Katholische Studentenverbindung

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Katholische Studentenverbindungen sind eine Verbindungsart im großen Spektrum der Korporationslandschaft. Ihre besonderen Merkmale sind einerseits das gemeinsame Bekenntnis zur römisch-katholischen Kirche aller Mitglieder und andererseits die Übernahme von Comment und Brauchtum von den älteren Verbindungsformen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Studenten traten in den ersten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts nicht in organisierter Weise hervor. Dies hat seine Gründe auch im noch nicht gegründeten katholischen Vereinswesen. Erst durch die Ausstellung des heiligen Rock in Trier 1844 wurden katholische Vereine initiiert und in Folge dessen der Katholikentag gegründet. Die Gründung von Katholischen Studentenverbindungen war jedoch hauptsächlich eine Reaktion auf die Unterdrückung der katholischen Bevölkerung durch die protestantisch dominierten Regierungen der deutschen Länder. Folglich mussten katholische Studenten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, insofern sie einer Korporation beitreten wollten, bei einer der bestehenden Burschenschaften, Corps oder Landsmannschaften aktiv werden. Als die katholischen Verbindungen mehr und mehr an Bedeutung gewannen, reagierten die etablierten Verbindungen ablehnend. So wurde den katholischen Studentenverbindungen in Deutschland und Österreich von den schlagenden Verbindungen in der Geschichte oft der Vorwurf des so genannten Ultramontanismus gemacht.

Farbentragende Studentenverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden durch das Aufkommen des katholischen Vereinswesens in Deutschland auch katholische Verbindungen, diese übernahmen einen Großteil des studentischen Brauchtums und Comments von den schon existierenden Studentenverbindungen. Einzig das Duell und die Mensur wurde von Beginn an von den katholischen Verbindungen abgelehnt.

In der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste katholische Studentenverband entstand in der Schweiz. Der Schweizerische Studentenverein (SchwStV) wurde am 31. August 1841 als Dachverband der katholisch-konservativen, farbentragenden, nichtschlagenden Verbindungen der Schweiz gegründet. Er entstand als politische Sammelbewegung christlich-konservativer Studierender und damit implizit als Gegensatz zum Schweizerischen Zofingerverein, der eine politisch radikale (das heißt progressiv-liberale) Grundhaltung einnahm. Der SchwStV wollte dementsprechend christliche, konservative Kräfte gegen Liberalismus und Radikalismus sammeln. Sein Wahlspruch lautete VIRTUS SCIENTIAE AMICITIA. Duell und Mensur wurden mit Entschiedenheit verboten. Ende 1843 entstanden als eigenständige Studentenverbindungen die Helvetia Freiburg im Breisgau und die Helvetia Monacensis in München. Die Helvetia Freiburg wurde, wie alle frühen StV-Verbindungen, nicht explizit als katholische Verbindung gegründet, denn katholisch und konservativ wurde damals als Synonym gesehen. Der SchwStV führte das Katholitätsprinzip als festgeschriebenes Prinzip erst nach 1877 ein. Somit kann man sie nur bedingt, offiziell, die älteste katholische Studentenverbindung Deutschlands nennen.

Bonn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1844 absolvierte der Trierer Bischof Wilhelm Arnoldi in Bonn einen Erholungsurlaub nach der Ausstellung des Heiligen Rockes in Trier. Ihm zu Ehren wurde von der katholischen Studentenschaft Bonns ein Fackelzug veranstaltet. Der 22-jährige Theologiestudent Johann Joseph von der Burg nahm daran teil und war so beeindruckt, dass er mit sechs weiteren Studenten am 15. November 1844 die erste katholische deutsche Studentenverbindung gründete, Bavaria Bonn.

Die Verbindung hatte so einen großen Zulauf, dass 1847 fünf Tochterverbindungen in Bonn gegründet wurden, Burgundia, Romania, Ruhrania, Salia und Thuringia. Am 5. Juli 1847 schlossen sie sich zu einem Gesamtverein zusammen, der sich den Wahlspruch Förderung der Wahrheit in Erkennen und Lebend durch Wissenschaftlichkeit und Geselligkeit gab. Im Sommersemester 1849 wurde der Name in Union umgewandelt. Nicht alle Mitgliedsverbindungen der Union konnten sich halten. 1852 bestanden nur noch Bavaria, Salia und Romania. Die Union löste sich infolge von internen Streitigkeiten 1853 auf. Anfang 1855 schlossen sich Bavaria und Romania zu einer 2. Union zusammen. Diese hielt bis 1857, als sich beide Verbindungen wegen Mitgliedermangels suspendieren mussten.

Bavaria wurde 1861 wiederum aktiviert, um 1867 wiederum sistiert zu werden. Ihre Wiederbegründung erfolgte erst 1873. Damit ist die Bavaria Bonn nicht nur die älteste katholische deutsche akademische Korporation, sie ist wohl, nach der Helvetia Freiburg im SchwStv, der älteste moderne katholische Verein Deutschlands überhaupt.

Relativ unabhängig voneinander entstanden an anderen deutschen Hochschulorten katholische farbentragende Verbindungen.

Am 10. Januar 1863 wurde in Bonn die Novesia Bonn gegründet. Sie wandelte sich sukzessive bis 1890 zu einer farbentragenden Verbindung.

Münster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Dezember 1847 wurde in Münster die Sauerlandia Münster gegründet, die aber erst spät (1885) das Katholizitätsprinzip annahm.

München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1848 gründete in München der Gymnasiast Franz Lorenz Gerbl den katholischen Leseverein für Studierende für Gymnasiasten. Im Wintersemester 1849/1850 wurde sie in Orthodoxia, bzw. Sophrosyne umbenannt. Dieser Verein war die Keimzelle der Aenania München.

Breslau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächstälteste Verbindung ist Winfridia Breslau und geht zurück auf den Anfang 1849 gegründeten Leseverein katholischer Studenten. Am 17. Juli 1856 wurden die Umwandlung in eine Verbindung und das Farbentragen beschlossen.

Tübingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. Oktober 1859 wurde in Tübingen die Rhenania Tübingen gegründet. Diese nannte sich ab 1860 Borussia Tübingen und seit 1863 Guestfalia Tübingen.

Innsbruck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. Juni 1864 wurde in Innsbruck von Franz X. Schedle die Austria Innsbruck gegründet. Er war beeindruckt vom Auftreten der bereits existierenden katholischen Verbindungen und deren Sprecher, Georg von Hertling, Mitglied der Aenania München, auf dem 15. Katholikentag im September 1863 in Frankfurt am Main.

Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. November 1875 wurde die KAV Suevia vom Breslauer Winfriden Bernhard Nadbyl als erste Verbindung des Cartellverbands in Berlin gegründet. Man verstand sich damals als Speerspitze des akademischen Katholizismus mitten im protestantischen Preußen.

Marburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. November 1879 wurde im traditionell protestantischem Marburg nach mehreren erfolglosen Gründungsversuchen die VKDSt Rhenania Marburg als erste katholische Verbindung Hessens gegründet. Im Jahre 1880 wurde diese in den Cartellverband aufgenommen.

Leipzig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. November 1879 wurde in Leipzig die KDStV Burgundia als erste katholische Studentenverbindung in der Diaspora gegründet.

Nichtfarbentragende Studentenvereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden auch nichtfarbentragende Studentenvereine, die nur zum Teil das studentische Brauchtum und Comment übernahmen.

Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1853 wurde der katholische Leseverein Berlin, der jetzige KV-Verein Askania-Burgundia, gegründet.

Breslau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. März 1863 wurde der katholische Studentenverein Breslau ins Leben gerufen, der nach zeitweiliger Suspendierung als Unitas am 8. Dezember 1871 erneut gestiftet wurde.

Bonn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 11. Juni 1847 wurde in Bonn die W.K.St.V. Unitas-Salia Bonn im Gasthof Engel gegründet.
  • Am 6. November 1863 wurde in Bonn die Arminia Bonn von Max Lossen gegründet, der zu dieser Zeit Mitglied der Aenania München war, im Gegensatz zu der Bavaria Bonn.

Würzburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Januar 1864 wurde in Würzburg die Walhalla Würzburg gegründet.

Münster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. März 1864 wurde in Münster die Germania Münster gegründet.

Theologenverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Unterart der katholischen Studentenverbindung sind die Theologenverbindungen, die sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts im Umfeld verschiedener Priesterseminare und theologischer Fakultäten gegründet haben.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1896 wurde in Bonn die VKTh Burgundia gegründet.
  • Am 18. Mai 1898 wurde in Bonn die K.Th.St.V. Colonia im Albertinum zu Bonn gegründet.
  • Am 27. Juni 1900 wird die StVkTh Rhenofrankonia gegründet.

Tübingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1840 gründete sich im Wilhelmsstift die nichtschlagende und farbentragende Konviktsverbindung Danubia, acht Jahre später folgten 1848 die Hercynia, sowie die Staufia. Trotz mehrere Verbote 1857 und 1869 konnten sich mit Ausnahme der Staufia, die 1870 durch die Guelfia ersetzt wurde, alle Konviktsverbindungen wieder beleben.[1] Grund dieser Gründungen war es trotz des kirchlichen Duell- und Mensurverbotes die studentischen Traditionen zu pflegen, zudem war es nahezu die einzige Möglichkeit die Mauern des Wilhelmsstiftes zu verlassen. Ein Großteil der Studenten waren in eine der drei Theologengesellschaften korporiert, so waren beispielsweise im Wintersemester 1890/91 156 der 163 Studenten des Wilhelmsstiftes Mitglieder der Konviktsverbindungen.[2] Ihre Kneipen schlugen sie zweimal die Woche in den Gaststätten der Stadt Tübingen, die Convente wurden in einem Hörsaal des Wilhelmsstiftes abgehalten.

Schließlich wurden die Konviktsverbindungen durch das Bistum und die Hausleitung geduldet, obwohl die Gründung von und die Mitgliedschaft in studentischen Verbindungen per Hausordnung verboten war. Die wenigen nichtkorporierten der Konviktler wurden schließlich sogar mit Misstrauen beachtet, da sich diese der Gruppenkontrolle entziehen konnten, denn auch in den Konviktsverbindungen galten strenge moralische Vorgaben. Danubia, Hercynia und Guelfia bestanden durchgehend bis zu ihrer Zwangsauflösung 1936.[3]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1958 in Tradition der Vorkriegs-Konviktsverbindungen die farbenführende Theologengesellschaft AV Albertus Magnus gegründet und die noch lebenden Alten Herren der Vorgängerverbindungen in die Altherrenschaft aufgenommen. Zunächst als Verbindung für die Studenten des Wilhelmsstifts gegründet, wurden später auch die die sonstigen Theologen der Fakultät zugelassen, seit den 1990er Jahren ist die AV Albertus Magnus eine gemischte Verbindung für katholische Studentinnen und Studenten aller Fachrichtungen.[4]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Herbst 1868 gründet sich in Chur die AV Curiensis als Theologenverbindung.

Freiburg im Üechtland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AV Leonina wird am 26. November 1896 in Freiburg im Üechtland gegründet.

Aktuelle Organisationsstrukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Studentenverbindungen sind eine Untergruppe der christlichen Studentenverbindungen, die ursprünglich nur katholische Studenten aufnahmen.

  • Heute nehmen nur noch der größte katholische Dachverband in Deutschland (CV) und die beiden größten katholischen Dachverbände in Österreich (ÖCV und KÖL) ausschließlich Katholiken auf.
  • Viele nehmen protestantische Studenten nur mit eingeschränkten Rechten auf (KV, UV und ÖKV).
  • Manche Verbindungen nehmen auch Protestanten ohne Einschränkungen auf (TCV, SchwStV, KVHV und RKDB).

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholischen Korporationsverbände in Deutschland sind:

Diese Verbände haben sich bereits 1926 erstmals zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, der heutigen Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholischen Korporationsverbände in Österreich:

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz ist der wichtigste katholische Korporationsverband:

Flandern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Flandern ist der wichtigste katholische Korporationsverband:

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle katholischen Korporationsverbände in deutschsprachigen Ländern haben sich mit Studentenverbindungen aus anderen Ländern im 1975 gegründeten Europäischen Kartellverband zusammengeschlossen. Neben deutschen, österreichischen und Schweizer Studentenverbindungen sind auch Verbindungen aus Belgien, Frankreich, Italien, Litauen, Polen, Rumänien, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, der Ukraine und Ungarn in diesem Verband vertreten. Der Europäische Kartellverband steht allen christlichen Konfessionen offen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Archiv des Wilhelmsstifts D 14.1r Akademische Verbindungen Nr. 3: Erlaß des bischöflichen Capitularvikariats Rottenburg an den Direktor des Wilhelmsstifts vom 15.10.1869
  2. ebd. Nr. 2 Mitgliederlisten
  3. Georg Schmidgall. Die Tübinger Konviktoren und das Verbindungswesen, in: Ellwanger Jahrbuch 14 (1947/1948), S. 105-137.
  4. Robert Lukaschek und Joachim Kübler (Hrsg.).Enchiridion historiae, morum et rationum Societatis Academicae Alberti Magni Tubingensis Tübingen 1994 (UB Tübingen Signatur AT 95 / 26-4).