I Feel Love

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I Feel Love
Donna Summer
Veröffentlichung 1977
Länge 5:53 (Albumversion)
Genre(s) Euro Disco, Hi-NRG
Autor(en) Donna Summer, Giorgio Moroder, Pete Bellotte
Produzent(en) Giorgio Moroder, Pete Bellotte
Label Casablanca Records
Album I Remember Yesterday

I Feel Love ist ein Disco-Hit von Donna Summer aus dem Jahr 1977. Produziert wurde der Song von Giorgio Moroder. Aufgrund seiner innovativen Produktionstechnik und seines ausschließlich mit synthetischen Mitteln produzierten Instrumentals gilt der Song als Pionierstück der Elektronischen Tanzmusik und als bedeutender Vorläufer der House- und Techno-Musik.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Song erschien auf dem 1976 eingespielten Donna-Summer-Album I Remember Yesterday,[1] auf dem verschiedene Stilrichtungen vergangener Jahrzehnte durchlaufen werden.[2] Der Song und das Album wurden in Moroders Musicland Studios in München aufgenommen.[3][4]

Mit I Feel Love wird der Entwurf eines futuristischen Titels vorgestellt, dessen musikalischer Gehalt, abgesehen vom Gesang, im Wesentlichen von einer Synthesizer-Sequenz getragen wird. Damit war der Titel eine der ersten von elektronischen Instrumenten dominierten Disco-Produktionen.[5] Während die Album-Version knapp sechs Minuten dauert, erschien der Titel auch in einer über achtminütigen Maxisingle-Version. Brian Eno erkannte bereits kurz nach der Veröffentlichung die innovative Kraft des Titels.[6] Weitere Musiker wie Gabi Delgado-López[7] und Jürgen Engler[8] gaben an, insbesondere durch die Sequenz des Songs geprägt worden zu sein.

Der Titel entwickelte sich nach der Veröffentlichung im Juni 1977[9] schnell zu einem Clubhit in der Schwulenszene[10] und belegte schließlich Platz 1 der englischen Singlecharts.[11] Es war Donna Summers einziger Nummer-eins-Hit in Großbritannien. In den USA belegte der Titel Platz 6[12] und wurde mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.[13] In der Bundesrepublik Deutschland gelangte I Feel Love auf Platz 3 der Singlecharts.[14]

Bekannt ist dieser Titel den Fernsehzuschauern in Deutschland als musikalische Untermalung des Trailers der Science-Fiction-Sendereihe der ARD, die von 1978 bis 1981 in loser Folge samstagabends ausgestrahlt wurde; gezeigt wurden dazu im Wechsel ein Saturn-V-Raketenstart und Bilder aus Pulp-Magazinen.

Sequenzereinsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beeinflusst durch den Krautrock und die Berliner Schule wollte Moroder für I Remember Yesterday ein zukunftsweisendes Stück produzieren..[15] Der Gebrauch des Sequenzers war bereits durch Tangerine Dream auf den Alben Phaedra (1974) und insbesondere Rubycon (1975) etabliert worden.[16]

I Feel Love basiert im Wesentlichen auf einer Basslinie, die von Robert Wedel (Popol Vuh) programmiert wurde.[3] Wedel, seines Zeichens Toningenieur, Programmierer und Assistent von Eberhard Schoener, hatte dieselbe Sequenzertechnik für das ebenfalls 1977 veröffentlichte Album From Here to Eternity von Giorgio Moroder angewandt. Da Moroder über keine entsprechende Technik verfügte, war er auf den Synthesizer Moog 3p angewiesen, den Schoener 1969 nach Deutschland brachte.[17] In einem Interview mit dem Deutschen Museum äußerte Schoener, dass er hierzu in die USA gereist war, um Bob Moog in seiner Werkstatt in Trumansburg, New York, zu treffen. Moog hatte jedoch seinerzeit kein fertiges Gerät vorrätig und verkaufte Schoener stattdessen den Moog 3p der Beatles, den diese gerade zurückgeschickt hatten, weil John Lennon die neuartige Technik als "zu kompliziert" erschien. In I Feel Love ist folglich derselbe Moog 3p zu hören wie auf dem Beatles-Album Abbey Road. Dieser steht heute im Deutschen Museum in München.[18] Moroder gab später an, vom Moog 3p keine Ahnung gehabt zu haben. Selbst wenn er diesen besäße, „hätte er dem Gerät keinen Ton entlocken können.“ Hierfür engagierte er Wedel.[3]

Eberhard Schoener legte dar, gemeinsam mit Wedel die Art des Sequenzereinsatzes erfunden und erstmals auf dem 1977er Krautrock-Album Trance-formation verwendet zu haben. Schoener selbst nannte die Technik das „Black-&-Decker-Prinzip“.

„Wir nannten es so nach der Werbung, in der der Firmenname in einem rasend schnellen, abgehackten Rhythmus ausgesprochen wurde. Beim Moog-Synthesizer war ein Sequenzer dabei. Dieser Sequenzer erlaubte es, ganz bestimmte Tonfolgen zu wiederholen und so den Black-&-Decker-Effekt hervorzurufen. Es waren viele Versuche nötig, bis die Computerklänge dieses Rattern erzeugten. Wir wurden für den Deutschen Schallplattenpreis nominiert, da das Black-&-Decker-Prinzip etwas völlig Neues war.“

Eberhard Schoener[19]

Verärgert darüber, dass Wedel dieses Konzept an Moroder weitergab, führte Schoener daraufhin einen Rechtsstreit gegen Moroder – verlor diesen aber aufgrund seiner „Unerfahrenheit“.[19]

Coverversionen und Remixes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von dem Titel gab es verschiedene Remixes und Coverversionen. So hatte Patrick Cowley mit einem 15-minütigen Remix 1982 einen Clubhit, und 1984 veröffentlichten Bronski Beat auf ihrem Album The Age of Consent eine Version des Stücks. Die ausgekoppelte Single wurde gemeinsam mit Marc Almond 1985 als Medley eingespielt, bestehend aus den Donna-Summer-Titeln I Feel Love und Love to Love You Baby sowie aus John Leytons Johnny Remember Me. Sie belegte in England Platz 3 der Singlecharts.

Eine Singleveröffentlichung mit neuerlichen Remixes und neuen Vocals von Donna Summer erreichte 1995 nochmals die englischen Top 10.

Die Blue Man Group coverte den Song zusammen mit der US-amerikanischen Synthie-Pop-Band Venus Hum, den Gesangspart übernahm deren Sängerin Annette Strean. Diese percussion- und gitarrenlastige Version erschien auf den Alben The Complex (2003) und How to be a Megastar (2008) und wurde zusammen mit der Band bei den zugehörigen Tourneen live gespielt.

Die Red Hot Chili Peppers haben den Song während ihrer By the Way World Tour mehrmals live angespielt (Gesang John Frusciante).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. US-Katalognummer Casablanca 7056; das Album erreichte in den USA Platz 18 der Albumcharts, vgl. Whitburn, Joel: Top Pop Albums 1955-1996. Menomonee Falls, Wisconsin: Record Research Ltd., 1996, S. 757; in Großbritannien erreichte das Album Platz 2, vgl. Ehnert, Günter (Hrsg.): Hit Records. British Chart LPs 1962-1986. Hamburg: Taurus Press, 1987, S. 123
  2. Zur Einschätzung des Albums vgl. Robert Christgau in Rock Albums Of The 70s. A Critical Guide. New York City, New York: Da Capo Press Inc., 1981, S. 380
  3. a b c Bill Brewster: I feel love: Donna Summer and Giorgio Moroder created the template for dance music as we know it. In: Mixmag. 22. Juni 2017, abgerufen am 1. Mai 2020 (englisch).
  4. Mirko Hecktor, Moritz von Uslar, Patti Smith, Andreas Neumeister: Mjunik Disco – von 1949 bis heute. Blumenbar Verlag, München 2008, ISBN 978-3-936738-47-6.
  5. Baumgärtel, Tilman: Schleifen. Zur Geschichte und Ästhetik des Loops. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2015, ISBN 978-3-86599-271-0, S. 315 - 328.
  6. Anmerkung im Beiheft der David-Bowie-CD „Sound and Vision“, 1996
  7. Baumgärtel, Tilman: Bildung ersetzt keinen Rhythmus. In: die tageszeitung vom 12. Juli 2002
  8. Rüdiger Esch: Electri_City. Elektronische Musik aus Düsseldorf. Suhrkamp, Berlin 2014, ISBN 978-3-51846464-9, S. 186.
  9. Charts und VÖ-Daten auf chartsurfer.de
  10. Benjamin Genocchio: Exploring the Effects of Disco’s Beat. In: New York Times vom 19. Februar 2006
  11. Rice, Jo / Rice, Tim / Gambacini, Paul / Read, Mike: The Guinness Book Of The Hits Of The 70s. London: Guinness Superlatives Ltd., 1980, S. 164
  12. Whitburn, Joel: Top Pop Singles 1955-1993. Menomonee Falls, Wisconsin: Record Research Ltd., 1994, S. 581 - US-Katalognummer: 884; die B-Seite der Single Can’t We Just Sit Down notierte in den R&B-Charts auf Platz 20
  13. White, Adam: The Billboard Book Of Gold And Platinum Records. 2. überarbeitete Auflage, London: Omnibus Press, 1990, S. 226
  14. Ehnert, Günter (Hrsg.): Hit Bilanz. Deutsche Chart Singles 1956-1980. Hamburg: Taurus Press, 1990, S. 199
  15. Ulrich Adelt: Krautrock. German Music in the Seventies., University of Michigan Press, 2016, ISBN 0-472-05319-1, S. 135.
    „Moroder first experimented with krautrock-oriented synthesizer sounds on his solo album ‚Einzelgänger‘ (1975), an artistic and commercial failure. It is remarkable that he not only felt the necessity to experiment with synthesizer sounds reminiscent of Berlin School artists like Tangerine Dream and Klaus Schulze but that these experiments would help him to develop a unique German Disco sound with Summer's 1977 hit ‚I Feel Love‘.“
  16. Tibor Kneif, Christian Kneisel: Wo das Kraut wächst. Rock in der Bundesrepublik. In: Rock in den 70ern. Rowohlt, 1980, ISBN 3-499-17385-9, S. 201.
  17. SWR Kultur neu entdecken: Eberhard Schoeners Synthesizer Moog 3p kommt ins Deutsche Museum, 17. Mai 2019,
  18. Die abenteuerliche Odyssee des Moog IIIp - Deutsches Museum. Abgerufen am 12. Juli 2021.
  19. a b Stefanie Schoener: Eberhard Schoener – Grenzen gibt es nicht. Langen Müller Verlag, München 2009, ISBN 3-784-43237-9, Online-Auszüge.