Jedwabno

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Gemeinde in Ermland-Masuren, für den gleichnamigen Ort in Kujawien-Pommern, siehe Jedwabno (Kujawien-Pommern).
Jedwabno
POL Jedwabno COA.jpg
Jedwabno (Polen)
Jedwabno
Jedwabno
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Szczytno
Geographische Lage: 53° 31′ N, 20° 44′ OKoordinaten: 53° 31′ 0″ N, 20° 44′ 0″ O
Einwohner: 1200
Postleitzahl: 12-122
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NSZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Olsztynek - Myszyniec
Nächster int. Flughafen: Flughafen Szczytno-Szymany
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Fläche: 311,51 km²
Einwohner: 3705
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 12 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2817032
Verwaltung (Stand: 2007)
Gemeindevorsteher: Włodzimierz Budny
Adresse: ul. Warmińska 2
12-122 Jedwabno
Webpräsenz: www.jedwabno.pl



Jedwabno [jɛd'vabnɔ] (deutsch Jedwabno, 1938–45 Gedwangen) ist ein Dorf und Sitz einer gleichnamigen Landgemeinde im Powiat Szczycieński (Ortelsburger Distrikt) der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in der historischen Region Ostpreußen, am südlichen Rand der Allensteiner Seenplatte, zwischen dem Hartig- und dem Narth-See, etwa 20 Kilometer südwestlich von Ortelsburg (Szczytno).

Ortelsburg ist über die Fernstraße 58 zu erreichen. Zahlreiche Erhebungen mit Höhen um 150 Meter gestalten die Landschaft hügelig, die dazu nach Westen hin mit dem ehemaligen Hartigwald bedeckt ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedwabno südlich von Allenstein und südwestlich von Ortelsburg auf einer Landkarte von 1908.
Dorfstraße
Dorfkirche (bis 1945 evangelisch).
Braynicker See

Im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts begann der Deutsche Orden mit der Besiedlung des damals so bezeichneten Sassenlandes östlich der Weichsel. Das Gebiet war damals mit Urwald bedeckt und nahezu unbewohnt. Die Erschließung des Gebietes erfolgte von Westen nach Osten und war 1325 im Wesentlichen abgeschlossen. Da die Ordensfeste auf dem nördlich des späteren Jedwabno gelegenen Schlossberg nach unbestätigten Quellen um 1375 erbaut und erst 1397 urkundlich erwähnt wurde, ist von einer relativ späten Gründung des Ortes auszugehen. Der Ordensbau hatte im Gegensatz zu früher erbauten Burgen der Region kaum Wehrcharakter, vielmehr ist bei ihm von einem so genannten Jagdhaus die Rede.

Zur Zeit des Deutschordensstaats gehörte zur Ordenskomturei Osterode die Gemarkung Jedewewe, aus der später die Ortschaften Jedwabno und Willenberg hervorgingen.[2] 1436 wird in den Abgabenverzeichnissen der Komturei Osterode erstmals eine Siedlung namens Gedwangen erwähnt. Schon vor 1400 war die erste Kirche im Ort errichtet worden. Aus dem Abgabenverzeichniss von 1436 geht hervor, dass die Bewohner des Ortes hauptsächlich von der Waldbienenzucht lebten. Daneben wurde auch der in der Nähe vorkommende Kalk gebrannt, der schon 1383 nachweislich zum Bau der Neidenburg verwendet, aber auch bis Königsberg und Elbing verkauft wurde. Nachdem durch die 1525 erfolgte Säkularisierung des Ordensstaates zum Herzogtum Preußen die geistlichen Kumturen zu weltlichen Kreisen umgebildet wurden, kam Jedwabno unter die Verwaltung des Oberländischen Kreises mit Saalfeld als Zentrum. Nach einer Verwaltungsreform wurde 1752 der Oberländische Kreis aufgelöst und Jedwabno wurde nun dem neu geschaffenen Kreis Neidenburg unterstellt.

Bei einem Brand im Jahre 1721 war die Dorfkirche zerstört worden. Erst 1757 wurde mit dem Bau der heute noch bestehenden Kirche begonnen, der sich über zwei Jahre hinzog. Zu dieser Zeit wurde das Jagdhaus des Ordens als Pfarrhaus genutzt. Auch dieses musste wegen seiner Baufälligkeit 1827 durch einen Neubau ersetzt werden. Es entstand ein gutshausähnliches Gebäude im klassizistischen Baustil.

Im Jahr 1785 wird Jedwabno als ein Königliches Beutnerdorf (Bienenzüchter-Dorf) mit 57 Feuerstellen (Haushaltungen) bezeichnet.[3] Zum Ende des 18. Jahrhunderts standen in Jedwabno 57 Häuser, der Ort hatte den Charakter einer Marktsiedlung, begünstigt durch die Lage an einem viel befahrenen Handelsweg. Da jedoch die im 19. Jahrhundert neu gebauten modernen Verkehrswege Jedwabno nicht berührten, änderte sich an der Struktur bis in das 20. Jahrhundert hinein wenig. Bei der Volksabstimmung am 11. Juli 1920 entschieden sich die Einwohner von Jedwabno mit großer Mehrheit für den Verbleib bei Ostpreußen und gegen Polen. In den Jahren 1928 und 1929 baute sich die katholische Gemeinde eine neue Kirche. Zwischen 1910 und 1939 entwickelte sich die Einwohnerzahl positiv von 915 auf 1.288. Am 16. Juli 1938 wurde der Ortsname in Gedwangen abgeändert

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Januar 1945 von der Roten Armee erobert. Bei den Kämpfen wurde auch Gedwangen betroffen, so wurde zum Beispiel die evangelische Kirche stark beschädigt. Nach Kriegsende wurde Gedwangen zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Danach setzte die Zuwanderung polnischer Zivilisten ein, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen deutschen Dorfbewohner bemächtigten und die Einwohner daraus verdrängten. Das Dorf wurde wieder in Jedwabno umbenannt. Soweit die deutschen Einheimischen nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner Anmerkungen
1852 498 [4]
1905 772 [5]
1933 1.207 [6]
1939 1.288 [6]

Kirchspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Jedwabno Mittelpunkt eines evangelischen Kirchspieles, zu dem auch folgende Orte gehörten:

Burdungen, Dembowitz, Dluszek, Grobka, Hartigswalde, Kahl, Kahlbruch, Lipnicken, Malga, Malschöwen, Narthen, Neu-Borowen, Neuwald, Omulef, Omulefmühle, Omulefofen, Rekowen, Rekownitza, Schuttschen, Schuttschenofen, Schwarzenofen.

Um 1785 übte der König das Patronat über die Kirche von Jedwabno aus.[3]

Gmina Jedwabno[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Landgemeinde Jedwabno gehören folgende Ortschaften:

Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1945)
Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1945)
Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1945)
Brajniki Braynicken Kot Omulefofen Piduń Schuttschenofen
Burdąg Burdungen Lipniki Lipnicken Rekownica Rekownitza
1921-45 Großwalde
Czarny Piec Schwarzofen Małszewo Malschöwen
1938-45 Malshöfen
Szuć Schuttschen
Dębowiec Dembowitz
1935-45 Eichenau
Narty Narthen Waplewo Waplitz
Dłużek Dluszek
1932-45 Hartwigswalde
Nowe Borowe Neu Borowen
1938-45 Buschwalde
Warchały Warchallen
Dzierzki Dziersken
1936-45 Althöfen
Nowy Dwór Neuhof Witówko Ittowken
1938-45 Ittau
Jedwabno Jedwabno
1938-45 Gedwangen
Nowy Las Neuwald Witowo Ittowen
1927-45 Gittau

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 468–469.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jedwabno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Max Toeppen: Geschichte Masurens. Ein Beitrag zur preußischen Landes- und Kulturgeschichte. Danzug 1870, S. 66.
  3. a b Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen, Königsberg/Leipzig 1785, S. 72.
  4. Kraatz: Topographisch-Statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 261.
  5. http://wiki-de.genealogy.net/Jedwabno
  6. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/neidenburg.html#ew33ndnbgedwangen