Hotel Königshof (München)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ehemaliges Hotel Königshof im Zustand nach der Generalisanierung 1970 und bis zum Abriss 2019

Das Hotel Königshof war ein Luxushotel am Stachus in München. Es war Bestandteil der Hotelgruppen Geisel Privathotels und The Leading Hotels of the World.

Das Hotel wurde 2019 abgerissen und wird bis voraussichtlich 2023 neu gebaut, um dann unter neuem Eigentümer und der Marke JW Marriott zu eröffnen.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hotel lag im Stadtteil Ludwigsvorstadt an der Westseite des Karlsplatzes (Stachus). Ursprünglich war auch auf der Westseite des Karlsplatzes ein Rondell geplant wie auf der Ostseite, es wurde aber nicht verwirklicht. Das Hotel lag im Scheitelpunkt des geplanten Halbkreises dem Karlstor gegenüber.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorherr-Haus am Karlsplatz, um 1820
Rechts Hotel Königshof, um 1900

Das Grundstück, auf dem sich das Hotel befand, hatte der Architekt Gustav Vorherr zu Beginn des 19. Jahrhunderts für seine Verdienste um die Stadterweiterung von König Max I. Joseph geschenkt bekommen. Er errichtete dort ein privates Wohnhaus. Das im klassizistischen Stil gehaltene Gebäude diente als Treffpunkt einer literarischen Runde die von Maximilian I. Joseph nach München berufen wurde. Zu den Gästen zählten Schriftsteller wie Paul Heyse, Emanuel Geibel, Friedrich Bodenstedt sowie der Kunsthistoriker und Dichter Adolf Friedrich von Schack, Hoftheaterintendant Franz von Dingelstedt und Franz von Kobell.

Aus diesem Privathaus mit zentraler Lage zwischen Altstadt und Hauptbahnhof entstand im Jahre 1866 das Hotel Bellevue. 1880 folgte der Aus- und Umbau, u. a. erhielt das Haus die markanten Doppelgiebel zum Stachus und die prächtige Fassadenmalerei von Claudius Schraudolph dem Älteren.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde das Hotel in Hotel Königshof umbenannt und von Inhaber Albert Stanner betrieben.[3] 1938 wurde das Haus, das damals 200 Betten zählte, von Karl und Anna Geisel übernommen und ist seitdem im Besitz der Familie Geisel. Beide waren einst Bierwirte des Löwenbräuzeltes auf dem Münchner Oktoberfest und zählten einige Weinwirtschaften zu ihrem Besitz. 1944 wurde das Hotel Königshof im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt.

Wiederaufbau 1955[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie Geisel entschied sich nach den starken Kriegsbeschädigungen für einen zeitgemäßen, 1955 fertiggestellten Wiederaufbau. 1970 erfolgte eine Generalrenovierung, bei der das Gebäude das bis zum Abriss 2019 bekannte Erscheinungsbild erhielt.[2] Da von der Originalsubstanz zwar relativ viel die Kriegszeiten überstanden hatte, das Gebäude jedoch nach dem Krieg optisch massiv verändert wurde, war das Gebäude zwar nicht als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen, aber trotzdem wegen seiner historischen Bedeutung in die Denkmaltopographie Denkmäler in Bayern aufgenommen.

Neubau 2019–2023[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abriss (2019)

2012 wurden Planungen bekannt, einen Abriss des aus den Jahren 1880, 1913 und 1955 stammenden Gebäudes mit abschließendem Neubau durchzuführen.[4] Der Abriss fand 2019 statt.

Der Entwurf für den Neubau, der bis 2022 errichtet werden soll, stammt von den spanischen Architekten Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano.[5] Er besteht aus einem neunstöckigen Bau mit expressionistischer Kubatur und vorgehängter Glasfassade.[6] Der Entwurf war zeitweise heftig umstritten, "vor allem wegen einer ebenso prägnanten wie extravaganten Spalte in der Mitte des Gebäudes."[7]

Im Oktober 2021 wurde bekannt, dass die Immobilie an die INKA Karlsplatz GmbH & Co. KG verkauft wurde.[8] 2022 wurde bekannt gegeben, dass die neuen Eigentümer das Hotel als Franchisenehmer unter der Marke JW Marriott betreiben werden.[1]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hotel bot 71 Einzel- und Doppelzimmer, 16 Suiten, 180 Tiefgaragenstellplätze, einen Wellnessbereich (Sauna, Dampfbad, Whirlpool und Fitnessraum). Im Haus befand sich auch das Gourmet Restaurant Königshof, das zuletzt von 2004 bis 2018 unter Martin Fauster mit einem Michelin-Stern und 18 Punkten vom Gault-Millau ausgezeichnet wurde.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hotel erhielt unter anderem folgende Auszeichnungen:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München. Mitte. In: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmäler in Bayern - Kreisfreie Städte und Landkreise. Band I.2/1. Karl M. Lipp Verlag, München 2009, ISBN 978-3-87490-586-2, S. 371.
  • Susanna Lajtos: In luxuriösen Betten. Hrsg.: Allitera Verlag. München 2010, ISBN 978-3-86906-099-6, S. 127.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hotel Königshof (München) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Philipp Crone: Hotel am Karlsplatz. Ein neuer Name am Stachus, auf sueddeutsche.de, 28. April 2022, abgerufen am 26. Juni 2022,
  2. a b c Imagebroschüre. (PDF; 5,5 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) Geisel Privathotels, 5. Juli 2012, archiviert vom Original am 26. Juni 2013; abgerufen am 25. August 2012 (Details zur Lage, Geschichte und Ausstattung des Hotels).
  3. Das Jüdische Echo. Wochenzeitung. Nr. 45. Verlag des Jüdischen Echos, München 4. November 1932, S. 363 (us.archive.org [PDF; 3,0 MB; abgerufen am 13. August 2021] Anzeige): „Hotel der Königshof / vorm. Hotel Bellevue / A. Stanner / München am Karlspl.“
  4. Alfred Dürr: Leerstelle im Zentrum. Abgerufen am 25. Oktober 2021.
  5. Franz Kotteder: München: Hotel Königshof wechselt den Besitzer. Abgerufen am 25. Oktober 2021.
  6. sueddeutsche.de: Neunstöckiges Ausrufezeichen
  7. Franz Kotteder: München: Hotel Königshof wechselt den Besitzer. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 21. August 2021, abgerufen am 26. Juni 2022.
  8. Geisel Privathotels: Hotel Königshof an Inka Karlsplatz verkauft. In: tophotel.de. Freizeit Verlag GmbH, 27. Oktober 2021, abgerufen am 26. Juni 2022.

Koordinaten: 48° 8′ 22,7″ N, 11° 33′ 52,2″ O