Jörg Huffschmid

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Jörg Huffschmid (* 19. Februar 1940 in Köln; † 5. Dezember 2009 in Bremen)[1] war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Er leitete bis 2005 das Institut für Europäische Wirtschaft, Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik der Universität Bremen und war Gründungsmitglied der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (Memorandum-Gruppe).

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1959 bis 1963 studierte Huffschmid Philosophie und Wirtschaftswissenschaft in Freiburg im Breisgau, Paris und an der FU Berlin, die ihm abschließend den akademischen Grad Diplom-Volkswirt verlieh. 1967 promovierte er über „Die Stellung der Daten als Methodenproblem der Sozialwissenschaften“ zum Doktor der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Dr. rer. pol.). 1973 berief ihn die Universität Bremen zum Professor des Lehrstuhls für Politische Ökonomie und Wirtschaftspolitik. Gemeinsam mit anderen gründete er 1975 die auch als „Memorandum-Gruppe“ bekannte Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik. Von 1983 bis 1989 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des DKP-nahen Instituts für Marxistische Studien und Forschungen (IMSF). Ab 1984 war er einige Jahre lang Vorstandsmitglied der DKP. 1995 war er Gründungsmitglied der Arbeitsgruppe European Economists for an Alternative Economic Policy in Europe. Huffschmid war seit dem 1. März 2005 emeritiert.

Schwerpunkte: Europäische Integration, Finanzmärkte, Unternehmenskonzentration, Ökonomie der Rüstung und Abrüstung einschließlich Konversion

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2000 war Huffschmid Mitglied der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages „Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten“. Er war Mitherausgeber der politisch-wissenschaftlichen Monatszeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik. Huffschmid saß in den Beiräten von Wissenschaft und Frieden, der Bremischen Stiftung für Rüstungskonversion, von Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung und des globalisierungskritischen Netzwerks Attac.

Huffschmid war Mitverfasser der jährlich erscheinenden Memoranden der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik. Mehrere seiner Studenten waren maßgeblich am Aufbau von Attac in Deutschland beteiligt. Einer von ihnen ist der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold.

Im Jahr 2011 wurde erstmals der Jörg-Huffschmid-Preis verliehen. In Gedanken an das wissenschaftliche Werk und das gesellschaftspolitische Engagement von Jörg Huffschmid haben die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, attac und der wissenschaftliche Beirat von attac, die EuroMemo Gruppe und die Rosa-Luxemburg-Stiftung diesen Preis ausgelobt. Erste Preisträgerin war Nicola Liebert. Der nächste Preis wurde 2013 verliehen und ging an Ingo Stützle und Florian Butollo. 2017 sind Etienne Schneider und Ulaş Şener die Preisträger.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Politik des Kapitals. Konzentration und Wirtschaftspolitik in der Bundesrepublik. Suhrkamp, 1969, ISBN 3-518-10313-X.
  • Politische Ökonomie der Finanzmärkte. Zuerst 1999, erweiterte und aktualisierte Neuauflage Hamburg 2002, ISBN 3-87975-863-8.
  • Gegen die Markt-Orthodoxie. Perspektiven einer demokratischen und solidarischen Wirtschaft. Festschrift zum 60. Geburtstag von Rudolf Hickel. (Herausgeber mit Heiner Heseler und Norbert Reuter) VSA-Verlag, 2002, ISBN 3-87975-844-1.
  • Öffentliche Finanzen gerecht gestalten! (mit Dieter Eißel) (Attac-Basistexte, 10) VSA-Verlag, 2004, ISBN 3-89965-070-0.
  • Was ist Globalisierung? (Attac-Basistexte, 14) VSA-Verlag, 2004, ISBN 3-89965-105-7.
  • Die Privatisierung der Welt. Hintergründe, Folgen, Gegenstrategien. Reader des wissenschaftlichen Beirats von Attac. (als Herausgeber) VSA-Verlag 2004, ISBN 3-89965-109-X.
  • Rudolf Hickel/Axel Troost (Hrsg.): Kapitalismuskritik heute. Zeitdiagnosen: Vom staatsmonopolistischen Kapitalismus zum finanzmarktgetriebenen Kapitalismus. VSA-Verlag, Hamburg 2010, ISBN 978-3-89965-396-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Presseerklärung von Axel Troost