Karl M. Sibelius

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Sibelius singt zu Saxophonbegleitung beim Fest „20 Jahre HOSI Linz“ am 15. März 2003

Karl Michael Sibelius (* 18. Juli 1969 in Bregenz) ist ein österreichischer Kulturmanager, Schauspieler, Sänger, Regisseur und Friedensforscher.

Von 2012 bis 2015 war er Intendant am Theater an der Rott im niederbayrischen Eggenfelden[1]. Ab 1. August 2015 war er Generalintendant mit künstlerischer, kaufmännischer und personeller Gesamtverantwortung am Theater Trier.[2] Im Juni 2016 wurde ihm die kaufmännische Leitung entzogen. Grund waren ein Defizit von 1,3 Millionen Euro im Jahr 2015 und ein prognostiziertes Defizit von ebenfalls 1,3 Millionen Euro im Jahr 2016.[3]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sibelius wuchs in Kärnten auf, besuchte dort das Musikgymnasium in Klagenfurt-Viktring und studierte anschließend Schauspiel und Gesang in Wien am Konservatorium Wien Privatuniversität. Er ist Master of Arts in Peace and Conflict Studies der ehemaligen Privatuniversität der Gemeinde Stadtschlaining, der European Peace University, verfügt über einen Abschluss als akademischer Kulturmanager an der Universität Wien sowie als Executive Master of Art Administration an der Universität Zürich und als Doctor of Philosophy (Titel der Promotionsarbeit: Orchestra Projects - Instruments of Social Change)[4] der Kunstuniversität Linz.[5]

Künstler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tätigkeit am Landestheater Linz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 bis 2012 war er am Landestheater Linz engagiert. Er trat sowohl in klassischen Schauspielrollen (Hamlet, Tellheim in Minna von Barnhelm), in Johann Nestroys Höllenangst als „Wendelin“, aber auch in Musicals und Operetten (unter anderem als „Frankn'Furter“ in The Rocky Horror Show) und in Opern auf.[6] Daneben gab er Liederabende („Ich find Schlager toll“, „Schiff der Träume“, „Struwwelpeter“). Er schuf die Kunstfigur Rose. Zu seinen Inszenierungen zählen die Linzer Produktionen Männer, Großherzogin von Gerolstein, La Cage aux Folles. Weiter war in seiner Regie und Übersetzung Stephen Sondheims Musical Thriller Sweeney Todd am Landestheater zu sehen. In Der gute Mensch von Sezuan war er in der Inszenierung von Ong Keng Sen als Shen Te/Shui Ta auf der Bühne. Er inszenierte die österreichische Erstaufführung von Song and Dance im Posthof Linz, brachte Matchgirl Opera zur Uraufführung und war Regisseur der Kinderoper Das Traumfresserchen. Für Linz 2009 – Kulturhauptstadt Europas moderierte Sibelius die Eröffnungsfeierlichkeiten.

Zwischendurch gastierte er immer wieder auf Bühnen in Wien (Serapionstheater, Schauspielhaus, Theater in der Josefstadt) und Deutschland (Münchner Volkstheater, Staatstheater Kassel, Bonn, Augsburg, Stadttheater Konstanz). Im Juli 2007 gab Sibelius in Klosterneuburg mit Beethovens Fidelio sein Debüt als Opernregisseur. In Linz stand er in der Spielzeit 2007/08 als „Adam Schaf“ in Georg Kreislers biografischen Liederabend und als Oberkellner „Leopold“ in der Operette Im weißen Rößl, im Juni und Juli 2008 bei den Bad Leonfeldner Sommerfestspielen im Musical Cabaret neben Maresa Hörbiger als Conferencier unter der Intendanz von Thomas Kerbl auf der Bühne.

Theater an der Rott[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 wechselte Sibelius als Intendant an das Theater an der Rott in Eggenfelden und gestaltete 2012/2013 seine erste Spielzeit. Seine künstlerischen und wirtschaftlichen Umstrukturierungsmaßnahmen (Change Management) werden überregional aufmerksam verfolgt. Er hält Vorträge über seine Theaterarbeit an Universitäten (Kulturmanagement) und Kulturinstituten. Ende der Spielzeit 2014/2015 beendete er seine Tätigkeit am Theater an der Rott vorzeitig[7]. Das Defizit 2015 des Theaters wurde Mitte des Jahres auf 1,151 Millionen Euro prognostiziert.[8] Er wechselte zum Theater Trier, wo er als Generalintendant das Vielspartenhaus in eine neue Rechtsform überführen soll.[9]

Stadttheater Trier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während anfangs Diskussionen über die künstlerische Leistung im Mittelpunkt standen, kam 2016 vermehrt Kritik an der Führung durch Sibelius auf. Unter anderem kam es zur fristlosen Kündigung des Schauspieldirektors Ulf Frötzschner, nachdem ein Theaterstück zum Todesfall Tanja Gräff zunächst angekündigt und dann abgesagt worden war.[10] Im Laufe des Jahres 2016 wurde bekannt, dass der Etat des Theaters erheblich überzogen wurde.[11] In einer Sitzung am 17. November 2016 entschied der Trierer Stadtrat, den Vertrag mit Sibelius zu Monatsende aufzulösen. Als Gründe wurden von Oberbürgermeister Wolfram Leibe unter anderem ein „dramatisches Fehlmanagement“ und ein Defizit von über 3 Millionen Euro seit Amtsantritt von Karl M. Sibelius genannt.[12]

Engagement außerhalb des Theaters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sibelius war im Stadtkulturbeirat Linz tätig und engagiert sich für die Aids-Hilfe Oberösterreich. In der Tageszeitung Österreich erschien zwei Jahre lang immer montags seine Kolumne „Alltag Kultur“. An der Anton Bruckner Privatuniversität war Sibelius als Dozent an der Opernschule tätig. Er selbst behauptete auf seinem Facebook-Profil, dort als Professor gewirkt zu haben; mit einer anderslautenden Darstellung der Universität konfrontiert, änderte er diesen Eintrag ab.[13] Von 2010 bis 2013 war er Dozent am Institut für Gesang an der Universität Mozarteum Salzburg. Sibelius ist Referent (Change Management in Kulturbetrieben) und als Gastdozent u.a. an der LMU München tätig.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit seinem Lebensgefährten, dem Wirtschaftswissenschaftler, Universitätsdozenten und HOSI-Aktivisten Rainer Bartel, zieht er seit 2005 eine Adoptivtochter und seit Januar 2010 ein weiteres Pflegekind groß.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2005 bis 2007 war Sibelius für den Gay And Lesbian Award (G.A.L.A.) der HOSI Linz nominiert.
  • 2007 Nach der Benefizgala „Let´s POP!!!“ im Jahre 2007 zugunsten von HOSI Linz erhielt Sibelius gemeinsam mit der Nationalratspräsidentin Barbara Prammer das Ehrenkreuz „Fidei et Merito“ („Der Treue und dem Verdienste“) verliehen.
  • 2007 Ehrenzeichen der HOSI Linz
  • 2012 Kulturmedaille des Landes Oberösterreich[14]
  • 2013 Preis der Jury bei den Bayerischen Theatertagen in Nürnberg als "bemerkenswerter" Theatermacher
  • 2013 Überraschungssieger für innovative Theaterarbeit abseits der Zentren (Deutsche Bühne)
  • 2014 Nominierung seines Bürgerprojekts WEIL I DI MAG für den BKM-Preis Kulturelle Bildung durch den Deutschen Bühnenverein

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sabine Jackl: Freigeist mit Familiensinn. In: dahoam – Das Magazin für Wirtschaft und Lebenskultur in Niederbayern. Oktober 2012, S. 40f.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Theater an der Rott
  2. Trier.de vom 4. April 2014 Theater Trier: Karl M. Sibelius wird neuer Intendant, abgerufen am 4. April 2014
  3. nachrichten.at vom 8. Juni 2016: Stadt Trier entzieht Sibelius die Finanzhoheit, abgerufen am 8. Juni 2016.
  4. Kunstuniversität Linz: AbsolventInnen und Studierende. In: www.ufg.ac.at. Abgerufen am 5. Oktober 2016.
  5. Karl M. Sibelius, in: Webpräsenz des Landestheaters Linz abgefragt am 18. April 2015
  6. Landestheater Linz
  7. Raimund Meisenberger: Wechsel nach Trier: Karl Sibelius verlässt das Theater an der Rott. Abgerufen am 5. Oktober 2016.
  8. NN: Magere Sibelius-Bilanz: Hoffen auf Neustart am Theater der Rott. Passauer Neue Presse v. 31. Juli 2015
  9. Homepage des Theater Trier.
  10. Theater Trier – Abmahnungen, Kündigungen, Abfindungen | Trier Reporter. In: www.trier-reporter.de. Abgerufen am 26. Oktober 2016.
  11. Streit um Theater Trier eskaliert: Oberbürgermeister will Intendant loswerden | Trier | Nachrichten. In: swr.online. (swr.de [abgerufen am 26. Oktober 2016]).
  12. Trierer Stadtrat entscheidet: Intendant Sibelius muss Ende November gehen | Trier | Nachrichten. In: swr.online. (swr.de [abgerufen am 19. November 2016]).
  13. Notizen aus Absurdistan in Verlagsgruppe Rhein Main vom 27. August 2016.
  14. Kulturmedaille für Karl M. Sibelius, in: Webpräsenz des Wochenblattes