Sommerfeldzug von 1815

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Sommerfeldzug von 1815, auch Siebte Koalition war die letzte militärische Aktion Napoleons und dauerte vom März bis Juli 1815. Mit der Niederlage Frankreichs in diesem Feldzug endete auch die Ära Napoleons. Dieser Feldzug war Teil der Koalitionskriege.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Napoleon verlässt Elba

Nach der Verbannung Napoleons nach Elba, blieb die Bevölkerung Frankreichs unter dem neuen Herrscher Ludwig XVIII. unzufrieden. Napoleon kehrte am 1. März 1815 nach Frankreich zurück und die Herrschaft der Hundert Tage begann. Um sich militärisch wieder im europäischen Kriegsgeschehen beteiligen zu können, wurde eine Armee von 125.000 Soldaten in Paris rekrutiert. Dieses Heer setzte sich v. a. aus Veteranen der früheren Napoleonischen Kriege zusammen. Den restlichen europäischen Staaten versicherte er, den Pariser Frieden von 1814 anzuerkennen und dass er die Staatsgrenzen von 1792 nicht überschreiten und zukünftig mit den Nachbarn in Frieden leben wolle. Am 25. März schlossen Großbritannien, Österreich, Russland und Preußen erneut einen Koalitionsvertrag, da sie dem Frieden mit Frankreich nicht trauten. Die nun notwendig gewordenen Rüstungsanstrengungen Napoleons stießen vielfach auf Widerstand.

Hauptartikel: Armee der Hundert Tage

Die beteiligten Armeen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonaparte setzte für den Feldzug 125.000 Mann ein und organisierte sie als Armée du Nord. Die Soldaten bestanden zu zwei Dritteln aus erfahrenen Veteranen aus den früheren Napoleonischen Kriegen, deren Kern die kampfstarken Einheiten der alten (Alte Garde) und der jungen Garde bildeten.[1] Die größte Schwachstelle stellte der Führungsstab dar, da Napoleon auf viele erfahrene Marschälle verzichten und Posten mit Offizieren besetzen musste, die diese Positionen noch nie innegehabt hatten. So ernannte er den bisherigen Korpskommandanten Nicolas Jean de Dieu Soult zum Generalstabschef und dem Divisionskommandanten Michel Ney übertrug er die Führung über den gesamten linken Flügel. [2]

Gegen diese Bedrohung hatten die Verbündeten im heutigen Belgien eine Armee von 95.000 Mann unter Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington und eine zweite mit 120.000 preußischen Soldaten unter Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher zusammengezogen. Das preußische Herr bestand zu etwa einem Drittel aus Veteranen, der Rest aus Freiwilligen und Landwehrregimentern mit geringem Kampfwert. Insbesondere die Motivation der rheinischen Landwehr, von denen viele die neue preußische Herrschaft als Besatzung empfanden, war fraglich. Das Offizierskorps hingegen war gut ausgebildet und stellte vier bewährte Korpskommandeure. [3]

Das Heer des Herzogs von Wellington bestand aus Soldaten aus Großbritannien, den Niederlanden, Hannover, Braunschweig und Nassau. Ein Drittel stellten erfahrene britische Soldaten und die King’s German Legion (KGL), mit denen Wellington im Spanischen Unabhängigkeitskrieg gekämpft hatte. Ein weiteres Drittel bestand aus weitgehend unerfahrenen niederländischen Soldaten und der Rest waren deutsche Hilfstruppen. Wellington war sich über die Mängel seiner Armee, sowohl was Disziplin wie auch Kampfwert anging, im Klaren und wird zitiert mit der Bezeichnung "schändliche Armee" (Cornwell) oder "entsetzliche Armee" (Rothenberg). Eine große Schwachstelle im Offizierkorps war der Prinzen von Oranien, den Wellington gezwungenermaßen zum Kommandanten der 1. Korps ernennen musste. Dieser war Adjutant Wellingtons gewesen, hatte aber nie eine Feldarmee befehligt und verfügte über keine Erfahrung und keinen Weitblick im Kampf.[4]

Insgesamt waren beide alliierte Armeen der französischen zwar zahlenmäßig, an Kampfkraft war Napoleon aber jedem einzelnen Gegner überlegen. Ein alliierter Sieg war nur möglich, wenn die britisch-niederländische und die preußische Armee eng zusammenarbeiteten, ein französischer nur, wenn Napoléon beide feindlichen Verbände getrennt angreifen und besiegen konnte.

Auch österreichische Truppen waren auf dem Weg, doch weder diese noch russische Truppen spielten eine Rolle bei dem Feldzug und kamen erst bei den folgenden Kämpfen in Nordfrankreich zum Einsatz.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sommerfeldzug von 1815

Obwohl Napoléon bekannt dafür war, schnell und überraschend anzugreifen, rechneten weder Wellington noch Blücher mit einem schnellen französischen Vorstoß. Noch am 13. Juni schrieb Wellington nach England, dass kein Angriff Napoléons zu erwarten sei. [5] Entsprechend trafen die alliierten Befehlshaber kaum Vorkehrungen. Es gab nur wenige Kundschafter und Patrouillen an der Grenze zu Frankreich und die beiden Heere waren zur Erleichterung der Versorgung weit verteilt, das britisch-niederländische in einem Bogen südlich und westlich von Brüssel, das preußische östlich von Ligny bis nach Liége.

15. Juni[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dadurch konnte Napoléon unbemerkt bereits am 14. Juni die Grenze zu den Niederlanden erreichen und am 15. Juni überqueren. Im Laufe des Tages wurde Charleroi erreicht und dort die Sambre überschritten. Sein Plan war, mit einem Teil seiner Truppen unter Ney nach Norden vorzurücken, die die Kreuzung Quatre-Bras einnehmen sollten, um damit die Verbindung der britisch-niederländischen und der preußischen Armeen zu trennen, die Chaussée de Nivelles, die durch Quatre-Bras führte. Mit den restlichen Truppen wollte Napoleon zunächst nach Nordosten vorstoßen, um das preußische Heer zu vernichten und sich dann gegen das britisch-niederländische zu wenden.

Es kam zunächst zu kleinen Scharmützeln mit preußischen Reitern im Raum von Charleroi, woraufhin Blücher Befehl gab, seine Truppen bei Sombreffe 20 km östlich von Quatre-Bras an der Chaussée de Nivelles gelegen zu konzentrieren. Hingegen erfuhr Wellington zunächst von Gefechten zwischen britischen Scharfschützen und französischen Ulanen im Raum Mons und ging davon aus, dass Napoléons Angriff westlicher erfolgen würde. Aus diesem Grund befahl er General Rebecque seine Truppen des 1. Korps bei Nivelles zu sammeln, um Mons schützen zu können, auch die Einheiten, die aktuell Quatre-Bras besetzen. Rebecque entschied aus Berichten, die französischen Truppen von Charleroi marschierten, dass der französische Angriff nicht westlich, sondern südlich erfolgte, verweigerte den Befehl und schickte Truppen nach Quatre-Bras.[6] Dort kam es am Abend zu Gefechten mit der französischen Vorhut, die sich wieder zurückzog. Der Kommandant in Quatre-Bras Oberst von Sachsen-Weimar meldete diesen Feindkontakt an den Stab des Prinzen von Oranien und dieser reichte die Meldung weiter an Wellington, die ihn gegen Mitternacht erreichte. Damit war klar, dass der Großteil der französischen Armee südlich und nicht westlich stand, also Napoléon versuchte, die beiden verbündeten Heere bei Quatre-Bras zu trennen und dies bereits sehr fortgeschritten war. Wellington rief aus: "Napoleon hat mich reingelegt, bei Gott!" [7]

Am Abend lief General Louis-Auguste-Victor de Ghaisnes de Bourmont zu den Preußen über und verriet Napoléons Schlachtplan. Unter Historikern ist umstritten, in wieweit dies den Feldzug beeinflusste. Zu diesem Zeitpunkt hatte man im preußischen Generalstab bereits die Taktik weitgehend erkannt und darauf reagiert, während diese Informationen Wellington erst mitten in der Nacht erreichte, als seine Verbände schon seit Stunden auf dem Weg nach Süden waren, um die wichtige Straßenkreuzung bei Quatre-Bras und damit die einzige Straße nach Ligny zu sichern.

16. Juni[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Napoléon glaubte, Ney hätte mittlerweile bereits Quatre-Bras eingenommen, so dass nicht nur eine Unterstützung der Preußen durch Wellingtons Einheiten verhindert werden würde, sondern auch Neys Truppen frei waren, um den Preußen bei Ligny in die Flanke zu fallen. So rückte er mit seinem rechten Flügel unter Emmanuel de Grouchy und der Garde gegen die Preußen bei Ligny vor. Doch Ney griff erst am frühen Nachmittag an in der Schlacht bei Quatre-Bras. Zwar misslang dieser Versuch, doch damit wurde verhindert, dass Wellington Blücher zur Hilfe kommen konnte. Dadurch jedoch konnten keine französischen Truppen den Preußen bei Ligny (siehe Schlacht von Ligny) in die Flanke fallen, wie es Napoléon beabsichtigt hatte. Zwar konnte er die Preußen zum Rückzug zwingen, doch eine Vernichtung unterblieb. Da Blücher bei den Kämpfen verwundet wurde, übernahm sein Generalstabschef Gneisenau den Rückzug. Seiner Ansicht nach wäre ein Rückzug nach Osten am sinnvollsten, um sich ins Rheinland abzusetzen. Da er aber wusste, dass Blücher am Bündnis mit Wellington festhalten wollte, ließ er die Truppen nach Norden nach Wavre abziehen, um beide Optionen offen zu halten.[8]

17. Juni[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wellington erfuhr am Morgen vom preußischen Rückzug und nach einer persönlichen Unterredung mit Blücher verlegte er seine Armee ebenfalls nach Norden und ließ sie südlich von Brüssel bei Mont-St-Jean Aufstellung nehmen. Durch ein von West nach Ost verlaufendes Tal war die Stellung gut zu verteidigen und befand sich direkt westlich, ca. 30 km entfernt von Wavre. [9] Im Gegensatz zu den bisherigen Feldzügen versäumte Napoléon, seine Feinde direkt nach einer erfolgreichen Schlacht zu verfolgen und zu zerstreuen. Auch Ney wartete bei Quatre-Bras relativ passiv ab, während das britisch-niederländische Heer abzog. Napoléon machten ihm dafür heftige Vorwürfe, die im berühmten Ausspruch: "On a perdu la France (Wir haben Frankreich verloren)"[10] gipfelten. Dennoch muss man feststellten, dass auch Napoléon bis zum Nachmittag sehr passiv blieb und erst dann Grouchy mit seinem rechten Flügel den Preußen hinterhersandte sowie mit den Truppen Neys und der Garde Wellington folgte. Bei Genappe kam es zu kleineren Gefechten mit der britischen Nachhut, doch insgesamt kam Wellingtons Armee relativ unbeschadet in Mont-St-Jean an. Mitten der Nacht erreichte auch das französische Heer Waterloo. Grouchy war nach Berichten, das preußische Heer wäre Richtung Rhein abgerückt, diesem vermeintlich gefolgt. Dabei handelte es sich jedoch nur um etwa 8000 Mann westfälische Landwehr, die sich vom Heer getrennt hatte und entgegen klaren Befehlen nach Hause abzog.

18. Juni[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schlacht bei Waterloo war der Höhepunkt des Sommerfeldzugs

Am nächsten Morgen begann die entscheidende Schlacht bei Waterloo. Napoléon ließ das britisch-niederländische Heer frontal angreifen, doch dieses hatte sich gut verschanzt und konnte die Angriffe abwehren. Zum französischen Schlachtplan gehörte von Anfang an ein Flankenangriff Grouchys in die britische östliche Flanke, doch zu dem Zeitpunkt, zu dem dieser Befehl ihn erreichte, stand er bereits östlich der Preußen bei Wavre und war in die Schlacht bei Wavre verwickelt. Während ein preußisches Korps Grouchys Angriff aufhalten konnte, marschierten die anderen nach Waterloo und griff nun Napoléons Armee an der östlichen Flanke an. Mit dem Einsatz der jungen Garde konnte Napoléon diesen Angriff bis zum Abend aufhalten, doch da Wellingtons Truppen immer noch standhielten, saß nun das französische Heer in der Falle. Als auch Wellingtons Truppen den letzten Angriff der alten Garde abwehrten, war die Schlacht entschieden und die Franzosen hatten verloren.

Mit dem Abrücken aller noch verfügbaren Truppen - insbesondere Grouchys Einheiten - zurück über die französische Grenze war der Sommerfeldzug beendet.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Niederlage bei Waterloo war Napoleon Bonaparte schwer geschlagen, doch er plante die Fortführung des Krieges mit den in Frankreich verbliebenen Truppen und dem Ausheben neuer 150000 Mann. [11] Doch da neben den Armeen Wellingtons und Blüchers auch österreichische und russische Truppen (General de Tolly) in Frankreich einfielen, glaubte das Parlament in Frankreich nicht mehr an einen Sieg Napoléons und entzog ihm die Unterstützung.[12] Napoléon wurde von General Davout empfohlen, mit seinen Armeen, das Parlament abzusetzen und wieder als Alleinherrscher zu regieren.[13] Doch dieser lehnte ab, da er merkte, dass sein Rückhalt im Land schwand, und Davout befürchtete, dass Teile der Armee dies nicht mittragen und rebellieren würden. Entsprechend hätte dies einen Bürgerkrieg bedeutet. Darum dankte Napoléon erneut ab und wurde nach St. Helena verbannt, wo er 1821 starb. Damit waren die Napoleonischen Kriege endgültig beendet und Europas Grenzen wurden, wie beim Wiener Kongress beschlossen, neu gezogen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rothenberg, Günther, Die Napoleonischen Kriege, BVH Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 2000, S. 195
  2. Cornwell, Bernard, Waterloo - Eine Schlacht verändert Europa, Rowohlt Verlag, Hamburg 2015, S. 43
  3. Cornwell, Bernard, Waterloo - Eine Schlacht verändert Europa, Rowohlt Verlag, Hamburg 2015, S. 46
  4. Cornwell, Bernard, Waterloo - Eine Schlacht verändert Europa, Rowohlt Verlag, Hamburg 2015, S. 49
  5. Füssel, Marian, Waterloo 1815, C.H.Beck Verlag, München 2015, S. 28
  6. Cornwell, Bernard, Waterloo - Eine Schlacht verändert Europa, Rowohlt Verlag, Hamburg 2015, S. 82
  7. Cornwell, Bernard, Waterloo - Eine Schlacht verändert Europa, Rowohlt Verlag, Hamburg 2015, S. 76
  8. Cornwell, Bernard, Waterloo - Eine Schlacht verändert Europa, Rowohlt Verlag, Hamburg 2015, S. 108
  9. Füssel, Marian, Waterloo 1815, C.H.Beck Verlag, München 2015, S. 39
  10. Cornwell, Bernard, Waterloo - Eine Schlacht verändert Europa, Rowohlt Verlag, Hamburg 2015, S. 114
  11. Rothenberg, Günther, Die Napoleonischen Kriege, BVH Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 2000, S. 209
  12. Herre, Franz, Napoleon: Eine Biographie, Hugendubel, München 2006, S. 282
  13. Rothenberg, Günther, Die Napoleonischen Kriege, BVH Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 2000, S. 209

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]