Jürgen Harksen

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Jürgen Smith (geboren als Jürgen Harksen am 30. Dezember 1960 in Flensburg) ist ein deutscher verurteilter Finanzbetrüger und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harksen wurde als Sohn eines Vertreters und einer dänischen Friseurin geboren. Er hat zwei ältere Brüder und eine jüngere Schwester. Er absolvierte den Realschulabschluss.

Harksen arbeitete zuerst als Gerichtsvollziehergehilfe. Nachdem er 1986 nach Hamburg gezogen war, verlegte er sich 1987 darauf, Geldanleger unter Vorspiegelung einer Rendite von bis zu 1300 % zu Beteiligungen an nicht existierenden Investmentunternehmen zu veranlassen. Nach dem Schneeballsystem zahlte er den ersten Kleinanlegern Renditen aus, so dass wohlhabende Hanseaten auf ihn aufmerksam wurden. Der Sänger Udo Lindenberg legte 100.000 DM bei ihm an, bekam aber über Nacht Zweifel und erhielt sein Geld zurück. Dieter Bohlen erwähnt Harksen in seiner Biografie und beziffert die verlorene Summe auf drei Millionen DM. Harksen bestreitet dies jedoch und bekräftigt, er habe Bohlen das Geld nebst einer Abfindung von 600.000 Mark zurückgegeben. Bohlen stellte nie einen Strafantrag gegen Harksen.

Das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 11. April 2003 stellte fest, Harksen habe durch Vorspiegelung tatsächlich nicht bestehender Investmentanlagen von etwa dreihundert Geschädigten in den Jahren 1987 bis 1992 insgesamt mindestens 150 Millionen DM betrügerisch erlangt und bis auf Rückzahlungen in einer Größenordnung bis zu 50 Millionen DM überwiegend für seinen äußerst luxuriösen Lebensstil verbraucht.

1993 floh Harksen mit seiner Familie nach Kapstadt, Südafrika, um den Gläubigern zu entfliehen und einer bevorstehenden Verhaftung zu entgehen. Auch von dort aus akquirierte er neue potenzielle Anleger und schaffte es, die alten Anleger weiterhin zu vertrösten, indem er sie zu sich nach Kapstadt einlud, aufwendige Feste feierte und angeblich seriösen weiteren Anlegern und Finanzprüfern vorstellte. Dabei bescheinigte ihm ein Wirtschaftsprüfer ein Vermögen von mindestens 1 Mrd. DM.[1] Dieser unterstützte sodann Harksen, als dieser von seinen Gläubigern bedrängt in Südafrika Zuflucht suchte[2]; das Landgericht Hamburg (Urteil vom 11. April 2003, 620 KLs 8/99) verurteilte ihn deshalb wegen Betrugs und versuchter Strafvereitelung zu 2 Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung.[3] Nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen lieferte Südafrika Harksen am 30. Oktober 2002 nach Deutschland aus.[4]

Bis dahin hatte er mit unveränderter Energie versucht, die Geschädigten von Maßnahmen gegen ihn abzuhalten, und es im Übrigen verstanden, das Ende 1993 eingeleitete Auslieferungsverfahren mit erheblichem Aufwand an juristischen Beratern in die Länge zu ziehen. So konnte er wegen teilweiser Verjährung, aber auch wegen eines entsprechenden Vorbehalts der südafrikanischen Behörden bei der Auslieferung letztlich nur noch wegen eines Schadens von rund 30 Millionen DM belangt werden, den er drei Hamburger Anlegern zugefügt hatte. Das Landgericht Hamburg verhängte dafür wegen Betrugs in 52 Fällen sechs Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe.[5]

Harksen wurde Anfang 2005 aus der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel in den offenen Strafvollzug der Justizvollzugsanstalt Glasmoor verlegt. Von dort aus arbeitete er ab September 2005 im Freigang als Koch in einem Restaurant. Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung seiner Memoiren Wie ich den Reichen ihr Geld abnahm und ihrem Vorabdruck in der Bild-Zeitung wurde er, nachdem im Januar 2006 eine vorzeitige Haftentlassung auf Bewährung vom Oberlandesgericht abgelehnt worden war, im Februar 2006 in den geschlossenen Vollzug zurückverlegt. Auf Intervention seines Rechtsbeistandes kam er jedoch schon am Folgetag wieder in den offenen Vollzug zurück. Nach Verbüßung seiner Strafe wurde er am 12. Februar 2008 aus der Haft entlassen.

Mit seiner zweiten Frau Claudia Smith, deren Namen er bei der Eheschließung annahm, und seinen drei Söhnen lebte er noch etwa ein Jahr in Hamburg[6] und übersiedelte dann mit ihnen nach Mallorca, wo er sich im Weinhandel betätigt.[7]

In dem Dokumentarfilm Die Hochstapler aus dem Jahr 2007 von Alexander Adolph gab Harksen ein ausführliches Interview zu seinen Straftaten. Dieter Wedel ließ sich durch den Fall Harksen zu dem zweiteiligen Fernsehfilm Gier inspirieren, der im Januar 2010 ausgestrahlt wurde. Die Rolle des Hochstaplers spielt Ulrich Tukur.

Am 8. September 2015 wurde Jürgen Smith vom Landgericht Hamburg erneut wegen Betruges (Tatzeit 2010) zu einem Jahr und 3 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Den Schaden von 121.000 Euro soll Smith inzwischen wiedergutgemacht haben.[8] 2016 geriet Harksen in Verdacht, einen Betrüger für einen Gerichtsprozess organisiert zu haben, der als Zeuge gegen Zahlung von 200.000 Euro mit einer Falschaussage die Angeklagte decken sollte.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Harksen und Ulf Mailänder: Wie ich den Reichen ihr Geld abnahm: Die Karriere eines Hochstaplers. Scherz Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-502-15011-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Betrüger Harksen zu Haftstrafe verurteilt. Berliner Zeitung. 12. April 2003.
  2. Frank Siering: BETRUG Wende am Kap der guten Hoffnung. Bild.de. 25. Februar 1995.
  3. Anlagebetrüger Harksen zu Haftstrafe verurteilt. Faz.Net date=2003-4-11.
  4. Frank Siering: BETRUG Wende am Kap der guten Hoffnung. Bild.de. 25. Februar 1995.
  5. Sechs Jahre und neun Monate für Harksen. Die Welt. 12. April 2003.
  6. Mark Bittner: Die neue Liebe des Jürgen Harksen. Bild.de. 3. Februar 2009.
  7. Holger Weber: Millionenbetrüger Jürgen Harksen: ´Gierig waren nur meine Kunden´. Mallorca Zeitung. 14. Januar 2010.
  8. Anja Wieberneit: Millionen-Betrüger Jürgen Harksen wieder vor Gericht. Bild.de. 10. September 2015.
  9. Martin Eimermacher: Hat Harksen den falschen Zeugen organisiert?. Die Welt. 17. Januar 2016.