Karneval der Kulturen

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Der Karneval der Kulturen im Jahr 2010 (Brasilianische Gruppe)

Der Karneval der Kulturen ist ein multikulturelles Fest in Berlin, das seit 1996 alljährlich um das Pfingstwochenende herum im Stadtteil Kreuzberg gefeiert wird. Bei den Umzügen, den Musik- und Theaterveranstaltungen dient der Karnevalsgedanke einer bunten und lebensbejahenden Demonstration der kulturellen Vielfalt.

Mit rund einer Million Besucher zählt der Berliner Karneval der Kulturen zu den größten Straßenumzügen in Deutschland.

Die Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilnehmerin in 2008

Im Oktober 1993 öffnete in Berlin-Neukölln die Werkstatt der Kulturen. Gefördert von der Ausländerbeauftragten des Berliner Senats, boten die Betreiber ein Forum der Begegnung der etwa 500.000 Berliner Einwohner aus über 180 Nationen. Die regelmäßigen Treffen und künstlerischen Projekte führten bald zu der Idee einer mehrtägigen öffentlichen Veranstaltung.

Schon früher gab es Konzepte für einen Karneval in Berlin, die auch umgesetzt wurden (Berliner Karneval), an bereits bestehende Karnevalstraditionen angelehnt waren, allerdings nach Ansicht der Initiatoren des Karnevals der Kulturen die Besonderheiten Berlins außer Acht ließen. Den ersten Karneval der Kulturen gab es schließlich am 15. und 16. Mai 1996 zu Himmelfahrt. Er sollte sich einreihen in neuere europäische Traditionen wie den Notting Hill Carnival in London und den Rotterdamer Zomercarnaval.

Das Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Asiatische Berlinerinnen (2012)

Von Beginn an standen große Umzüge durch das Berliner Stadtzentrum im Mittelpunkt der Veranstaltung. Im Laufe der Jahre wuchs der Karneval zu einem viertägigen Straßenfest mit zahlreichen musikalischen und choreographischen Darbietungen. Auch ein Kinderkarneval ist mittlerweile im Standardprogramm enthalten. Die Besucherzahlen stiegen von 50.000 im Jahr 1996 kontinuierlich an. 1997 waren es bereits über 300.000. Zu Pfingsten 2000 wurde die Millionengrenze überschritten. 2003 konnten über 1,5 Millionen Besucher gezählt werden. Zwischen 2005 und 2015 hat sich die Besucherzahl knapp einer Million Besucher eingependelt. Die Veranstaltung wird von einem Fest auf dem Blücherplatz vor der Heilig-Kreuz-Kirche (Berlin-Kreuzberg) begleitet.

Die Teilnehmerzahl bei den Umzügen stieg über die Jahre stetig an, von etwa 2.200 auf über 4.000 Akteure (Stand: 2015). Am Umzug sind neben deutschen vielfach südamerikanische und afrikanische Gruppen beteiligt. Die Originalität und Fantasie ihrer Darbietungen und Ausrüstungen wird seit dem Jahr 2000 mit Preisen ausgezeichnet. Meistens wird das Karneval mit einer großen Abschlussparty gekrönt. Als Medienpartner sind die Berliner Lokalpresse sowie diverse nationale und internationale Fernseh- und Radiosender an allen Tagen vor Ort.

Organisator[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Träger des KdK ist im Jahr 2016 die Piranha Arts AG, bei der das bewährte Team des Karnevalbüros als Organisationsteam angestellt ist. Die Jahre davor war es die Werkstatt der Kulturen in Berlin und im Jahr 2015 die Kulturprojekte Berlin GmbH als Zwischenträger.

Ökonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den internationalen Gruppen gibt es auch viele deutsche Teilnehmer.

Laut einer Studie der Investitionsbank Berlin (IBB) aus dem Jahr 2011 beträgt das durch den Karneval der Kulturen erwirtschaftete zusätzliche Bruttoinlandsprodukt für den Zeitraum von fünf Jahren 53,2 Millionen Euro. „Jeder [in den Karneval der Kulturen] investierte Euro bringt das Fünffache an Einnahmen“ heißt es in der Studie. Neben Gastronomie und Hotellerie kommt die Veranstaltung auch dem Einzelhandel, anderen Kultureinrichtungen und Dienstleistern zugute. Außerdem schafft bzw. erhält der Karneval der Kulturen 220 Arbeitsplätze in Berlin. Auch das Image der Hauptstadt profitiert von dem Straßenumzug. In den Medien ist der Karneval der Kulturen nicht nur bundesweit, sondern global vertreten und zeigt Berlin als junge, fröhliche und weltoffene Metropole und trägt damit maßgeblich zum Berlin-Hype bei.[1]

Andere Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In anderen deutschen Städten gibt es vergleichbare Veranstaltungen. Seit 1997 z.B. findet in Bielefeld der Carnival der Kulturen, der u. a. vom Shademakers Carnival Club und dem Welthaus getragen wird, statt. Der zwei- bis dreistündige Umzug endet in der Regel im Ravensberger Park mit einem mehrstündigen Musik- und Performance-Programm.

Frankfurt am Main veranstaltet seit einigen Jahren mit steigender Teilnehmerzahl die Parade der Kulturen, in Saarbrücken fand 2006 das erste Mal Culturio statt. 2007 fand auch in Köln zum ersten Mal ein Karneval der Kulturen statt.

In Hamburg gab es zwischen 2003 und 2009 einen Karneval der Kulturen, dessen Umzug im Rahmen des „Festivals der Kulturen Hamburg“ stattfand. Der 4. Karneval der Kulturen zog am 16. September 2006 mit 34 Formationen und Gruppen zum ersten Mal durch die Hamburger Innenstadt, mitunter über den Jungfernstieg. Im Jahr 2007 übernahm Fatih Akın die Schirmherrschaft über das Event. Für 2008 hatten die Veranstalter den Umzug erstmals abgesagt, 2009 fand er statt als Demonstration. Ende 2009 wurde der veranstaltende Verein „Kulturwelten“ aus Geldmangel aufgelöst.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kerstin Frei: Wer sich maskiert, wird integriert. Der Karneval der Kulturen in Berlin. Schiler, Berlin 2003, ISBN 3-89930-008-4.
  • Michi Knecht, Levent Soysal (Hrsg.): Plausible Vielfalt. Wie der Karneval der Kulturen denkt, lernt und Kultur macht. 2. Auflage. Panama-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-938714-01-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karneval der Kulturen in Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Studie der Investitionsbank Berlin