Kernkraftwerk Bilibino

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Kernkraftwerk Bilibino
Kernkraftwerk Bilibino
Kernkraftwerk Bilibino
Lage
Kernkraftwerk Bilibino (Föderationskreis Ferner Osten)
Kernkraftwerk Bilibino
Koordinaten 68° 3′ 2″ N, 166° 32′ 21″ OKoordinaten: 68° 3′ 2″ N, 166° 32′ 21″ O
Land: RusslandRussland Russland
Daten
Eigentümer: Rosenergoatom
Betreiber: Rosenergoatom
Projektbeginn: 1966
Kommerzieller Betrieb: 1. April 1974

Aktive Reaktoren (Brutto):

3  (36 MW)

Stillgelegte Reaktoren (Brutto):

1  (12 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2006: 96 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 6.735 GWh
Stand: 22. Juli 2007
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.
f1

Das Kernkraftwerk Bilibino (russisch Билибинская АЭС [Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i], Kürzel БАЭС, BAES) liegt nahe der russischen Stadt Bilibino im Autonomen Kreis der Tschuktschen im Nordosten Sibiriens. In den letzten Jahren hat das Kernkraftwerk durchschnittlich 132 Gigawattstunden in das Inselnetz Tschaun-Bilibino eingespeist, darüber hinaus wird Wärme an die Stadt Bilibino abgegeben. Eigentümer und Betreiber des Kernkraftwerkes ist das staatliche Unternehmen Rosenergoatom.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend um Bilibino ist vom Straßen- und Eisenbahnnetz abgeschnitten, zudem mangelt es vor Ort an konventionellen Energieträgern. Daher war der Bau eines kleinen Kernkraftwerks die mit Abstand kostengünstigste Variante, um die nötige elektrische und thermische Energie bereitzustellen. Das Kernkraftwerk wurde als erstes und einziges KKW im Nordpolarkreis in einem Gebiet mit Permafrostboden errichtet, um Energie für die Ausbeutung der Goldminen in der Umgebung bereitzustellen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1965 wurde beschlossen, das Kernkraftwerk Bilibino zu errichten; die Konstruktion begann am 11. Dezember 1966. Mit dem Bau der Kernreaktoren wurde am 1. Januar 1970 begonnen. Nach über vierjähriger Bauzeit wurde der erste Reaktorblock am 11. Dezember 1973 erstmals kritisch. Die Blöcke II und III folgten am 7. Dezember 1974 und 6. Dezember 1975. Der letzte Block IV wurde am 12. Dezember 1976 erstmals kritisch.[1] Die Reaktoren waren für eine Betriebsdauer von 30 Jahren vorgesehen. Die ersten Blöcke haben inzwischen diese Laufzeit erreicht und sollten eigentlich abgeschaltet werden. Für den Block I wurde im Jahr 2004, für den Block II im Jahr 2005 eine Laufzeitverlängerung von fünf Jahren genehmigt.[2] Auch für die Reaktorblöcke III und IV soll eine längere Betriebsdauer erlaubt werden als ursprünglich geplant; durch Modernisierungsmaßnahmen soll die Betriebsdauer des Kernkraftwerks um bis zu 15 Jahre verlängert werden.[2]

Noch 2003 wurde ein Neubau der Blöcke E, F und G bzw. V, VI und VII mit einer Nettoleistung von jeweils 31 MW angedacht.[3]

Stilllegung und Ersatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2020 ging das schwimmende Kernkraftwerk Akademik Lomonossow in der Hafenstadt Pewek in Betrieb[4], die über eine knapp 500 km lange 110 kV Freileitung mit Bilibino verbunden ist.[5] Die Akademik Lomonossow wurde in Sankt Petersburg gefertigt und nach einem Zwischenstopp in Murmansk im August 2019 an ihren finalen Bestimmungsort geschleppt. Sie ist eine rund 150 m lange Schwimmplattform mit zwei SMR vom Typ KLT-40S zu je 32 MW (netto) bzw. 35 MW (brutto) Leistung, und liefert auch Nutzwärme. Sie ist als Ersatz des KKW Bilibino und des HKW Tschaun vorgesehen, um die Wärmeversorgung in Pewek sowie der Stromversorgung des Inselnetzes Tschaun-Bilibino incl. angrenzender Bergwerke zu übernehmen.[6]

Das AKW Bilibino wird im Zuge der Inbetriebnahme des AKW Akademik Lomonossow stillgelegt. Block 1 wurde bereits im März 2018 vom Netz genommen, die Brennstäbe wurden entfernt und im Abklingbecken eingelagert. Die Blöcke 2 bis 4 sollen im Dezember 2021 stillgelegt werden.[7]

Leistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den vier kleinen Reaktorblöcken handelt es sich um Reaktoren des Typs EGP-6. Die Nettoleistung der vier Reaktoren liegt bei jeweils 11 Megawatt (MW), die Bruttoleistung bei 12 MW.[1] Die thermische Leistung beträgt 62 MW. Mit einer installierten Gesamtleistung von 48 MW ist das Kernkraftwerk das kleinste in Betrieb befindliche Kernkraftwerk in Russland und auch weltweit.

Der EGP-6 (ЭГП-6) ist ein Reaktor mit einzelnen Kanälen für den Wasserdampf.[8] Es wird neben 11 MWe (netto) Elektrizität auch Wärme für externe Verbraucher bereitgestellt. Als Moderator wird Graphit eingesetzt. Bei den Reaktoren handelt es sich um ältere kleine Reaktortypen ähnlich der RBMK-Reaktoren der ersten Generation von Kernreaktoren.[9][10][11]

Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Juli 1991 ereignete sich der bisher schwerste Störfall in diesem Kernkraftwerk, bei dem hochradioaktiver Flüssigabfall verschüttet wurde. Es handelte sich dabei um einen ernsten Störfall der INES-Stufe 3.[12]

Ein Störfall der INES-Stufe 2 ereignete sich 1998.[13]

Daten der Reaktorblöcke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Bilibino hat vier Blöcke:

Reaktorblock[1] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschaltung
Bilibino - 1 GBWR-12/EGP-6 11 MW 12 MW 1. Januar 1970 12. Januar 1974 1. April 1974 14. Januar 2019[1]
Bilibino - 2 GBWR-12/EGP-6 11 MW 12 MW 1. Januar 1970 30. Dezember 1974 1. Februar 1975 (Dez. 2021 geplant)[7]
Bilibino - 3 GBWR-12/EGP-6 11 MW 12 MW 1. Januar 1970 22. Dezember 1975 1. Februar 1976 (Dez. 2021 geplant)[7]
Bilibino - 4 GBWR-12/EGP-6 11 MW 12 MW 1. Januar 1970 27. Dezember 1976 1. Januar 1977 (Dez. 2021 geplant)[7]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Power Reactor Information System der IAEA: „Russian Federation: Nuclear Power Reactors“ (englisch)
  2. a b World Nuclear Association - Nuclear Power in Russia (April 2007) (englisch)
  3. Das CNPP von der Russian Federation des Jahres 2003 der IAEA. Abgerufen am 3. April 2020.
  4. IAEA: Akademik Lomonosov, in: PRIS - Power Reactor Information System
  5. EF-Engineering: Строительство двух одноцепных ВЛ 110 кВ Певек - Билибино. (pdf) Bau von zwei einsträngigen 110-kV-Freileitungen Pewek – Bilibino. RAO Energiesysteme des Ostens, 2017, S. 10, abgerufen am 12. September 2020 (russisch): „Länge der bestehenden 110-kV-Freileitung Bilibino – Komsomolsky – HKW Tschaun: Gesamtlänge 491,6 km“
  6. Dagmar Röhrlich: Kleine AKWs vom Fließband – Schöne neue Reaktorwelt. In: Wissenschaft im Brennpunkt. Deutschlandfunk, 16. Juli 2017, abgerufen am 13. September 2020.
  7. a b c d Bilibino unit 1 prepared for decommissioning. In: World Nuclear News. World Nuclear Association, 24. Januar 2019, abgerufen am 13. September 2020.
  8. Schematische Darstellung Reaktor EPG-6 (Seite A8) (englisch; PDF; 1,6 MB)
  9. National Research Council. 2003. End Points for Spent Nuclear Fuel and High-Level Radioactive Waste in Russia and the United States. Washington, DC: The National Academies Press. doi:10.17226/10667
  10. Österreichisches Ökologie Institut (englisch) (Memento vom 15. März 2005 im Internet Archive)
  11. Nuclear Energy Institute - Soviet Plant Source Book (Seite 122) (Memento des Originals vom 29. November 2006 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nei.org (englisch)
  12. V. M. Kuznetsov, St. Robinson and V. Rossi: Flowting Nuclear Power Plants in Russia: A Threat to the Arctic, World Oceans and Non-proliferation Treaty (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive), Green Cross Russia (Hrsg.), Agenstwo Rakurs Production, Moscow, 2004, S. 74 (englisch; PDF; 1,0 MB)
  13. Störfall von 1998 (PDF; 657 kB) (Memento vom 21. April 2014 im Internet Archive)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]