Illgau
| Illgau | |
|---|---|
| Staat: | |
| Kanton: | |
| Bezirk: | Schwyz |
| BFS-Nr.: | 1363 |
| Postleitzahl: | 6434 |
| UN/LOCODE: | CH ILG |
| Koordinaten: | 697834 / 204880 |
| Höhe: | 807 m ü. M. |
| Höhenbereich: | 731–1784 m ü. M.[1] |
| Fläche: | 10,96 km²[2] |
| Einwohner: | 819 (31. Dezember 2025)[3] |
| Einwohnerdichte: | 75 Einw. pro km² |
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) | 4,5 % (31. Dezember 2025)[4] |
| Website: | www.illgau.ch |
Illgau | |
| Lage der Gemeinde | |
Illgau ist eine politische Gemeinde im Bezirk Schwyz des Kantons Schwyz in der Schweiz.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Illgau liegt in den zentralschweizerischen Voralpen, zwischen dem Muotathal und der Ibergeregg. Seine Topografie richtet sich zum grossen Teil in Richtung Süden und Südwesten hin. Illgau trägt deshalb den Beinamen «Sonnenterrasse» zu Recht. Die Fallenfluh, die Sternenegg, der Spyrstock im Hoch-Ybrig-Gebiet und die Hessisbohler First mit dem Hochweidgütsch als Ausläufer bilden im Rund die Gemeindegrenzen. Gegen das Muotathal hin gibt es Flühe von der Sulzmatt bis zur Fallenfluh hin. Über diese Bergkanten stürzen sich die Wasser des «Bettbach», dem Illgauer Dorfbach, und des «Mettelbach», welcher vom Hintern Oberberg her zu Tale fliegt und der Muota zufliesst. Vom tiefsten Gemeindepunkt in der Region Dorf bis zum höchsten Gemeindepunkt, das Huusmätteli auf der Hessisbohlerfirst, beträgt der Unterschied fast genau 1000 Höhenmeter.
Das Gemeindegebiet wird eingeteilt in das Dorf, den Vordern Oberberg – gegen die Ibergeregg hin –, den Hinteren Oberberg – gegen das Hoch Ybrig hin – und das unbewohnte Gebiet der Rieter und Alpen. Nachbargemeinden sind Muotathal im Süden, Schwyz im Westen und Norden, sowie Oberiberg im Nordosten.
Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1798 | 162 |
| 1870 | 278 |
| 2002 | 773 |
| 2013 | 801 |
| 2020 | 784 |
Heute hat Illgau 784 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2020).[5] Bei der Volkszählung 2000 war die Bevölkerung zu 99 % deutschsprachig.[6] 2021 bekannten sich 95 % der Bevölkerung zum römisch-katholischen Glauben.[7]
Politik
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In der Gemeinde gibt es als einzig organisierte Partei die CVP, die Christlichdemokratische Ortspartei Illgau. Gemeindepräsident ist Iwan Bürgler (Stand 2020).
Wappen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das junge Wappen der Gemeinde Illgau zeigt eine Lilie auf einem grünen Dreiberg und auf rotem Hintergrund. Die Feuerlilie wird im Dialekt Goldrose, aber auch «Ilge» genannt, was die Ursache sein dürfte, warum Illgau zu dieser Blume im Wappen kam.
Name
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Woher der Name Illgau stammt, kann nicht nachgewiesen werden, eher nicht von der schönen Lilie. Ein erster Siedler oder Landbesitzer auf dem Gemeindegebiet – alemannischer Herkunft – dürfte eine Person namens Yllo (oder so ähnlich) gewesen sein, weshalb die Gegend als Gau (Gebiet) des Yllo genannt wurde.
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gemeinde Illgau ist stark durch die Landwirtschaft geprägt. Die Bauernhöfe sind weit verstreut, bis auf 1300 m werden sie das ganze Jahr über bewirtschaftet. Die Landwirtschaftsfläche beträgt 62 %, der Wald 31 % der Gemeindefläche.
Es hat sich etwas Gewerbe und Tourismus etabliert, trotzdem finden 58 % der Erwerbstätigen ihre Arbeit ausserhalb der Gemeinde.
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Zufahrt erfolgt ab Schwyz Richtung Muotathal und nach 6 Kilometern über die 3,5 km lange Strasse nach Illgau. Die Ibergeregg-Passstrasse verbindet den Vorderen Oberberg mit Schwyz und Oberiberg. Vom Dorf her gibt es Verbindungsstrassen Richtung Ibergereggstrasse und Hinter Oberberg.
Die öffentliche Verbindung erfolgt durch die Buslinie Schwyz–Muotathal über die Seilbahn Illgau–Ried. Eine weitere Gondelbahn führt von Illgau Dorf nach St. Karl/Oberberg; deren Talstation ist über eine Skipiste vom Skigebiet Hoch-Ybrig aus erreichbar, von der Bergstation führt eine Skipiste zu den Skiliften des Skigebiets Mythenregion am Ibergeregg.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im 11. Jahrhundert lebten in der Gegend des «Vorder Oberberges» – im Chileguet, in der Wart und im Zimmerstalden – lebten ganzjährig Menschen. Diese Besiedelung ist durch Mauerreste von den sogenannten Heidenhüttli belegt. 1303 erhielten die Illgauer vom Bischof von Konstanz, Heinrich II. von Klingenberg, die Erlaubnis eine Kirche zu bauen. Gemäss einer Urkunde wurde am 13. August 1393 eine Priesterpfrund errichtet. Laut einer Aufzeichnung des Pfarrers von Euw in Muotathal starben im Pfarrbezirk Illgau 14 Einwohner an der Pest. Die Pfarrei Illgau wurde im März 1676 von Muotathal getrennt.
Während der Zeit Franzosenzeit kam es in den Jahren 1798 und 1799 in Illgau unter anderem zur Einquartierung von 4000 Soldaten.
Am 27. Februar 1748 wurde Illgau eine selbständige politische Gemeinde. Die Weihe der Pfarrkirche fand am 14. Oktober 1893 durch den Churer Bischof Johannes Fidelis Battaglia statt. Kirchenpatrone sind die Hl. Drei Könige. Die Kirche wurde nach Plänen von Pater Albert Kuhn, Kloster Einsiedeln[8], mit Einbezug der Grundmauern der Vorgängerkirche im neuromanischen Stil gebaut. Dabei wurde von der Ortsbevölkerung viel Fronarbeit geleistet. Eine neue Pfarrkirche wurde 1958 erbaut.
Es kam im 20. Jahrhundert zu umfangreichen Bauarbeiten und Modernisierungen: 1911 erfolgte der Bau der Strasse Grünenwald–Illgau, einer schmalen Güterstrasse, die in den Wintermonaten wegen Lawinengefahr geschlossen ist. Der Fluhweg – der uralte Fussweg ins Muotatal hinab – wird heute noch gerne als Wanderweg benutzt. 1973 wurde die Strasse vom «Grünenwald» nach Illgau mit dem Kernstück des neuen Strassentunnels und der Lawinengalerie ausgebaut. 1938 folgte der Bau des Stromnetzes, sodass die meisten Heimwesen mit elektrischer Kraft versorgt werden konnten. Nach dem Bau der Luftseilbahn Illgau–Ried 1951 folgte 1955 der Bau der Seilbahn Illgau–Vorder Oberberg/St. Karl. Ein neues Schulhaus wurde 1965 errichtet.
In den 1970er-Jahren wurde die Entwicklung der Gemeinde weiter vorangetrieben. In dieser Zeit wurden die Erschliessungstrassen der Heimwesen zum Hintern Oberberg und die Strasse Richtung Vorder Oberberg erbaut. Illgau erhielt ein Baureglement, eine Wasserversorgung und die Kanalisation.
Im April 2022 erhielt der illegale Abbruch des auf 1305 datierten Holzwohnhauses «Wepfenen», das zu den ältesten Holzhäuser Europas zählte, schweizweites Aufsehen.[9]
Kunst und Kultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Illgauer Volksmusik in seiner Originalität ist im ganzen Land bekannt. Der «Illgauer Stil» ist in Kreisen der Volksmusikliebhaber ein Markenzeichen. Die ruhig-gezogene und melodiös-einfache Art dieser gefälligen Musik ist sowohl für gesellige Anlässe auf dem Tanzboden als auch für besinnliche Momente bei Gottesdiensten einsetzbar. Diese Musik wird in Dreierformation mit zwei Handorgeln und einem Streichbass gespielt. Diese Besetzung kann aber auch mit Klarinette/Saxophon oder mit Klavierbegleitung ergänzt werden. Gegen zehn Musikkapellen spielen Ländlermusik. Seit 1898 gibt es die Feldmusik Illgau. Die Zitherspielgruppe, eine Gruppe von Frauen, macht alte Tänze auf ihren Schwyzer Zithern. Auch Musik in moderner Form wird von einigen Bands mit Erfolg gepflegt.
Nebst der instrumentalen gehört aber auch die vokale Musik zur Dorfkultur. Daran am längsten beteiligt ist der Kirchenchor, der wahrscheinlich über 100 Jahre alt sein dürfte. Die formelle Gründung des Cäcilienvereins erfolgte 1946. Der Jodlerklub und einige Familiengruppen, welche das Jodellied und alte Volkslieder in ihrem Repertoire haben, runden das musikalische Illgau auf. In der Mehrzahl der Haushaltungen ist ein Instrument zu Hause. Illgau gilt als eine der musikalischsten Ortschaften der Schweiz.
Bilder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kirche
- Historisches Sigristenhaus
- Seilbahn nach St. Karl
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ildefons (Engelbert) Betschart, OSB-Pater 1903–1959, Träger des goldenen Paracelsus-Rings der Stadt Salzburg Einsiedeln/Salzburg
- Karl Bürgler (* 1943), Bischof, Apostolischer Vikar von Reyes, Bolivien
- Martin Betschart (* 1963), Coach, Buchautor und TV-Talkmaster
- Othmar Reichmuth (* 1964), Regierungsrat des Kantons Schwyz, Ständerat
Partnergemeinde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit August 2017 unterhält Illgau eine Gemeindepartnerschaft mit Rodna in Rumänien.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Linus Birchler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz, Band II: Die Bezirke Gersau, Küssnacht und Schwyz. Kunsthistorischer Überblick. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 2). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1930.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website der Gemeinde Illgau SZ
- Erwin Horat: Illgau. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Höhenbereiche zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991-2025. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 22. August 2026 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst).
- ↑ Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit 2010-2025. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2026
- ↑ Wohnbevölkerung im Kanton Schwyz per 31.12.2020. Abgerufen am 13. April 2021.
- ↑ Illgau: Wohnbevölkerung nach Hauptsprache, Religion, Nationalität und weiteren Merkmalen (VZ 2000). Abgerufen am 13. April 2021.
- ↑ Kirchgemeinden im Kanton Schwyz - Katholiken/innen per 1.1.2021. Abgerufen am 13. April 2021.
- ↑ Steinmetzvertrag 7. Mai 1893 Pfarreiarchiv Illgau
- ↑ NZZ vom 14. April 2022: Ein Holzhaus aus der Gründerzeit der Eidgenossenschaft wurde abgerissen — der Heimatschutz droht mit Strafanzeige


