Lodève

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Lodève
Wappen von Lodève
Lodève (Frankreich)
Lodève
Region Okzitanien
Département Hérault
Arrondissement Lodève
Kanton Lodève (Hauptort)
Gemeindeverband Lodévois et Larzac
Koordinaten 43° 44′ N, 3° 19′ OKoordinaten: 43° 44′ N, 3° 19′ O
Höhe 117–700 m
Fläche 23,17 km2
Einwohner 7.426 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 321 Einw./km2
Postleitzahl 34700
INSEE-Code

Lodève – Ortsansicht

Lodève ist eine südfranzösische Kleinstadt und eine Gemeinde (commune) mit 7.426 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Hérault in der Region Okzitanien. Der nationale Rat für Geschichts- und Kunststädte und -landschaften (Conseil National des Villes et Pays d'Art et d'Histoire) hat im Jahr 2006 der Stadt Lodève den offiziellen Titel Ville d’art et d’histoire („Stadt der Kunst und der Geschichte“) zuerkannt.

Lage und Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Altstadt von Lodève liegt zwischen den Flüssen Lergue und Soulondre, am Fuße des Causse du Larzac-Plateaus und der Montagne Noire in einer Höhe von ca. 165 m. Die in der Küstenebene des Mittelmeeres gelegenen Städte Montpellier, Sète, Agde und Béziers befinden sich im Umkreis von ca. 55 bis 65 km (Fahrtstrecke). Das vorherrschende Mittelmeerklima ist meist gemäßigt und warm; Regen (ca. 690 mm/Jahr) fällt überwiegend im Winterhalbjahr.[1]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1800 1851 1901 1954 1999 2016
Einwohner 7.449 11.238 8.200 6.626 6.900 7.426

Die Reblauskrise im Weinbau und der Niedergang der Textilindustrie waren die Hauptgründe für den Einbruch der Bevölkerungszahlen im frühen 20. Jahrhundert.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 18. und 19. Jahrhundert war – aufgrund der Schafzucht auf den Causses (Karst-Hochländern) – die Textilherstellung wichtigster Erwerbszweig. Hier wurden die Stoffe für die Armeen Napoleons gefertigt. Im 20. Jahrhundert war das Lodèver Becken bekannt für seine reichen Uranvorkommen. Der Abbau wurde inzwischen eingestellt; heute setzt die Stadt auf Zukunftstechnologien. Auch der Weinbau ist in der Umgebung mit recht guten Weinen vertreten (Coteaux du Languedoc, Montpeyroux, Saint-Saturnin, Clairette de Languedoc, Faugères).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Lodève

Lodève ist eine keltische Gründung. Zur Zeit der römischen Provincia Narbonnensis hieß die Stadt Forum Neronis; der Name Luteva ist jedoch wohl älter. Im späten 4. Jahrhundert wurde Lodève Sitz eines Bischofs (s. Liste der Bischöfe von Lodève). Vom 5.–8. Jahrhundert gehörte die Stadt zum Westgotenreich. Zwischen 725 und 745 fielen die Araber ein; später wurde die Gegend dem fränkischen Reich einverleibt.

Die Burgstelle der Burg Montbrun oberhalb der Stadt zeugt noch von der Bedeutung der Stadt als Sitz eines Vizegrafen. Dieser stand im ständigen Konflikt mit den Bischöfen, die schon früh die Herrschaft über die Stadt innehatten; es kam zu wiederholten (vergeblichen) Versuchen der Bürgerschaft, die bischöfliche Herrschaft abzuschütteln, doch ging die Vizegrafschaft im Hochmittelalter auf die Bischöfe über.

Im Hoch- und Spätmittelalter war Lodève ein wichtiges Etappenziel auf dem Jakobsweg, dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela (zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus), und zwar auf dessen südlichem Zweig, der Via Arelatensis oder Via Tolosana, die von Arles über Saint-Gilles, Saint-Guilhem-le-Désert, Lodève und Toulouse zum Somport-Pass in den Pyrenäen führte.

Im Hundertjährigen Krieg (1337–1453) wurde die Stadt von den Söldnertruppen des „Schwarzen Prinzen“ heimgesucht. In den Religionskriegen des 16. Jahrhunderts (Hugenottenkriegen) litt die Stadt unter den heftigen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten. Letztere beschädigten dabei unter anderem die dem heiligen Fulcran geweihte Kathedrale St-Fulcran de Lodève.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortszentrum mit Markthalle
  • Sehenswert ist vor allem die ehemalige Kathedrale und heutige Pfarrkirche St. Fulcran.
  • Die Église Saint-Pierre-aux-Liens ist ein Bau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
  • Von der mittelalterlichen Stadtmauer sind nur noch wenige Reste und ein Turm (Tour du Portalet) erhalten.
  • Der um die Mitte des 18. Jahrhunderts erbaute Bischofspalast (Palais épiscopal) beherbergt heute das Rathaus.
  • Die im 19. Jahrhundert erbaute Markthalle (halle) dient heute als Veranstaltungs- und Ausstellungsort.
  • Das Stadtmuseum (Musée de Lodève, ehemals Hôtel de Fleury) beherbergt vorgeschichtliche, antike und mittelalterliche Funde. Außerdem dient es für Ausstellungen moderner Kunst.
  • Mehrere ehemalige Stadtpalais bereichern das Ortsbild.
außerhalb

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernest Martin: Histoire de la ville de Lodève, 2 Bände., Montpellier: Serre et Roumégous, 1900
  • Andreas Curtius: Die Kathedrale von Lodève und die Entstehung der languedokischen Gotik, Hildesheim: Olms, 2002, ISBN 3-487-11486-0, 617 S., 588 Abb., 2 Falttaf., Quellenanhang, Bibliografie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lodève – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lodève – Klimatabellen