Karneval der Kulturen

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Karneval der Kulturen in Berlin

Der Karneval der Kulturen ist ein multikulturelles Fest in Berlin, das seit 1996 alljährlich um das Pfingstwochenende herum im Stadtteil Kreuzberg gefeiert wird. Bei den Umzügen, den Musik- und Theaterveranstaltungen dient der Karnevalsgedanke einer bunten, friedlichen und toleranzbetonten Demonstration der kulturellen Vielfalt.

Die Anfänge[Bearbeiten]

2009

Im Oktober 1993 öffnete in Berlin-Neukölln die Werkstatt der Kulturen. Gefördert von der Ausländerbeauftragten des Berliner Senats, bieten die Betreiber ein Forum der Begegnung und des Dialogs der etwa 500.000 ausländischen Einwohner aus über 180 Nationen. Die regelmäßigen Treffen und künstlerischen Projekte führten bald zu der Idee einer mehrtägigen öffentlichen Veranstaltung.

Schon früher gab es Konzepte für einen Karneval in Berlin, die auch umgesetzt wurden (Berliner Karneval), an bereits bestehende Karnevalstraditionen angelehnt waren, allerdings nach Ansicht der Initiatoren des Karnevals der Kulturen die Besonderheiten Berlins außer Acht ließen. Den ersten Karneval der Kulturen gab es schließlich am 15. und 16. Mai 1996 zu Himmelfahrt. Er sollte sich einreihen in neuere europäische Traditionen wie den Notting Hill Carnival in London und den Rotterdamer Zomercarnaval, jedoch in größerem Maßstab.

Das Programm[Bearbeiten]

2006 nahe Südstern

Von Beginn an standen große Umzüge durch das Berliner Stadtzentrum im Mittelpunkt der Veranstaltung. Im Laufe der Jahre wuchs der Karneval zu einem viertägigen Straßenfest mit zahlreichen musikalischen und choreographischen Darbietungen. Auch ein Kinderkarneval ist mittlerweile im Standardprogramm enthalten. Die Besucherzahlen stiegen von 50.000 im Jahr 1996 kontinuierlich an. 1997 waren es bereits über 300.000. Zu Pfingsten 2000 wurde die Millionengrenze überschritten. 2003 konnten über 1,5 Millionen Besucher gezählt werden. In den letzten Jahren stagnierte die Besucherzahl zwischen 600.000 und einer Million, wobei ein starker Zusammenhang mit dem oftmals kühlen Wetter naheliegt. Die Veranstaltung wird von einem Fest auf dem Blücherplatz vor der Heilig-Kreuz-Kirche (Berlin-Kreuzberg), deren Gemeinde sich am Programm beteiligt, begleitet.

Die Teilnehmerzahl bei den Umzügen stieg hingegen stetig an, von etwa 2.200 auf über 4.000 Akteure. Die Originalität und Fantasie ihrer Darbietungen und Ausrüstungen wird seit dem Jahr 2000 mit Preisen ausgezeichnet. Meistens wird das Event mit einer großen Abschlussparty gekrönt. Als Medienpartner sind die Lokalpresse sowie diverse Berliner Fernseh- und Radiosender an allen Tagen vor Ort.

Am Umzug sind neben deutschen vielfach südamerikanische und afrikanische Gruppen beteiligt. Türkische Gruppen sind, anders als man im teilweise türkisch geprägten Kreuzberg vermuten könnte, kaum vertreten.

Ökonomie[Bearbeiten]

Laut einer Studie der Investitionsbank Berlin (IBB) aus dem Jahr 2011 beträgt das durch den Karneval der Kulturen erwirtschaftete zusätzliche Bruttoinlandsprodukt für den Zeitraum von fünf Jahren 53,2 Millionen Euro. „Jeder [in den Karneval der Kulturen] investierte Euro bringt das Fünffache an Einnahmen“ heißt es in der Studie. Neben Gastronomie und Hotellerie kommt die Veranstaltung auch dem Einzelhandel, anderen Kultureinrichtungen und Dienstleistern zugute. Seit mehreren Jahren baten die Künstlergruppen vergeblich um finanzielle Unterstützung. Ende 2014 gab es zwischen Senat und dem damaligen Organisator ein Zerwürfnis wegen der Finanzierung eines neuen, teureren Sicherheitskonzepts. Der Senat hatte über längere Zeit nicht die Finanzierung dieser Mehrkosten gegenüber dem Träger bestätigt, worauf dieser die Weiterführung der Organisation ablehnte, was ein Aus für das Stattfinden des KdK 2015 bedeutet hätte. Nachdem dies in der Öffentlichkeit bekannt wurde, stand der Senat in der Kritik den KdK zu wenig zu unterstützen, sodass er nicht weiter getragen werden könne. In diesem Zuge haben auch ein Teil der Karnevalsgruppen, aufgrund von Missständen in der Finanzierung und anderen Bedingungen (z.B. Trinkwasserversorgung auf dem Umzug oder Räumlichkeiten für die Vorbereitung) mit einer Absage gedroht und haben eine Forderungsliste erstellt. Darauf hin sind zum ersten mal die Gruppen und der Senat direkt durch Sitzungen in Kontakt getreten. Nachdem der Senat praktisch auf alle Forderungen eingegangen ist, hat man im Februar einvernehmlich beschlossen den KdK mit einem neuen Träger stattfinden zu lassen. [1]

Zudem schafft bzw. erhält der Karneval der Kulturen 220 Arbeitsplätze in Berlin. Auch das Image der Hauptstadt profitiert immens von dem Straßenumzug. In den Medien ist der Karneval der Kulturen nicht nur bundesweit, sondern global vertreten und zeigt Berlin als junge, fröhliche und weltoffene Metropole und trägt damit maßgeblich zum Berlin-Hype bei.[2]

Organisator[Bearbeiten]

Der Träger/Organisator der KdK ist in 2015 die Kulturprojekte Berlin GmbH. Die Jahren davor war es die Werkstatt der Kulturen in Berlin.

Andere Städte[Bearbeiten]

In anderen deutschen Städten gibt es vergleichbare Veranstaltungen.

Seit 1997 findet in Bielefeld der Carnival der Kulturen, der u. a. vom Shademakers Carnival Club und dem Welthaus getragen wird, statt. Der zwei- bis dreistündige Umzug endet in der Regel im Ravensberger Park mit einem mehrstündigen Musik- und Performance-Programm.

In Essen wird der RuhrCarnival zur Zeit nicht fortgesetzt. Frankfurt am Main veranstaltet seit einigen Jahren mit steigender Teilnehmerzahl die Parade der Kulturen, in Saarbrücken fand 2006 das erste Mal Culturio statt.

Im August 2007 fand auch in Köln zum ersten Mal ein Karneval der Kulturen statt.

In Hamburg gab es zwischen 2003 und 2009 einen Karneval der Kulturen, dessen Umzug im Rahmen des „Festivals der Kulturen Hamburg“ stattfand. Der 4. Karneval der Kulturen zog am 16. September 2006 mit 34 Formationen und Gruppen zum ersten Mal durch die Hamburger Innenstadt, mitunter über den Jungfernstieg. Im Jahr 2007 übernahm Fatih Akın die Schirmherrschaft über das Event. Für 2008 hatten die Veranstalter den Umzug erstmals abgesagt, 2009 fand er statt als Demonstration. Ende 2009 wurde der veranstaltende Verein „Kulturwelten“ aus Geldmangel aufgelöst.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kerstin Frei: Wer sich maskiert, wird integriert. Der Karneval der Kulturen in Berlin, Berlin: Schiler 2003, ISBN 3-89930-008-4
  • Michi Knecht, Levent Soysal (Hrsg.): Plausible Vielfalt. Wie der Karneval der Kulturen denkt, lernt und Kultur macht. Panama-Verlag, 2. Auflage, Berlin 2007, ISBN 978-3-938714-01-0

Weblinks[Bearbeiten]

Allgemein
Berichte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.tagesspiegel.de/berlin/zusage-fuer-strassenfest-in-berlin-kreuzberg-karneval-der-kulturen-2015-findet-statt/11114572.html
  2. Studie der Investitionsbank Berlin