Königlich Preußische Militär-Eisenbahn

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Königlich Preußische Militär-Eisenbahn
(1875–1918/19)
Militärbahnhof Berlin in Schöneberg 1902
Militärbahnhof Berlin in Schöneberg 1902
Streckennummer (DB):6514 (Zossen–Jüterbog)
Kursbuchstrecke (DB):zuletzt 206.31 (Zossen–Jüterbog)
Streckenlänge:70,5 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenzustand
bis km 30,5 ~1919 abgebrochen
km 30,5–40,0 1998 stillgelegt
km 40,0–70,5 1996 stillgelegt
   
0,0 Berlin-Schöneberg Militärbf (bis 1919 oder nach 1945)
   
7,5 Berlin-Marienfelde
   
14,5 Mahlow
   
22,0 Rangsdorf
   
~30,4 von Dresdener Bahn (nach 1919)
   
30,5 Zossen Militärbf
   
Anschlussgleis Borsig I.
   
Anschlussgleis Borsig II.
   
35,0 Mellen-Saalow (jetzt Mellensee-Saalow)
   
Anschlussgleis Borsig III.
   
37,5 Rehagen-Clausdorf (heute Rehagen-Klausdorf)
   
Anschlussgleis Ziegelei Clausdorf
   
Anschlussgleis Ziegelei Rehagen
   
Anschlussgleis Metallbau Sperenberg (nach 1918/19)
   
40,0 Sperenberg
   
Anschlussgleis zum Flughafen Sperenberg (nach 1918/19)
   
Anschlussgleis Gipswerke Sperenberg (nach 1918/19)
   
45,5 Schießplatz Kummersdorf (jetzt Kummersdorf-Gut)
   
Anschlussgleis Schießplatz
   
Anschlussgleis Lager Schießplatz (nach 1918/19)
   
Anschlussgleis Holzverarbeitung Schönefeld (nach 1918/19)
   
49,0 Schönefeld (jetzt Schönefeld b. Luckenwalde)
   
56,0 Jänickendorf (Ende der Draisinenbahn, bis Jüterbog erhalten)
   
60,0 Kolzenburg (nach 1970 abgebrochen)
   
Anschlussgleis Truppenübungsplatz Heidehof
   
65,0 Werder-Zinna (jetzt Werder b. Jüterbog)
   
~70,0 nach Bahnhof Jüterbog (Staatsbahn, nach 1919)
   
70,5 Jüterbog Militärbf (nach 1922 außer Betrieb)

Die Königlich Preußische Militär-Eisenbahn, auch Königliche Militär-Eisenbahn (K.M.E.) genannt, war eine staatliche, vom preußischen Heer betriebene Bahnstrecke zwischen Schöneberg (heute Berlin) und Kummersdorf, die später nach Jüterbog verlängert wurde. Bis Zossen verlief die Strecke parallel zur Dresdener Bahn, von dort als Diagonale nach Jüterbog an der Anhalter Bahn.

Die Strecke wurde 1874 eröffnet und 1996/98 stillgelegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Errichtung der Strecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte von Berlin: an der vom Anhalter Bahnhof südwärts führenden Strecke ist in der Mitte rechts beim Exerzierplatz und der Eisenbahnregiments-Kaserne der Militärbahnhof Schöneberg und das zusätzlich parallel geführte Militärbahngleis eingetragen.

Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Kriegs sollte den Eisenbahntruppen mit dieser Strecke ein Übungsgelände zur Verfügung gestellt werden, da sich in den vorangegangenen Kriegen die strategische Bedeutung der Eisenbahn erheblich erhöht hatte. Am 22. April 1872 beschloss das Kriegsministerium den Bau und Betrieb einer normalspurigen, eingleisigen Militäreisenbahn und sah zu diesem Zweck 750.000 Taler aus den französischen Reparationszahlungen vor. Hierfür wurde am 9. Januar 1873 mit der Berlin-Dresdener Eisenbahn-Gesellschaft ein Vertrag, die sog. Punktation, geschlossen. Der Gesellschaft wurde zum Bau des Dresdener Bahnhofs militärfiskalisches Gelände zwischen den Güterbahnhöfen der Anhalter und der Potsdamer Bahn zum Kauf überlassen. Dafür übernahm sie den Erwerb und die Herstellung des Planums, den Bau des Bahnkörpers und der Brücken und die Beschaffung des Oberbau- und Betriebsmaterials für die Militärbahn. Das Eisenbahn-Bataillon war für die Verlegung des Oberbaus und das Schütten der Bettung zuständig.[1]

Die Vorarbeiten für die Strecke von Zossen über Sperenberg zum Artillerie-Schießplatz bei Kummersdorf begannen am 18. Februar 1873. Auf der – durch Anregung des Regierungsbaurats Dulon geänderten Streckenführung – erwartete man Einnahmen aus dem Güterverkehr der anliegenden Gipsfabriken und Ziegeleien sowie durch Holztransporte aus dem Kummersdorfer Staatsforst.[1]

Die Stammstrecke für die ausschließlich militärische Nutzung entstand unmittelbar westlich der Bahnstrecke Berlin–Dresden. Am 26. Februar 1874 wurde mit dem Bau begonnen, im August 1874 wurde von Berlin wie auch von Zossen aus die Verlegung der Gleise aufgenommen. Die beiden Bautrupps des Bataillons trafen sich am 20. April 1875, der Gleisbau zum Schießplatz wurde im Juli jenes Jahres abgeschlossen. Die Betriebseröffnung auf der 45,62 Kilometer langen Gesamtstrecke vom Militärbahnhof Schöneberg nach Kummersdorf fand am 15. Oktober 1875 statt.[1]

Die Strecke verlief bis Zossen auf einer Länge von etwa 30 Kilometern parallel zur Strecke der Berlin-Dresdener Eisenbahn und bog dann in südwestlicher Richtung ab. Am 1. Mai 1897 wurde sie um weitere 25 Kilometer bis Jüterbog Militärbahnhof verlängert. Die dem Militärfiskus gehörende Bahn wurde von der Königlichen Direction der Militäreisenbahn verwaltet.

Ebenfalls 1897 erfolgte der Einbau einer dritten Schiene in das Gleis bei Rehagen-Klausdorf [2] für einen parallelen Schmalspur-Versuchsbetrieb, der aber um 1900 wieder eingestellt wurde. Die dritte Schiene wurde wieder entfernt.

Zivile Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof in Zossen

Im Interesse der anliegenden Gemeinden und auf Drängen der Berlin-Dresdener Eisenbahn wurde zunächst auch der öffentliche Güterverkehr durch die Militäreisenbahn zwischen Berlin und Zossen zugelassen, zwischen Zossen und Kummersdorf Schießplatz dann auch der Personenverkehr. Ab 1. November 1888 wurde auch zwischen Berlin und Zossen der Personenverkehr zugelassen. Am 1. Oktober 1891 wurde auf der Bahn ein besonderer Vororttarif zwischen Berlin und Zossen eingeführt.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs untersagte der Versailler Vertrag dem Deutschen Reich auch den Weiterbetrieb der Militäreisenbahn. Die Nutzung der Anlage wurde ab 1919 der Preußischen Eisenbahndirektion, später der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft und ab 1937 der Nachfolgegesellschaft Deutsche Reichsbahn übertragen. Der Streckenabschnitt von Berlin-Militärbahnhof nach Zossen wurde schon 1919 demontiert, da hier die parallele Berlin-Dresdener Eisenbahn genutzt werden konnte.

Auf dem verbliebenen Abschnitt von Zossen nach Jüterbog fand noch bis in die 1990er Jahre Personenverkehr statt. Am 2. Juni 1996 wurden sowohl der Güterverkehr auf der Gesamtstrecke wie auch der der Personenverkehr auf dem Abschnitt Sperenberg–Jüterbog eingestellt, beim letzten verbliebenen Streckenabschnitt von Zossen nach Sperenberg geschah dies am 18. April 1998.

EZMG-Signale in Sperenberg

Schnellfahrversuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Versuchstriebwagen mit Siemens-Ausrüstung

Ab 1901 erfolgten zwischen Marienfelde und Zossen Versuche mit elektrischen Fahrzeugen sowie Schnellfahrversuche. Die Strecke wurde dafür durch die am 10. Oktober 1899 gegründete Studiengesellschaft für elektrische Schnellbahnen (u. a. AEG und Siemens & Halske) auf einer Länge von 23 Kilometer mit zehn Kilovolt Drehstrom bei 50 Hertz elektrifiziert, wobei die dreipolige Oberleitung in etwa fünf bis sieben Meter Höhe seitlich vom Gleis geführt wurde. 1901 wurden auf dieser Strecke erstmals Geschwindigkeiten von mehr als 160 km/h erreicht, nach Verbesserung des Oberbaus und der Fahrzeuge wurde am 7. Oktober 1903 erstmals die 200-km/h-Marke überschritten. Am 27. Oktober 1903 stellte schließlich der Versuchstriebwagen der AEG mit 210,2 km/h einen neuen Weltrekord auf.

1904 wurden auch Schnellfahrversuche mit den Versuchs-Dampflokomotiven Preußische S 9 Altona 561 und Altona 562 unternommen.

Folgenutzung nach Stilllegung des Vollbahnbetriebs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2002 stehen die Bahnanlagen unter Denkmalschutz. Im Empfangsgebäude des Bahnhofs Sperenberg wurde eine Ausstellung zur Geschichte der K.M.E. eingerichtet. 2003 verkaufte die Deutsche Bahn AG die Strecke an die Erlebnisbahn GmbH & Co. KG mit Sitz im Bahnhof Zossen, die seitdem auf einem Teilstück der Strecke (Zossen–Jänickendorf) Draisinen-Fahrten anbietet. [3] Die Erlebnisbahn GmbH & Co. KG ist seit dem 27. August 2007 zugelassenes Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU). Die Bahnstrecke bleibt für Zugverkehr jedoch betrieblich gesperrt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Bley: Königlich Preußische Militäreisenbahn. 125 Jahre Berlin – Zossen – Jüterbog. Alba Publikation, Düsseldorf 2000, ISBN 3-87094-361-0.
  • Carsten Preuß: Die Königlich Preußische Militäreisenbahn (K.M.E.) als Versuchsstrecke. Hrsg. v. Förderverein Naturpark „Baruther Urstromtal“ e. V. Rose Werbung & Mehr, Zossen 2004.
  • Carsten Preuß, Hiltrud Preuß: Die Königliche Militär-Eisenbahn und ihre Empfangsgebäude. In: Brandenburgische Denkmalpflege. Berlin 16.2007, H. 1, S. 62–69. ISSN 0942-3397
  • Hille: Die Königlich Preußische Militär-Eisenbahn 1875–1900. Militärverlag, Berlin 1901.
  • Hans Georg Kampe: Preußische Eisenbahntruppen 1871-1945. Die Königliche Militäreisenbahn und die Eisenbahnübungsplätze im Süden Berlins. Projekt + Verlag Dr. Erwin Meißler, Berlin 1998, ISBN 3-932566-20-3.
  • Kurt Pierson: Die Königl. Preußische Militär-Eisenbahn. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1979, ISBN 3-87943-658-4.
  • Bestimmungen über die Gewährung von freier Fahrt und Fahrpreis-Ermäßigung auf der Königlichen Militär-Eisenbahn. Reichsdruckerei, Berlin 1894.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Jürgen Tomisch: Die Königlich-Preußische Militäreisenbahn. In: Hartwig Schmidt, Jürgen Tomisch (Hrsg.): Die Bauwerke der Berliner S-Bahn. Die Vorortstrecke nach Zossen. Wissenschaftsverlag Volker Spiess, Berlin 1985, ISBN 3-89166-004-9, S. 158 ff.
  2. http://www.biuub.de/bhf_rehagen_klausdorf.html
  3. http://erlebnisbahn.de/Draisinenstrecke-suedlich-Berlins.html

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Königlich Preußische Militär-Eisenbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien