Heinz Bude

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Heinz Bude auf der Leipziger Buchmesse 2018

Heinz Bude (* 1954 in Wuppertal) ist ein deutscher Soziologe und Publizist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bude wuchs als Sohn eines Schreiners und einer Hausfrau in Wuppertal-Vohwinkel auf. Seine beiden Brüder wurden während des Krieges geboren,[1] er studierte als erstes Familienmitglied und bezeichnet sich als Bildungsaufsteiger.[2] Bude begann zunächst ein Studium der Katholischen Theologie an der Universität Tübingen. Anschließend studierte er Soziologie, Philosophie und Psychologie in Tübingen und an der Freien Universität Berlin. 1978 legte er dort die Diplomprüfung in Soziologie ab. Von 1978 bis 1983 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin, danach Projektmitarbeiter sowie Habilitationsstipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Ferner war er als selbstständiger Sozialforscher tätig. 1986 promovierte er mit einer Dissertation zur Wirkungsgeschichte der Flakhelfer-Generation an der FU Berlin zum Dr. phil. Die Dissertation wurde im Suhrkamp-Verlag veröffentlicht. 1994 habilitierte er sich für das Fach Soziologie mit einer Studie zur Herkunftsgeschichte der 68er-Generation.

Ab 1992 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung und leitete hier bis 2014 den Arbeitsbereich "Die Gesellschaft der Bundesrepublik". Bude vertrat Lehrstühle an der Freien Universität Berlin und an der Viadrina in Frankfurt/Oder und war 1996 Visiting Scholar am Center for European Studies der Cornell University. Seit 2000 lehrt er als Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel.[3]

Seine Arbeitsschwerpunkte sind Generations-, Exklusions- und Unternehmerforschung. Bude ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, in deren Vorstand er 2004 gewählt wurde und deren 33. Kongress mit dem Titel „Die Natur der Gesellschaft“ er im Oktober 2006 in Kassel mitorganisierte. Bude erhielt auf dem DGS-Kongress 2016 am 26. September den Preis der Deutschen Gesellschaft für Soziologie für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der öffentlichen Wirksamkeit der Soziologie. Die Laudatio hielt Georg Vobruba.[4]

Das Prinzip der Generationengerechtigkeit bezeichnete Bude als eine „unbrauchbare Formel“; es beruhe auf der naiven Unterstellung einer linearen Entwicklung der Welt.[5] Unter anderem die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen kritisierte diese Äußerungen.

Bude gehört zu den Initiatoren der Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union, die Ende November 2016 veröffentlicht wurde.

Zusammen mit seiner Frau, der Politologin Karin Wieland, und der Künstlerin Bettina Munk veröffentlichte er 2020 den Roman Aufprall über die West-Berliner Hausbesetzerszene.[6]

Mit seiner Frau hat er eine Tochter.[7][8] Er wohnt in Berlin-Weißensee.[9]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor:

  • Deutsche Karrieren. Lebenskonstruktionen sozialer Aufsteiger aus der Flakhelfer-Generation. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-11448-4.
  • Bilanz der Nachfolge. Die Bundesrepublik und der Nationalsozialismus. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-518-28620-X.
  • Die Soziologen der Bundesrepublik. In: Merkur 46 (1992), S. 569–580.
  • Peter Ludwig – im Glanz der Bilder. Die Biographie des Sammlers. Lübbe, Bergisch Gladbach 1993, ISBN 3-7857-0679-0.
  • Das Altern einer Generation. Die Jahrgänge 1938 bis 1948. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-518-58190-2.
  • Die ironische Nation. Soziologie als Zeitdiagnose. Hamburger Edition, Hamburg 1999, ISBN 3-930908-47-6.
  • Generation Berlin. Merve, Berlin 2001, ISBN 3-88396-166-3.
  • Die Ausgeschlossenen. Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft. Hanser, München 2008, ISBN 978-3-446-23011-8.
  • Bildungspanik. Was unsere Gesellschaft spaltet. Hanser, München 2011, ISBN 978-3-446-23761-2.
  • Gesellschaft der Angst. Hamburger Edition, Hamburg 2014, ISBN 978-3-86854-284-4.
  • Das Gefühl der Welt. Über die Macht von Stimmungen. Hanser, München 2016, ISBN 978-3-446-25065-9.
  • Anerkennung durch Differenz. Gastbeitrag (FAZ, September 2017, online).
  • Adorno für Ruinenkinder – Eine Geschichte von 1968. Hanser, München 2018, ISBN 978-3-446-25915-7.
  • Solidarität. Die Zukunft einer großen Idee. Hanser, München 2019, ISBN 978-3-446-26184-6.
  • mit Bettina Munk, Karla Wieland: Aufprall. Roman. Hanser, München 2020. ISBN 978-3-446-26766-4.[10]

Als Herausgeber:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Heinz Bude – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Podcast - Jakob Augstein im Gespräch mit Heinz Bude. Abgerufen am 27. November 2020.
  2. JAN FEDDERSEN / PETER UNFRIED: „Liebe Eltern, nun seid doch nicht so furchtbar aufgeregt!“ In: Die Tageszeitung: taz. 12. November 2011, ISSN 0931-9085, S. 30–31 (taz.de [abgerufen am 27. November 2020]).
  3. zur Person. heinzbude.de, abgerufen am 22. Juli 2018.
  4. Siehe http://kongress2016.soziologie.de/de/aktuelles.html.
  5. Heinz Bude: Generationengerechtigkeit?, in: Lettre International, Heft 100 / Frühjahr 2013, Seite 21–22 (online in Auszügen)
  6. Heinz Bude / Bettina Munk / Karin Wieland: Aufprall. Roman. Abgerufen am 27. November 2020.
  7. Heinz Bude im Interview mit Jan Feddersen: „Wir rennen los, aber wissen nicht, wohin“. Alles ist möglich! Die Geschichte beginnt erst mit uns! Der Soziologe Heinz Bude beleuchtet in seinem neuesten Buch „Adorno für Ruinenkinder“ das Mindset der 68er-Generation. Ein Gespräch über die Sehnsucht nach Welt, die Praxis des Ausprobierens, den Wahnsinn der RAF und Uschi Obermaier. www.taz.de, 21. Juli 2018, abgerufen am 21. Juli 2018.
  8. Susanne Gaschke: Der Stichwortgeber. Was ist die Berliner Republik, was die "Generation Berlin"? Der Soziologe Heinz Bude deutet neue deutsche Phänomene. www.zeit.de, 11. März 1999, archiviert vom Original am 25. Mai 2013; abgerufen am 21. Juli 2018.
  9. Interview mit Matthias Drobinski und Roland Preuss, in: SZ Nr. 49, 28. Februar/1. März 2015, S. 7.
  10. Süddeutsche Zeitung: Kess und militant. Abgerufen am 30. Mai 2021.