Hungerwinter 1946/47

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Hungerwinter 1947. Wegen der katastrophalen Ernährungslage legten am Montag, 31. März 1947, in Krefeld Tausende die Arbeit nieder und versammelten sich zu einer Protestkundgebung auf dem Karlsplatz.

Der Hungerwinter 1946/47 ereignete sich zwischen November 1946 und März 1947. Es war einer der kältesten Winter in Deutschland seit Jahrzehnten (Liste hier) und gilt als strengster Winter des 20. Jahrhunderts im Nordseeraum.[1]

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Januar 1947 brach eine Kältewelle über Westeuropa herein.[2]

Ab dem 21. Januar 1947 traf die Kältewelle auch die Britischen Inseln. Kälte und Schneefälle beeinträchtigten das öffentliche Leben. Zahlreiche Menschen starben in meterhohen Schneeverwehungen. Es kam im Vereinigten Königreich und in Irland zu Stromrationierungen, weil Kohlekraftwerke zu wenig Kohle hatten. Ab dem 10./11. März ließ die Kälte zwar nach, doch im Zuge des Tauwetters kam es zu Hochwassern und Überschwemmungen. Zum Beispiel traten in Ostengland River Wharfe, River Derwent, River Aire und River Ouse über die Ufer und überfluteten große Teile von South Yorkshire.

Die Lebensmittelversorgung brach vielerorts zusammen,[3] vor allem in den städtischen Ballungszentren. Die Lebensmittelkrise hatte schon Anfang 1946 begonnen.[4] In Deutschland starben nach Schätzungen von Historikern mehrere hunderttausend Menschen; etwa gleichzeitig starben in der Sowjetunion während der Jahre von 1946 bis 1948 zwei Millionen Menschen an den Folgen des Hungers und extremer Wetterbedingungen.[5] Durch die Folgen des Krieges und des Mangels der Nachkriegsjahre waren die Menschen geschwächt, unzureichende Wohnräume und Brennstoffmangel durch die noch nicht voll wiederhergestellten Produktions- und Verkehrsmittel kamen hinzu.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anja Riediger, Heike Römer-Menschel: Wollt ihr wieder Krieg? Der Hungerwinter – Überleben im zerbombten Deutschland. ARD, 2007 (online)[6]
  • Alexander Häusser, Gordian Maugg: Hungerwinter – Überleben nach dem Krieg. TV-Dokumentation, ARD, 2009[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Justus Rohrbach (Autor), Hans Schlange-Schöningen (Hrsg.): Im Schatten des Hungers. Dokumentarisches zur Ernährungspolitik und Ernährungswirtschaft in den Jahren 1945–1949. Hamburg und Berlin 1955.
  • Bundesarchiv und Institut für Zeitgeschichte (Hrsg.): Akten zur Vorgeschichte der Bundesrepublik Deutschland (Januar 1947 bis Juni 1947), 1979, ISBN 3-486-44551-0.
  • Thomas Berger, Karl-Heinz Müller: Lebenssituationen 1945–1948. Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung, 1983.
  • Alice Weinreb: Matters of Taste: The Politics of Food and Hunger in Divided Germany. Dissertation, University of Michigan, Ann Arbor 2009.
  • Alexander Häusser, Gordian Maugg: Hungerwinter: Deutschlands humanitäre Katastrophe 1946/47. Bundeszentrale für Politische Bildung, 2010.
  • Neue Westfälische (Hrsg.): Der Hungerwinter 1946/47 in Ostwestfalen-Lippe. Wie wir der Eiseskälte und dem Hunger trotzten. Zeitzeugen berichten. Zeitungsverlag Neue Westfälische, Bielefeld 2016, ISBN 978-3-923231-99-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DWD Klimastatusbericht 2001: Extreme Wetter- und Witterungsereignisse im 20. Jahrhundert (S. 5) (2001)
  2. Von Rußland brach eine Kältewelle. In: Der Spiegel, 2/1947, 11. Januar 1947.
  3. Lorenz Jäger: Zum Hunger trat der „weiße Tod“. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. Dezember 2009, archiviert vom Original am 25. Dezember 2014; abgerufen am 24. Juli 2020.
  4. Eugen Georg Schwarz: Krise nach dem Untergang. In: Focus. 13. März 2006, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  5. Historische Hintergründe zum Hungerwinter 1946/47 Teil 1 auf Das Erste.de
  6. TV-Rückblick: Der Hungerwinter, Der Spiegel, 7. April 2007
  7. Hungerwinter – Überleben nach dem Krieg (Memento vom 2. April 2016 im Internet Archive), Das Erste, 27. Dezember 2009