Käseschnitte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schweizer Käseschnitte

Eine Käseschnitte (schweizerdeutsch Chässchnitte[1]) ist ein Gericht aus der Schweizer Küche,[2] insbesondere im Kanton Wallis,[3] und aus Savoyen.[4]

Dabei wird eine Brotscheibe mit einer Mischung aus geriebenem Käse, Mehl, Milch oder Rahm sowie mit Eigelb bestrichen und dann mit der bestrichenen Seite nach unten mit Öl oder Butter gebacken. Nebst dieser «militärischen» Variante der Zubereitung werden Käseschnitten auch im Backofen zubereitet, wobei der Mischung auch Weisswein und Gewürze beigegeben werden.[5] Das Hauptgericht, selten auch mit Schinken belegt, wird meist mit Salat oder Spiegelei serviert.[6]

Eine Käseschnitte ist also nicht mit einer Brotschnitte, belegt mit Käsescheiben gleichzusetzen (Käsebrot).[7]

Verbreitung und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste schriftliche Belege der Zubereitung von Käseschnitten gibt es für das 18. Jahrhundert.[8][9]

«Berthouds heißt das Lieblingsgericht der Waadtländer, eine Käseschnitte am Feuer gebraten und mit jungem Sauserwein begossen.»

Ein Indiz für die Bedeutung der Käseschnitten als typisch schweizerischer Speise ist deren Angebot im Schweizer Pavillon an der Weltausstellung Expo 58 in Brüssel[11] und an der schweizerischen Landesausstellung Expo.02. Dort wurden 113'529 Militärkäseschnitten verkauft.[12]

Gemäss einer 1972 in der Schweiz durchgeführten Umfrage landete die Käseschnitte bei der Frage nach den beliebtesten Gerichten mit Schweizer Käse im Mittelfeld, sowohl in der deutsch- als auch französischsprachigen Schweiz.[13]

1959 wurden Schweizer Rekruten zur Beliebtheit einzelner Speisen befragt.[14] Dabei zeigte sich, dass Käseschnitten mit Salat sowohl bei Deutsch- wie auch bei Welschschweizern mittelmässig beliebt waren. Hingegen wurden Käseschnitten mit Apfelmus von Deutschschweizern zu zwei Dritteln abgelehnt, von Romands zu 95 Prozent.

Käseschnitte in der Schweizer Armee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die traditionelle Militärkäseschnitte wird laut Dienstvorschrift der Schweizer Armee für 100 Personen mit einer sechs Kilogramm schweren Käsemischung zubereitet, die aus je zwei Kilogramm Emmentaler und Greyerzer sowie je einem Kilogramm Tilsiter und Appenzeller besteht.

Im Jahr 1940 kam es zu zwei Vorfällen, als Mineralöl anstelle von Speiseöl zum Herstellen von Käseschnitten und Salatsauce verwendet wurde. Die über 90 betroffenen Personen wurden danach als Ölsoldaten bezeichnet und litten lebenslang an den Folgen der Vergiftung.[15] Zu ihren Gunsten wurde im Oktober 1947 erstmals gesamtschweizerisch im Rahmen der Glückskette Geld gesammelt.[16]

Schulkochbuch Tiptopf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Rezept für Käseschnitten befindet sich auch im schweizerischen Schulkochbuch Tiptopf.[17] Dabei wird darauf hingewiesen, dass es sich um ein Rezept handelt, das zum Resteverwerten geeignet ist. Hierbei werden die Brotscheiben mit Milch weich gemacht, und anschliessend auf einer Seite mit der gewürzten Käse-Milch-Ei-Mischung bestrichen. Neben der Normalvariante, mit der bestrichenen Seite nach unten in Öl auszubacken, wird auch auf eine Variante im Backofen hingewiesen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Berndt: Neu-vermehrtes Bernerisches Koch-Buch; darinnen Anweisung gegeben wird, mehr als 400 Speisen nach jetzigem Gebrauch wohl zu apprerieren, zu kochen, beizen, braten und zu backen; wie auch Pasteten, Tatres, Dessert, Cremes, Früchte zu Confitures und Glaces zu fertigen. Haller, Bern 1791, S. 107.
  • Tiptopf. Interkantonales Lehrmittel für den Hauswirtschaftsunterricht. Interkantonale Lehrmittelzentrale, Bern 1986, S. 135.
  • Monica Schulthess Zettel: Hüttenrezepte zum Nachkochen – Zentralschweiz: Gluschtigs aus den SAC-Hütten. Weber, Thun 2014, S. 96–98.
  • Reglement 60.006 d Kochrezepte. Schweizer Armee, Bern 2009, Rezept R0811.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Band IX, Spalte 1363 im Schweizerischen Idiotikon.
  2. Ueli Gyr (Volkskundler): Währschaft essen, symbolisch fooden. In: Unimagazin 1/2002 – Bulletin ETHZ 285. Abgerufen am 30. Juli 2016.
  3. Raclette. In: MySwitzerland.com. Abgerufen am 30. Juli 2016: „Nebst würzigen Walliser Käseschnitten und (...) Käsefondue (...), ist Raclette das volkstümlichste, dem Wallis eigene Käsegericht.“
  4. Croute au fromage. In: www.savoie-specialite.com. Abgerufen am 24. Juli 2016.
  5. Karin Messerli: Käseschnitte: Der Starklassiker. In: Annabelle. 14. Dezember 2010, abgerufen am 24. Juli 2016.
  6. Philippe Rochat: Käseschnitte mit Salat. In: Beobachter. 1. Oktober 1999, archiviert vom Original; abgerufen am 24. Juli 2016.
  7. Duden | Schnitte | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Synonyme, Herkunft. In: www.duden.de. Abgerufen am 24. Juli 2016 (Siehe Bedeutung 2).
  8. Gustav Rhyiner: Bürgermeister Johannes Ryhiner: 1728–1790. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, 45 (1946), S. 76. Abgerufen am 24. Juli 2016.
  9. Heinrich Berndt: Neu-vermehrtes Bernerisches Koch-Buch; darinnen Anweisung gegeben wird, mehr als 400 Speisen nach jetzigem Gebrauch wohl zu apprerieren, zu kochen, beizen, braten und zu backen; wie auch Pasteten, Tatres, Dessert, Cremes, Früchte zu Confitures und Glaces zu fertigen. Haller, Bern 1791, S. 107.
  10. Heinrich Runge: Der Berchtolds Tag in der Schweiz: Eine mythologische Skizze. Verlag von Meyer & Zeller, Zürich 1857, S. 15 f.
  11. A.W. Herzig: Nachlese zur «Expo»: Der eindrucksvolle und erfolgreiche Beitrag der Schweiz. In: Gewerkschaftliche Rundschau. Band 50, 1958, S. 377, doi:10.5169/seals-353875.
  12. Meinrad Schuler: Mehr als nur Käseschnitten. In: Armee-Logistik : unabhängige Fachzeitschrift für Logistiker, 75 (2002), Heft 12, S. 2 und 5. Abgerufen am 24. Juli 2016.
  13. Die Favoriten unter den Käsegerichten. In: Die Tat, 18.05.1972, S. 10. Abgerufen am 25. Juli 2016.
  14. Die Beliebtheit einzelner Speisen. In: Der Fourier : offizielles Organ des Schweizerischen Fourier-Verbandes und des Verbandes Schweizerischer Fouriergehilfen, 33 (1960), Heft 6, S. 213–218. Abgerufen am 24. Juli 2016.
  15. Bojan Stula: Der letzte Ölsoldat ist tot – trauriges Kapitel Schweizer Geschichte schliesst sich, Basellandschaftliche Zeitung vom 26. April 2014
  16. Schweizer Solidaritäts- und Sammelplattform Glückskette feiert 60. Geburtstag. In: APD. 25. September 2006, abgerufen am 24. Juli 2016.
  17. Tiptopf. Interkantonales Lehrmittel für den Hauswirtschaftsunterricht. Interkantonale Lehrmittelzentrale, Bern 1986, S. 135.
  18. Traditionelles Welsh Rarebit Rezept. In: www.visitwales.com. Abgerufen am 25. Juli 2016.