Jasło

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jasło
Wappen von Jasło
Jasło (Polen)
Jasło
Jasło
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Karpatenvorland
Powiat: Jasło
Fläche: 36,52 km²
Geographische Lage: 49° 45′ N, 21° 28′ OKoordinaten: 49° 44′ 52″ N, 21° 28′ 17″ O
Höhe: 225 m n.p.m.
Einwohner: 35.713
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 38-200 bis 38-211
Telefonvorwahl: (+48) 13
Kfz-Kennzeichen: RJS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: JedliceTarnów
DK28 ZatorPrzemyśl
Nächster int. Flughafen: Rzeszów-Jasionka
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde & Landgemeinde
Einwohner: 35.713
(31. Dez. 2016)[1]
Gemeindenummer (GUS): 1805011
Verwaltung (Stand: 2010)
Bürgermeister: Andrzej Czarnecki
Adresse: Rynek 12
38-200 Jasło
Webpräsenz: www.um.jaslo.pl



Sroczyński-Palast in Jasło
Weinsorten aus Nord-Vorkarpaten. Die Vorkarpatische Dreistadt in Jasło (2013)

Audio-Datei / Hörbeispiel Jasło?/i (deutsch Jassel) ist eine Stadt in Polen in der Woiwodschaft Karpatenvorland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem Jahr 1185. Die Siedlung hieß im 13. Jahrhundert Jasziel und lebte vor allem vom Handel. Die Gewährung von Abgabenfreiheit und Rechtsprivilegien durch Herzog Bolesław Wstydliwy 1262 förderte das Wachstum.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen zeigt die Buchstaben J.A.R. und eine Krone in Gold auf rotem Hintergrund. Die Herkunft und das Datum der Vergabe des Wappens ist nicht gesichert. Möglicherweise erhielt die Stadt das Wappen von König Jan Olbracht (Joannes Albertus Rex) im 15. Jahrhundert. Der früheste Beleg der Verwendung eines Siegels mit dem Stadtwappen stammt aus den Jahren 1532 bis 1565.

Spätmittelalter und Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1365 verlieh Kasimir der Große das Stadtrecht nach Magdeburger Recht. 1368 ging die bisher im Besitz der Zisterzienser befindliche Stadt in den Besitz der polnischen Krone über. 1386 wurde die Stadt Jasol genannt. Seit Ende des 14. Jahrhunderts gab es eine Pfarrschule, ihr berühmtester Absolvent war Bartholomeus de Jassel (1383), später Professor an der Jagiellonen-Universität Krakau.

Kriegerische Auseinandersetzungen trafen im 15. Jahrhundert Jasło (z.B. 1474 Plünderung durch die Ungarn), das damals noch über keine Verteidigungseinrichtungen verfügte, und hemmten Handel und Wachstum. Als Gegenmaßnahmen minderten die Könige Kasimir IV. und Jan Olbracht die Abgabenlast und verliehen Privilegien. Ab Ende des 15. Jahrhunderts entstanden die ersten Häuser aus Stein.

1652 und 1653 wüteten Seuchen. Der Aufenthalt der polnischen Armee 1661 und 1662 führte zu Plünderungen und höheren Abgaben, was die Entwicklung Jasłos weiter dämpfte. Auch Brände suchten die Stadt heim, am schlimmsten 1670, 1683, 1691 und 1754.

Nach der Ersten Teilung Polens (1772) begann die österreichische Herrschaft über das Gebiet. 1790 wurde Jasło Kreisstadt, 1860 verlor es diesen Status wieder und wurde Teil des Kreises Tarnów.
Am 5. Januar 1826 zerstörte erneut ein großer Brand die Stadt fast vollständig.

Zweite Polnische Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns im November 1918 wurde Jasło wieder polnisch. Zwischen den Weltkriegen entstand ein neues Rathaus mit Statuen Kasimirs des Großen und Hedwig I. in seiner Fassade. Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lebten in der Stadt 12.000 Einwohner, darunter 3.000 Personen jüdischen Glaubens.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim deutschen Überfall auf Polen wurde Jasło am 8. September 1939 durch die Wehrmacht besetzt. Bei den Kampfhandlungen wurde in der Umgebung der Stadt von polnischen Truppen in begrenztem Umfang das Giftgas Lost eingesetzt.[2] 1941 wurde in der Nähe das Stammlager 325 Szebnie für sowjetische Kriegsgefangene errichtet. Es wurde später als so genanntes Zentral-Arbeitslager im Holocaust gegen Juden genutzt (ZAL, eine Form von KZ).[3] Am 13. September 1944 befahl der deutsche Bürgermeister Walter Gentz, die Stadt zu verminen und zu zerstören. Nach drei Monaten vorsätzlicher Zerstörung blieben von 1200 Gebäuden nur 40 übrig. Am 16. Januar 1945 erreichten die Rote Armee und tschechoslowakische Artillerieeinheiten das von Menschen entleerte Jasło.

Nachkriegsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1975 wurde Jasło Teil der Woiwodschaft Krosno, seit 1999 gehört es zur Woiwodschaft Karpatenvorland.

Adolf Hitler hatte der Stadt Jaslo eine aus Braunau am Inn stammende junge Eiche als Dank für die Geburtstagswünsche des damaligen Landrats geschenkt. Die im April 1942 gepflanzte so genannte Hitler-Eiche sollte im Juli 2009 nach Plänen der Bürgermeisterin Maria Kurowska gefällt und demonstrativ verbrannt werden. Die Entfernung des knapp 18 Meter hohen Baums ist möglicherweise jedoch nicht in der NS-Vergangenheit begründet, sondern in den Umbauplänen für eine neue Straßenkreuzung im Stadtzentrum – es soll ein Kreisverkehr gebaut werden.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1790 1921 1939 2000
Einwohnerzahl 1.500 10.257 12.000 38.871

Gmina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Jasło (Landgemeinde)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger
  • Karl Ritter von Stremayr (1823–1904), Minister für Kultus und Unterricht in Anerkennung seiner Verdienste um die Errichtung der Gymnasien und Mittelschulen Galiziens.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jasło – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB); abgerufen am 29. September 2017.
  2. Günther W.Gellermann: Der Krieg, der nicht stattfand. Möglichkeiten, Überlegungen und Entscheidungen der deutschen obersten Führung zur Verwendung chemischer Kampfstoffe im 2. Weltkrieg. Bernard&Graefe Verlag, Koblenz 1986, ISBN 3-7637-5804-6, S. 135–137 und 227–232.
  3. Frank Golczewski: Polen. In: Wolfgang Benz (Hg.): Dimension des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Oldenbourg, München 1991, S. 411–498, hier S. 476 und 485; Gerhard Schreiber: Die italienischen Militärinternierten im deutschen Machtbereich, 1943 bis 1945: verraten, verachtet, vergessen. Oldenbourg, München 1990, ISBN 3-486-55391-7, S. 310: „Ab 1.2.1944 Stalag 325 Szebnie“.