Small Modular Reactor

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Small Modular Reactors (SMRs, zu deutsch "Kleine modulare Reaktoren") sind Kernspaltungsreaktoren, die kleiner als herkömmliche Reaktoren sind und in einer Fabrik hergestellt, dann an einen Montageort gebracht werden können: Sie sollen einen geringeren Aufwand vor Ort, eine höhere Risiko-Eindämmungseffizienz und eine erhöhte Sicherheit der verwendeten Kernmaterialien ermöglichen. SMRs wurden auch vorgeschlagen, um finanzielle Hindernisse zu umgehen, von denen konventionelle Kernreaktoren betroffen sind.

Für SMR gibt es verschiedene Entwürfe, von verkleinerten Versionen bestehender Kernreaktordesigns bis hin zu völlig neuen IV.-Kernkraftwerks-Generation Entwürfen. Es wurden sowohl thermische Neutronenreaktoren als auch schnelle Neutronenreaktoren vorgeschlagen. Weltweit werden derzeit (2017) von verschiedensten Firmen rund 60 SMR-Konzepte entwickelt, wobei die ersten diesbezüglichen Ideen und Entwürfe auf die 1950er-Jahre zurückgehen. Dabei gehen optimistische Schätzungen mittlerweile davon aus, dass 2035 knapp zehn Prozent aller neu gebauten Kernkraftwerke SMR sein werden. Sie sollen die Atomenergie rehabilitieren und auch Kritiker überzeugen, indem sie als so sicher bezeichnet werden, dass im Falle eines Atomunfalls keine Evakuierungszonen mehr notwendig seien; außerdem seien sie eine perfekte Kombination mit den Erneuerbaren Energien, da sie im Gegensatz zu großen (Kern)kraftwerken flexibel, nämlich im Falle von Produktions- und Nachfrageschwankungen schnell ab- oder zuschaltbar seien. Nach Analysen der OECD-Nuklearsparte soll ihr Potenzial in Stromnetzen mit einem hohen Anteil an Erneuerbaren sogar am größten sein. Auch ihre Entsorgung mit dem Abwracken solle problemlos in einer Fabrik durchgeführt werden können.[1]

Die in Corvallis (Oregon) ansässige Start-up-Fa. Nuscale Power mit EU-Büro in London entwickelt kleine, gebrauchsfertig zu liefernde Reaktormodule mit einer Leistung von 50 MW und einem „integralen Reaktorbehälter“, worin sich Reaktorkern, Dampferzeuger sowie Primärkreislauf zusammen befinden, die sonst getrennte Einheiten bilden. Einzelne Module sollen sich mit 4,5 Meter Breite und 22 m Höhe per Schwertransport an ihre Einsatzorte bringen lassen, wo bis zu zwölf voneinander unabhängig arbeiten könnende Module mit dann zusammen 600 MW Leistung in einem Gebäude untergebracht werden sollen. Ende 2016 wurde die Zulassung des Modells für den US-Markt beantragt, am in Idaho vorgesehenen ersten Bauplatz wurden 2017 Umweltgutachten erstellt.[1]

Von derzeit (Mitte 2017) 60 weltweit in Bau befindlichen Kernkraftwerken werden zwei als SMR bezeichnet:[1]

Schwimmende SMR werden derzeit auch z. B. von der kanadischen Fa. Dunedin Energy Systems für abgelegene Bergbauprojekte in den USA sowie als „Integraler Leichtwasser-Reaktor“ vom chinesischen Nuclear Power Institute in Chengdu in Kooperation mit der britischen Lloyd’s Register entwickelt. Dabei müssen solche Anlagen nicht nur den Sicherheits-Vorgaben der IAEO genügen, sondern auch denen der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO, die mittlerweile diesbezüglich einen vorläufigen Anforderungskatalog aufgestellt hat; allerdings sind hier noch weitere Regularien und technische Anforderungen notwendig, z. B. auch für den Fall des Sinkens der Anlagen. Dabei steht die internationale Genehmigungspraxis insgesamt vor der Herausforderung der vorgesehenen länderübergreifenden standortgebundenen und hochstandardisierten Produktionen, also quasi von Typ- statt Einzelzulassungen.[1]

Auch Rolls-Royce möchte SMR in Großbritannien aufstellen. Die Reaktoren sollen sich mit einem LKW transportieren lassen und in Massenproduktion hergestellt werden.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]