Hans Lenk (Philosoph)

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Hans Lenk (* 23. März 1935 in Berlin) ist Professor Emeritus am Institut für Philosophie an der Universität Karlsruhe und Olympiasieger im Rudern.

Leben[Bearbeiten]

Lenk studierte Mathematik, Philosophie, Soziologie, Sportwissenschaft, und Psychologie in Freiburg im Breisgau und Kiel. Er war zudem Ruderer (Ratzeburger Ruderclub), wurde zweimal Europameister, viermal Deutscher Meister und gewann bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom mit dem von Karl Adam trainierten Deutschlandachter die Goldmedaille. In den 60er Jahren war er dann in Berlin selbst als Amateur-Rudertrainer tätig und errang als Trainer eine Weltmeisterschaft (Achter 1966).

Nach seiner Habilitation (in Philosophie und Soziologie) an der TU Berlin lehrte Lenk zunächst in Berlin, bis er 1969 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Karlsruhe folgte. Lenk wurde 1981 in die National Academy of Kinesiology, 1995 in die Internationale Akademie für Philosophie der Wissenschaften und 2003 in die Russische Akademie der Wissenschaften berufen. Nach seiner Präsidentschaft der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie in Deutschland (1990–1993) wurde er Vorstandsmitglied der Weltgesellschaft für Philosophie FISP (1993–2008) und war deren Vizepräsident (1998–2003). 2005 wurde Lenk als erster Deutscher zum Präsidenten des Institut International de Philosophie (der „Weltakademie der Philosophie“) gewählt.

Neben Fragen der angewandten Philosophie (Wissenschaftstheorie, Moral-, Technik-, Sozial-, Sport- und Wirtschaftsphilosophie) lag ein Schwerpunkt von Lenks Philosophie in der Theorie der Interpretationskonstrukte. Hiernach haben wir immer nur mittels Interpretationen Zugang zur Welt, es gibt keine nichtinterpretative Beschreibung der Welt. Die Interpretation geschieht immer durch so genannte Schemata, die formierende Grundlage unserer Erkenntnis und Handelns sind. Diese Unhintergehbarkeit der Interpretation führt nach Lenk jedoch zu keinem Relativismus, sondern zu einem eingeschränkten, pragmatischen Realismus. Lenks „schema-interpretationistischer Realismus“ hat Parallelen mit Hilary Putnams Konzeption des internen Realismus und Röds „problematistischer Transzendentalphilosophie“, ist aber stärker psychologisch und neurowissenschaftlich orientiert.

Lenk hat auch Bücher zur Sozialphilosophie, Philosophie des Geistes und der Wissenschaftstheorie geschrieben. Seine Publikationsliste umfasst über 140 Bücher (ca. 30 zum Sport) und insgesamt über 3000 Titel.[1] 2013 erschien sein autobiografisches Werk Ratzeburger Goldwasser – vom Lago Albano bis Lambarene, in dem er auf sein Leben als Sportler und Geisteswissenschaftler zurückblickt.

Lenk ist neben vielen Auszeichnungen Träger des erstmals 2010 verliehenen DOSB-Ethikpreises, eine Ehrung, die besondere Verdienste um die Förderung der ethischen Werte im Sport würdigt.[2] 2012 wurde Hans Lenk in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

Schriften[Bearbeiten]

Zu seinen wichtigsten Werken zählen die Bücher:

Neuere Veröffentlichungen:

  •  Bewusstsein als Schemainterpretation. Mentis, Paderborn 2004, ISBN 3-89785-372-8.
  •  Verantwortung und Gewissen des Forschers. Studienverlag, Innsbruck 2006, ISBN 3-7065-4211-0.
  •  Das flexible Vielfachwesen. Einführung in die moderne philosophische Anthropologie zwischen Bio-, Techno- und Kulturwissenschaften. Velbrück Wiss., Weilerswist 2010, ISBN 978-3-938808-59-7.
  •  Kreative Pluralität. Anthropologische Perspektiven. Projektverlag, Bochum/Freiburg 2013, ISBN 978-3-89733-284-3.
  •  Ratzeburger Goldwasser – vom Lago Albano bis Lambarene. Projektverlag, Bochum/Freiburg 2013, ISBN 978-3-89733-290-4.
  •  (zus. mit Gregor Paul) Transkulturelle Logik – Universalität in der Vielfalt. Projektverlag, Bochum/Freiburg 2014, ISBN 978-3-89733-346-8.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Silbernes Lorbeerblatt des Bundespräsidenten 1959, 1960
  • Wiss. Diem-Plakette 1962
  • Sievert-Preis (Olympian International) 1972/3
  • Noel Baker Research Prize (UNESCO) 1978
  • Outstanding Academic Book Award (USA) 1979
  • Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 4. Oktober 2005
  • Acht Ehrendoktor-Titel (Moskau, Budapest, Pecs, Rostov/Don, Córdoba/Arg., DSHS Köln)
  • Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften
  • DOSB-Ethikpreis, 2010

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hans Lenk: Kreativität, Leistung und Motivation. In: Christian Julmi (Hrsg.): Gespräche über Kreativität. Projektverlag, Bochum/Freiburg 2013, S. 74.
  2. DOSB-Ethikpreis an Prof. Dr. Hans Lenk.