Industriebahn Berlin

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IGB Industriebahn-Gesellschaft Berlin mbH
Logo der IGB GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1988
Sitz Berlin, Deutschland
Leitung Detlef Bröcker
Mitarbeiter 30 (2010)[1]
Website www.captrain.de/IGB

Die Industriebahn-Gesellschaft Berlin mbH (IGB) ist ein Eisenbahnverkehrs- und -infrastrukturunternehmen, das in Berlin Güterverkehr auf dem verbliebenen Streckennetz in Neukölln und Ruhleben durchführt. Das Streckennetz hat eine Länge von rund 21 Kilometer. Die Gesellschafter sind Captrain Deutschland GmbH (50,2 %) und BEHALA (49,8 %). Die IGB ist Mehrheitsaktionär bei einer weiteren Captrain-Tochter, der Niederbarnimer Eisenbahn-AG (66,9 %).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die IGB wurde am 23. Dezember 1988 vom Land Berlin zur Koordinierung des Betriebs aller 16 Berliner Klein- und Privatbahnen[2] (beispielsweise der Industriebahn Neukölln)[3] gegründet. Im Zuge der Privatisierungsbestrebungen veräußerte Berlin 1996 und 1997 99 % der Anteile.[4] Um den Güterverkehr auszuweiten, wurde am 16. Mai 2000 zusammen mit der Prignitzer Eisenbahn GmbH (PEG) das Tochterunternehmen Rail Cargo Berlin GmbH (RCB) gegründet.[5] Nach Anfangserfolgen wurde dieses Unternehmen mit einem anderen Captrain-Tochterunternehmen, der Regiobahn Bitterfeld GmbH, am 1. Januar 2005 zur Regiobahn Bitterfeld Berlin GmbH (RBB) zusammengeschlossen.

Streckennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DL 06 (Typ Henschel DHG 700 C) am Bahnübergang Lahnstraße
Industriebahn Neukölln an der Lahnstraße, ein vom Oberhafen kommendes Anschlussgleis kreuzt von rechts nach links, 1988

Das gesamte Streckennetz der IGB hat eine Gleislänge von 21 Kilometer. Darauf werden etwa 1 Million Tonnen Güter befördert.[6]

In Neukölln werden ausgehend vom gleichnamigen Güterbahnhof (Gbf) über den Gbf Treptow vor allem ein verbliebener Anschließer am Streckenende im Industriegebiet an der Nobelstraße auf einem rund 10 Kilometer langen Gleisnetz bedient. Die Bedienung ist kompliziert, da bis zu drei Richtungswechsel erforderlich sind. Das Kehrgleis in der Lahnstraße, von dem früher zahlreiche Anschlussgleise abzweigten, wurde Anfang 2000 auf die Mindestlänge zum Kehren einer Wagengruppe verkürzt. An dem zur Betriebsstelle in der Dieselstraße führenden Industriegleis werden gelegentlich noch zwei Anschließer und das Estrel, das größte Hotel Deutschlands, bedient, für das ein eigener Bahnsteig für seltene Sonderfahrten vorgehalten wird.[7] Durch die geplante Vergrößerung des Hotels und der abnehmenden wirtschaftlichen Nutzung des Bereiches östlich des Neuköllner Schiffahrtskanals wird mittel- bis langfristig eine Aufgabe dieses Streckenabschnitts von Seiten des Bezirksamtes Neukölln angestrebt. Dafür muss vor allem ein neuer Standort für den Lokschuppen gefunden werden.[8]

Der Gbf. Berlin-Treptow wurde 2006 von den KLÖSTERS Baustoffwerken mit Sitz in Kerpen erworben und zum 1. Juli 2010 wieder in Betrieb genommen. Wegen des schlechten Zustandes der Gleisanlagen konnten nur die Gleise 10 und 11 gerettet und reaktiviert werden. Im September 2014 erfolgte ein Ausbau der beiden Gleise auf eine Nutzlänge von nun 576 m. Auch eine Weichenverbindung wurde neu eingebaut. Betreiber des Gbf. Treptow ist VEPAS bahnservice mit Sitz in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) im Auftrag der KLÖSTERS Baustoffwerke. Seit 2011 verkehren regelmäßig Ganzzüge mit Baustoffen aus den Kieswerken Röderau und Mühlberg nach Berlin. Bis Ende Januar 2015 erbrachte die IGB die letzte Meile für diese Zugleistungen zwischen dem Bahnhof Neukölln und dem Gbf. Treptow.

Vom Gbf Ruhleben werden Anschließer im Südhafen Spandau, in Ruhleben und Siemensstadt bedient.

Güterverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1. Juli 1993 verkehrt auf dem Streckennetz Neukölln ein 510 Meter langer Kaffee-Logistikzug mit 60 Containern, die etwa 1.200 Tonnen Rohkaffee enthalten, aus Bremen zweimal wöchentlich zu einer Rösterei der Firma Mondelēz International in der Nobelstraße. Dabei wird der Zug aufgrund des kurzen Kehrgleises in der Lahnstraße in drei bis vier Wagengruppen zugestellt. Dieser Transport wurde vollständig von der Straße auf die Eisenbahn verlagert.[9] Bis zum 15-jährigen Jubiläum Mitte 2008 verkehrten 1.500 Züge, die etwa 100.000 LKW-Fahrten ersetzten.[10]

Von 2007 bis 2009 wurden von einem Anschlussgleis Flachwagen mit Wohncontainern (für die Bundeswehr und Hilfsorganisationen) auf ihre 6.000 Kilometer lange und etwa 30 Tage dauernde Reise in das afghanische Hayratan versandt.[11] Die Verladung erfolgte danach im Güterverkehrszentrum Großbeeren.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DL 06 überquert mit einem Sonderzug des Vereins Traditionszug Berlin e.V. den Neuköllner Schifffahrtskanal, 2008

Die IGB besitzt vier Triebfahrzeuge.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2010 bis zum 31.12.2010. 17. Juni 2011, abgerufen am 9. März 2012.
  2. "Kartenübersicht Privat- und Werkbahnen in Berlin". Abgerufen am 4. Januar 2011.
  3. "Geschichte der Industriebahn Neukölln". Abgerufen am 4. Januar 2011.
  4. Vgl. „Privatisierung von Unternehmensbeteiligungen in Berlin seit dem Jahr 1990“, S. 187. Abgerufen am 4. Januar 2011.
  5. vgl. "PEG Engagement im Güterverkehr: Rail Cargo Berlin GmbH". Abgerufen am 4. Januar 2011.
  6. IGB Industriebahn-Gesellschaft Berlin mbH: Effiziente Logistik-Konzepte für die Berliner Industrie. 2011, abgerufen am 9. März 2012.
  7. http://www.captrain.de/fileadmin/Redaktion-Captrain/PDF/Eisenbahninfrastruktur/Berliner_Umland/IGB_NBS_Liste_der_Entgelte.pdf. 1. März 2012, abgerufen am 9. März 2012 (PDF; 18 kB).
  8. Begründung zum Bebauungsplan XIV-245ba (Sonnenallee 228) für das Grundstück Sonnenallee 228, ein Nebengleis der Industriebahn sowie einen Abschnitt des Neuköllner Schifffahrtskanals im Bezirk Neukölln, S. 34 und 52f. Bezirksamt Neukölln, Amt für Planen, Bauordnung und Vermessung, Fachbereich Stadtplanung, 25. März 2003, abgerufen am 11. Mai 2014 (PDF).
  9. Vgl. Kraft Foods Deutschland, "„Zügiger“ und umweltschonender Transport von Rohkaffee von Bremen nach Berlin", Pressemitteilung Juli 2008. Archiviert vom Original am 15. November 2008. Abgerufen am 4. Januar 2011.
  10. Vgl. DB-Pressemitteilung vom 29. Juli 2008: "1.500 Kaffeezüge: DB Schenker und Kraft Foods erheben die Tassen anlässlich 15 Jahre Jacobs Café Logistik-Zug. Abgerufen am 11. Mai 2014.
  11. STUTE unterstützt Bundeswehr mit kompetenter Transportlogistik PDF. Abgerufen am 4. Januar 2011.@1@2Vorlage:Toter Link/www.stute.de (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  12. "Fahrzeuge der IGB". Abgerufen am 19. Oktober 2013.