I wie Ikarus

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Filmdaten
Deutscher TitelI wie Ikarus
OriginaltitelI… comme Icare
ProduktionslandFrankreich
OriginalspracheFranzösisch
Erscheinungsjahr1979
Länge121 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieHenri Verneuil
DrehbuchHenri Verneuil,
Didier Decoin
ProduktionHenri Verneuil
MusikEnnio Morricone
KameraJean-Louis Picavet
SchnittHenri Lanoë
Besetzung

I wie Ikarus (Originaltitel: I… comme Icare; Verweistitel: Der Spürhund) ist ein Spielfilm des französischen Regisseurs Henri Verneuil aus dem Jahr 1979. Der Handlung des Films liegen das Attentat auf John F. Kennedy sowie Ermittlungen eines Staatsanwalts zu Grunde, der an den Ergebnissen der eingesetzten Untersuchungskommission zweifelt und einem Geheimdienstkomplott auf die Spur kommt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film beginnt mit dem Zitat: „Diese Geschichte ist vollkommen wahr, weil ich sie von Anfang bis Ende erfunden habe“ des französischen Künstlers Boris Vian.

22. Mai 1977: Der gerade erst wiedergewählte Staatspräsident Marc Jarry wird in einer mit offenen Verdeck fahrenden Staatskarosse während einer ihm gewidmeten zeremoniellen Autokolonne vor tausenden jubelnden Zuschauern von einem unbekannten Scharfschützen erschossen. In einem Bürogebäude nahe dem Tatort wird kurz darauf der vermeintliche Attentäter Karl Eric Daslow (ein Anagramm von Oswald, dem mutmaßlichen Attentäter des US-Präsidenten John F. Kennedy) von einem Unbekannten erschossen, der den Mord wie einen Suizid aussehen lässt.

Die mit der Aufklärung des Attentats betraute Untersuchungskommission kommt bei ihren langwierigen, fast ein Jahr dauernden Ermittlungen zu dem Ergebnis, dass Präsident Jarry vom Einzeltäter Daslow ermordet worden sei. Der ebenfalls der Kommission angehörende Generalstaatsanwalt Volney weigert sich im Gegensatz zu seinen Kollegen, die Schlussfolgerungen der Kommission zu unterschreiben, wonach Daslow ein paranoider Einzelgänger sei, der sich im Anschluss an die Tat das Leben genommen habe. Eine Regelung sieht vor, dass, wenn ein Mitglied der Kommission Zweifel an dem Ergebnis haben sollte, dieses die Untersuchungen von vorne beginnen kann. Volney fragt den Vorsitzenden öffentlich, ob er zu Beginn der Ermittlungen die Bitte von oberster staatlicher Stelle erhalten habe, dafür zu sorgen, dass die Einzeltätertheorie bestätigt werde. Volney hatte keinerlei Beweise dafür, lag aber richtig. Der Vorsitzende der Kommission gibt, peinlich berührt, zu, dass eine solche Bitte an ihn herangetragen wurde, er dieser aber nicht willentlich entsprochen habe.

Volney nimmt mit seinem Team die Ermittlungen wieder auf. Sehr schnell stoßen Volney und seine Mitarbeiter auf Ungereimtheiten. Im Zusammenhang mit der Untersuchung wurden Beweise gefälscht, Zeugen nicht angehört, eine wichtige Autopsie nicht vorgenommen, Falschaussagen getätigt und Augenzeugen ermordet. Volney erkennt in einem Amateurfilm, dass es einen zweiten Scharfschützen neben Daslow gab. Parallel zu der Handlung um Volney erfährt man, dass der zweite Schütze zwischenzeitlich von seinen Auftraggebern ermordet wurde. Volney spricht mit einem Psychologen über Daslow, der an einem Experiment teilnahm, das dem Milgram-Experiment entsprach: Hierbei wird getestet, ob normale Staatsbürger zur Anwendung von Folter bereit sind, wenn eine wissenschaftliche oder staatliche Autorität sie dazu auffordert und die Verantwortung dafür übernimmt.

Volney erkennt, dass in das Mordkomplott Profikiller und Figuren aus dem organisierten Verbrechen involviert sind, die ihrerseits Unterstützung durch den eigenen Geheimdienst erfahren haben. Eine wichtige Rolle muss der Attentäter und Saboteur de Palma gespielt haben, der auch hinter der Ermordung unliebsamer ausländischer Oppositioneller steckte. Weiterhin erfährt er von den Operationen „Minos“ und „I wie Ikarus“. Volney entdeckt, dass der Geheimdienst bzw. eine Organisation innerhalb des Geheimdienstes seines Landes in staatsterroristische Aktivitäten verwickelt ist. Staatspräsident Jarry hatte seinerzeit angekündigt, die Macht der Geheimdienste zu beschränken.

Bei Recherchen, was unter der Operation „I wie Ikarus“ zu verstehen sein könnte, ruft der unermüdliche Ermittler frühmorgens vom Büro aus seine Lebensgefährtin an. Sie gibt ihm eine Interpretation zu Ikarus: „Wenn die Sonne als Symbol der Wahrheit genommen wird, so habe Ikarus seine Flügel verloren, weil er der absoluten Wahrheit zu nahegekommen sei“. – In diesem Moment wird Volney, am Fenster stehend, von einem Scharfschützen erschossen.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Filmdienst feierte Verneuils Film in seiner zeitgenössischen Kritik als „politische[n] Kriminalfilm, der bewährte Spannungsmuster einsetzt, um seine Anklage gegen Obrigkeitsglauben und moralische Gleichgültigkeit des einzelnen möglichst populär zu vermitteln“. I wie Ikarus sei „Hervorragend inszenierte, sehr fesselnde und nachdenklich stimmende Unterhaltung.“[1]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film spielt in einem fiktiven modernen, westlichen Phantasiestaat. Amtssprache ist Französisch und die Staatsflagge ähnelt dem Star-Spangled Banner.

Die Handlung basiert offensichtlich auf dem Attentat auf John F. Kennedy und den in diesem Zusammenhang stehenden Untersuchungen des US-Staatsanwalts Jim Garrison, die er nach dem unausgewogenen Abschlussbericht der Warren-Kommission aufnahm. Der fiktive Staatsanwalt Henri Volnay kommt im Film zu den gleichen Schlussfolgerungen wie der reale US-Staatsanwalt Garrison: Der Präsident wurde vom Geheimdienst seines Landes in Absprache mit der Mafia ermordet, die als Vermittler fungierte. Verneuil verwendet zudem einige Details und berühmte Elemente des Kennedy-Falls, wie dem als „Umbrella man“ bekannten Mann mit dem Regenschirm, dem gefälschten Foto des angeblichen Attentäters mit einem Gewehr, das sukzessive Verschwinden bestimmter Zeugen und einem Amateurfilm als einzige Bildquelle für das Attentat.[2]

Einen weiteren zentralen Aspekt des Films bildet die Darstellung vom Gehorsam des Individuums gegenüber Vertretern von als autoritär empfundenen Institutionen und Organisationen. Verneuil baut zum besseren Verständnis dieses Themas das berühmte Milgram-Experiment in seinen Film ein und eröffnet seiner Hauptfigur und dem Zuschauer neue Perspektiven zum Hinterfragen des eigenen Autoritätsbewußtseins.

Drehorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtige Szenen des Films wurden im Pariser Vorort Cergy gedreht. Als Gebäude tauchen auf: Das Centre commercial des Quatre Temps, das Hochhaus Tour EDF de Cergy-Pontoise, das Verwaltungsgebäude der Préfecture du Val-d’Oise (früher Préfecture von Cergy-Pontoise[3]).

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Henri Verneuils Thriller wurde 1979 mit dem Grand prix du cinéma français als bester französischer Film ausgezeichnet. 1980 war I wie Ikarus in den Kategorien bester Film, Hauptdarsteller (Yves Montand), Drehbuch, Filmmusik und Szenenbild für den französischen Filmpreis César nominiert, konnte sich aber seinerzeit nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhard Barrabas: Kerngebiete der Psychologie. Eine Einführung an Filmbeispielen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8252-3850-6, S. 84–90.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Lexikon des internationalen Films 2000/2001 (CD-ROM)
  2. Olivier Père: I…comme Icare de Henri Verneuil, ARTE, 13. Januar 2017
  3. Französischer Artikel zum Film I wie Ikarus