Kater (2016)

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Filmdaten
OriginaltitelKater
ProduktionslandÖsterreich
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2016
Länge119 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
Stab
RegieHändl Klaus
DrehbuchHändl Klaus
ProduktionAntonin Svoboda
Bruno Wagner
KameraGerald Kerkletz
SchnittJoana Scrinzi
Besetzung

Kater ist ein österreichischer Spielfilm aus dem Jahr 2016 von Händl Klaus. Die Premiere erfolgte am 13. Februar 2016 im Rahmen der 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin in der Sektion Panorama Special. In Österreich wurde der Film am 1. November 2016 im Rahmen der Viennale gezeigt. Der Kinostart erfolgte in Österreich am 4. November 2016 und in Deutschland am 24. November 2016.[2]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andreas und Stefan bewohnen mit ihrem Kater Moses ein schönes Haus mit großem Garten in den Weinbergen von Hernals. Beide arbeiten (Andreas als Disponent, Stefan als Hornist) in demselben Wiener Orchester, dargestellt vom Radio-Symphonieorchester Wien. Sie lieben ihre Arbeit, ihren großen Freundeskreis, leben leidenschaftlich ihre Sexualität. Ein unerklärlicher Gewaltausbruch Stefans erschüttert die Beziehung und das Selbstbild der beiden von Grund auf. Was vertraut erschien, zeigt sich als unberechenbar. Schmerzliche Schritte der Annäherung führen zu einer neuen, anderen Gemeinsamkeit: Liebe bleibt eine irrationale Kraft.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Teil des Filmteams beim Österreichischen Filmpreis 2017
Regisseur und Drehbuchautor Händl Klaus mit Schauspieler Lukas Turtur

Nach März (2008) ist dies der zweite Kinospielfilm von Händl Klaus. Die Dreharbeiten fanden von Februar 2014 bis März 2015 in Wien statt. Unterstützt wurde der Film vom Österreichischen Filminstitut, dem Filmfonds Wien, der Berner Filmförderung und von Filmstandort Austria, beteiligt war der Österreichische Rundfunk. Produziert wurde der Film von coop99. Für den Ton zeichnete Klaus Kellermann verantwortlich, für das Kostümbild Tanja Hausner und für das Szenenbild Enid Löser.[3]

Der Film wurde 2017 im Rahmen der Edition österreichischer Film von Hoanzl und dem Standard auf DVD veröffentlicht.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tageszeitung Die Presse lobte den Film als Liebesfilm von großer Intensität und scharf beobachtende Charakterstudie und schrieb: Es ist ein kurzer Moment, der alles verändert, er kommt unangekündigt und ist schon vorbei, bevor man realisiert hat, was passiert ist. Ein Gewaltausbruch, mehr sollte nicht verraten werden, der fernab von Hollywood-Schockeffekten erschreckend ist, weil er Grundsätzliches infrage stellt: Sind wir immer wir selbst? Schlummert in jedem von uns ein unberechenbares Element? Kennt man den Menschen, den man liebt, kennt er sich selbst? Und: Wie viel kann die Liebe aushalten?[11]

Das Nachrichtenmagazin Profil schrieb Den psychologischen Hintergrund einer unerklärlichen Gewalttat, die das beschauliche Leben des Paares jäh zerreißt, leuchtet der Regisseur kühn aus, ohne zu einfachen Antworten zu finden. Und er gibt auch den physischen Aspekten dieser erschütterten Beziehung breiten Raum, scheut vor explizit sexuellen Bildern nicht zurück., bemängelte jedoch die zu forcierte, zu sehr geschriebenen Story und urteilte: Mit der Vielzahl an spannenden Fragen, die er aufwirft, überfordert Händl sich und seinen Film, der als ästhetisch-moralisches Experiment seine Meriten, aber nicht ganz die nötige narrative Konsequenz besitzt.[12]

Die Schweizer Tageszeitung Der Bund meinte: Fast möchte man die schwachen seismischen Bewegungen nicht wahrhaben, die auf das Zerbrechen dieses Idylls hindeuten. (...) Es ist ein Einbruch der Gewalt, das kurze Aufklaffen eines Abgrunds und der Moment, welcher der Vertrautheit zwischen den Liebenden das Rückgrat bricht. Danach ist alles anders. Während vorher die Körper weich waren, anschmiegsam und warm, so stehen die beiden Männer nun wie Monolithen in den kühl scheinenden Räumen, und zwischen ihnen ist Schweigen.[13]

Der Spiegel Online bilanzierte: Der Film, und das ist das Überraschende und Tolle, behält seinen zärtlichen Blick auf die häuslichen Szenen seines Paars bei. Ihn interessiert, wie die beiden Männer, wie ihre Körper mit der Krise umgehen. Gleichzeitig zieht er leise Dissonanzen aus dem Horrorfilm-Repertoire ein, die den hilflosen Versuchen der beiden, ihre Verunsicherungen aufzulösen und den Beziehungsschönklang wieder herzustellen, seltsam vergeblich erscheinen lassen. Das Haus, das bislang nur eine rahmende Geborgenheit für die Körper herstellte, lässt diese nun hinter Treppen, Türsprüngen und verschlossenen Räumen füreinander unsichtbar werden. Der Garten wird zum Unfallort. Die Berührungen kitzeln. Der Sex findet allein und abgewandt von der Kamera statt. Katzen schreien in der Nacht. [14]

Die Furche (Wochenzeitung) sprach von einer Metapher des Menschseins: Der Film handelt vom Paradies (auch darum die explizite Nacktheit der Protagonisten) und vom Verlieren desselben. Und „Kater“ erzählt vom Ansinnen zweier Männer, es wiederzuerlangen. In der biblischen Paradieserzählung geht es um Adam und Eva, hier, vielleicht schon postreligiös, um Adam und Adam. [15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kater – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Kater. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Filmfonds Wien: Kater. Abgerufen am 18. September 2016.
  3. Österreichisches Filminstitut. Abgerufen am 18. September 2016.
  4. derStandard.at: Von "Toni Erdmann" bis zum proletarischen Kino. Artikel vom 1. Oktober 2017, abgerufen am 2. Oktober 2017.
  5. derStandard.at: Hongkong Film Festival: Jurypreis für Händl Klaus. Artikel vom 4. April 2016, abgerufen am 18. September 2016.
  6. Filminstitut: Festivalteilnahmen. Abgerufen am 18. September 2016.
  7. Nominierungen Österreichischer Filmpreis 2017. Abgerufen am 14. Dezember 2016.
  8. Thomas Pluch Drehbuchpreis 2017 - Nominierungen (Memento vom 17. März 2017 im Internet Archive). Abgerufen am 16. März 2017.
  9. Thomas Pluch Drehbuchpreis (Memento vom 31. März 2017 im Internet Archive). Abgerufen am 31. März 2017.
  10. orf.at: Große Diagonale-Preise wurden verliehen. Artikel vom 1. April 2017, abgerufen am 1. April 2017.
  11. diepresse.com: „Kater“: Adam und Adam, vertrieben aus dem Paradies. Artikel vom 3. November 2016, abgerufen am 11. Mai 2018.
  12. profil.at: Kippeffekte: Österreichische Berlinale-Premieren zwischen Liebe und Hass. Artikel vom 18. Februar 2016, abgerufen am 18. September 2016.
  13. Der Bund: Adieu, Garten Eden. Artikel vom 17. Dezember 2016, abgerufen am 11. Mai 2018.
  14. Spiegel Online: Beziehungsdrama "Kater" - Vertreibung aus dem schwulen Paradies. Artikel vom 25. November 2016, abgerufen am 11. Mai 2018.
  15. Die Furche: Wenn wir lieben, steht alles auf der Kippe. Artikel der Ausgabe 44/2016, November 2016, abgerufen am 11. Mai 2018.