Jakob Balzert

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Jakob Balzert (* 6. Januar 1918; † 23. Juni 1997)[1] war ein deutscher Fußballspieler, der mit dem FV/1. FC Saarbrücken in den Jahren 1943 und 1952 zweimal im Finale der deutschen Fußballmeisterschaft gestanden hat.

Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verein, bis 1955[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der vom SF 1931 Köllerbach gekommene „Jockel“ Balzert beherrschte ab der Runde 1938/39 die linke Seite des Saarbrücker Spiels. Mit technischer Raffinesse und listigen Einfällen sorgte er immer wieder über die linke Flanke für Impulse im Offensivspiel der Schwarz-Blauen vom Kieselhumes. Den sportlich ersten Höhepunkt erlebte der Spielmachertyp in der Kriegsrunde 1942/43 mit dem Meisterschaftserfolg des FV Saarbrücken in der Gauliga Westmark und damit dem Einzug in die Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft. Nach Erfolgen gegen den FC Mülhausen 1893, SV Victoria 11 Köln, VfR Mannheim und im Halbfinale gegen First Vienna FC 1894 zog er mit den „Molschdern“ in das Finale am 27. Juni 1943 in Berlin gegen den Dresdner SC ein. An der Seite der Mitspieler Wilhelm Sold, Johann Herberger und dem Karlsruher Mittelstürmer Herbert Binkert konnte er aber auch nicht den Meisterschaftserfolg der Sachsen um deren Achse Willibald Kreß, Herbert Pohl, Walter Dzur, Helmut Schubert, Richard Hofmann und Helmut Schön verhindern.

In der Nachkriegszeit wurde das Saarland erneut (erstmals 1920–1935) eigenständig. Der FVS-Nachfolger 1. FC Saarbrücken blieb zunächst im deutschen Spielbetrieb und trug von 1945/46 bis 1947/48 seine Rundenspiele in der Oberliga Südwest, Gruppe Nord, aus. Als dies ab der Runde 1948/49 nicht mehr möglich war, bekamen die Blau-Schwarzen nach langen Verhandlungen einen Platz in der zweiten französischen Division. Als FC Sarrebruck spielten Balzert und Kollegen außer Konkurrenz im französischen Spielbetrieb mit und belegten dort den ersten Rang. Nach 37 Spielen hatte die Mannschaft von Trainer „Ossi“ Müller 26 Spiele gewonnen, sieben unentschieden gespielt und vier verloren. Das Torverhältnis lautete 148:50 bei 59 Punkten. Diese Platzierung taucht aber bis heute in keiner Abschlusstabelle des französischen Verbandes auf. Nach dieser „Reiserunde“ – 23.314 km Bahnfahrt brachten die Malstatter hinter sich – schieden die Saarbrücker aus dem Spielbetrieb der Fédération Française de Football (FFF) aus und trugen in den folgenden zwei Jahren ausschließlich Freundschaftsspiele aus – darunter die um den lukrativen vom FCS organisierten Internationalen Saarlandpokal.

Er wurde zu einem weiteren Höhepunkt für „Jockel“ Balzert und den 1. FC Saarbrücken. Im Wettbewerb um den Pokal und die Siegprämie von zwei Millionen Franken spielte der 1. FC Saarbrücken zunächst zu Hause gegen 14 europäische Spitzenmannschaften und eine Mannschaft aus Santiago de Chile. Er wurde von September 1949 bis Mai 1950 ausgetragen. In der Endrunde setzte sich Saarbrücken am 10. Juni 1950 im Halbfinale mit einem 1:0-Erfolg durch ein Tor von Balzert gegen NK Hajduk Split durch und holte sich am 11. Juni im Finale mit einem 4:0-Sieg gegen Stade Rennais UC den Pokal.

In der Saison 1950/51 nahm als zweite gastgebende Mannschaft der VfB Neunkirchen am Wettbewerb teil. Die Qualifikationsspiele wurden als Hin- und Rückspiele ausgetragen. Nachdem die Aufnahme des saarländischen Fußballs in die deutsche Ligastruktur für die Spielzeit 1951/52 feststand, flachte das Interesse für den Internationalen Saarlandpokal ab und das französische Hochkommissariat strich die Finanzierung der Endrunde, so dass der Wettbewerb nicht zu Ende geführt wurde.

Balzert bereiste in den frühen 50er Jahren mit dem 1. FC Saarbrücken halb Europa, trug viele Freundschaftsspiele aus und der 1. FCS wurde in der Presse als „interessanteste Elf Europas“ bezeichnet. Sensationell war am 21. Februar 1951 der 4:0-Erfolg bei Real Madrid. Reals Heimniederlage im Estadio Chamartin – das spätere Estadio Santiago Bernabéu – besiegelten Balzert, Clemens, Binkert und Prieur.

Als der 1. FC Saarbrücken in der Serie 1951/52 wieder in der Fußball-Oberliga Südwest spielberechtigt war, feierten Balzert und Kollegen unter der Regie von Trainer Auguste Jordan mit sechs Punkten Vorsprung vor TuS Neuendorf und gar neun Punkten Abstand zum 1. FC Kaiserslautern auf Anhieb die Meisterschaft. Den Startpfiff im Südwesten erlebten Neunkirchen und der 1. FCS verspätet am vierten Spieltag. Dabei erzielte Balzert beim 3:1-Auswärtserfolg gegen Eintracht Trier die 1:0-Führung und damit das erste Tor für den 1. FC Saarbrücken in der eingleisigen Fußball-Oberliga Südwest. Nach dem zwölften Spieltag – der 1. FCS hatte aber nur neun Spiele ausgetragen – stand Saarbrücken mit 18:0 Punkten und 28:4 Toren bereits souverän an der Tabellenspitze. Nach 30 Rundenspielen konnten Balzert und Kollegen endgültig die Meisterschaft und damit den Einzug in die Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft feiern.

In der Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft 1952 – vom 27. April bis 22. Juni – absolvierte der 34-jährige Routinier seine Einsätze als ballgewandter linker Außenläufer die Gruppenspiele gegen den FC Schalke 04, 1. FC Nürnberg und den Hamburger SV und qualifizierte sich mit 8:4 Punkten für das Endspiel. Er gehörte auch beim entscheidenden Gruppenspiel am 8. Juni 1952 vor 35.000 Zuschauern im Kieselhumes gegen den 1. FC Nürnberg der mit 3:1 siegreichen Malstatter Elf an und bestand dabei auch das Duell gegen Max Morlock, der beim „Club“ auf Halbrechts stürmte. Trotz des herausragenden Innentrios mit Herbert Martin, Herbert Binkert und Peter Momber verloren die Blau-Schwarzen aber das Finale mit 2:3 Toren gegen den VfB Stuttgart. In den Jahren 1953 und 1955 belegte der Senior Balzert mit dem 1. FC Saarbrücken noch zweimal den dritten Rang in der Oberliga Südwest. Sein letztes Oberligaspiel absolvierte der filigrane Techniker am 27. Februar 1955 mit 37 Jahren gegen den FV Speyer, als man sich mit einem 1:1-Remis in der Domstadt trennte. Insgesamt wird Balzert von 1945 bis 1948 und 1951 bis 1955 mit 115 Oberligaspielen mit 19 Toren geführt. Daneben war er noch in der Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft in zwölf Spielen mit drei Toren im Einsatz.

Nationalmannschaft, 1951 bis 1953[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jakob „Jockel“ Balzert kam in der Auswahl des damals autonomen Saarlandes zu sechs Länderspielberufungen. Herausragend waren dabei seine zwei Spiele für die saarländische Fußballnationalmannschaft in der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz gegen Deutschland und Norwegen. Zwar war er mit seinen 35 Jahren im Oktober und November 1953 nicht mehr im Zenit seines Könnens, trotzdem trug er mit seiner Balltechnik und Übersicht immer noch mit dazu bei, dass sich einmal die Herberger-Elf gegen den Außenseiter von der Saar beim Stuttgarter 3:0-Erfolg weit schwerer tat, als es das Resultat ausdrückt und die Norweger in Saarbrücken lediglich zu einem schmeichelhaften 0:0 kamen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Skrentny (Hrsg.): Teufelsangst vorm Erbsenberg. Die Geschichte der Oberliga Südwest 1946–1963. Klartext, Essen 1996, ISBN 3-88474-394-5.
  • Hardy Grüne: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 1: Vom Kronprinzen bis zur Bundesliga. 1890 bis 1963. Deutsche Meisterschaft, Gauliga, Oberliga. Zahlen, Bilder, Geschichten. AGON Sportverlag, Kassel 1996, ISBN 3-928562-85-1.
  • Hardy Grüne, Lorenz Knieriem: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 8: Spielerlexikon 1890–1963. AGON Sportverlag, Kassel 2006, ISBN 3-89784-148-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Neu: Die 44 Nationalspieler des SFB von A wie Altmeyer bis Z wie Zägel. In: saar-nostalgie.de (31. Dezember 2016), abgerufen am 1. Januar 2017.