. Das Vorortspräsidium besteht aus dem Vorortspräsidenten, seinen zwei Vertretern und weiteren Fachreferenten. Der Vorort vertritt auf Feierlichkeiten den Gesamtverband und führt dabei die ÖCV-Standarte bei sich. Außerdem steht das Vorortspräsidium dem Studentenverband vor.

Der ÖCV ist Herausgeber der eigenen Verbandszeitschrift, der „österreichischen“ Academia, die zweimonatlich erscheint. Die Zeitschrift wurde 1888 gegründet; ihre Auflage wurde 2005 mit 31.974 Exemplaren angegeben. Neben den üblichen Mitteilungen zum Verband werden auch umfangreiche Beiträge zu Staat, Gesellschaft und Wissenschaft veröffentlicht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des Kulturkampfes, in dem gerade der preußische Staat den Einfluss der katholischen Kirche zurückdrängen wollte, wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Gegenbewegung der katholischen Studenten an verschiedenen Universitäten katholische Verbindungen gegründet, u. a. die Bavaria Bonn (1844) und die Aenania München (1851). Diese Verbindungen gingen aus lockeren Zusammenschlüssen katholischer Studenten hervor, die bereits etwas früher unter Mitwirkung von Theologiestudenten entstanden waren. Sie lehnten sich in der inneren Verfassung und im äußeren Habitus an das herkömmliche Couleurstudententum an und führten das Lebensbundprinzip ein, erklärten die Convente zum höchsten Entscheidungsgremium und trugen Couleur, also Band und Mütze.

Die 1851 gegründete Aenania München suchte bereits früh Kontakt zu katholischen Verbindungen an anderen Hochschulen. So ging man am 6. Dezember 1856 ein Cartellverhältnis mit der gerade gegründeten Winfridia Breslau (heute Münster) ein, was heute als Geburtsstunde des Cartellverbandes angesehen wird. 1864 traten Guestfalia Tübingen und Austria Innsbruck bei. Nach dem Scheitern des Würzburger Bundes, der von 1864 bis 1865 bestanden hat, trat 1865 auch die bereits 1844 gegründete, älteste katholische Verbindung, Bavaria Bonn bei, 1871 Alsatia, später Saxonia Münster und Markomannia Würzburg. 1873 traten Hercynia Freiburg im Breisgau, 1876 Suevia Berlin, 1880 Rhenania Marburg und Burgundia Leipzig (heute Düsseldorf) bei.

In den Anfangsjahren stießen die CV-Verbindungen auf erheblichen Widerstand der etablierten Corps und Burschenschaften sowie der Universitätsverwaltungen, was teilweise zum Verbot des Farbentragens und sogar zur Auflösung der Alsatia Münster, später Saxonia Münster, 1878 führte. Trotzdem wuchs der CV in den folgenden Jahrzehnten.

1883 traten Norica Wien, Hasso-Rhenania Gießen und Silesia Halle bei. 1884 traten Badenia Straßburg (heute Frankfurt) und Palatia Göttingen dem Cartellverband bei. In 1887 trat Arminia Heidelberg bei und 1889 trat Carolina Graz bei. 1891 traten Teutonia Fribourg (der Schweiz) und Alemannia Greifswald (heute Greifswald und Münster) bei und wurde Normannia Karlsruhe als befreundete Verbindung anerkannt, 1892 traten Gothia Erlangen und 1896 Ferdinandea Prag (heute Heidelberg) bei. 1897 traten Vindelicia München, Rheno-Guestfalia Kiel und Tuisconia Königsberg (heute Landshut) bei und Lovania Löwen und K.D.St.V. Nassovia Darmstadt wurden als befreundete Verbindungen anerkannt. 1898 trat Franconia Aachen bei.

Weitere katholische Dachverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit seiner Gründung hatte sich der Cartellverband zunächst darauf beschränkt, an jeder Universität nur eine Mitgliedsverbindung aufzunehmen (Singularitätsprinzip). Allerdings entstanden in vielen Städten schnell weitere katholische Verbindungen, die sich zu den Grundsätzen des CV bekannten. Da ihnen die Aufnahme in den Cartellverband verwehrt blieb, gründete sich 1891 um die Sauerlandia Münster und die Novesia Bonn herum der Katholische Deutsche Verband farbentragender Studentenkorporationen (KDV). Obwohl das Singularitätsprinzip bereits 1897 aufgegeben wurde, traten die Mitgliedsverbindungen des KDV erst zwischen 1910 und 1912 zum CV über. Mit der Abschaffung des Singularitätsprinzips wurden die Ortsverbände gegründet, in denen die einzelnen Verbindungen einer Stadt zusammengefasst wurden.

Der Cartellverband schrieb seinen Mitgliedsverbindungen des Weiteren das Maturitätsprinzip vor, das heißt, alle Mitglieder einer CV-Verbindung sollten das Abitur (Matura) haben. Das Abitur war zu diesem Zeitpunkt allerdings keine zwingende Zugangsvoraussetzung für ein Studium an einer Technischen Hochschule, so dass die Normannia Karlsruhe (an der damaligen Technischen Hochschule Karlsruhe), die Nassovia Darmstadt (an der damaligen Technischen Hochschule Darmstadt) und die Rheno-Saxonia Köthen (am damaligen Höheren technischen Institut in Köthen) vorerst nicht als Vollmitglied in den CV aufgenommen wurden. Sie gründeten den Starkenburger Cartellverband, benannt nach der Starkenburg in Heppenheim, auf der am 12. Juni 1897 die offizielle Publikation stattfand. Da die drei Verbindungen bald das Maturitätsprinzip übernahmen, wurden sie 1901 Freie Vereinigungen und 1904 Vollmitglieder im CV.

Weitere kleinere Verbände, die ähnliche oder gleiche Prinzipien wie der Cartellverband hatten und sich dem Cartellverband um die Jahrhundertwende anschlossen, waren 1896 das von Austria Wien 1889 gegründete 1. Österreichische Cartell, sowie 1906 das ebenfalls von Austria Wien 1900 wieder begründete 2. Österreichische Cartell, sowie 1907 das Cartell katholischer Verbindungen an Tierärztlichen Hochschulen und das von Ripuaria Bonn gegründete Verband Katholischer Studentenvereine. Nach dem Ersten Weltkrieg folgte das Cartell katholischer Verbindungen an Landwirtschaftlichen Hochschulen.

Der akademische Kulturkampf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diesen Aufschwung nahm der CV trotz und gerade auch wegen erheblicher Widerstände gegen katholisches Farbenstudententum. Der Vorwurf lautete, dass durch katholische bzw. konfessionelle Verbindungen die akademische Freiheit gefährdet werde. Man verdächtigte sie des Ultramontanismus und bezichtigte sie der Reichsfeindschaft.

Während im Kulturkampf (1872–1887) die wenigen Verbindungen des CV noch kaum eine Rolle gespielt hatten, änderte sich dies in den Auseinandersetzungen im sogenannten Akademischen Kulturkampf in den Jahren nach der Jahrhundertwende. Einen schweren Stand hatten z. B. die Sugambria Jena (heute Göttingen) und besonders die österreichischen Verbindungen gegenüber den dortigen nationalen und freiheitlichen Verbindungen.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Übersicht von allen Cartellverbindungen vor dem Ersten Weltkrieg (1913)
(eingetragen in eine Europakarte mit aktuellen Grenzen)

Dieser Zustand des Widerstandes änderte sich durch den Ersten Weltkrieg. Im Juli 1914 zählte der CV in 80 Verbindungen 12.398 Urmitglieder, von denen während des Ersten Weltkrieges 7.199 einberufen wurden. Davon fielen oder starben an Kriegsfolgen 1282, das sind knapp mehr als 10 Prozent aller Mitglieder.

Das Ende des Krieges brachte aber starke Veränderungen für den CV. Der Verband bestand nunmehr innerhalb der Grenzen sieben verschiedener Staaten. Beherrschend für die aus dem Kriege heimkehrenden Cartellbrüder, die vielfach in Freikorps gegen die Spartakisten weiterkämpften, war jedoch das gemeinsame Fronterlebnis. Aus ihm ging überall ein aufrichtiger Wille zum Neubeginn hervor.

Deutlichen Ausdruck fand die Beendigung der Vorkriegsspannungen mit den nichtkonfessionellen Verbänden im Abschluss des Erlanger Verbände- und Ehrenabkommen im Jahre 1921. Damit war der Ehrenstandpunkt der nichtschlagenden von den waffenstudentischen Verbänden als gleichwertig anerkannt.

Der Weiße Ring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Cartellversammlung im Jahr 1912 wurde das cartellbrüderliche „Du“ verpflichtend für alle Verbindungen des Cartellverbandes eingeführt. Der Weiße Ring war eine couleurstudentische Interessengemeinschaft innerhalb des Cartellverbandes, die offiziell von 1908 bis 1923 existierte und deren Mitglieder und Sympathisanten sich gegen diesen Beschluss trotzdem weiterhin siezten. Auf der Cartellversammlung im Jahr 1923 wurde den Mitgliedern des Weißen Rings offiziell der Siez-Comment verboten. Das cartellbrüderliche „Du“ wurde nach der Trennung 1933 vom ÖCV übernommen.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Ersten Republik unterhielt der Verein ein Naheverhältnis zur Christlichsozialen Partei. Zahlreiche Mitglieder des Cartellverband, wie etwa Ignaz Seipel, Engelbert Dollfuß und Kurt Schuschnigg, übernahmen hohe Funktionärsposten in der Christlichsozialen Partei.

1920 stellte Dollfuß als Vertreter der Wiener Verbindung Franco-Bavaria auf der 21. Cartellversammlung 1920 des „Cartellverband (C.V.) katholischer deutscher Studentenverbindungen“ ohne Erfolg den Antrag, nur Studenten „deutsch-arischer Abstammung, nachweisbar bis auf die Großeltern“, in den Reihen einer katholischen Verbindung zu dulden.[1] Im Wintersemester 1920/1921 wurde der ausformulierte Antrag den Mitgliedsverbindungen zur endgültigen Abstimmung zugesandt. Der Antrag wurde damals von der Mehrheit der stimmberechtigten Verbindungen abgelehnt. Nach 1921 wurde der Cartellversammlung kein weiterer „Arierparagraph“ zur Abstimmung vorgelegt. Die ausdrückliche Verurteilung des Antisemitismus durch das Heilige Officium am 25. März 1928 dämmte entsprechende Bestrebungen etwas ein.[2][1]

Dennoch konnte Emmerich Czermak (Nordgau Wien), christlichsozialer Unterrichtsminister und 1934 letzter Obmann der Christlichsozialen Partei, anlässlich einer Schulungstagung für junge ÖCV-Funktionäre 1936 sagen: „Die Judenfrage existiert daher sicherlich auch für uns CVer, aber wir haben sie im CV gelöst (…): wir sind judenrein. Bei uns ist der Arierparagraf erfüllt (…). Für uns war es immer selbstverständlich, dass Halbjuden und jüdisch Belastete nicht in unsere Reihen gehören. Der sogenannte Rassenstandpunkt ist also durch uns praktisch richtig gehandhabt worden. (…) Der Jude, der Katholik geworden ist, wird es sein Leben lang ertragen müssen, nicht in allen Belangen, insbesondere nicht als Volksgenosse Anerkennung zu finden.“ (E. Czermak, Der CV und die Judenfrage, in: Robert Krasser 1936, S. 61 f). Die Assimilation von Juden wurde ebenso abgelehnt.[3]

Der Cartellverband befürwortete die Schaffung eines Großdeutschland[4] und beförderte den christlichen Antisemitismus der Zwischenkriegszeit[5]. 1928 wurde in Wien eine nach Albert Leo Schlageter benannte Ortsgruppe des Vereins gegründet. Diese Ortsgruppe betätigte sich als Teilorganisation des Deutschen Schulvereins Südmark, der den Anschluss Österreichs an Deutschland propagierte.[6] Spätestens 1935 schlug der bestehende Antisemitismus in Gewalt um, als es in der Universität Wien zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern des ÖCV und jüdischen Verbindungsstudenten kam. Diese Ereignisse wurden daraufhin im offiziellen Mitteilungsblatt des Österreichischen Cartellverbands besprochen (Academia 9/1935 S.5).

Die Aufarbeitung der eigenen Geschichte ist problematisch, da es innerhalb des Cartellverbandes sowohl Befürworter als auch Gegner der damaligen Politik gab. Der Psychologe und Schriftsteller Wilfried Daim, selbst Mitglied des Österreichischen Cartellverbands, merkte 1968 an: „Und so haben wir bis heute mit Antisemitismus in unseren Reihen zu kämpfen, mit einem schleichenden Deutschnationalismus, der immer noch die Deutschen für etwas besseres hält als den Rest der Welt und von der österreichischen Nation nichts wissen will.“

Gründung des Österreichischen Cartellverbandes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Cartellversammlung 1932 beschloss man, dass die Mitgliedschaft im CV mit einer Mitgliedschaft in der NSDAP oder dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund unvereinbar seien, solange die deutschen Bischöfe den Nationalsozialismus verurteilten. Bereits ein Jahr später wurde aber das strikte Verbot der Parteizugehörigkeit infolge des Reichskonkordats zurückgenommen. Ab 1933 begann in Deutschland der Prozess der Gleichschaltung mit Einführung des Führerprinzips und der daraus resultierenden Annäherung an den Nationalsozialistischen deutschen Studentenbund.

Die Vorgänge veranlassten die österreichischen Studentenvertretungen aus der gesamtdeutschen Studentenschaft auszutreten. Die österreichischen Verbindungen wurden aufgefordert, Bundeskanzler Dollfuß und Heeresminister Vaugoin sofort auszuschließen. Die österreichischen CV-Korporationen verweigerten diesen Befehl und stellten sich auf den Standpunkt, Österreich wäre eine unabhängige Nation und die Aufforderung eine Zumutung. In einem Akt der Solidarität nahmen viele österreichische Verbindungen Dollfuß als Ehrenmitglied auf. Als Reaktion darauf erklärte die gleichgeschaltete Verbandsführung in Berlin am 9. Juli Dollfuß und sämtliche dem CV angehörigen Mitglieder der österreichischen Regierung als aus dem CV ausgeschlossen. Die österreichischen Verbindungen stellten klar, dass diese Anweisung nur für die Verbindungen im Deutschen Reich gelten könne; sie trennten sich daher zum 10. Juli 1933 vom reichsdeutschen CV ab und begründeten dies mit der „Bestellung neuer Führer seitens verbandsfremde Stellen für den CV sowie deren den Grundsätzen und dem Geist des CV widersprechenden Verfügungen“[7]. Neuer Vorort wurde am 15. Juli Norica Wien.

So entgingen die CV-Mitgliedsverbindungen im damals noch souveränen Österreich der Gleichschaltung, indem sie aus dem Cartellverband austraten und den Österreichischen Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen gründeten.

Austrofaschismus (Ständestaat)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Phase des Austrofaschismus von 1933 bis 1938 nahm der Österreichische Cartellverband eine wichtige Rolle ein. Dem diplomierten Historiker und Politologen Stephan Neuhäuser zufolge „unterstützten mindestens 37 % aller studierenden Mitglieder des ÖCV in verschiedenen Wehrformationen Bundesheer und Heimwehr während der Februarereignisse 1934 (…) In Graz beteiligten sich 70 % der aktiven ÖCVer auf Seiten der Regierungstruppen und Heimwehren, in Leoben 45 %, in Wien 33 % und in Innsbruck 29 %. Die größten Kontingente stellten Babenberg Graz (40), Carolina Graz (40), Austria Wien (53), Austria Innsbruck (49), Norica Wien (64) und Rudolfina Wien (54)“.[8] Nach dem Februar übernahm die dem ÖCV nahestehende Akademikerhilfe die zuvor sozialistischen Akademikerheime in der Säulengasse 18 sowie der Billrothstraße 9 in Wien.

Der Verein fungierte als Rekrutierungsbecken für das faschistische System, der Anteil von Vereinsmitgliedern in verschiedenen Gremien des Ständestaats war sehr hoch.[9] im Vergleich Im Bundesrat lag er bei 90 Prozent. Mit Otto Kemptner wurde ein Bundesbruder von Engelbert Dollfuß mit dem Aufbau der Vaterländischen Front beauftragt. Für Mitglieder des ÖCV bestand ab 1933 Beitrittspflicht. Engelbert Dollfuß sorgte auch dafür, dass junge Akademiker, die dem ÖCV angehörten, schnell zu Spitzenpositionen in Politik und Verwaltung vordringen konnten. Im Gegenzug wurde dem Regierungschef ein Mitspracherecht bei der Besetzung von Ämtern innerhalb des ÖCV eingeräumt. Das Regime setzte für die Hochschülerschaft in Österreich das CV-Mitglied Heinrich Drimmel als Sachwalter ein, dem weitere Sachwalter an den einzelnen Hochschulen unterstellt waren.[10]

In der Bundesregierung Dollfuß I gehörten sechs von zehn Ministern dem Verband an, nach drei Regierungsumbildungen waren es schließlich acht von zehn. Die Regierung Dollfuß II, die die Niederschlagung der Aufstände im Februar 1934 im Rahmen des Österreichischen Bürgerkriegs zu verantworten hatte, bestand überwiegend aus Mitgliedern des ÖCV, in der nunmehrigen Diktatur unter Dollfuß waren immerhin noch sechs von 13 Ministern Korporierte.

Nachdem Dollfuß im Zuge des Juliputsch 1934 von SS-Männern im Bundeskanzleramt erschossen wurde, hieß es in einem Mitteilungsblatt im Juni 1935: „Einer der besten des CV, unser verewigter Kanzler Dr. Dollfuß“. Noch 1937 konnte man dort Lesen: „Die Dollfußstraße ist keine andere als die traditionelle CV-Straße.“

Engelbert Dollfuß war bis zu seinem Tod Ehrenmitglied in 16 ÖCV-Verbindungen, sein Nachfolger Kurt Schuschnigg brachte es auf neun Ehrenmitgliedschaften.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits vor der nationalsozialistischen Machtübernahme kam es zu Annäherungen zwischen Cartellverband und Nationalsozialismus, beispielsweise bei einer mit lokalen NS-Organisationen veranstalteten Gedenkkundgebung für Albert Leo Schlageter in Innsbruck am 27. Juni 1923.[11] Im kurzlebigen nationalsozialistischen Marionettenkabinett Seyß-Inquart von 1938 befanden sich zwei Mitglieder des CV: Oswald Menghin (Unterrichtsminister) und Wilhelm Wolf (Außenminister). Beide gelten im ÖCV als „Märzveilchen“, also als Verräter, deren wahre Gesinnung im März 1938 „aufgeblüht“ sei; Menghin wurde aufgrund seines Verhaltens von seiner Verbindung „unehrenhaft“ entlassen. Gegen Wolf lief ein selbiges Verfahren – dessen Abwicklung durch das Versammlungsverbot erschwert wurde – als er bei einem mysteriösen Autounfall ums Leben kam. Ebenfalls im nationalsozialistischen Umfeld betätigte sich Anton Rintelen, der im Fall des Gelingens des Juliputsches 1934 die Regierung übernehmen hätte sollen.[12] Josef Nadler, der sich dem austrofaschistischen Regime angedient hatte, trat unmittelbar nach dem Anschluss in die NSDAP ein, wo sein völkisch-großdeutsches Gedankengut auf breiten Anklang stieß.[13]

Nach dem „Anschluss“ wurde der Österreichische Cartellverband von den Nationalsozialisten verboten. Von den Innsbrucker Ortsgruppen traten 40 % der Mitglieder der NSDAP bei.[14] 7 % der NSDAP-Mitglieder traten der SS bei.[15] Gehler betrachtet dieses Beispiel als für die Gesamtsituation repräsentativ.[16] Viele Mitglieder des Österreichischen Cartellverbandes, die sich während des Austrofaschismus politisch engagierten, wurden in der Zeit des Nationalsozialismus aufgrund ihres Naheverhältnisses zu politisch Verfolgten. In sogenannten „Prominententransporten“ gehörten sie mit zu den ersten, die ins Konzentrationslager deportiert wurden, vorwiegend landeten sie im KZ Dachau. Andere, wie etwa der Arzt Konrad Eberle, wurden nach und nach von ihren Posten enthoben, wenn sie zum Beispiel eine „klerikale Einstellung“ zeigten.

Der Widerstand des ÖCV zeigte sich bei der Rosenkranz-Demonstration am 7. Oktober 1938 in Wien, an dem einige Mitglieder des nun verbotenen ÖCV teilnahmen. Eine Verbindung des ÖCV, die K.Ö.H.V. Alpinia Innsbruck, wurde während des Zweiten Weltkrieges am 1. Mai 1940 als Widerstandsverbindung gegründet.

ÖCVer, die sich mit dem neuen System anfreundeten, wurden nach Bekanntwerden aus dem Verband ausgeschlossen.Taras Borodajkewycz gehörte dem ÖCV an. Der Welthandelprofessor der in den 60er Jahren durch antisemitische Agitationen auf Hochschulboden Aufsehen erregte, wurde allerdings bereits 1945 von seiner ÖCV-Verbindung ausgeschlossen. Auch wenn er ein Beispiel für ein Mitglied des Cartellverbandes ist, der weder mit dem austrofaschistischen Regime, noch mit den Nationalsozialisten sonderliche Berührungsängste hatte, ist er ebenso ein Beispiel für die frühe Entnazifizierung von Mitgliedern mit bekanntgewordener Mitgliedschaft in der NSDAP im ÖCV.

25 Mitglieder wurden zu Opfern des Nationalsozialismus, unter anderem folgende bekannte Persönlichkeiten:

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Kriegsende erfolgte die Wiederbegründung der einzelnen Verbindungen. 1945 änderten die österreichischen Verbindungen, die das Kürzel Katholische Deutsche Studentenverbindung (K.D.St.V.) in ihrem Namen führten, es in Katholische Österreichische Studentenverbindung (K.Ö.St.V) um. Nach dem Krieg erfolgte auch die Wiederbegründung des ÖCV, der seinen Namen offiziell auf Cartellverband der katholischen österreichischen Studentenverbindungen änderte.[17] Der Name Österreichischer Cartellverband wird aber weiterhin genutzt.

Die Erfahrungen der älteren ÖCV-Mitglieder wurden an die Aktiven der neu- und wiedergegründeten Verbindungen weitergegeben, im ÖCV gab es trotz der Verfolgung durch das NS-Regime ein ungebrochenes Selbstverständnis als „wertorientierte Repräsentationselite“: Zur Cartellversammlung vom 30. November bis zum 1. Dezember 1946 erhob der ÖCV einen Anspruch auf einen politischen Führungsanspruch in Österreich als proösterreichische und parteipolitisch neutrale Wert- und Erziehungsgemeinschaft.[18]

Eine Wiedervereinigung von CV und ÖCV fand nach dem Zweiten Weltkrieg nicht statt und wird derzeit auch nicht erwogen. Beide Verbände pflegen ein enges Freundschaftsverhältnis und betrachten sich als Schwesterverbände. Dazu ist am 5. Dezember 1957 das Salzburger Zwei-Verbändeabkommen zwischen beiden Korporationsverbänden geschlossen worden.

Weiters haben CV und ÖCV gemeinsam mit dem Schweizerischen Studentenverein (SchwStV) am 10. Februar 1963 das Innsbrucker Drei-Verbändeabkommen geschlossen, das die individuellen Verbändeabkommen mit einerseits dem CV, das Bregenzer Zwei-Verbändeabkommen von 5. Jänner 1953, und anderseits dem SchwStV, das Zürcher Zwei-Verbändeabkommen von 13. Februar 1947, ersetzt.

In der Politik des Nachkriegs-Österreich spielten auf Seiten der ÖVP ÖCVer eine wesentliche Rolle. Der ÖCV wird dem Vorfeld der ÖVP zugerechnet.[19] Prominente Vertreter waren unter anderem die vier aufeinander folgenden Bundeskanzler Leopold Figl, Julius Raab (beide an den Verhandlungen zum Österreichischen Staatsvertrag beteiligt), Alfons Gorbach und Josef Klaus. Im Zuge des Falls des Eisernen Vorhangs und des Beitritts Österreichs zur EU kam Alois Mock eine entscheidende Rolle zu.

Neuere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Hintergrund der Studentenunruhen in den späten sechziger Jahren und den Siebzigern und des allgemeinen Reformeifers wurde die Aufnahme von Frauen und nichtkatholischen Christen ebenso diskutiert wie die Aufgabe von Formalien und Organisationsstrukturen. Teilweise nahmen in dieser Zeit auch einige ÖCV Verbindungen Protestanten auf. Nachdem sich der Verband auf eine einheitliche Linie geeinigt hatte, mussten die Verbindungen ihre protestantischen Mitglieder ausschließen. In der Folge wurde unter anderem die AV Austria Sagitta Wien gegründet, welche heute als christlich ökumenische Verbindung in der Freien Kurie des EKV eingegliedert ist.

Weitere Verbändeabkommen wurden abgeschlossen mit dem Mittelschüler-Kartell-Verband der katholischen, farbentragenden Studentenkorporationen Österreichs (MKV), mit dem Akademischen Bund katholisch-österreichischer Landsmannschaften (KÖL), mit dem Kartellverband katholischer nichtfarbentragender akademischer Vereinigungen Österreichs (ÖKV), mit dem Katholiek Vlaams Hoogstudentenverbond (KVHV), mit der Vereinigung christlicher Studentinnenverbindungen in Österreich (VCS) und mit dem Katholischen Familienverband Österreichs (KFÖ).

1975 war der ÖCV Mitbegründer des Europäischen Kartellverbands der christlichen Studentenverbände (EKV). 20 Jahre später war mit Außenminister Alois Mock ein ÖCVer an den Beitrittsverhandlungen Österreichs zur Europäischen Union beteiligt, wofür er vom ÖCV mit dem Wollek-Band ausgezeichnet wurde.

Des Weiteren ist der ÖCV Mitglied in mehreren Arbeitsgemeinschaften, etwa in der Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände Österreichs (AGV), im Pax Romana – International Catholic Movement for Intellectual and Cultural Affairs (ICMICA) und im Österreichischen Jugendherbergswerk (SHW).

2002 wurde bei der Generalversammlung das Bekenntnis zur Republik Österreich in die Satzung des ÖCV aufgenommen. Im Vorfeld dieses Beschlusses kam es zu vereinzelten Protesten einiger Verbindungen, darunter der KAV Bajuvaria Wien und der KaV Marco-Danubia Wien, gegen diese Satzungsänderung.[20]

Vom 25. bis 28. Mai 2006 fand erstmals seit 1932 anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Cartellverbandes in München wieder eine gemeinsame Cartellversammlung, die 120., von CV und ÖCV statt.

In Folge einer parlamentarischen Anfrage des BZÖ-Nationalratsabgeordneten Gerald Grosz wurde bekannt, dass der Cartellverband durch Inserate von ÖVP-geführten Ministerien in Vereinszeitungen größere Einnahmen erzielte. Zwischen 2007 uns 2011 erteilte das Wissenschaftsministerium Aufträge über Inserate in Höhe von 56.000 €, 2010 und 2011 erteilte das Innenministerium Aufträge für Inserate in Höhe von 14.800 €, das Landwirtschaftsministerium gab für Inserate in Publikationen des Cartellverbandes 8.000 € aus, Das Außenministerium und das Wirtschaftsministerium beauftragten Inserate für 3.200 € bzw. 3.000 €.[21][22] Das Finanzministerium gab für Inserate in Publikationen des Cartellverbandes 17.743,95 € aus.[23]

Mitgliederentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 zählt der Verband mit seinen Mitgliedsverbindungen nach eigenen Angaben über 13.000 Mitglieder.[24]

Mitgliederentwicklung 1935 - 2012[25]
1935 1949 1993 2000 2012
Studierende 1.408 1.546 1.954 1.839 2.018
Alte Herren 3.252 3.939 9.144 9.424 9.891
TOTAL 4.660 5.485 11.098 11.263 11.909

Von März bis April 2015 standen nach Angaben des ÖCV 24 Eintritte, 30 Austritte und 34 Todesfälle von Mitgliedern gegenüber.[26] Von September bis Oktober 2015 standen 41 Eintritte, 22 Austritte und 44 Todesfälle von Mitgliedern gegenüber.[27]

Prinzipien und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Mitglieder der Studentenvereinigungen im ÖCV sollen sich an vier sogenannte Prinzipien halten: Katholizität (Religio), Wissenschaftlichkeit (Scientia), Lebensfreundschaft (Amicitia) und Vaterlandsliebe (Patria).[28] Diese vier Prinzipien sind nochmals explizit in den Satzungen der meisten Mitgliedsverbindungen festgehalten.

Nach eigenen Angaben fördert der Cartellverband die akademische Ausbildung und das akademische Leben. Die Mitglieder der Vereinigungen, die im Cartellverband zusammengeschlossen sind, sind Katholiken und sollen sich in Kirche, Staat, Gesellschaft, Hochschulen und Universitäten engagieren. Der CV als Organisation und die Mitglieder der in ihm organisierten Vereinigungen sollen die Gesellschaft im gemeinsamen, zusammenwachsenden Europa im Sinne der christlichen Grundwerte gestalten.

Aufnahme von Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Mitgliedsverbindungen des ÖCV werden keine Frauen aufgenommen. Es gab und gibt jedoch Ansätze, diese Beschränkung aufzuweichen.

Die Wiener Verbindung K.a.V. Norica hat im Jahr 1996 auf einem Cumulativconvent (Vollversammlung), an der über 400 Mitglieder teilnahmen, die Aufnahme von Frauen als Vollmitglieder beschlossen. In der Folge wurden eine Reihe von Mitgliedern der K.a.V. Norica Nova in die Norica aufgenommen. Das Oberste CV-Gericht hat diese Beschlüsse jedoch kurze Zeit später als nicht mit dem ÖCV-Recht vereinbar aufgehoben. Trotzdem wird von der Norica nach wie vor de facto ein gemeinsames Verbindungsleben mit der (weiblichen) Norica Nova gelebt, lediglich formale Beschlüsse werden von gesonderten Organen gefasst.

Die AV Austria Innsbruck hatte bereits im Wintersemester 1977/78 den Versuch gestartet, Studentinnen als vollberechtigte Mitglieder aufzunehmen. Dazu gab es die Rechtskonstruktion des „Verein der Freunde der AV Austria“, dem Frauen und auch Protestanten beitreten durften. Im täglichen Verbindungsleben waren die Frauen gleichberechtigt: Sie wurden rezipiert, durchliefen die Fuchsenzeit, absolvierten die Burschenprüfung und wurden geburscht. Sie hatten Sitz und Stimme am „Gesamtconvent“ (GC). Sobald der Gesamtconvent geschlossen war, eröffnete der amtierende Senior den Burschenconvent (BC), der alle Beschlüsse des GC neuerlich beschloss, so dass sie in Verbindungsrechtskraft traten. Frauen wurden etwa vier Jahre lang aufgenommen, bis dann im Sommersemester 1983 die Spannungen innerhalb der Aktivitas derart überhandnahmen, so dass diese austraten und das Experiment scheiterte.

Neben der K.a.V. Norica arbeiten auch einige andere ÖCV Verbindungen eng mit Frauen- bzw. Damenverbindungen zusammen. So teilen etwa die K.H.V. Babenberg Wien und die K.Ö.H.V Rugia jeweils ihre Buden mit den beiden Damenverbindungen C.St.V. Salia – Babenberg und C.Ö.St.V. Arcadia Wien.

In den 90er Jahren gab es Bestrebungen, den Verband gemischtgeschlechtlich zu gestalten. Es fand sich auch eine Mehrheit innerhalb der Altherrenschaft, jedoch zogen es die aktiven Burschen und Mädchen vor, getrennt zu bleiben und zwei protokollarisch gleichrangige Verbände innerhalb des Europäischen Kartellverbandes zu bilden. Durch das schiere Überwiegen des Männeranteils hätten die Frauen weniger zu bestimmen gehabt, ebenso wurden drohende Beziehungsprobleme befürchtet.

Wahlspruch, Wappen und Bundeslied[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahlspruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wahlspruch des ÖCV (wie auch des deutschen CV) geht zurück auf ein Werk des kroatischen Bischofs Markantun de Dominis und lautet: In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas („Im Notwendigen herrsche Einmütigkeit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem aber die Nächstenliebe“).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen des Cartellverbandes wurde angenommen auf die Cartellversammlung zu Innsbruck 1925, und wurde im Jahre 1921 von Joseph Weiß (Aenania München) entworfen und von Philipp Schumacher (AV Austria Innsbruck) gestaltet.

Blasonierung des Wappens:

Der Schild ist geteilt in Gold und Rot; In Gold ein wachsender schwarzer Adler mit weißem Brustschild, darin in Rot das alte Christuszeichen; In Rot auf grünem Hügel ein weißer Zinnenturm, beseitet von zwei goldenen Sternen.

Stechhelm, daraus wachsend ein Scholar mit grünem Gewand mit weißem Göller und goldenen Besatz. Er trägt an der Rechten das Pennale, an der Linken das Rapier. Der Scholar hält in der Rechten die weiße CV-Fahne mit dem alten CV-Abzeichen im Eck (goldenes Kreuz mit rotem Herzschild, worin das schwarze CV, umgeben von grünem Kranze) und in der Linken ein rotes, goldbeschlagenes Buch.

Decken: links grün-silber; rechts rot-gold. Das Ganze ist umschlungen von einem weißen Band mit dem Wahlspruch des CV in schwarzer Fraktur „In necessariis unitas, in dubis libertas, in omnibus caritas“.

Bundeslied[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bundeslied des Cartellverbandes ist Auf des Glaubens Felsengrunde und wurde von Peter Diem, Mitglied der K.Ö.St.V. Rudolfina Wien, geschrieben.

Mitgliedsverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine aktuelle Liste aller Mitgliedsverbindungen, nach Städten gegliedert, ist hier zu finden: Liste der Mitgliedsverbindungen des ÖCV.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ÖCV verleiht als Auszeichnungen für Verdienste um den Verband und seine Prinzipien:

Prominente Mitglieder von ÖCV-Verbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Aufzählung bekannter Cartellbrüder mit eigenem Wikipedia-Eintrag findet sich in der Kategorie:Korporierter im CV

Immer wieder waren und sind Mitglieder von ÖCV-Verbindungen in hohen politischen und wirtschaftlichen Funktionen tätig bzw. bekleiden höhere Ämter in Österreich:

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaft und Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verhältnis zu Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie die meisten Studentenverbindungen und wird auch der ÖCV dafür kritisiert, dass er eine ausschließlich aus Männern bestehende Organisation ist. Obwohl die Verbindungen des ÖCV eigenen Angaben zufolge gute Kontakte zu Frauenverbindungen haben, dürfen diese dem Verband nicht beitreten.[29][30]

Abtreibungsfrage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 2004 veröffentlichte der ÖCV eine Stellungnahme zur Verfassungsreform, demzufolge die Straflosigkeit von Abtreibungen ohne Indikation (z. B. medizinisch) in Österreich ausgesetzt werden sollte. Der ÖCV sieht sich darin konform mit den Lehren der katholischen Kirche. Dieser Vorstoß wurde von Frauenorganisationen, der Katholischen Aktion sowie Politikern von SPÖ, ÖVP und den Grünen kritisiert.[31][32]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Florian Werr: Geschichte des Cartell-Verbandes der katholischen deutschen Studenten-Verbindungen. Paderborn 1890
  • Florian Werr: Geschichte des CV. 2. Auflage. Berlin 1900
  • Hermann Josef Wurm: Handbuch für den Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen. 2. Auflage. Berlin 1904
  • Josef Weiss: An der Wiege der katholischen deutschen Studentenverbindungen. Neues von der Bonner Union 1847–53–55, Gesellschaft für CV Geschichte, München 1930 (Der Weisse Turm 1)
  • Engelbert Siegl: Satzung und Cartell-Ordnung des ÖCV, Wien 1933
  • Peter Stitz: Der akademische Kulturkampf um die Daseinsberechtigung der katholischen Studentenkorporationen in Deutschland und in Österreich von 1903 bis 1908. Gesellschaft für CV Geschichte, München 1960 (Der Weisse Turm 3)
  • Ernst Lodermeier: Geschichte des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen. 3. Auflage. München 1960
  • Peter Stitz: Der CV 1919–1938: der hochschulpolitische Weg des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) vom Ende des 1. Weltkrieges bis zur Vernichtung durch den Nationalsozialismus. Gesellschaft für CV-Geschichte, München 1970 (Der Weisse Turm 4)
  • Gerhard Popp: CV in Österreich 1864–1938. Hermann Böhlau, Wien 1984, ISBN 3-205-08831-X
  • Österreichischer Verein für Studentengeschichte (Hrsg.): Farben tragen – Farbe bekennen 1938–1945 – Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Wien 1988
  • Friedhelm Golücke: Das Schrifttum des CV und des ÖCV 1844–1980. Eine Bibliographie. Würzburg 1982, ISBN 3-923621-00-0.
  • Gesellschaft für Studentengeschichte und Studentisches Brauchtum e.V. (Hrsg.), CV-Synopse – Synoptische Darstellung der Deutschen Geschichte und der CV-Geschichte von 1815–1955. München 1993
  • Siegfried Schieweck-Mauk: Lexikon der CV- und ÖCV-Verbindungen. Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte, Würzburg 1997, ISBN 3-89498-040-0
  • Siegfried Schieweck-Mauk: „Durchhalten, so lange es geht!“ – Der CV und seine Verbindungen in der NS-Zeit, in: Alcimonen-Blatt (Eichstätt) 17/1997, S. 56–75 [= Vortrag, gehalten am 12. Oktober 1997 bei der Studentenhistorikertagung in Würzburg]; ähnlich in: Globulus 5 (1997), S. 76–86 [abgeändert für eine koprationsfremde Leserschaft]; auch ähnlich: »Durchhalten, solange es geht!« - Ein katholischer Studentenverband im Dritten Reich: Der „CV“, in: GDS-Archiv 4 (1998), S. 53–67
  • Gesellschaft für Studentengeschichte und Studentisches Brauchtum e.V. (Hrsg.), CV-Handbuch. 2. Auflage. Regensburg 2000, ISBN 3-922485-11-1
  • Stephan Neuhäuser: Wer wenn nicht wir? – 1934 begann der Aufstieg des CV. In: Wir werden ganze Arbeit leisten – Der austrofaschistische Staatsstreich 1934. BoD, Norderstedt 2004, ISBN 3-8334-0873-1
  • Gerhard Hartmann: Für Gott und Vaterland – Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Lahn-Verlag, Wien 2006, ISBN 3-7840-3362-8
  • Gerhard Hartmann: Der CV in Österreich – Seine Entstehung, Geschichte und Bedeutung. Lahn-Verlag, Wien 2011 (4. Auflage), ISBN 3-7840-3498-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Harald Lönnecker: Die Versammlung der „besseren Nationalsozialisten“? Der Völkische Waffenring (VWR) zwischen Antisemitismus und korporativem Elitarismus. In: burschenschaftsgeschichte.de. 2003, S. 7 (PDF; 260 KB)
  2. Peter Stitz: Der CV 1919–1938: der hochschulpolitische Weg des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) vom Ende des 1. Weltkrieges bis zur Vernichtung durch den Nationalsozialismus. München 1970, S. 45
  3. Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. Band 2/1, Walter de Gruyter: 2009 S. 158
  4. Krauland-Prozess: Auspacken in Österreich, Der Spiegel, 5/1954, 27. Jänner 1954
  5. „Haben eine lange Kontinuität des Antisemitismus“, Der Standard, 17. März 2013
  6. Gerhard Popp: CV in Österreich, 1864–1938: Organisation, Binnenstruktur und politische Funktion, Böhlau, Wien Köln Graz 1984, ISBN 3-205-08831-X, S. 149
  7. Gesellschaft für Studentengeschichte und Studentisches Brauchtum e.V. (Hrsg.): „CV-Handbuch“; Regensburg 2000; S. 73
  8. Stephan Neuhäuser: Wer Wenn nicht Wir? 1934 begann der Aufstieg des CV. S. 122. Erschienen in: Stephan Neuhäuser (Hrsg.): Wir werden ganze Arbeit leisten – der Austrofaschistische Ständestreich 1934.
  9. Maren Seeliger: Scheinparlamentarismus im Führerstaat: „Gemeindevertretung“ im Austrofaschismus und Nationalsozialismus ; Funktionen und politische Profile Wiener Räte und Ratsherren 1934–1945. LIT: 2010, S. 278
  10. Österreichische Hochschülerschaft: 60 Jahre Österreichische HochschülerInnenschaft (Memento vom 14. März 2013 im Internet Archive), Wien: 2006, S. 7
  11. Derek Hastings: Catholicism and the Roots of Nazism : Religious Identity and National Socialism. Oxford University Press: 2009, S. 133
  12. Stephan Neuhäuser: Wer Wenn nicht Wir? 1934 begann der Aufstieg des CV in: Stephan Neuhäuser (Hrsg.): Wir werden ganze Arbeit leisten – Der austrofaschistische Staatsstreich 1934, S. 77
  13. Irene Ranzmaier: Germanistik an der Universität Wien zur Zeit des Nationalsozialismus: Karrieren, Konflikte und die Wissenschaft. Böhlau: 2005, S. 38
  14. Korporationsstudenten und Nationalsozialismus in Österreich. Eine quantifizierende Untersuchung am Beispiel der Universität Innsbruck 1918–1938, in: Michael Gehler/Dietrich Heither/Alexandra Kurth/Gerhard Schäfer (Hrsg.): Blut und Paukboden. Eine Geschichte der Burschenschaften, Frankfurt/Main 1997, S. 143
  15. Korporationsstudenten und Nationalsozialismus in Österreich. Eine quantifizierende Untersuchung am Beispiel der Universität Innsbruck 1918–1938, in: Michael Gehler/Dietrich Heither/Alexandra Kurth/Gerhard Schäfer (Hrsg.): Blut und Paukboden. Eine Geschichte der Burschenschaften, Frankfurt/Main 1997, S. 147
  16. Korporationsstudenten und Nationalsozialismus in Österreich. Eine quantifizierende Untersuchung am Beispiel der Universität Innsbruck 1918–1938, in: Michael Gehler/Dietrich Heither/Alexandra Kurth/Gerhard Schäfer (Hrsg.): Blut und Paukboden. Eine Geschichte der Burschenschaften, Frankfurt/Main 1997, S. 132
  17. Gerhard Hartmann, Der CV in Österreich, Lahn-Verlag, Limburg-Kevelaer 2001, Seite 175.
  18. Gernot Stimmer: Eliten in Österreich 1848–1970. (Studien zu Politik und Verwaltung Band 57), ISBN 3-205-98587-7 Böhlau: 1997 S. 967
  19. Wolfgang C. Müller: Die österreichische Volkspartei. In: Dachs, Gerlich, Gottweis, Kramer, Lauber, Müller, Tálos (Hrsg.): Politik in Österreich. Manz, Wien 2006, S. 352.
  20. Bekenntnis zur Republik spaltet Cartellverband, in: Der Standard, 5. Juli 2002
  21. Bauernbund, Jungrote und CV: Wie Minister ihr Parteiumfeld fördern, Oberösterreichische Nachrichten, 3. Februar 2012
  22. Berlakovich stützt Bauernbund mit zwei Millionen Euro, Der Standard, 31. Jänner 2012
  23. Beantwortung der parlamentarischen Anfrage Nr. 10018/J vom 30. November 2011
  24. ÖCV: Ein Kreuz ist kein Kopftuch. In: ots.at. (ots.at [abgerufen am 9. März 2017]).
  25. Die Entwicklung nach 1945. Abgerufen am 9. März 2017.
  26. Academia Intern 3/2015
  27. Academia Intern 5/2015
  28. Die Prinzipien des CV und seiner Verbindungen auf der Homepage des Verbandes. Abgerufen am 10. April 2016
  29. Cartellverband : Zwischen Dollfuß und dem lieben Gott diepresse.com, abgerufen am 15. Mai 2011
  30. Geiste „Cato“, „Bärli“ und „Django“: Katholische Brüder im Geiste, Artikel des Standard vom 7. Juni 2011
  31. Rauch-Kallat lehnt Abtreibungsverbot ab, Artikel des Standard vom 7. April 2004
  32. Männer denken über Abtreibung nach, Artikel des Standard vom 9. April 2004