Litauische Streitkräfte

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LitauenLitauen Litauische Streitkräfte
Lietuvos ginkluotosios pajėgos
KAM logo.svg
Führung
Oberbefehlshaber: Verteidigungsminister Juozas Olekas

(im Kriegsfall: Präsidentin Dalia Grybauskaitė)

Verteidigungsminister: Juozas Olekas
Militärischer Befehlshaber: Generalleutnant
Jonas Vytautas Žukas
Sitz des Hauptquartiers: Vilnius
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 9.000 (2011)[1]
Wehrpflicht: 9 Monate
Wehrtaugliche Bevölkerung: 677.689 Männer (2009)

743.468 Frauen (2009)

Wehrtauglichkeitsalter: 19-45
Haushalt
Militärbudget: 575,2 Mio. (2016)[2]
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 1,48 % (2016)[2]
Geschichte
Gründung: 23. November 1918 (Befehl No. 1 zum Aufbau einer Armee)[3]
Faktische Gründung: 11. März 1990 (Wiedererlangung der Unabhängigkeit)

Die Streitkräfte Litauens (litauisch Lietuvos ginkluotosios pajėgos) sind die Streitkräfte der Republik Litauen. Die Geschichte der Streitkräfte ist eng mit der Geschichte des Landes verknüpft, dass erst in den 1990er Jahren seine Unabhängigkeit zurück erlangte.

Litauen ist Mitglied der NATO. Aufgrund der begrenzten finanziellen Möglichkeiten des Landes werden bestimmte Verteidigungsaufgaben zusammen mit den baltischen Nachbarstaaten und/ oder anderer Partnerstaaten durchgeführt.

Geschichte[Bearbeiten]

Zwischen den Weltkriegen[Bearbeiten]

Noch vom Deutschen Kaiserreich besetzt, hatte Litauen 1918 seine Unabhängigkeit vom Russischen Kaiserreich erklärt und mit dem Aufbau eigener Streitkräfte begonnen. Nach Kämpfen gegen Rote Armee und polnische Truppen konnte die Unabhängigkeit des Landes in der Folgezeit auch durchgesetzt werden.

Schon bald geriet das Land aber wieder unter Druck seiner Nachbarn. Im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges musste Litauen im März 1939 das Memelland, das es 1923 besetzt hatte, an das Deutsche Reich zurückgeben. Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen im Sommer 1940 wurde eine pro-sowjetische Regierung ins Amt gebracht, die den Beitritt zur Sowjetunion erklärte. Im Juni/Juli 1941 eroberten Truppen der deutschen Wehrmacht das litauische Staatsgebiet. Im Sommer 1944 besetzte die Rote Armee wieder große Teile Litauens und etablierte die Litauische Sozialistische Sowjetrepublik (LSSR) erneut. Der militärische Widerstand der „Waldbrüder“ gegen die sowjetische Besatzung stand ohne ausländische Unterstützung auf verlorenem Posten, war ab 1948 auf einige wenige Partisanenverbände geschrumpft und wurde schließlich ganz eingestellt.

Die Zeit seit 1991[Bearbeiten]

Im Jahr 1991 gewann Litauen seine staatliche Unabhängigkeit zurück und führte ein Jahr später die allgemeine Wehrpflicht ein. Die russische Armee zog 1993 aus Litauen ab. Seit 1994 nahm das Land am NATO-Programm Partnerschaft für den Frieden teil – seit 2004 ist es reguläres Mitglied des Bündnissystems. Litauen hat als Mitglied in der Koalition der Willigen Truppen in den Irak und nach Afghanistan entsandt. Am 14. Juni 2009, während eines Treffens der EU-Verteidigungsminister, vereinbarte man die Gründung einer Litauisch-Polnisch-Ukrainischen Brigade.[4]

Ende Februar 2015 wurde bekannt, dass Litauen die Wehrpflicht aufgrund der Ukrainekrise vorübergehend (für eine Dauer von fünf Jahren) wieder einführen will, nachdem man diese 2008 abgeschafft hatte. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde im März 2015 im Parlament eingebracht und mit 112 zu drei Stimmen bei fünf Enthaltungen angenommen. Die Dienstzeit wird neun Monate betragen, rund 3.500 Staatsbürger sollen jährlich eingezogen werden.[5] Zudem wird das Militärbudget, das zeitweise bei unter einem Prozent des BIP gelegen hatte, wieder erhöht.

Organisation[Bearbeiten]

Gliederung[Bearbeiten]

Die Streitkräfte Litauens bestehen aus den vier Teilstreitkräften:

  • Insignia of the National Defence Volunteer Forces (Lithuania).jpg Freiwilligenstreitkräfte (Savanorių pajėgos)

Getrennt von den Teilstreitkräften agiert die Litauische Militärpolizei (Lietuvos karo policija). Die Grenztruppen (Valstybės sienos apsaugos tarnyba prie Lietuvos Respublikos vidaus reikalų ministerijos) gehören nicht zur Armee. Sie sind, wie früher der Bundesgrenzschutz in der Bundesrepublik, dem Innenministerium unterstellt.

Oberkommando[Bearbeiten]

Die Streitkräfte sind direkt dem litauischen Verteidigungsministerium unterstellt. Gemäß Verfassung ist im Verteidigungsfall der Präsident der oberste Befehlshaber.

Derzeitiger militärischer Befehlshaber der Streitkräfte ist Generalleutnant Jonas Vytautas Žukas. Befehlshaber der Landstreitkräfte ist Generalmajor Almantas Leika, Befehlshaber der Marine Kapitän zur See Arūnas Mockus und Befehlshaber der Luftstreitkräfte Oberst Audronis Navickas.

Militärische Befehlshaber der Streitkräfte waren seit ihrer Gründung:

Name Dienstzeit Beginn Dienstzeit Ende
(1918–1940)
Silvestras Žukauskas N.N. N.N.
Stasys Raštikis 1935 1940
Kariuomenės vado (seit 1993)
Jonas Andriškevičius 20. Oktober 1993 1. Juli 1999
Jonas Kronkaitis 1. Juli 1999 30. Juni 2004
Valdas Tutkus 30. Juni 2004 3. Juli 2009
Arvydas Pocius 24. Juli 2009 24. Juli 2014
Jonas Vytautas Žukas seit 24. Juli 2014

Aus- und Weiterbildung[Bearbeiten]

Die Aus- und Weiterbildung der litauischen Soldaten wird zentral vom Ausbildungskommando (litauisch Mokymo ir doktrinų valdyba) koordiniert. Für die eigentliche Ausbildung stehen das Hetman Jonušas Radvila Ausbildungsregiment, das General Adolfas Ramanauskas Kampftrainingszentrum und die Divisionsgeneral-Stasys-Raštikis-Militärschule zur Verfügung. Die Offiziersausbildung erfolgt an der General Jonas-Žemaitis-Militärakademie.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Bildungseinrichtungen, die gemeinsam mit den estnischen und lettischen Streitkräften betrieben werden. Hier sei beispielhaft nur die Baltische Verteidigungsakademie (BALTDEFCOL) in Tartu genannt, an der die angehenden Stabsoffiziere der baltischen Republiken ausgebildet werden.

Ausrüstung und Mannschaftszahlen[Bearbeiten]

Ausrüstung[Bearbeiten]

Landstreitkräfte[Bearbeiten]

Soldat der Infanteriebrigade Geležinis Vilkas

Die bedeutendste Teilstreitkraft ist das litauische Heer. Dieses verfügt über:

Im Zuge der Aufrüstung durch die USA wurden von dieser zudem Kampfpanzer vom Typ Abrams, Bradley sowie Humvees in Litauen, sowie Estland und Lettland stationiert.[6][7]

Seit 2003 setzen die Streitkräfte das in Deutschland produzierte Gewehr HK G36 ein.

Seestreitkräfte[Bearbeiten]

Patrouillenschiff Žemaitis (P 11) der Flyvefisken-Klasse

Die Seestreitkräfte betreiben in Kooperation mit den baltischen Nachbarstaaten das Ostseegeschwader BALTRON. Wichtigster Stützpunkt der litauischen Marine ist Klaipėda. Dort ist u. a. die Flotte stationiert, die über folgende Einheiten verfügt:

Luftstreitkräfte[Bearbeiten]

Litauische Alenia C-27J

Die Luftwaffe nutzt den Flughafen Šiauliai. Sie betreibt mit den baltischen Nachbarn das Luftraumüberwachungssystem BaltNet. Die Luftstreitkräfte verfügen über:

Flugzeuge

Hubschrauber

Mannschaftszahlen[Bearbeiten]

  • Landstreitkräfte: 8.100
  • Seestreitkräfte: 650
  • Luftstreitkräfte: 1.000
  • „Freiwillige“: ca. 10.000 Reservisten[8]

Militärpersonen[Bearbeiten]

Generäle 1569–1795[Bearbeiten]

Generäle 1918–1940[Bearbeiten]

  • Edvardas Adamkevičius (1888–1957), Generalmajor
  • Feliksas Baltušis-Žemaitis (1897–1957), Brigadegeneral
  • Juozas Barzda-Bradauskas (1896–1953), Brigadegeneral
  • Albinas Čepas-Čepaukas (1896–1961), Brigadegeneral
  • Jonas Černius (1898–1977), Generalmajor und Premierminister
  • Teodoras Daukantas (1884–1960), Generalmajor
  • JonasGalvidis-Bikaukas (1864–1943), Generalmajor
  • Zenonas Gerulaitis (1894–1945), Generalmajor
  • Viktoras Giedrys (1894–1955), Brigadegeneral
  • Antanas Gustaitis (1898–1941), Brigadegeneral
  • Jonas Jackus (1894–1977), Generalleutnant
  • Jonas Joudisius (1893–1950), Brigadegeneral
  • Vladis Karvelis (1902–1980), Brigadegeneral
  • Maksimas Katche (Max Kattchée), (1879–1933), Generalleutnant
  • Juozas Kraucevičius (1879–1964), Generalleutnant
  • Petras Kubiliūnas (1894–1946), Generalleutnant
  • Jurgis Kubilius (1875–?), Generalleutnant
  • Kazys Ladyga (1893–1941), Generalleutnant
  • Pranas Liatukas (1876–1945), Generalleutnant
  • Vladas Mezialis (1894–1966), Brigadegeneral
  • Kazys Musteikis (1894–1977), Brigadegeneral
  • Vladas Nagius-Nagevicius (1881–1954), Brigadegeneral
  • Stasys Nastopka (1891–1938), Generalleutnant
  • Kazimieras Navakas (1894–1945), Brigadegeneral
  • Klemensas Popeliučka (1892–1948), Brigadegeneral
  • Motiejus Pečiulionis (1888–1960), Generalleutnant
  • Povilas Plechavičius (1890–1973), Generalleutnant
  • Stasys Pundziavičius (1893–1980), Generalmajor
  • Leonas Radus-Zenkavicius (1874–1946), Generalleutnant
  • Stasys Raštikis (1896–1985), Generalmajor
  • Mikas Reklatis (1895–1976), Generalmajor
  • Kazys Skučas (1894–1941), Brigadegeneral
  • Jonas Sutkus (1893–1941), Generalleutnant
  • Kazys Tallat-Kelpsa (1893–1968), Brigadegeneral
  • Pranas Tamašauskas (1880–1951), Brigadegeneral
  • Adolfas Urbšas (1900–1973), Generalmajor
  • Mykolas Velykis (1884–1955), Generalmajor
  • Emil Vimieris (1885–1974), Brigadegeneral
  • Vincas Vitkauskas (1890–1965), Generalleutnant
  • Vincas Žilys (1896–1972), Brigadegeneral
  • Silvestras Žukauskas (1860–1937)

Generäle/ Admiräle seit 1991[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Litauische Streitkräfte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Financial and Economic Data Relating to NATO Defence“, Press Release Communique PR/CP(2012)047, NATO Public Diplomacy Division, 12. April 2012 (PDF, 99kB)
  2. a b Seimas of the Republic of Lithuania approved Defence Budget 2016 amounting to 1.48 % of GDP, Onlinemeldung des litauischen Verteidigungsministeriums vom 10. Dezember 2015, abgerufen am 23. Januar 2016 (englisch)
  3. Armed Forces Day (englisch)
  4. Robert Rochowicz: List intencyjny w sprawie LITPOLUKRBRIG podpisany (Memento vom 26. November 2009 im Internet Archive), Polska Zbrojna, 16. November 2009 (polnisch)
  5. Litauen führt Wehrpflicht wieder ein Onlinemeldung auf faz.net, abgerufen am 20. März 2015.
  6. Onlinemeldung der Zeit vom 9. März 2015, abgerufen am 10. März 2015.
  7. Onlinemeldung bei tagesschau.de vom 10. März 2015, abgerufen am 12. März 2015.
  8. International Institute for Strategic Studies: The Military Balance. 2002.