Karasjok

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Wappen Karte
Wappen der Kommune Karasjok
Karasjok (Norwegen)
Karasjok (69° 28′ 19,22″ N, 25° 30′ 27,03″O)
Karasjok
Basisdaten
Kommunennummer: 5437
Provinz (fylke): Troms og Finnmark
Verwaltungssitz: Karasjok
Koordinaten: 69° 28′ N, 25° 30′ OKoordinaten: 69° 28′ N, 25° 30′ O
Fläche: 5.452,95 km²
Einwohner: 2.641 (1. Jan. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 0,48 Einwohner je km²
Sprachform: Bokmål und Nordsamisch
Webpräsenz:
Politik
Bürgermeister: Svein Atle Somby (Ap) (2015)
Lage in der Provinz Troms og Finnmark
Lage der Kommune in der Provinz Troms og Finnmark

Karasjok (nordsamisch: Kárášjohka[2]) ist eine Kommune im norwegischen Fylke Troms og Finnmark. Die Kommune hat 2641 Einwohner (Stand: 1. Januar 2021) und ist die flächenmäßig zweitgrößte Norwegens.[3] Verwaltungssitz ist der gleichnamige Ort Karasjok. Die Gemeinde gehört zu den Hauptsiedlungsgebieten der Samen in Norwegen und in Karasjok liegt der Sitz des samischen Parlaments Sameting.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf den Ort Karasjok

Die Gemeinde befindet sich im Osten des auf etwa 300 moh. gelegenen Hochplateaus Finnmarksvidda und grenzt im Nordosten an Tana, im Norden an Porsanger, im Nordwesten an Alta und im Westen und Südwesten an die Kommune Kautokeino. Im Südosten und Osten liegt die Grenze zwischen Finnland und Norwegen.

Aus Kautokeino kommend fließt der Fluss Kárášjohka Richtung Osten. In den Fluss mündet der Iešjohka, bevor er weiter durch die Ortschaft Karasjok verläuft. An der Grenze zu Finnland verbindet sich der Kárášjohka mit dem Grenzfluss Anárjohka zur Tana. Diese bildet weiter den Grenzfluss zu Finnland im Osten und verläuft in die nördlich gelegene Kommune Tana.[4] An den Flüssen der Gemeinde wurde an mehrere Orten in Karasjok Goldwäsche betrieben.[5] Ein Teil des Sees Iešjávri, dessen ökologischer Zustand als nahezu mustergültig eingestuft wird, liegt im nordwestlichen Gebiet von Karasjok.[6]

Die Erhebung Vuorji stellt mit einer Höhe von 1024 moh. den höchsten Punkt der Kommune Karasjok dar.[7] Der Berg liegt auf der Grenze zu Porsanger. Im Süden der Kommune liegt ein Teil des Øvre-Anárjohka-Nationalparks.[4]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1886 wurde in Karasjok eine Temperatur von −51,4 °C gemessen. Diese Temperatur gilt als die kälteste je in Norwegen gemessene.[8]


Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Karasjok
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −11,5 −10,0 −4,2 1,4 7,4 14,6 17,7 14,9 9,2 1,9 −5,0 −9,5 Ø 2,3
Rekordmaximum (°C) 7,2 12,4 8,9 15,1 30,5 31,0 31,7 29,9 23,0 14,8 8,4 7,8 32,4
Min. Temperatur (°C) −23,2 −21,6 −16,6 −8,8 −0,7 5,4 8,2 6,1 1,5 −4,8 −14,0 −21,1 Ø −7,4
Rekordminimum (°C) −51,2 −50,0 −43,2 −32,8 −23,0 −3,8 −1,4 −5,4 −14,2 −29,2 −40,9 −46,4 −51,4
Temperatur (°C) −17,1 −15,4 −10,3 −3,1 3,8 10,1 13,1 10,7 5,3 −1,3 −9,4 −15,3 Ø −2,3
Niederschlag (mm) 18 13 14 15 23 42 71 58 40 33 22 17 Σ 366
Regentage (d) 5,8 4,5 4,6 4,8 5,6 8,4 10,5 10,5 9,0 8,3 6,7 5,8 Σ 84,5
T
e
m
p
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r
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t
u
r
−11,5
−23,2
−10,0
−21,6
−4,2
−16,6
1,4
−8,8
7,4
−0,7
14,6
5,4
17,7
8,2
14,9
6,1
9,2
1,5
1,9
−4,8
−5,0
−14,0
−9,5
−21,1
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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33
22
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1700 gab es in Karasjok kaum eine feste Besiedlung, die Gebiete wurden aber von mit Rentieren umherziehenden Leuten zeitweise bewohnt. Etwa 80 Prozent der Einwohner sind samisch, es gibt zudem einen kleineren finnischen Bevölkerungsanteil. In den 1990er-Jahren war Karasjok eine der einzigen Kommunen des damaligen Fylkes Finnmark, die eine steigende Bevölkerungszahl hat. In den 2000er-Jahren begann sie auch dort zu sinken. Die Bevölkerung konzentriere sich im Laufe der Zeit verstärkt auf die Ortschaft Karasjok.[5] Der Ort Karasjok ist der einzige sogenannte Tettsted, also die einzige Ansiedlung, die für statistische Zwecke als eine Ortschaft gewertet wird. Zum 1. Januar 2020 lebten dort 1811 Einwohner.[9]

Die Einwohner der Gemeinde werden Karasjoking genannt.[10] Offizielle Schriftsprache ist wie in vielen Kommunen in Troms og Finnmark Bokmål, also die weiter verbreitete der beiden norwegischen Sprachformen.[11] Da Karasjok Teil des samischen Verwaltungsgebiets ist, ist die norwegische Sprache dem Samischen gleichgestellt. Die Einwohner haben folglich unter anderem einen Anspruch darauf, die Kommunikation mit öffentlichen Organen in einer samischen Sprache zu führen.[12]

Jahr 1986 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020
Einwohnerzahl[13] 2694 2652 2788 2901 2876 2789 2708 2628

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sametingsgebäude

Die Kommune Karasjok wurde am 1. Januar 1866 gegründet, als sie vom damaligen Kistrand (heute Porsanger) abgespalten wurde. Kistrand verblieb dabei mit 1367 Einwohnern, Karasjok wurde bei seiner Gründung von 515 Personen bewohnt. Zum 20. Dezember 1988 erhielt die Gemeinde mit Kárášjohka ein offiziellen samischen Namen.[14] Bis zum 31. Dezember 2019 gehörte Karasjok der damaligen Provinz Finnmark an. Sie ging im Zuge der Regionalreform in Norwegen in die zum 1. Januar 2020 neu geschaffene Provinz Troms og Finnmark über.[15]

In der Kommune liegen mehrere Kirchen. Die Karasjok gamle kirke aus dem Jahr 1807 wurde in Holz erbaut. Ihr Grundriss ist kreuzförmig.[16] Nachdem die alte Kirche zu klein wurde, folgte 1974 die Karasjok kirke.[17] Die Holzkirche Valjok kirke wurde 1932 eröffnet.[18]

Nach einer längeren Zeit der Norwegisierungspolitik, in der unter anderem die samische Sprache zurückgedrängt wurde, bildete ein Beschluss des Nationalparlaments Storting die Grundlage für das heutige samische Parlament Norwegens, das Sameting. Die erste Versammlung des Parlaments fand am 9. Oktober 1989 in Karasjok statt.[19] Im November 2000 wurde das Sametingsgebäude von König Harald V. offiziell eröffnet. Neben dem Parlamentsräumen ist dort auch die Verwaltung untergebracht.[20]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße in Karasjok

Durch die Kommune führt die Europastraße 6 (E6). Diese kommt zunächst von Norden aus Porsanger und führt bis Karasjok, bevor sie nach Osten entlang des Flusses Kárášjohka an die finnische Grenze führt und dort erneut in den Norden abknickt. Sie führt schließlich weiter nach Tana und insgesamt weiter bis an die norwegisch-russische Grenze im Nordosten. Bei der Ortschaft Karasjok kreuzt der aus Kautokeino kommende Riksvei 92 in die E6 und führt von dort parallel zur E6 weiter bis an die finnische Grenze.[4]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1970er-Jahren begann der Anteil an Personen, die im Bereich des Primärsektors tätig waren, stark zu sinken. Die Haltung von Rentieren sowie die von Rindern und Schafen ist aber auch heute noch verbreitet. Andere Bestandteile des Primärsektors wie etwa die Jagd und die Fischerei werden nebenbei betrieben. Während die Zahl der Arbeitsplätze im Primärsektor sank, gewannen Tourismus, die öffentliche Verwaltung und der Dienstleistungssektor an Bedeutung. Ein größerer Arbeitgeber ist dabei die Verwaltung des Sametings. In Karasjok liegt der Sitz der samischsprachigen Zeitung Ávvir.[5] Im Jahr 2020 arbeiteten von 1377 Arbeitstätigen 1154 in Karasjok selbst, nur ein eher kleiner Anteil war in Kommunen wie Porsanger oder Tromsø tätig.[21]

Name und Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das seit 1986 offizielle Wappen der Kommune zeigt drei fünfflammige goldene Feuer auf rotem Hintergrund. Die drei Feuer stehen dabei für die samische, norwegische und finnische Bevölkerung.[5] Karasjok wurde im schwedischen Steuerregister von einer finnischsprachigen Person im Jahr 1595 als Karrisjocki und 1598 als Karasiockj erwähnt. Die Herkunft des Namens ist nicht gesichert, der letzte Teil leitet sich vom samischen Wort „jåkka“ (deutsch: Fluss) ab.[22]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Karasjok – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 07459: Alders- og kjønnsfordeling i kommuner, fylker og hele landets befolkning (K) 1986 – 2021 Statistisk sentralbyrå. 23. Februar 2021 (norwegisch)
  2. Faktaark: Karasjok. In: Kartverket. Abgerufen am 4. Juni 2021 (norwegisch).
  3. Landskap i Norge. In: ssb.no. Abgerufen am 18. September 2021 (norwegisch (Bokmål)).
  4. a b c Karasjok kommune. In: Norgeskart. Abgerufen am 4. Juni 2021 (norwegisch).
  5. a b c d Karasjok. In: Store norske leksikon. Abgerufen am 4. Juni 2021 (norwegisch).
  6. Overvåking av fisk i store innsjøer: IEŠJÁVRI. In: nina.no. 2018, abgerufen am 4. Juni 2021 (norwegisch).
  7. Høgaste fjelltopp i kvar kommune. Kartverket, 11. November 2020, abgerufen am 4. Juni 2021 (norwegisch (Nynorsk)).
  8. Jørgen Berge: Ekstrem kulde: Her er rekorden. In: iFinnmark. 7. Januar 2016, abgerufen am 4. Juni 2021 (norwegisch).
  9. Population and land area in urban settlements. Statistisk sentralbyrå, 6. Oktober 2020 (englisch).
  10. Innbyggjarnamn. Språkrådet, abgerufen am 4. Juni 2021 (norwegisch (Nynorsk)).
  11. Forskrift om målvedtak i kommunar og fylkeskommunar (målvedtaksforskrifta). In: Lovdata. 6. Januar 2020, abgerufen am 4. Juni 2021 (norwegisch).
  12. Samelovens språkregler og forvaltningsområdet for samisk språk. In: regjeringen.no. 28. Januar 2020, abgerufen am 4. Juni 2021 (norwegisch).
  13. Population. Municipalities, pr. 1.1., 1986 - latest year. In: ssb.no. Abgerufen am 4. Juni 2021 (englisch).
  14. Dag Juvkam: Historisk oversikt over endringer i kommune- og fylkesinndelingen. (PDF) In: ssb.no. 1999, abgerufen am 4. Juni 2021 (norwegisch).
  15. Kommunal- og moderniseringsdepartementet: Nye kommune- og fylkesnummer fra 2020. In: regjeringen.no. 27. Oktober 2017, abgerufen am 4. Juni 2021 (norwegisch).
  16. Karasjok gamle kirke. In: Kirkesøk. Abgerufen am 5. Juni 2021 (norwegisch).
  17. Karasjok kirke. In: Kirkesøk. Abgerufen am 5. Juni 2021 (norwegisch).
  18. Valjok kirke. In: Kirkesøk. Abgerufen am 5. Juni 2021 (norwegisch).
  19. Historikk. (Memento vom 21. März 2020 im Internet Archive) sametinget.no
  20. Sametingsbygningen. (Memento vom 31. Januar 2020 im Internet Archive) sametinget.no
  21. Pendlingsstrømmer. Statistics Norway, abgerufen am 4. Juni 2021 (norwegisch).
  22. Karasjok. In: Norsk stadnamnleksikon. Abgerufen am 4. Juni 2021 (norwegisch).