KFOR

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Karte mit den Sektoren der KFOR (2002)

Die Kosovo-Truppe, kurz KFOR (englisch Kosovo Force), ist die 1999 nach Beendigung des Kosovokrieges aufgestellte multinationale militärische Formation unter der Leitung der NATO. Ihr obliegt es, gemäß der vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Juni 1999 beschlossenen Resolution 1244 für ein sicheres Umfeld für die Rückkehr von Flüchtlingen zu sorgen. Somit war die erste KFOR-Aufgabe den Abzug der jugoslawischen Truppen sowie die Entmilitarisierung des Kosovos zu überwachen. Das Hauptquartier befindet sich in der kosovarischen Hauptstadt Pristina.

Ursprünglich beteiligten sich an der KFOR-Mission über 40 Staaten mit einer Truppenstärke von mehr als 50.000 Soldaten. Im August 2007 wurde die KFOR-Mission auf ca. 16.000 Soldaten reduziert, welche aus 37 Staaten gestellt wurden. 2009 hat die NATO den Prozess „Deterrent Presence“ einer kontinuierlichen Reduzierung der präsenten Kräfte eingeleitet. Bis Januar 2012 sank diese Zahl somit weiter auf etwa 6.000 Soldaten und wurde im Juni 2017 nochmals auf 4.500 Soldaten reduziert. Aktuell (Stand: 2020) wird die KFOR-Truppe von 27 Staaten gestellt und umfasst ca. 3.500 Soldaten.

KFOR arbeitet im Kosovo eng mit Missionen der Vereinten Nationen (UNMIK) und der Europäischen Union (EULEX Kosovo) zusammen. UNMIK hat wesentliche Aufgabenfelder im Polizei- und Justizaufbau im April 2009 an EULEX Kosovo übergeben.

Auftrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Verabschiedung der UN-Resolution 1244 durch den Sicherheitsrat am 12. Juni 1999 bekam die NATO – als führende Organisation zur Durchführung der friedensunterstützenden Operation im Kosovo – den Auftrag:

  • Sicherstellung eines friedlichen und sicheren Umfeldes
  • Unterstützung und Koordinierung internationaler humanitärer Bemühungen und ziviler Organisationen
  • Unterstützung der Entwicklung zu einem stabilen, demokratischen, multi-ethnischen und friedlichen Kosovo
  • Unterstützung der Entwicklung von Sicherheitskräften im Kosovo[1]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

NATO-Abzeichen

Die KFOR war bis 2010 in multinationale Taskforces (MNTF) gegliedert, die jeweils für die Sicherung eines Teilbereichs des Kosovo verantwortlich waren. Jede multinationale Taskforce wurde von einer Lead Nation (Führungsnation) geführt. So hat sich damals folgende Gliederung ergeben. (Stand: Oktober 2006)

KFOR Headquarters in Pristina

2011 wurde KFOR restrukturiert und umfasste zwei Multinational Battle Groups mit Sitz in Peja und Ferizaj sowie Joint Regional Detachments. Die Joint Regional Detachments hatten die Führung der Liaison Monitoring Teams inne. Durch diese Umstrukturierung wurde von klassischen militärisch eingesetzten Kräften die Brücke zu in der Bevölkerung fest verankerten militärischen Kräften geschlagen. Damit wurde das „Fühlen des Pulses“ innerhalb der Bevölkerung als weiteres Führungselement für den KFOR-Kommandanten (COM KFOR) geschaffen.

Am 15. August 2019 wurde eine erneute Restrukturierung durchgeführt, um sich auf den Aufgabenfeldern im Kosovo besser anzupassen. Dabei wurden die Joint Regional Detachments in die Regional Commands eingegliedert. Dadurch können die Regional Commands bereits die Beurteilung aller eingesetzten Kräfte in ihrem Verantwortungsbereich durchführen.

Somit stellt sich die aktuelle Organisation (Stand: September 2019) wie folgt dar:

Dem Hauptquartier in Pristina sind folgende Elemente zugeordnet:

  • MSU – Multinational Specialized Unit
  • RC – Regional Command
  • JLSG – Joint Support Logistic Group
  • KTRBN – KFOR Tactical Reserve Bataillon
  • HSG – Headquarter Support Group

MSU – Multinational Specialized Unit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die KFOR Multinational Specialized Unit (MSU) hat ihren Sitz in Pristina und ist Teil der Einsatzkräfte von COM KFOR. Es besteht ausschließlich aus italienischen Carabinieri.

Die MSU ist eine Militäreinheit, die sich aus Polizeikräften mit militärischem Status zusammensetzt. Es bietet dem COM KFOR die Möglichkeit, Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen, einschließlich strafrechtlicher Aufklärung, Beherrschung von Menschenmengen und Unruhen (CRC – Crowd and Riot) sowie das Sammeln und Bewerten von Informationen. Die MSU kann bei Bedarf auch lokale Polizeikräfte in einer Vielzahl von Fragen der Polizeiberatung und -unterstützung unterstützen, darunter: Strafverfolgung, Bekämpfung der organisierten Kriminalität und des Terrorismus, Ermittlung von Kriegsverbrechen, Kriminalprävention und öffentliche Sicherheit.

Die MSU wird von einem italienischen Carabinieri-Offizier kommandiert, der den COM KFOR in allen Angelegenheiten der Zivilpolizei berät.[4]

RC – Regional Command[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die KFOR verfügt über zwei RCs.

Das Regional Command Ost (RC – E) ist ein NATO-Kommando mit Sitz im Camp Bondsteel in der Nähe von Ferizaj im Südosten des Kosovo. Dieses Camp ist der Hauptstützpunkt der US-Armee unter dem KFOR-Kommando im Kosovo.

Die RC-E führt friedensfördernde Operationen im Kosovo durch, um ein sicheres Umfeld und uneingeschränkte Bewegungsfreiheit zu gewährleisten.

Die Einheit wird von einem US-Offizier kommandiert und besteht aus US-Truppen sowie Truppen aus Polen, Rumänien und der Türkei.[5]

Die Regional Command West (RC – W) ist ein NATO-Kommando mit Hauptsitz im Camp Villaggio Italia in der Nähe von Pec im Westen des Kosovo. Dieses Camp ist der Hauptstützpunkt der italienischen Truppe unter dem KFOR-Kommando im Kosovo.

Die RC-W führt friedensfördernde Operationen im Kosovo durch, um zu einem sicheren Umfeld und zur Bewegungsfreiheit beizutragen. Die RC-W fuehrt auch die Bewachung im Kloster Decane als First Responder durch.

Die Einheit wird von einem italienischen Offizier kommandiert und besteht aus Truppen aus Italien, Österreich, Moldau und Slowenien.[6]

JLSG – Joint Support Logistic Group[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Joint Logistics Support Group (JLSG) hat ihren Sitz in Camp Film City Pristina.

Die Aufgabe der JLSG besteht darin, den KFOR-Streitkräften logistische Unterstützung im gesamten Einsatzraum sowie militärische technische Unterstützung zukommen zu lassen, um ein sicheres Umfeld und Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Zu den Funktionen von JLSG gehören allgemeine Bereitstellung von pioniertechnischen Mitteln, der Transport und die Instandsetzung, Entschärfung von explosiven Stoffen, die Kraftstoffversorgung, -bereitstellung und -beförderung.

Die Einheit wird von einem österreichischen Offizier kommandiert und besteht aus Truppen aus 16 verschiedenen truppenstellenden Staaten.[7]

KTRBN – KFOR Tactical Reserve Bataillon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tactical Reserve Battalion (KTRBN) der KFOR ist in Novo Selo, im Camp Marschall de Lattre de Tassigny (CMLT) stationiert und steht direkt unter der taktischen Kontrolle des COM KFOR. Das Leistungsspektrum von KTRBN umfasst eine breite Palette von Sicherheitsmaßnahmen, zum Beispiel den Schutz von Personen mit besonderem Sicherheitsstatus, Schutz von Güter mit besonderem Sicherheitsstatus, Straßenkontrollen, Eskortieren von Menschen/Fahrzeugen, Überwachung von Räumen, Aufklärung, Erste-Hilfe-Maßnahmen bei der Bevölkerung und anderen militärischen Fähigkeiten. KTRBN ist speziell in Crowd and Riot Control (CRC)–Operationen geschult. Das KTRBN kann überall im Kosovo eingesetzt werden. Das Bataillon besteht aus ungarischen Truppen.[8]

HSG – Headquarter Support Group[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Headquarters Support Group (HSG) hat ihren Sitz im Camp Film City Pristina. Die HSG hat die Aufgabe, Camp Film City / HQ KFOR vor internen und externen Bedrohungen zu schützen. Die Einheit bietet auch Unterstützung für das Hauptquartier der KFOR im Camp Film City und verfügt über folgende Einrichtungen: Camp Marechal de Lattre de Tassigny, Camp Nothing Hill und den Militärflughafen Pristina. Die Einheit wird von einem irischen Offizier kommandiert und setzt sich aus Truppen und Zivilpersonal aus mehreren truppenstellenden Staaten zusammen.[9]

Truppenstellende Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mit * gekennzeichneten Staaten sind keine NATO-Mitglieder.

Truppenstellende Staaten[10] Anzahl Soldaten
AlbanienAlbanien Albanien 29
ArmenienArmenien Armenien* 41
BulgarienBulgarien Bulgarien 22
DanemarkDänemark Dänemark 35
DeutschlandDeutschland Deutschland 100
FinnlandFinnland Finnland* 20
GriechenlandGriechenland Griechenland 111
IrlandIrland Irland* 12
ItalienItalien Italien 542
KanadaKanada Kanada 5
KroatienKroatien Kroatien 34
LitauenLitauen Litauen 1
Moldau RepublikRepublik Moldau Moldau* 41
MontenegroMontenegro Montenegro 1
NorwegenNorwegen Norwegen 2
OsterreichÖsterreich Österreich* 430
PolenPolen Polen 240
PortugalPortugal Portugal 3
RumänienRumänien Rumänien 57
SchwedenSchweden Schweden* 4
SchweizSchweiz Schweiz* 190
SlowenienSlowenien Slowenien 242
TschechienTschechien Tschechien 10
TurkeiTürkei Türkei 246
UkraineUkraine Ukraine* 40
UngarnUngarn Ungarn 385
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 23
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 659

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Kosovokrieges 1999 hatte der US-General Wesley Clark als Supreme Allied Commander Europe (SACEUR) das Oberkommando über die NATO-Truppen inne. Die KFOR wurde bis zur Truppenreduzierung 2010 von einem Generalleutnant geführt, der üblicherweise einer der Lead Nations angehört, die auch die Leitung einer der fünf multinationalen Brigaden innehatte. Aufgrund der Truppenreduzierung wird der COM KFOR seit 2010 von einem Generalmajor besetzt.

Nachfolgende Offiziere hatten einen Einsatz als COM KFOR:

Name Heimatstaat Zeitraum
Lieutenant General Sir Michael Jackson Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 10. Juni 1999 – 8. Oktober 1999
General Dr. Klaus Reinhardt DeutschlandDeutschland Deutschland 8. Oktober 1999 – 18. April 2000
Lieutenant General Juan Ortuño Such SpanienSpanien Spanien 18. April 2000 – 16. Oktober 2000
Lieutenant General Carlo Cabigiosu ItalienItalien Italien 16. Oktober 2000 – 6. April 2001
Lieutenant General Skjaker NorwegenNorwegen Norwegen 6. April 2001 – 3. Oktober 2001
Lieutenant General Marcel Valentin FrankreichFrankreich Frankreich 3. Oktober 2001 – 4. Oktober 2002
Lieutenant General Fabio Mini ItalienItalien Italien 4. April 2002 – 3. Oktober 2003
Lieutenant General Holger Kammerhoff DeutschlandDeutschland Deutschland 3. Oktober 2003 – 1. September 2004
Lieutenant General Yves de Kermabon FrankreichFrankreich Frankreich 1. September 2004 – 1. September 2005
Lieutenant General Giuseppe Valotto ItalienItalien Italien 1. September 2005 – 1. September 2006
Lieutenant General Roland Kather DeutschlandDeutschland Deutschland 1. September 2006 – 31. August 2007
Lieutenant General Xavier Bout de Marnhac FrankreichFrankreich Frankreich 31. August 2007 – 29. August 2008
Lieutenant General Giuseppe Emilio Gay ItalienItalien Italien 29. August 2008 – 8. September 2009
Lieutenant General Markus Bentler DeutschlandDeutschland Deutschland 8. September 2009 – 1. September 2010
Major General Erhard Bühler DeutschlandDeutschland Deutschland 1. September 2010 – 9. September 2011
Major General Erhard Drews DeutschlandDeutschland Deutschland 9. September 2011 – 7. September 2012
Major General Volker Halbauer DeutschlandDeutschland Deutschland 7. September 2012 – 6. September 2013
Major General Salvatore Farina ItalienItalien Italien 6. September 2013 – 3. September 2014
Major General Francesco Figliuolo ItalienItalien Italien 3. September 2014 – 7. August 2015
Major General Guglielmo Luigi Miglietta ItalienItalien Italien 7. August 2015 – 1. September 2016
Major General Giovanni Fungo ItalienItalien Italien 1. September 2016 – 15. November 2017
Major General Salvatore Cuoci ItalienItalien Italien 15. November 2017 – 28. November 2018
Major General Lorenzo D’Addario ItalienItalien Italien 28. November 2018 – 15. November 2019
Major General Michele Risi ItalienItalien Italien seit 15. November 2019

Weitere Friedensmissionen im Kosovo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben KFOR – der zahlenmäßig größten Mission – sind derzeit auch folgende Missionen im Kosovo aktiv:[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: KFOR – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: KFOR – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. KFOR | Mission. Abgerufen am 6. September 2019 (englisch).
  2. jfcnaples.nato.int (Memento vom 3. Dezember 2016 im Internet Archive)
  3. KFOR: MNTF South (englisch).
  4. KFOR | MSU. Abgerufen am 6. September 2019 (englisch).
  5. KFOR | RC. Abgerufen am 6. September 2019 (englisch).
  6. KFOR | RC. Abgerufen am 6. September 2019 (englisch).
  7. KFOR | JLSG. Abgerufen am 6. September 2019 (englisch).
  8. KFOR | KTRBN. Abgerufen am 6. September 2019 (englisch).
  9. KFOR | HSG. Abgerufen am 6. September 2019 (englisch).
  10. KFOR | Contributing Nations. Abgerufen am 25. Juni 2020 (englisch).
  11. Peace Operations 2017/2018. (PDF; 720 kB) Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF), Juni 2017, abgerufen am 11. Oktober 2017 (englisch).