Zuoz

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Zuoz
Wappen von Zuoz
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden GR
Region: Malojaw
Kreis: Oberengadin
BFS-Nr.: 3791i1f3f4
Postleitzahl: 7524
Koordinaten: 793239 / 164077Koordinaten: 46° 36′ 0″ N, 9° 57′ 40″ O; CH1903: 793239 / 164077
Höhe: 1'716 m ü. M.
Fläche: 65,79 km²
Einwohner: 1244 (31. Dezember 2014)[1]
Einwohnerdichte: 19 Einw. pro km²
Website: www.zuoz.ch
Zuoz

Zuoz

Karte
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Über dieses Bild
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Zentraler Dorfplatz, besonders bedeutend für die Engadiner Theatergeschichte

Zuoz ( [tsuə̯ts]?/i, dt. veraltet: Zutz od. Zuz) ist eine politische Gemeinde im Kreis Oberengadin, in der Region Maloja des Kantons Graubünden in der Schweiz. Zuoz ist Zentrum der historischen Landschaft La Plaiv.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Schwarz ein silbernes (weisses) Schwert mit goldenem (gelbem) Griff, gekreuzt mit einem goldenen Bischofsstab, überhöht von einer goldenen Krone.

Das Wappen basiert auf dem alten Siegel der Gemeinde, das den heiligen Luzius mit Krone und Zepter zeigt. Statt der Figur wurden Krone und Bischofsstab, die Attribute des Heiligen, als Zeichen seiner Doppelstellung als König und Bischof, gewählt, während das Schwert auf die alte Gerichtstradition des Ortes hinweist.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner sprechen überwiegend Puter (ein Idiom des Rätoromanischen) und Deutsch (Bündner Dialekt). Hinzu kommen Italienisch und Portugiesisch, Sprachen der in Zuoz wohnhaften Zuwanderer. Bis weit ins 19. Jahrhundert sprachen alle Einwohner romanisch. 1880 waren es noch 85 %, 1910 und 1941 56 %. 1970 und 1980 hatte die Gemeinde nur noch eine (relative) romanischsprachige Mehrheit (1970: 469 von 1165 Einwohnern = 40 %; 1980: siehe unten). Seit den 1980er-Jahren gewinnt Deutsch immer mehr an Boden.

Sprachen in Zuoz GR
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 457 38,53 % 547 45,62 % 720 53,22 %
Rätoromanisch 461 38,87 % 407 33,94 % 349 25,79 %
Italienisch 183 15,43 % 144 12,01 % 133 9,83 %
Einwohner 1186 100 % 1199 100 % 1353 100 %

Da dank Schule und Gemeinde noch 46 % der Einwohner Romanisch sprechen können, ist es einzige Amtssprache. Inoffiziell hat das Deutsche allerdings den gleichen Status.

Religionen und Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1554 traten die Bewohner des Orts zum protestantischen Glauben über.

Herkunft und Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Ende 2005 in Zuoz lebenden 1263 Bewohnern waren 900 (= 71 %) Schweizer Staatsangehörige.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Hügel Chastlatsch (1.848 müM) war ein spätbronzezeitlicher und eisenzeitlicher Siedlungsplatz in der Laugen-Melaun-Kultur. Zuoz war wahrscheinlich spätrömischer und frühmittelalterlicher Etappenort im alpinen Wegnetz.

Der Bischof von Chur besass im Mittelalter den Hof Dorta (heute ein Dorfteil) und die Landeshoheit im Oberengadin. 1137-1139 erwarb er weiteren Grundbesitz, einen Grosshof und der Kirche St. Luzi (der Grosspfarrei La Plaiv) der süddeutschen Grafen von Gamertingen. Die Pfarrkirche St. Luzi wurde um 1200 neu gebaut, wovon heute Schiff und Unterteil des Turms erhalten geblieben sind. Bischof Volkart ernannte 1244 Andreas Planta von Zuoz zum Kanzler des Oberengadins und begründete damit die Vormachtstellung der Familie Planta, die bis 1798 andauerte. Nach 1288 lag auch die niedere Gerichtsbarkeit im Oberengadin bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts in den Händen dieses Churer Ministerialengeschlechts. 1367 erfolgte der Beitritt zum Gotteshausbund durch den Ammann Thomas Planta (Oberengadiner Gemeindesiegel). Die dauernden Auseinandersetzungen mit Samedan führten 1438 zur Zweiteilung der Gerichtsgemeinde Oberengadin - nicht aber des Hochgerichts - in die Gerichte Sur Funtauna Merla und Suot Funtauna Merla; letzteres entsprach der Pfarrei La Plaiv. Die erste Verfassung der Gerichtsgemeinde ist datiert von 1462. Der Verkauf der letzten bischöflichen Einkünfte an die Gemeinde erfolgte 1492. Die Pfarrkirche St. Luzi wurde 1507 spätgotisch umgebaut, die 1438 erweiterte Zweitkirche S. Caterina 1509. 1526 verlor der Bischof gemäss den Ilanzer Artikeln seine Hoheitsrechte. Im Schwabenkrieg zündeten die Einwohner ihren stadtähnlichen Flecken an, um den Feind zum Rückzug zu zwingen. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts setzte die Kommunalisierung ein und S-chanf (1518), La Punt-Chamues-ch (1528) und Madulain (1534) lösten sich.

Der einheimische Humanist Gian Travers war der erste politische Publizist, der sich von 1527 an in der Oberengadinischen Sprache, dem Puter, verlauten liess und auch schriftstellerisch als Dramenschreiber tätig war. 1534 wurde auf dem Dorfplatz in Zuoz sein Theaterstück «La Histoargia dal bio patriarch Josef» (= Die Lebensgeschichte des Patriarchen Josef) uraufgeführt.[2] Erst 1554 trat Zuoz zur Reformation über, Ulrich Campell aus Susch war der erste evangelisch-reformierte Pfarrer. Handel, Transport und die Eroberung des Veltlins 1512 führten zu einer wirtschaftlichen und geistigen Blüte, die sich in der Gründung einer Lateinschule, den erwähnten Anfängen einer rätoromanischen Schriftsprache, im religiösen und profanen Theater und im Chorgesang manifestierte. Bauliches Abbild dieser Entwicklung waren die massiven Herren- und Bürgerhäuser, die gleichzeitig Bauernhöfe blieben. Neben den altadeligen Familien von Planta, von Juvalta und Salis bildete sich im eine neue, teilweise vom Kaiser geadelte und durch Handel und politische Ämter reich gewordene Führungsschicht heraus mit den Namen Travers, Schucan, Raschèr, Jecklin, Wietzel, Danz und Geer.

Unter den Bündner Wirren 1618-1639 litt Zuoz wenig, danach setzte eine wirtschaftlich bedingte Auswanderung ein. Infolge des Verlusts des Veltlins und der Aufhebung der politischen Vorrechte 1798 entwickelte sich Zuoz zum einfachen Bauerndorf zurück.

Schon vor dem Ausbau der Talstrasse, der 1836 begann, waren die Wegverhältnisse im Oberengadin recht gut, aber erst die Fahrstrassen über den Albulapass und den Flüelapass förderten den Aufschwung. 1903 erfolgte der Anschluss an die Rhätische Bahn (RhB) in Bever, 1913 wurde die Strecke Bever-Zuoz-Scuol eröffnet. Seit 1900 entwickelte sich das Dorf mit dem Bau von Hotels und der Umgestaltung des ehemaligen Ratswirtshauses zu einem Kleinhotel zum Luftkurort und wirtschaftlichen Zentrum. Mit der Gründung des Lyceum Alpinum 1904, der Eröffnung der Hygienischen Schule Bellaria 1909 und der gemeinsamen Sekundarschule für die Plaiv wurde das Dorf zum regionalen Schulzentrum. Weitere Hotels, Ferienhäuser und Skilifts wurden seit den 1950er Jahren gebaut und der Fremdenverkehr gewann zunehmend an Bedeutung und ist inzwischen der wichtigste Erwerbszweig. Die bis anhin dominierende Landwirtschaft erfuhr im Zuge ihrer Mechanisierung eine starke Reduktion der Betriebe und ihre Aussiedlung an den Dorfrand. Leere Stallscheunen wurden unter Wahrung des historischen Dorfbildes zu Wohnungen umfunktioniert. Allen seit mehr als fünfzig Jahren ansässigen Familien wurde 1980 das Gemeindebürgerrecht verliehen.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Piazzet, Zuoz mit Oberem Plantahaus links
Planta-Haus Zuoz
Chesa Rageth Zuoz GR
  • Zuoz gilt als eines der Dörfer mit dem besterhaltenen Dorfkern und zahlreichen guterhaltenen Gebäuden aus dem 16. Jahrhundert und früher.
  • Im Zentrum des Dorfes steht die reformierte Kirche San Luzi. Gottesdienstlich nur noch selten genutzt wird die romanische Kirche San Bastiaun.
  • In Zuoz findet sich mit Café Badilatti die höchstgelegene Kaffeerösterei Europas.[4]

Bedeutsam sind noch:

  • Katholische Kapelle St. Katharina und Barbara[5]
  • Oberes Planta-Haus[6]
  • Unteres Plantahaus[7]
  • Wohnhaus Tschudi[8]
  • Chasté Sur En[9]
  • Chesa 'Am Lärchenhang'[10]
  • Chesa Borchert, in Brünaida[11]
  • Chesa Chastlatsch und Renovation Hotel Castell, 2004, Architekten: Ben van Berkel, Walter Dietsche, Hans-Jörg Ruch[12]
  • Chesa Madalena, 2002, Architekt: Hans-Jörg Ruch[13]
  • Dorfturm (heute Kreisarchiv)[14]
  • Haus Poult[15]
  • Hotel Crusch Alva (Weisses Kreuz)[16]
  • Hotel Castell, in Brunaida[17]
  • Innbrücke[18]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Travers (1483–1563), Jurist und Bündner Landeshauptmann, Heerführer, Wegbereiter und Mitbegründer der rätoromanischen Sprache im Oberengadin
  • Ulrich Campell (1510–1582), Reformator, Chronist und Kirchlieddichter, 1554–1556 evangelisch-reformierter Pfarrer in Zuoz
  • André Gorz (1923–2007), 1939–1941 Student in Zuoz

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuoz ist heute ein wichtiger Tourismusort und liegt an der Strecke des Engadiner Skimarathon. Zuoz hat fünf Skiliftanlagen und einen Golfplatz. Zahlreiche Einrichtungen für andere Sportarten werden angeboten.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuoz ist auch bekannt für das Lyceum Alpinum Zuoz, ein Internat für 11 bis 20 Jahre alte Jungen und Mädchen mit einem hohen Anteil an ausländischen Schülern.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Von Zuoz nach Peking. Nachrichten aus dem globalen Dorf. Reportage, Schweiz, 30 Min., 2008, Regie: Christoph Müller, Produktion: SF, Reihe Reporter, Erstsendung: 6. Februar 2008

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erwin Poeschel:Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden III. Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1940. DNB 760079625.

Zuoz. Das Dorf, die Häuser und ihre früheren Bewohner, Diego Giovanoli (Verfasser) mit einem famiiengeschichtlichen Exkurs von Paolo Boringhierei, Chur 2005.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zuoz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Constant Wieser: Travers, Johann im Historischen Lexikon der Schweiz
  3. Constant Wieser: Zuoz im Historischen Lexikon der Schweiz
  4. OSEC
  5. Katholische Kapelle St. Katharina und Barbara
  6. Oberes Planta-Haus
  7. Unteres Plantahaus
  8. Wohnhaus Tschudi
  9. Chasté Sur En
  10. Chesa 'Am Lärchenhang'
  11. Chesa Borchert
  12. Chesa Chastlatsch und Renovation Hotel Castell
  13. Chesa Madalena
  14. Dorfturm (heute Kreisarchiv)
  15. Haus Poult
  16. Hotel Crusch Alva (Weisses Kreuz)
  17. Hotel Castell
  18. Innbrücke