Gerhard Bott (Kunsthistoriker)

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Gerhard Bott (2013)

Gerhard Bott (* 14. Oktober 1927 in Hanau) ist ein deutscher Kunsthistoriker und Historiker. Außerdem war er Leiter verschiedener bedeutender Museen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerhard Bott wurde als Sohn des Hanauer Gymnasial-Lehrers und Heimatforschers Heinrich Bott und seiner Frau Trudel, geb. Hüglin, geboren. Bott war Schüler der Hohen Landesschule in Hanau, diente als Luftwaffenhelfer und legte das Abitur schließlich 1946 am Augustinergymnasium in Friedberg ab.[1] Anschließend studierte er Kunstgeschichte und Geschichte an der Universität Frankfurt am Main. Dies beendete er 1950 mit einer Promotion über Die Städtegründungen in der Wetterau und im Kinzigtal.[2] 1950/51 war er wissenschaftlicher Volontär am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und 1951/52 Stipendiat an der Bibliotheca Hertziana in Rom.

Von 1952 bis 1956 arbeitete Bott als Kustos am Historischen Museum in Frankfurt am Main, anschließend bis 1960 als dessen Direktor. Er begann den Wiederaufbau des Museums mit dem Trakt am Mainufer. Ab 1960 leitete er das Hessische Landesmuseum Darmstadt. Hier initiierte er die Jugendstil-Abteilung, integrierte die Pop-Art Sammlung von Karl Ströher, organisierte Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst und war Herausgeber der Zeitschrift Kunst in Hessen und am Mittelrhein. Bei der documenta III, der 4. documenta und der documenta 5 war er Mitglied des documenta-Rates. 1971/72 war er erneut für kunsthistorische Forschungen an der Bibliotheca Hertziana in Rom tätig, kehrte dann aber wieder nach Darmstadt zurück. Ab 1975 wirkte er als Direktor des Wallraf-Richartz-Museums in Köln und als Generaldirektor der Museen der Stadt Köln. Hier gliederte er die Sammlung von Peter Ludwig ein[3] und betrieb die Gründung des Museum Ludwig. 1980 wechselte er als Generaldirektor zum Germanischen Nationalmuseum nach Nürnberg. Aus dieser Position ging er 1993 in den Ruhestand. Unter seiner Leitung entstand der Erweiterungsbau des Germanischen Nationalmuseums.[4]

1996 betreute Bott zusammen mit seiner Frau Katharina die Ausstellung Vice versa. Deutsche Maler in Amerika - amerikanische Maler in Deutschland, 1813–1913[5] im Deutschen Historischen Museum in Berlin, wo er auch von 1976 bis 2010 Mitglied der Sachverständigenkommission war. Verheiratet ist er mit der Kunsthistorikerin Katharina Bott. Von 2010 bis 2012 war er zusammen mit seiner Frau Stadthistoriker seiner Geburtsstadt Hanau.

Bott lehrte an der Universität zu Köln, der Universität Bochum, der Universität Bamberg, der Universität Klagenfurt und ist seit 1983 Honorarprofessor für Kunstgeschichte an der Universität Erlangen. Gerhard Bott hat drei Söhne.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sebastian Bott, Tobias Bott, Kornelius Bott: Gerhard Bott zu seinem 75. Geburtstag [Veröffentlichungsverzeichnis 1949-2002]. [Privatdruck] Berlin 2002.

Einzelveröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abendländischer Schmuck von der Antike bis zur Gegenwart. Berlin 1972.
  • Die angenehme Lage der Stadt Frankfurt am Main. Johann Kaspar Zehender vorgestellt in 32 Handzeichnungen dieser Stadt und Gegend von Johann Kaspar Zehender. Gesammelt von Johann Christian Gerning daselbst in den Jahren 1771 bis 1784. Frankfurt 1954.
  • Von den Aufgaben des Kunstmuseums in der Gegenwart. Heidelberg 1979.
  • Bertel Thorwaldsen. In: Theologische Realenzyklopädie. Berlin 2001.
  • Bildnerische Ausdrucksformen 1960-1970. Sammlung Karl Ströher. Darmstadt 1970.
  • Deutschland (= Reclams Kunstführer Bd. 4: Hessen). 5. Aufl. 1978. [und weitere Auflagen]
  • Es ist nur ein Rom in der Welt: Zeichnungen und Bildnisse deutscher Künstler in Rom um 1800. Köln 1977.
  • Faesi tedeschi. In: L’arte in Europa 1500-1570. Turin 1998.
  • Frankfurt am Main und seine Kunstschätze. Ein Wegweiser durch Kunststätten und -museen. Frankfurt 1956.
  • Die Gemäldegalerie des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt. Hanau 1968.
  • Der Gesundbrunnen zu Hofgeismar. München 1975.
  • Giovanni Battista Tiepolo. Das Fresko im Treppenhaus der Würzburger Residenz. Stuttgart 1963.
  • Goethe und Hanau. Eine Stadt und ihre Menschen im Leben des Dichters. Hanau 1949.
  • Zusammen mit Richard Schaffer-Hartmann und Bruno-Wilhelm Thiele: Die Gold- und Silberstadt: Hanau und der Historismus. Hanau 2004.
  • Heilübung und Amüsement: Das Wilhelmsbad des Erbprinzen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 27,3). Hanau 2007.
  • Henry Moore: Maquetten, Bronzen, Handzeichnungen. (Erschienen anlässlich der Übergabe von Large Two Forms im Bundeskanzleramt in Bonn). Hrsg. vom Bundeskanzleramt. Darmstadt 1979.
  • Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und ihre Freunde im Park der Villa d'Este in Tivoli (= Miscellanea Bibliothecae Hertzianiae). München 1961.
  • Hessen in romantischer Zeit: Frankfurt, Rheinhessen, Starkenburg, Nassau, Oberhessen, Kurhessen. Hanau 1979.
  • Jugendstil. Vom Beitrag Darmstadts zur internationalen Kunstbewegung um 1900. Darmstadt 1965.
  • Juwelen, Abendländischer Schmuck von der Antike bis zur Gegenwart. Berlin 1972.
  • mit Ursula Peters: Künstlerleben in Rom: Bertel Thorvaldsen (1770–1844), der dänische Bildhauer und seine Freunde. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, 1. Dezember 1991 bis 1. März 1992. Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf Schleswig, 22. März bis 21. Juni 1992. Nürnberg 1991.
  • Kunst und Altertum in Frankfurt am Main. Aus den Sammlungen des Historischen Museums. München 1955.
  • Kunsthandwerk um 1900. Jugendstil - art nouveau - modern style - nieuwe kunst (= Bestandskatalog Hessisches Landesmuseum Darmstadt). Darmstadt 1965.
  • Large Two Forms. Eine Großskulptur von Henry Moore. In: Kunst im Kanzleramt. Helmut Schmidt und die Künste. München 1982, S. 84 ff.
  • Der Ortenberger Altar in Darmstadt. (= Werkmonographien zur bildenden Kunst in Reclams Universal-Bibliothek 115; Reclams Universal-Bibliothek 9115). Stuttgart 1966.
  • Der Ortenberger Altar. Darmstadt 1981.
  • La pittura tedesca. Milano 1996.
  • Prunksilber einer Zarentochter: Silbergefäße des Historismus aus Hanau. Bergbaumuseum Klagenfurt 2001.
  • Schlösser und öffentliche Bauten in der Grafschaft Hanau-Lichtenberg im 17. und 18. Jahrhundert. In: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2015, S. 35 ff.
  • Schmuck als künstlerische Aussage unserer Zeit. Königsbach 1971.
  • Sepp Schmölzer. Kunst im Schmuck. Klagenfurt 1970.
  • Ein Stück von allerlei Blumenwerk – ein Stück von Früchten – zwei Stück auf Tuch mit Hecht: Die Stilllebenmaler Soreau, Binoit, Codino und Marrell in Hanau und Frankfurt 1600–1650. Hanau 2001.
  • Wilhelm von Harnier 1800-1838. Darmstadt 1975.
  • Wilhelmsbad, Hanau (= Amtlicher Führer der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen). Bad Homburg 1988. [und weitere Auflagen]

Herausgeberschaft (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bildende Kunst: 1850–1914. Dokumentation aus Zeitschriften des Jugendstil. Berlin 1970.
  • Joseph M. Olbrich: 1867–1908. Das Werk des Architekten. Ausstellung anlässlich der 100. Wiederkehr des Geburtstages. Darmstadt 1967.
  • Jugendstil: Kunsthandwerk um 1900 = Art nouveau = Modern style. Darmstadt 1973.
  • Das Museum der Zukunft. Festschrift zur 150-Jahrfeier der Verkündung der Stiftungsurkunde des Hessischen Landesmuseums Darmstadt 1820–1970. Darmstadt 1970.
  • Peter Paul Rubens: 1577–1640. Eine Ausstellung des Wallraf-Richartz-Museums in der Kunsthalle Köln vom 15. Oktober – 15. Dezember 1977. Köln 1977.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Bott: Gerhard Bott. In: Barbara Bingel: Wir waren Schüler der Hohen Landesschule. Hanau 1989, S. 27–29.
  • Ulrich Schneider (Hrsg.): Festschrift für Gerhard Bott zum 60. Geburtstag. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 1987, ISBN 3-9801529-3-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Bott: Gerhard Bott. In: Barbara Bingel: Wir waren Schüler der Hohen Landesschule. Was sie sind, was sie erinnern. Hanau 1989, ISBN 3-7684-0915-5, S. 27–29.
  2. Gerhard Bott: Die Städtegründungen in der Wetterau und im Kinzigtal. Dissertation 1950 (= Rhein-Mainische Forschungen, 29). DNB 481807020
  3. Gerhard Bott: Stiftung Ludwig. Köln 1976.
  4. Gerhard Bott (Hrsg.): Wettbewerb Erweiterungsbau / Germanisches Nationalmuseum: Protokoll der Jury. Nürnberg 1984. Ders.: Aufbruch. Der Kartäuserbau und das Museumsforum des Germanischen Nationalmuseums 1993. Nürnberg 1993; Ulrich Schneider: Dokumentation des Auslobungsverfahrens zur künstlerischen Ausgestaltung des öffentlichen Raumes im Bereich Arbeitsamt Nürnberg, Städtische Bühnen und Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg – Dokumentation. Nürnberg 1989.
  5. Katalog dazu: Katharina und Gerhard Bott (Hrsg.): Vice versa. Deutsche Maler in Amerika - amerikanische Maler in Deutschland, 1813–1913; Deutsches Historisches Museum, 27. September 1996 bis 1. Dezember 1996.