Heinrichit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Heinrichit
Heinrichite.JPG
Heinrichit aus dem Schmiedestollen, Wittichen (Bildbreite: 4 mm)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen
  • Arsenouranocircit
  • Uranosandbergit
Chemische Formel Ba(UO2)2(AsO4)2·10H2O[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
8.EB.05 (8. Auflage: VII/E.01)
40.02a.04.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m[2]
Raumgruppe (Nr.) P2/c[3] (Nr. 13)
Gitterparameter a = 7,1548 Å; b = 7,1340 Å; c = 21,290 Å
β = 104,171°[3][2]
Formeleinheiten Z = 2[3][2]
Häufige Kristallflächen {001}, {100},{110}[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5
Dichte (g/cm3) gemessen: nicht definiert; berechnet: 3,61[4]
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}, deutlich nach {100}[4]
Bruch; Tenazität spröde
Farbe gelb bis gelbgrün
Strichfarbe hellgelb, fast weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz bis Perlmuttglanz
Radioaktivität mittelstark alphastrahlend
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,605
nε = 1,573[5]
Doppelbrechung δ = 0,032[5]
Optischer Charakter einachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten giftig
Besondere Merkmale fluoreszierend

Heinrichit (auch Arsenouranocircit oder Uranosandbergit) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Er kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Ba(UO2)2(AsO4)2·10H2O[1], ist also chemisch gesehen ein wasserhaltiges Barium-Uranyl-Arsenat.

Heinrichit entwickelt meist durchsichtige bis durchscheinende Kristalle, aber auch blättrige Aggregate von gelber bis gelbgrüner Farbe und hellgelber bis fast weißer Strichfarbe. Auf den Kristallflächen zeigt sich ein glas- bis perlmuttähnlicher Glanz.

Mit einer Mohshärte von 2,5 gehört Heinrichit zu den weichen Mineralen, das sich entweder mit dem Fingernagel oder mit einer Kupfermünze ritzen lässt.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals gefunden wurde Heinrichit 1958 in der „White King Mine“ in Lakeview (Lake County, Oregon, Vereinigte Staaten). Da zur Bestimmung des Minerals aber auch Proben aus der „Grube Anton“ im wittichener Heubachtal (Baden-Württemberg) herangezogen wurden, gilt auch dieser Ort als Typlokalität.

Wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral noch im Fundjahr durch E.B. Gross, A.S. Corey, R.S. Mitchell und K. Walenta, die es zu Ehren des US-amerikanischen Mineralogen und Professors der University of Michigan, Eberhardt William Heinrich (1918–1991), nach diesem benannten.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber immer noch gebräuchlichen 8. Auflage der Systematik der Minerale nach Strunz gehörte der Heinrichit noch zur allgemeinen Abteilung der „Uranylphosphate/Arsenate und Uranylvanadate“, wo er zusammen mit Autunit, Fritzscheit, Kahlerit, Nováčekit, Sabugalit, Saléeit, Torbernit, Trögerit, Uranocircit, Uranospinit und Zeunerit die „Autunit-Gruppe“ mit der System-Nr. VII/E.01 bildete.

Seit der 2001 erfolgten Neustrukturierung der Strunz'schen Mineralsystematik in der 9. Auflage ist diese Abteilung allerdings neu definiert und präziser unterteilt nach der chemischen Zusammensetzung. Entsprechend findet sich das Mineral nun in der Unterabteilung der „Uranylphosphate und Arsenate mit dem Stoffmengenverhältnis Uranoxidkomplex (UO2) : Phosphat- bzw. Arsenatkomplex (RO4) = 1 : 1 der Autunit-Familie mit [(UO2)-RO4]-Lagen“. Dort ist er ebenfalls in der „Autunitgruppe“ mit der System-Nr. 8.EB.05 und den weiteren Mitgliedern Autunit, Kahlerit, Kirchheimerit, Metarauchit (IMA 2008-050), Nováčekit-I und -II, Saléeit, Torbernit, Uranocircit-I und -II, Uranospinit, Xiangjiangit und Zeunerit.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Heinrichit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate, Vanadate“, dort allerdings in die Abteilung der Wasserhaltigen Phosphate etc., mit der allgemeinen Zusammensetzung A2+(B2+)2(XO4)·x(H2O), mit (UO2)2+, wo er zusammen mit Metaheinrichit die unbenannte Gruppe 40.02a.04 bildet.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrichit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P2/c (Raumgruppen-Nr. 13) mit den Gitterparametern a = 7,1548 Å; b = 7,1340 Å; c = 21,290 Å und β = 104,171°[6] sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle[2].

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der in der Verbindung enthaltenen Elemente Barium, Arsen und Uran ist Heinrichit hochgiftig, radioaktiv und krebserregend. Die spezifische Aktivität beträgt etwa 73,88 kBq/g[2] (zum Vergleich: natürliches Kalium 31,2 Bq/g).

Das Mineral fluoresziert unter langwelligem und kurzwelligem UV-Licht in einem kräftig grünen bis grünlichgelben Farbton.

An der Luft dehydratisiert Heinrichit sehr schnell zu Metaheinrichit.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paragenese von Heinrichit (grün) und Abernathyit (hellgelb) aus Riviéral, Lodève, Hérault, Languedoc-Roussillon, Frankreich (Sichtfeld: 3 mm)

Heinrichit bildet sich als Sekundärmineral in der Oxidationszone von Uran-Lagerstätten. Begleitminerale sind neben Metaheinrichite noch Arseniosiderit, Erythrin, Nováčekit, Pitticit, Uraninit und Zeunerit.

Weltweit konnte das Mineral bisher (Stand: 2010) an rund 20 Fundorten nachgewiesen werden: Bei Kruth, Ébreuil, Lodève und Guéret in Frankreich; Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen in Deutschland; im griechischen Attika; im spanischen Katalonien sowie neben seiner Typlokalität Oregon noch in Utah in den USA.[7]

Vorsichtsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da das Mineral hochgiftig, radioaktiv und krebserregend ist, insbesondere die beiden Stoffe Arsen und Uran reichern sich im Falle einer Aufnahme im Körper an, ist ein direkter Kontakt mit dem Mineral unbedingt zu vermeiden und nach Berührung die betroffenen Hautstellen gründlich zu waschen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b IMA/CNMNC List of Mineral Names - Heinrichite (englisch, 2009, PDF 1,8 MB; S. 117).
  2. a b c d Webmineral - Heinrichite (englisch)
  3. a b American Mineralogist Crystal Structure Database - Heinrichite (englisch, 2005).
  4. a b c Heinrichite, in: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 64,3 kB).
  5. a b Mindat - Heinrichite (englisch)
  6. American Mineralogist Crystal Structure Database - Heinrichite (englisch, 2005).
  7. Mindat - Localities for Heinrichit