James Francis Edward Stuart

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Alexis Simon Belle: James Francis Edward Stuart, Gemälde um 1712
Antonio David: James Francis Edward Stuart, Gemälde um 1720
Schloss Saint-Germain-en-Laye

James Francis Edward Stuart, genannt the Old Pretender, (* 10. Juni 1688 im St James’s Palace; † 1. Januar 1766 in Rom) war Thronprätendent für den schottischen und den englischen Thron aus dem Hause Stuart. Er war der Sohn von Jakob II. von England und dessen zweiter (katholischer) Frau Maria von Modena. Er wurde von seinen Anhängern, den Jakobiten, als Jakob III. von England und Jakob VIII. von Schottland bezeichnet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jakob II. hatte aus erster Ehe zwei erwachsene Töchter, Maria und Anne, die protestantisch erzogen worden waren. Da damit gerechnet wurde, dass sie ihm auf dem Thron folgen würden, akzeptierten die Briten seine Herrschaft, obwohl er Katholik war. Als ihm aber seine katholische zweite Gattin Maria von Modena am 10. Juni 1688 einen Sohn, James Francis Edward, gebar, fürchtete ein Großteil der englischen Führungsschicht dessen Nachfolge, da der neugeborene Thronfolger nicht der anglikanischen Kirche angehörte. So bestand die Aussicht auf eine dauerhafte katholische Herrschaft in England. Die Herrschaft der katholischen Bloody Mary, Königin Maria I., und die Bartholomäusnacht in Frankreich waren das Schreckgespenst der meisten Engländer.

Sofort nach der Geburt des Prinzen tauchten Zweifel über seine Legitimität auf; er sei in Wirklichkeit nicht ein leiblicher Sohn Jakobs, sondern ein von den Jesuiten der Mutter untergeschobenes Kind. Diese war zwar bei seiner Geburt erst 29 Jahre alt, hatte aber zuvor bereits 11 Geburten hinter sich gebracht (davon sechs Fehlgeburten), von denen kein Kind mehr am Leben war; ein einziger Sohn hatte 1677 nur einen Monat lang gelebt, damals aber war noch Karl II. auf dem Thron und es bestand die Möglichkeit, dass er noch Kinder bekäme. Vier Jahre nach James Francis Edward sollte die Mutter dann noch eine Tochter gebären, Louisa Maria. Da es aber aus der Sicht der Adelsopposition keine neutralen Zeugen für die Geburt gab (obwohl traditionsgemäß wichtige Funktionsträger und viele Noblemen anwesend waren und dies auch protokolliert wurde), waren auch Maria und Anne vom Wahrheitsgehalt dieser Gerüchte überzeugt. Bereits am 30. Juni 1688, zwanzig Tage nach der Geburt des Thronfolgers, forderten sieben britische Magnaten Jakobs Schwiegersohn Wilhelm III. von Oranien brieflich zur Intervention in England auf.[1] Daher brachte die englische Königin ihren Sohn im Dezember 1688 nach Frankreich in Sicherheit.

Dort im Schloss Saint-Germain-en-Laye wuchs James Francis Edward Stuart mit seiner jüngsten Schwester Louisa Maria auf und wurde von Ludwig XIV. als rechtmäßiger Thronfolger Jakobs II. anerkannt. So bildeten sich die Jakobiten als die Gruppe, die seine Anwartschaft auf den Thron unterstützten. 1697 schloss Ludwig XIV. jedoch mit Wilhelm III. den Frieden von Rijswijk.

Nach dem Tod Jakobs II. wurde er 1701 von seinen Anhängern mit dem Titel Jakob III. von England und Jakob VIII. von Schottland zum König ausgerufen. Doch wegen seines katholischen Glaubens wurde er abgelehnt und stattdessen, als Anne starb, nach dem Act of Settlement von 1701 Georg I. von Hannover ins Land gerufen, der 1714 König wurde und das Haus Hannover als britisches Königshaus anstelle des Hauses Stuart etablierte. Am 2. März 1702 wurde er durch Parlamentsbeschluss geächtet und ihm damit alle britischen Adelstitel formell aberkannt.[2]

Im März 1708 wollte er am Firth of Forth landen,[3] um seine Thronansprüche gegen die herrschende Königin Anne, seine Halbschwester, geltend zu machen.

Nach dem Tod von Ludwig XIV. 1715 und seiner Mutter, Königin Maria Beatrice, 1718 übersiedelte James Francis mit seinem jakobitischen Exilhof 1719 schließlich nach Rom. Am 3. September 1719 heiratete James Francis Edward die Enkelin Johanns III. von Polen, Maria Clementina Sobieska. Aus dieser Ehe stammten die Söhne Charles Edward Stuart und Henry Benedict Stuart, der spätere Kardinal und Bischof von Frascati, der auch wie sein älterer Bruder Anspruch auf den britischen Thron erhob. James Francis Edward Stuart selbst verließ Rom nur selten und erhielt nach seinem Tod ein offizielles Staatsbegräbnis. Zusammen mit seiner Frau und seinen Söhnen ist er im Petersdom bestattet. Während seiner Zeit in Italien wurde er dauerhaft von Agenten der englischen Krone, darunter Philipp von Stosch, überwacht.

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

James Francis Edward Stuart und Maria Sobieska hatten zwei Söhne:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: James Francis Edward Stuart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eckhart Hellmuth: Wilhelm III. und Maria II. (1689–1702 und 1689–1694). In: Peter Wende (Hrsg.): Englische Könige und Königinnen. C. H. Beck. München 1998, ISBN 3-406-43391-X, S. 165.
  2. Alison Weir: Britain's Royal Families. The Complete Genealogy. The Bodley Head, London 1999, S. 261.
  3. manchmal wird der 13. März (z. B. Dictionary of Battles and Sieges: F-O. 2007, S. 353 oder John Hely Owen: War at Sea Under Queen Anne 1702-1708. Cambridge 2010, S. 238ff) und manchmal der 23. März (z. B. The Cambridge Modern History, Band 6. 1909, S. 93 („March 23 (March 12, O.S.“)) oder Spencer C. Tucker: A Global Chronology of Conflict. 2009, S. 705) genannt - am Morgen des 13. nach dem julianischen Kalender (der bis 1752 im U.K. gilt) wird die frz. Flotte vertrieben, siehe: George Lockhart: Memoirs Concerning the Affairs of Scotland ... With an Account of the Origine and Progress of the Design'd Invasion from France, in March, 1708. London 1714, S. 371
VorgängerAmtNachfolger
Titel neu geschaffen
(bis 1685: Charles Stuart)
Prince of Wales
Duke of Cornwall
Earl of Chester
1688–1702
Titel verwirkt
(ab 1714: Georg August von Hannover)
James II./VII.Jakobitischer Thronprätendent
1701–1766
Charles III.