John Conroy

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Sir John Conroy, 1. Baronet, 1837

Sir John Conroy, 1. Baronet KH (* 21. Oktober 1786 in Caerhun (Caernarvonshire), Wales; † 2. März 1854 in Arborfield Hall, Berkshire) war ein britischer Soldat irischer Eltern, der als Nachlassverwalter von Edward Augustus, Duke of Kent and Strathearn, erheblichen Einfluss auf die Kindheit und Jugend der späteren britischen Königin Victoria hatte.

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde im Jahre 1786 als eines von sechs Kindern von John Ponsonby Conroy und Margaret Wilson geboren. Beide Elternteile stammten aus Irland. Sein Vater, der Rechtsanwalt war, ließ den Jungen von Hauslehrern privat unterrichten. Am 8. September 1803 trat er in die Royal Artillery als Leutnant ein und wurde schon am 12. September desselben Jahres zum Oberleutnant befördert. 1805 schrieb sich Conroy in der Royal Military Academy in Woolwich ein. Er machte Karriere während der Napoleonischen Kriege. Er selbst nahm nicht an der Schlacht von Waterloo und den Kriegen auf der Iberischen Halbinsel teil.

Er war mit Elizabeth Fisher verheiratet, der Tochter von Oberst Benjamin Fisher.

Conroys Einfluss auf die Duchess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Conroy gehörte zum Umfeld von Edward Augustus, Duke of Kent and Strathearn. Der Duke of Kent gehörte zu den Söhnen Georgs III., die nach dem Tod von Prinzessin Charlotte Augusta, der Heiress Presumptive und einzigen legitimen Nachkommin des britischen Königshauses, heirateten. Aus der Ehe des Dukes mit Victoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld ging Prinzessin Victoria hervor, die zum Zeitpunkt ihrer Geburt an fünfter Stelle in der Thronnachfolge stand.

1820, knapp acht Monate nach der Geburt seiner Tochter, verstarb der Duke of Kent. Er hinterließ einen so hohen Schuldenberg, dass die Duchess das Erbe ihres verstorbenen Mannes ausschlagen musste. Nur dank der finanziellen Unterstützung ihres Bruders Prinz Leopold konnte sie weiterhin im Kensington Palace in London leben. Der Duke of Kent hatte John Conroy als Nachlassverwalter eingesetzt. Er gewann einen zunehmend immer größeren Einfluss im Haushalt der Duchess. John Conroy schätzte es vermutlich als zunehmend unwahrscheinlich ein, dass aus den Ehen der älteren Brüder des Dukes noch legitime Nachkommen hervorgehen würden. Prinzessin Victoria würde damit auf dem britischen Thron nachfolgen. Angesichts des hohen Alters und schlechten Gesundheitszustands von Wilhelm IV. würde dies vermutlich zu einem Zeitpunkt erfolgen, an dem die Prinzessin noch nicht ihre Volljährigkeit erreicht haben würde. In diesem Falle würde mutmaßlich die Duchess of Kent an Stelle ihrer Tochter die Regentschaft ausüben und John Conroy über sie zu Macht und Einfluss gelangen. Dies setzte aber auch voraus, dass die Duchess und ihre Tochter möglichst wenig Kontakt zum britischen Königshof haben würden.

Prinzessin Victoria mit ihrem Spaniel Dash, 1831 von George Hayter

Das Umfeld, das John Conroy aus diesem Grund etablierte, wird gelegentlich auch als Kensington System bezeichnet. Die Duchess of Kent war auch finanziell zunehmend von John Conroy abhängig, der sein Privatvermögen verpfändete, um der Duchess finanziell auszuhelfen. Im Haushalt der Herzogin verkehrten nahezu ausschließlich von Conroy ausgesuchte Personen. Eine Vorbereitung der Prinzessin auf die Rolle einer britischen Monarchin unterblieb. Erzieherin war Louise Lehzen, die auf Grund ihrer Ausbildung nicht in der Lage war, dieser Aufgabe gerecht zu werden.

Als zunehmend offensichtlich wurde, dass die Prinzessin bei der Besteigung des britischen Throns bereits ihre Mündigkeit erreicht haben würde, versuchte John Conroy im Verlauf des Jahres 1835 die Prinzessin zur Unterschrift unter ein Dokument zu zwingen, das ihm nach ihrer Thronbesteigung die Ernennung zum Privatsekretär der Königin zusicherte. Die Rolle des Privatsekretärs in einem königlichen Haushalt stellte eine der einflussreichsten Positionen dar, die ein Bürgerlicher oder Kleinadeliger zu diesem Zeitpunkt erreichen konnte. Mit Unterstützung ihrer Erzieherin Louise Lehzen widersetzte sich die Prinzessin dieser Unterschrift, was zu einem Bruch der Prinzessin mit ihrer Mutter führte.

Nach der Thronbesteigung erhielt John Conroy keinen Posten am Hofe der britischen Königin. Königin Victoria konnte jedoch nicht verhindern, dass John Conroy weiterhin zum Hof ihrer Mutter gehörte. Erst zwei Jahre später gab er dieses Amt auf.

Am 7. Juli 1837 wurde ihm der erbliche Adelstitel Baronet, of Llanbrynmair in the County of Montgomery, verliehen.

Gerüchte um die Person John Conroys[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rolle John Conroys im Leben der späteren Königin Victoria und ihrer Mutter ist wiederholt Anlass zu Spekulationen gewesen. Dazu gehört das Gerücht, dass die Duchess und John Conroy eine Liebschaft miteinander verband. Es gibt auch Spekulationen, dass John Conroy der Vater der Prinzessin gewesen sei und nicht der Duke of Kent. Letzteres gilt als sehr unwahrscheinlich. Victoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld wurde unmittelbar nach der Eheschließung schwanger, als John Conroy noch keine Rolle in ihrem Leben spielte.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Conroy heiratet in Dublin am 12. Dezember 1808 Elizabeth Fisher (* 1791; † 9. April 1861), die Tochter von Benjamin Fisher. Sie hatten sechs Kinder:

  • Elizabeth Jane Conroy (* 13. Mai 1811; † 1. Mai 1855)
  • Sir Edward Conroy, 2. Baronet (* 1812; † 3. November 1869) ∞ Alicia Parsons (* 1815; † 21. Januar 1885)
  • Arthur Benjamin Conroy (* 7. Mai 1813; † 24. Mai 1817)
  • Stephen Rowley Conroy (* 15. August 1815; † 9. September 1841)
  • Henry George Conroy (* 4. Juni 1817; † 5. Oktober 1890)
  • Victoria Maria Louisa Conroy (* 12. August 1819; † 9. Februar 1866) ∞ Sir Wyndham Edward Hanmer, 4. Baronet.

Im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zahlreiche Verfilmungen über das Leben von Königin Victoria, in denen auch die Person des John Conroy verkörpert wird. Wie in:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carolly Erickson: Königin Victoria. Eine Biographie. Piper, München 2001, ISBN 3-492-23286-8.
  • Karl Heinz Wocker: Königin Victoria. Die Geschichte eines Zeitalters. Heyne, München 1989, ISBN 3-453-55072-2.
  • Jürgen Lotz: Victoria. Rowohlt Verlag, Reinbek 2000, ISBN 3-499-50627-0.