Erhard Bühler

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Erhard Bühler (2017)

Erhard Bühler (* 20. Januar 1956 in Aichach) ist ein Generalleutnant des Heeres der Bundeswehr und seit dem 1. Oktober 2014 Abteilungsleiter Planung im BMVg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühler wurde im bayerischen Aichach geboren und wuchs in Regensburg auf. Er ist verheiratet und hat einen Sohn.

Militärische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und erste Verwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühler trat am 1. Juli 1976 beim Instandsetzungsbataillon 4 in Hemau in den Dienst der Bundeswehr. Bis 1982 erfolgte die Ausbildung zum Offizier, wobei er von 1977 bis 1981 ein Studium des Maschinenbaus an der Universität der Bundeswehr Hamburg absolvierte und dies als Diplom-Ingenieur für Maschinenbau abschloss.

Nach dem Studium war Bühler in Neumünster von 1982 bis 1984 als Technischer Offizier beim Fernmeldebataillon 6 eingesetzt. 1984 erfolgte die Versetzung nach Wolfenbüttel, wo er als Hauptmann bis 1987 den Posten des Kompaniechefs der Instandsetzungskompanie 5/1 übernahm. Von 1987 bis 1988 war er als Hörsaalleiter in der Offizieranwärterausbildung an der Technischen Schule des Heeres in Aachen eingesetzt.

Dienst als Stabsoffizier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1988 bis 1990 absolvierte er den 31. Generalstabslehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Nach der Beförderung zum Major war er von 1990 bis 1992 als Referent im Führungsstab der Streitkräfte (FüS) eingesetzt und diente zudem als Stabsoffizier beim Stabsabteilungsleiter für das militärische Nachrichtenwesen (FüS II) im Bundesverteidigungsministerium in Bonn. Von 1992 bis 1993 absolvierte Bühler am Command and General Staff College in Fort Leavenworth, Kansas, die US-Generalstabsausbildung.

Zurück in Deutschland war Bühler von 1993 bis 1995 als Operationsstabsoffizier (G3) im Stab des I. Korps in Münster unter dem Kommando von Hansjörn Boes. Im Anschluss an diese Stabsverwendungen übernahm Bühler von 1995 bis 1998 mit dem Instandsetzungsbataillon 11 in Delmenhorst als Oberstleutnant ein Truppenkommando. Von 1998 bis 1999 diente er abermals in Verteidigungsministerium in Bonn, diesmal als Referent im Büro des Staatssekretärs Dr. Peter Wichert.

Im Anschluss daran erfolgte die Versetzung nach Potsdam, wo Bühler von 1999 bis 2000 als Abteilungsleiter Operationen und Ausbildung (G3) im Stab des IV. Korps unter dem Kommando von Rainer Schuwirth diente. Von 2000 bis 2001 diente Oberst Bühler als Referatsleiter für Konzeption und Heeresentwicklung im Führungsstab des Heeres (FüH III 2) in Bonn unter dem Kommando des Chefs des Stabes Rolf Bernd und dem Inspekteur des Heeres Helmut Willmann.

Bühler blieb im Verteidigungsministerium und diente vom 1. April 2001 bis zum 18. Juli 2002 als Adjutant des Bundesministers der Verteidigung Rudolf Scharping (SPD). Nach der Entlassung Scharpings kurz vor der Bundestagswahl 2002 aufgrund von kleineren Affären übernahm der damalige Fraktionsvorsitzende Dr. Peter Struck (SPD) am 19. April 2002 den Posten des Verteidigungsministers. Bühler verblieb auf seinem Posten als Adjutant des Ministers und diente in dieser Verwendung bis zum August 2003.

In dieser Position agierte Bühler als Teil des Leitungskollegiums im Ministerium zusammen mit dem Minister, den beamteten und parlamentarischen Staatssekretären, dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, und war so an der Entwicklung des Transformationsprozesses der Bundeswehr von den Strukturen des Kalten Krieges hin zu eine „Armee im Einsatz“ beteiligt. Bühlers Nachfolger als Adjutant des Ministers wurde Lutz Niemann, mit dem Bühler gemeinsam die Generalstabsausbildung absolviert hatte.

Dienst im Generalsrang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühler übernahm zum 22. August 2003 in Amberg von Bruno Kasdorf das Kommando über die Panzerbrigade 12 und wurde in dieser Verwendung auch zum Brigadegeneral ernannt. Zudem war er in dieser Funktion von Mai bis November 2004 im Auslandseinsatz als Kommandeur des 9. deutschen Einsatzkontingents der KFOR in Prizren im Kosovo. Damit war er zugleich stellvertretender Kommandeur der Multinationalen Brigade Südwest unter dem Kommando des italienischen Brigadegenerals Danilo Errico. Am 20. Februar 2006 übergab Bühler die Brigade an seinen Nachfolger, wiederum Lutz Niemann, und wurde zurück in das Verteidigungsministerium versetzt.

Hier war er von 2006 bis 2008, noch immer unter dem damaligen Generalinspekteur Schneiderhan, als Stabsabteilungsleiter V zuständig für die Einsatzplanung der Bundeswehr. Zum 1. Juni 2008 wurde die Stabsabteilung ausgegliedert und als neuer Einsatzführungsstab zuerst in Bonn[1] und dann in Berlin direkt dem Generalinspekteur, Wolfgang Schneiderhan unterstellt, um die Aufgaben und Kompetenzen zu Fragen der Auslandseinsätze zu bündeln. In der Funktion des Leiters dieses Stabes wurde Bühler zum Generalmajor ernannt und arbeitete mit seinem militärischen Stellvertreter Dieter Warnecke zusammen. Die Leitung des Einsatzführungsstabes übergab er nach einem Jahr, am 27. August 2009, an Andreas Krause.[2]

Zuvor hatte Bühler bereits am 29. Juli 2009 die Nachfolge von Markus Bentler und damit das Kommando über die 10. Panzerdivision in Sigmaringen übernommen.[3] Bis zur Übergabe seines bisherigen Dienstpostens führte er offiziell sowohl die 10. Panzerdivision, als auch den Einsatzführungsstab.[4]

Zusätzlich übernahm Bühler am 1. September 2010 – ebenfalls von Bentler – die Führung der KFOR in Priština (Kosovo). An Bühlers Stelle in Sigmaringen tritt für ein Jahr sein Stellvertreter, Manfred Hofmeyer, da Bühler wieder nach Sigmaringen zurückkehren soll.[5][6] Der Dienstposten des KFOR-Befehlshabers wurde aufgrund der Verkleinerung der KFOR-Truppe zeitgleich mit der Übernahme durch Bühler von einer B9- (Generalleutnant) zu einer B7-Stelle (Generalmajor) heruntergestuft. Am 9. September 2011 hat er das Kommando der Einsatztruppe KFOR im Kosovo an seinen Nachfolger Erhard Drews, bislang Kommandeur der Division Luftbewegliche Operationen, übergeben.[7]

Bis zum 4. Juni 2013 war Erhard Bühler Kommandeur der 10. Panzerdivision in Sigmaringen. Diesen Posten gab er an Johann Langenegger ab. Bühler selbst wechselte zum Joint Warfare Centre der NATO nach Norwegen.[8] Zum 1. Oktober 2014 wurde er Abteilungsleiter der Abteilung Planung im Bundesministerium der Verteidigung.[9]

Leistungen im Kosovo und Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

General Bühler bei einem Treffen mit dem serbischen Unterhändler Borislav Stefanovic, Sommer 2011

Nachdem Bühler den Befehl über die NATO-Truppen in Kosovo übernommen hatte, kam es im Juli 2011 zu Unruhen in Kosovo.

Bühler stand vor der Entscheidung, militärisch zu intervenieren und notfalls mit Waffengewalt die Blockaden zu räumen, um so die vom UN-Sicherheitsrat geforderte Bewegungsfreiheit im Land zu gewährleisten.[10] Auf dieses gewaltsame Durchgreifen verzichtete General Bühler. Stattdessen setzte er auf Verhandlungen vor Ort, insbesondere mit der serbischen Seite.[11]

Den Durchbruch brachte eine von General Bühler am 3. August 2011 im KFOR-Lager „Nothing Hill“ ausgehandelte Einigung mit dem für Kosovo zuständigen serbischen Minister, Goran Bogdanovic, sowie dem serbischen Unterhändler Borko Stefanović. Ziel war es, die Bewegungsfreiheit gemäß UN-Resolution 1244 zu garantieren.[12]

Die Einigung, welche auch als „Nothing Hill Abkommen“ bezeichnet wird, brachte einen grundlegenden Wandel und hatte unmittelbare Folgewirkungen auf die weitere politische Entwicklung. Dieses Abkommen regelt erstmals die Normalisierung des Verhältnisses beider Länder.[13]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

General Bühler ist einer der ersten aus der Bundeswehrführung, der sich öffentlich in einer Diskussion[14] im Web 2.0 geäußert hat.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Franke: Ein deutscher General bereitet im Kosovo den Weg für Frieden und Völkerversöhnung. In: Humanitäres Völkerrecht-Informationsschriften, Volume 27, Heft 4/2014, Seite 188 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Personalveränderungen in militärischen und zivilen Spitzenstellen. BMVg Presse- und Informationsstab, 20. Juni 2008, abgerufen am 4. April 2016 (PDF).
  2. Pressemeldung BMVg – Personalveränderungen in militärischen Spitzenstellen – vom 27. August 2009
  3. Personalveränderungen in militärischen Spitzenstellen (BMVg.de vom 21. Juli 2009)
  4. Schwäbische Zeitung vom 30. Juli 2009
  5. Michael Heschler: General zieht es in den Kosovo. In: Schwäbische Zeitung vom 3. August 2010
  6. Michael Heschler: Commander Kfor. General Bühler folgt im Kosovo auf Bentler. In: Schwäbische Zeitung vom 3. August 2010
  7. Bundeswehrgeneral Drews übernimmt KFOR-Kommando. AFP, 9. September 2011, abgerufen am 10. September 2011.
  8. „Eine lange Tradition geht in Sigmaringen zu Ende, das berührt mich“. Abgerufen am 26. Mai 2015.
  9. Mitteilung des BMVg
  10. Siehe UN-Resolution 1244 (Ziffer 9 h).
  11. Serbische Blockade zwingt NATO-Soldaten zum Umkehren, Tages-Anzeiger, 30. Juli 2011 (abgerufen am 1. Juli 2014); Christian Wehrschütz: KFOR Kommandeur im Interview: „Wir wollen die Eskalation vermeiden“, Tagesspiegel, 4. August 2011 (abgerufen am 1. Juli 2014); Vivien-Marie Drews, Frerk Schenker: KFOR-General versetzt Blogger in ungläubiges Staunen, in Hannoversche Allgemeine, 10. August 2011 (abgerufen am 1. Juli 2014).
  12. T. Wiegold, Kosovo: Einigung mit den Serben, programmierter Ärger mit den Kosovoaren, 4. August 2011 (abgerufen am 2. Juli 2014). Vgl. auch: Kosovo-Krise beigelegt (Memento vom 18. Mai 2015 im Internet Archive), Südwest Presse, 6. August 2011; Kosovos Serben geben im Grenzstreit nach, Wolfsburger Allgemeine Zeitung (WAZ), 8. August 2011 (abgerufen am 2. Juli 2014); Deutscher General löst Grenzkonflikt im Kosovo, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 5. August 2011 (abgerufen am 2. Juli 2014).
  13. Bernd Franke: "Ein deutscher General bereitet im Kosovo den Weg für Frieden und Völkerversöhnung. In: Humanitäres Völkerrecht-Informationsschriften". In: "Humanitäres Völkerrecht-Informationsschriften", Volume 27, Heft 4/2014, Seite 189.
  14. ag: Kosovo: Kein Ende der Spannung in Sicht : Augen geradeaus. In: augengeradeaus.net. Abgerufen am 12. Oktober 2016.
  15. Vivien-Marie Drews / Frerk Schenker: Kfor-Kommandeur Bühler schreibt im Blog über Kosovo-Einsatz. Hannoversche Allgemeine Zeitung, 10. August 2011, abgerufen am 11. August 2011.