Jacob Collier

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Jacob Collier (2016)

Jacob Collier (* 2. August 1994 in London) ist ein Sänger, Arrangeur, Komponist und Multiinstrumentalist. 2011 erregten seine selbstproduzierten Videos mit Covern erfolgreicher Popsongs, wie z. B. Stevie Wonders Don’t You Worry ’bout a Thing auf YouTube Aufmerksamkeit.

Colliers Stil ist gekennzeichnet durch die Vermischung verschiedener Elemente von Jazz, A cappella, Groove, Folk, Trip-Hop, klassischer Musik, Gospel und Soul mit Improvisation. 2014 wurde er von Quincy Jones entdeckt und von dessen Produktionsfirma unter Vertrag genommen und begann am MIT in Boston[1] mit der Entwicklung seines „Live Performance Vehicle“[2] für seine Auftritte. Am 1. Juli 2016 debütierte er beim Label Membram Entertainment Group mit seinem Album In My Room, auf dem er jede Stimme selbst singt und jedes Instrument selbst spielt.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Collier wuchs im Norden Londons mit zwei Schwestern bei seinen Eltern auf.[3] Musik gehörte stets zu seinem Leben und dem Leben seiner Familie.[4] Seine Mutter, Susan Collier, ist eine Musikdozentin, Violinistin und Dirigentin an der Royal Academy of Music. Ihr Vater, Derek Collier, war ebenfalls ein an der Royal Academy of Music lehrender Violinist, der mit Orchestern auf der ganzen Welt auftrat. Jacob Collier liebt es nach eigener Aussage, mit seiner Familie Bach-Choräle zu singen.[3]

Als Kind war Collier, der damals Jacob Moriarty hieß, auch Filmschauspieler.[5] Er spielte den kleinen Tim in der Verfilmung des Musicals A Christmas Carol. Gleichzeitig vertiefte er sich in klassische Musik und sammelte Erfahrung als Knabensopran, z.B. als einer der drei Knaben in Mozarts Zauberflöte und als „Miles“ in Benjamin Brittens The Turn of the Screw; Britten beeinflusste stark Colliers Verständnis und Anwendung von Harmonik. Collier bekam 2008 die Goldmedaille des Associated Board of the Royal Schools of Music (ABRSM), weil er landesweit die beste Note im „Grade 8 Singing“, einem Gesangs- und Gehörtest, erreicht hatte.[6]

2011 begann Collier in seinem Zimmer selbstgemachte multi-instrumentelle Musikvideos zu produzieren und auf YouTube hochzuladen. Mit seiner Version von Stevie Wonders Isn’t She Lovely, spätestens aber mit dem Cover von Pure Imagination aus dem Film Charlie und die Schokoladenfabrik schaffte er den Durchbruch. 2013 festigte seine Darbietung von Stevie Wonders Don’t You Worry ’bout a Thing seinen Ruf als eines der vielversprechendsten Nachwuchstalente der Jazzmusik.

2014–2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu dieser Zeit nahm Ben Bloomberg, ein Student am MIT Media Lab Kontakt über Facebook mit Collier auf, weil er mit ihm musikalisches Hardware- und Software-Equipment für Live-Auftritte entwickeln wollte. In den folgenden Monaten schufen die beiden eine Live-Show, die die Faszination von Colliers YouTube-Videos multimedial abbildete.[7]

Mit Unterstützung von Louis Mustill und William Young von der Agentur Artists and Engineers wurde Colliers Liveshow fertiggestellt und er begann durch Europa und die USA zu touren. Die technisch aufwändige Show ist geprägt von Schleifen (Loops), die durch verschiedene Instrumente von Collier im Halbkreis um ihn herum in Gang gesetzt werden (Live Looping); dabei werden multi-instrumentelle Loops mit 3D-Echtzeitvideo-Schleifen gekoppelt, um ein audiovisuelles Erlebnis zu schaffen. Ein charakteristischer Bestandteil der Show ist ein „Vokalharmonizer“, der von Bloomberg und Collier entworfen und gebaut wurde.[8]

“I’ve been able to breathe some life into some pretty insane ideas. [This includes] the invention of my harmonizer at MIT in Boston, which is an instrument which allows me to create multi-vocal harmonies of up to 12 notes, on the spot.”

„Ich konnte einigen ziemlich verrückten Ideen Leben einhauchen. [Dies umfasst] die Erfindung meines Harmonizers am MIT in Boston, ein Instrument, das mir erlaubt, bis zu zwölfstimmige Gesangsharmonien gleichzeitig zu erschaffen.“

Erstmals trat Collier mit seiner Show in Ronnie Scott’s Jazz Club in London auf. Ein paar Wochen später leitete er damit auf dem Montreux Jazz Festival 2015 den Auftritt von Herbie Hancock und Chick Corea ein.

2015–2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2015 wandte sich Beats Electronics, die Audiotechnik-Firma von Dr. Dre, an Collier, um von ihm die Musik zu The Game Starts Here, der Kampagne zur Rugby-Union-Weltmeisterschaft in England, erstellen zu lassen. Collier nahm eine A-cappella-Version der bekannten Hymne Jerusalem für den Werbespot auf, der vor jedem Spiel im britischen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Ende 2015 begann Collier mit den Arbeiten an seinem Debütalbum In My Room. Im gleichen Stil wie in seinen YouTube-Videos wurde es ausschließlich von ihm selbst arrangiert, aufgenommen und produziert. Jedes Instrument wurde von ihm selbst gespielt, und acht der elf Stücke schrieb er selbst. Innerhalb von drei Monaten wurde das Album aufgenommen und abgemischt. Wieder war der Aufnahmeort das Musikzimmer in seinem Elternhaus in London, daher der Titel In My Room. In einem Radiointerview mit Front Row Live,[9] einem Programm von BBC Radio 4, erklärte er die Wahl des Ortes:

“This album is representative of how I’ve made music up until this point, in that room … I probably won’t have that world forever in this way, so I wanted to make sure I crystallised for myself how it felt to be there.”

„Dieses Album repräsentiert, wie ich bisher Musik gemacht habe, in jenem Zimmer … Wahrscheinlich wird mir diese kleine Welt nicht für immer zur Verfügung stehen; darum wollte ich sicherstellen, dass ich mir selbst gezeigt habe, wie es sich angefühlt hat, dort zu sein.“

Sein Album erschien am 1. Juli 2016 und wurde weltweit durch das Label Membran Entertainment Group vertrieben. Nach der Veröffentlichung begab sich Collier mit seiner Show auf eine Welttour, die Musik von seinem Album ebenso wie von seinen YouTube-Videos enthält.

Im Vorfeld zur Veröffentlichung von In My Room startete Collier die Kampagne #IHarmU mit Hilfe von Patreon, einer Crowdfunding-Website für Kreativ-Profis: Patreon sendet ihm 15 Sekunden lange Musik-Videoclips, die er, unabhängig davon, wo er sich aufhält, visuell mit seinem typischen Layout mit sechs verschiedenen bewegten Versionen seines Gesichts und akustisch mit seinen Harmonien ergänzt. Die so entstandenen Videos werden auf Facebook, Twitter und Instagram hochgeladen.[10] Die Kampagne hat seine Gefolgschaft in den Sozialen Medien stark vergrößert. Namhafte Förderer sind der britische Jazzmusiker Jamie Cullum, Ben Folds und Kevin Olusola von der A-Capella-Band Pentatonix, für die er den Titel White Christmas auf ihrem aktuellen Album arrangierte. Bei diesem Titel arbeitete Pentatonix mit The Manhattan Transfer zusammen.

Am 22. August 2016 nahm Collier bei den BBC Proms an einem Konzert zu Ehren von Quincy Jones in der Royal Albert Hall in London teil, bei dem er, arrangiert von ihm selbst, mit dem Metropole Orkest neben anderen Songs sein In The Real Early Morning präsentierte.

Diskographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In My Room (2016)

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grammy-Award-Auszeichnungen

  • 2017:
    • Bestes Instrumental- oder A-cappella-Arrangement: You and I
    • Bestes Arrangement von Instrumenten und Gesang: Flintstones[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jacob Collier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jacob Collier review – jazz’s new messiah. In: theguardian.com. Abgerufen am 21. Dezember 2016
  2. Ein Genius im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In: stuttgarter-nachrichten.de. Abgerufen am 21. Dezember 2016
  3. a b Jacob Collier – the vocalist/multi-instrumentalist YouTube sensation. In: jazzwisemagazine.com. Abgerufen am 22. Dezember 2016
  4. „Hausmusik und Herbie Hancock“ Abgerufen am 24. Dezember 2016
  5. Jacob Moriarty in der Internet Movie Database (englisch)
  6. Jacob Collier – Encore. In: joinencore.com. Abgerufen am 23. Dezember 2016
  7. Jacob Collier and Ben Bloomberg Turn to DPA Microphones to Record Live Stage Shows. In: audioxpress.com. Abgerufen am 23. Dezember 2016
  8. Quincy Jones presents the future of music with Jacob Collier and Justin Kauflin at Ronnie Scott's. In: jazzwisemagazine.com. Abgerufen am 23. Dezember 2016
  9. Vgl. en:Front Row (radio) in der englischen Wikipedia
  10. Jacob Collier's #IHarmU Vol. 1 und Jacob Collier's #IHarmU vol. 2. Abgerufen am 24. Dezember 2016
  11. 59th Grammy Winners: Jacob Collier. In: grammy.com. Abgerufen am 14. Februar 2017