Karwesee

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Karwesee
Gemeinde Fehrbellin
Koordinaten: 52° 45′ 32″ N, 12° 47′ 13″ O
Höhe: 36 m ü. NHN
Einwohner: 242
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 16833
Vorwahl: 033922
Karwesee (Brandenburg)

Lage von Karwesee in Brandenburg

Karwesee ist seit 2003 ein Ortsteil der Gemeinde Fehrbellin im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt südlich von Fehrbellin zwischen Betzin im Westen und Dechtow im Osten. Östlich des Ortes führt die Landesstraße 173 vorbei; einen Kilometer entfernt nordöstlich verläuft die A 24.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Angerdorf wurde im Jahr 1294 erstmals als Karwese erwähnt. Ursprünglich gehörte es zum Bistum Havelberg. Durch die Reformation wurde die Ortschaft 1571 dem kurbrandenburgischen Amt Bellin angegliedert, folgend dem Domänenamt Königshorst.[1] Im Dorf entwickelte sich ein Rittergut, welches einige Generationen durch die des märkischen Adelsgeschlechts von Rathenow gehalten wurde. Diese Familie erweiterte den Besitz 1763 durch den Zukauf des benachbarten Rittergutes Metzelthin, für die enorme Summe von 35.000 Taler. Käufer war der Hauptmann[2] Franz Ehrenreich von Rathenow-Carwesee.[3] Ausgangs des 17. Jahrhunderts gehörte es der Eva Hedwig von Quast, verheiratet mit Balthasar von Bellin, war.[4] Im Zeitraum 1790 bis 1817 gilt die Familie von Hagen als Eigentümer.[5] 1857 benennen damalige Handmatrikel den Geheimen Justizrat Berendes als Rittergutsbesitzer am Ort.[6]

Rittergut Carwesee, Sammlung Alexander Duncker

Im 19. Jahrhundert, mit dem Beginn des Eisenbahnzeitalters erhielt Karwesee einen Anschluss an Fehrbellin und Paulinenaue. Der Ort gehörte damals zum Kreis Ost-Havelland. Das kreistagsfähige Rittergut hatte nach dem erstmals 1879 publizierten Generaladressbuch der brandenburgischen Rittergutsbesitzer einen Umfang von 378 ha. Es blieb weiter in bürgerlicher Hand, bei der aus Neukammer bei Nauen stammenden Familie des Ökonomierates Stolze, auf Dechtow.[7] Dieser Kontext blieb dann bis zur Bodenreform. Karwesee, dessen Schreibweise Carwesee bis in das 20. Jahrhundert hielt, gehörte zu einem größeren Gutskomplex des Wilhelm-Viktor Stolze. Stolze bildete einen Familienfideikommiss Dechtow-Carwesee. Für Karwesee zeichnete Inspektor von Otterstedt zuständig. Teile des Besitzes waren an die Adelsfamilie von Voigtländer verpachtet. Neben diesen Gut gab es in Karwesee die landwirtschaftlichen Betrieb der Familien Oskar Bäker, Richard Bellin, Fritz Buge, Helene Engel, W. Falkenberg, Fritz Granzow, Richard Greil, G. Lindemann, H. Nieter, Franz Paasch, W. Peter, A. Voigt, sämtlich um die 25 bis 50 ha groß.[8] Vorletzter Gutsherr war Hermann Stolze-Dechtow, er verstarb 1917. Seine Frau Maria Elisabeth von Krosigk heiratete 1920 in zweiter Ehe den Major Rudolf Ritter von Voigtländer.[9]

Im Jahr 1945 wurde das Gutsgebäude abgetragen, um Baumaterial daraus zu gewinnen.

Das 1990 wieder gegründete Land Brandenburg bestimmte die Dörfer Betzin, Karwesee, Lentzke und Protzen im Jahr 2000 als Programmdörfer zur Dorferneuerung.[10]

Ehemaliger Bahnhof Betzin-Karwesee

Im Zuge dieser Arbeiten erfolgte auch die Stilllegung der Eisenbahnstrecke, auf deren Trasse am 22. Juni 2011 ein Regionalfahrradweg, genannt Stille Pauline, eröffnet wurde.[11]

Die Brandenburgische Gemeindegebietsreform führte am 26. Oktober 2003 zu einer Eingliederung von Karwesee in die Gemeinde Fehrbellin.[12]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche

Die 1756 erbaute Dorfkirche Karwesee ist ein denkmalgeschützter Fachwerkbau. Der im Zweiten Weltkrieg beschädigte Kirchturm wurde 1949/1950 wiederhergestellt. Für weitere Sanierungsarbeiten war vorerst kein Geld vorhanden, so dass das Gotteshaus 1974 baupolizeilich gesperrt werden musste. Nach der Wende konnte das Kirchengebäude renoviert werden und seit dem Jahr 1995 dient es wieder dem Gottesdienst. Die Kirche gehört wie die Grabstätte Engel auf dem Friedhof zu den Baudenkmalen in Fehrbellin.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Udo Geiseler und Stephan Reinert: Karwesee. In: Peter Michael Hahn und Hellmut Lorenz: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. S. 294–296; gesamt 2 Bände: Einführung und Katalog. Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerks von Alexander Duncker (1857–1883); Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann 2000; 2 Bde., 856 S., 275 farbige, 825 SW-Abb.; ISBN 978-3-87584-024-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Karwesee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chronologische Notizen über das Königliche Domänenamt Königshorst im Kreise Osthavelland. In: Verein für die Geschichte der Mark Brandenburg (Hrsg.): Markische Forschungen. 1887. Band XX. Ernst & Korn. Gropius`sche Buch-und Kunsthandlung, Berlin 1887, S. 60–61 (google.de [abgerufen am 6. Januar 2022]).
  2. Genealogisches Taschenbuch der Ritter- u. Adels-Geschlechter. 1880. Fünfter Jahrgang Auflage. von Rathenow. Evangelisch. - Preußen (Mark Brandenburg). - Uradel. Buschak & Irrgang, Brünn 1880, S. 351–354 (igital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/periodical/pageview/8226502?query=Carwesee [abgerufen am 6. Januar 2022]).
  3. Karl Friedrich Klöden: Nachrichten zur Geschichte des Geschlechts der Herren von Kröcher. Vierter Abschnitt, Unterabtheilung von Lippold's Linie. Julius Sittenfeld, Berlin 1852, S. 216–217 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 6. Januar 2022]).
  4. E. Brecht: Die Familie von Rathenow. In: Verein für die Geschichte Berlins (Hrsg.): Berliner Geschlechter im Anschlusse an die Berlinsche Chronik und an das Urkundenbuch. Tafel 8, Ruppin. III. Haus Pinnow (Templin)-Metzelthin-Carwesee. Selbstverlag, Berlin August 1874, S. 14 (google.de [abgerufen am 6. Januar 2022]).
  5. Leopold Freiherr von Ledebur: Adelslexicon der preussischen Monarchie. Erster Band. A – K, Hagen. Ludwig Rauh. Expedition des Adelslexicon, Berlin, Leipzig 1855, S. 308 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 6. Januar 2022]).
  6. Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter. In: Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Vorgänger der späteren Güter-Adressbücher. Provinz Brandenburg, II. Ost-Havelland. Selbstverlag, Berlin 1857, S. 73 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 6. Januar 2022]).
  7. P. Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. 1. Band: Das Königreich Preussen, Lfg. 1: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, S. 82–83, doi:10.18452/377 (hu-berlin.de [abgerufen am 6. Januar 2022]).
  8. Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hofgrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. 1929. In: Standardwerk der Land-und Forstwirtschaft. 4. Auflage. VII. Paul Niekammer. Letzte Ausgabe eines Güteradressbuch Provinz Brandenburg, Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Ruppin. Niekammer`s Adressbuch GmbH, Leipzig 1929, S. 53 (martin-opitz-bibliothek.de [abgerufen am 6. Januar 2022]).
  9. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. 1941. Teil A. Adelige Häuser des spätestens um 1400 nachgewiesenen ritterbürtigen deutschen Landadels und ihm gleichartiger Geschlechter (Deutscher Uradel). 40. Auflage. Krosigk. Justus Perthes, Gotha 1. Oktober 1940, S. 246 (google.de [abgerufen am 6. Januar 2022]).
  10. Die Schlacht bei Fehrbellin und anschließende Chronik (Memento vom 8. Dezember 2014 im Internet Archive)
  11. Stille Pauline auf www.fehrbellin.de
  12. Fünftes Gesetz zur landesweiten Gemeindegebietsreform betreffend die Landkreise Barnim, Märkisch-Oderland, Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin, Prignitz, Uckermark (5.GemGebRefGBbg) vom 24. März 2003 (Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg, I (Gesetze), 2003, Nr. 05, S.82) und geändert durch Gesetz vom 1. Juli 2003 (Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg, I(Gesetze), 2003, Nr. 10, S. 187)