Kleinbahn Wallersdorf–Münchshöfen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wallersdorf–Münchshöfen
Bahnhof Wallersdorf von Süden
Bahnhof Wallersdorf von Süden
Strecke der Kleinbahn Wallersdorf–Münchshöfen
Streckenlänge:7,7 km
Spurweite:1000 mm (Meterspur)

Die Kleinbahngenossenschaft Wallersdorf und Umgebung eGmbH mit Sitz in Büchling betrieb von 1926 bis Ende 1949 eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 1.000 mm, beginnend am Bahnhof des Marktes Wallersdorf, Landkreis Dingolfing-Landau, nach Münchshöfen in der Gemeinde Oberschneiding, Landkreis Straubing-Bogen. Die Bahn diente ausschließlich dem Güterverkehr.

Bahnbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der niederbayerische Markt Wallersdorf liegt im unteren Isartal 20 Kilometer vor der Mündung der Isar in die Donau bei Plattling. Den Ort berührt die heute elektrifizierte eingleisige Bahnstrecke Landshut–Plattling (KBS 931). Die früheren Rangier- und Verladeanlagen des Bahnhofs − Streckenkilometer 52,9 – sind bis auf eine einfache Kreuzungsanlage für die heutigen Regional- und Güterzüge zurückgebaut.

Da die seit 1872 andauernden Bemühungen der Gäubodengemeinden unter Führung der Stadt Straubing um den Bau einer 1869 genehmigten normalspurigen Bahnlinie von Straubing nach Landau a.d. Isar erfolglos blieben, gründeten Landwirte eine Genossenschaft zum Bau einer Kleinbahn mit Anschluss an die Bahnstrecke Landau–Plattling. Die Genossenschaft erhielt laut Zeitler bereits mit dem bayerischen Gesetz vom 26. Juni 1908 die Genehmigung zum Bau einer Schmalspurbahn vom Bahnhof in Wallersdorf über Büchling nach Münchhöfen. Im weitgehend ebenen Gäuboden hatte die Bahn die Aufgabe, die Landwirtschaft mit Gütern zu versorgen (Dünger, Kohlen und Baustoffe) und vor allem die Ernte, bei der Zuckerrüben und Kohl dominierten, kostengünstig abzufahren. Am Genossenschaftskapital von 187.000 RM waren das Deutsche Reich und der Freistaat Bayern jeweils mit 90.000 RM beteiligt. Den Kapitalrest hielten die beteiligten Gemeinden und Landwirte.

Der Streckenbau begann erst nach dem Ersten Weltkrieg. Man beabsichtigte, Schmalspurgleise und Fahrzeuge mit 600 mm Spur aus ehemaligen Heeresbeständen günstig zu erwerben. Als dies misslang, verbreiterte man den bereits 1923 fertiggestellten Bahndamm für eine Bahn mit 1.000 mm Spur und nahm sie am 6. August 1926 in Betrieb. Die Bahn hatte eine Streckenlänge von 7,7 km und eine Gleislänge von 8,45 km.

Die Strecke lief ab der Reichsbahn-Verladestelle im Bahnhof Wallersdorf nach Norden über Vierhöfen (km 2,5) in Richtung Mattenkofen (km 4,2). Einen Kilometer vor dem Ort bog sie nach Westen ab und erreichte Büchling (km 5,8) ca. 500 m nördlich des Ortes. Hier war die Bahnzentrale mit Kohlenbunker, Wasserbehälter und einer kleinen Werkstatt. Während die Strecke bis hier in ebenem Gelände verlief, folgte nun eine rund 250 m lange erhebliche Steigung von 1:30 geradeaus in Richtung Münchshöfen. Der Bahnverlauf entlang der Straße bis nahe Mattenkofen ist durch den mit Bäumen und Buschwerk bewachsenen Bahnkörper noch zu erkennen. Die Strecke führte weiter über den als „Rennweg“ bezeichneten Feldweg bis zur Verladestation Münchshöfen (km 7,7) an der Straße nach Fierlbach.

Nachweisbar hatte die Strecke in Wallersdorf und Büchling Umfahrungsgleise, an der Endstation in Münchshöfen vermutlich auch. Alle Verladestellen waren mit einem Normalspurgleisstück ausgerüstet, auf das mit Hilfe von Ochsen oder Pferden die Normalspurwagen gezogen wurden. Dadurch waren während der Be- oder Entladung die Rollwagen für weitere Transport frei.

Ein Vorschlag der Reichsbahndirektion Regensburg an die Stadt Straubing und andere an der Bahnlinie nach Landau interessierte Gemeinden des Gäubodens im Jahre 1928, sich dieser Nebenbahn anzuschließen, blieb ohne Akzeptanz. Selbst eine ins Auge gefasste Verlängerung um 4 km nach Oberschneiding konnte mangels Kapital nicht verwirklicht werden.

Lagerhaus am früheren Gleisanschluss in Münchshöfen

Stilllegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahngesellschaft erzielte nur in zwei Betriebsjahren einen Gewinn. Es wurden jährlich nur zwischen 7.000 t und 10.000 t transportiert. Durch die nach dem 2. Weltkrieg schnell einsetzende Motorisierung der Landwirtschaft und wegen dringend erforderlicher Investitionen in die Strecke stellte man den Betrieb am 31. Dezember 1949 ein und baute die Strecke ab. Die Bahngebäude und Verladerampen wurden inzwischen restlos entfernt.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahn kaufte 1926 fünf vierachsige Rollwagen von der Fa. Orenstein & Koppel. Wie Fotos zeigen, wurden die Rollwagen in den beiden ersten Jahren von einer leichten Baulokomotive, Typ Lenz, gezogen. Diese Lokomotive war auch schon beim Bau der Bahn eingesetzt. 1928 kaufte die Kleinbahngenossenschaft für 3.727,95 RM von der Walhallabahn die fast 40 Jahre alte Maschine Nr. 63, (Krauss 1889/2019, Bauart Cn2t), die ursprünglich in Thüringen und Oberschlesien eingesetzt worden war. Nach einem schweren Unfall wurde 1932 von der zwei Jahre zuvor stillgelegten Dampfstraßenbahn Neuötting–Altötting die Lokomotive BR 99 133 (Krauss 1922/7986, Bayerische Pts 3/4, Bauart 1Ch2t) gekauft, sie blieb bis zur Betriebseinstellung in Wallersdorf und wurde anschließend verschrottet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walther Zeitler: Eisenbahnen in Niederbayern und der Oberpfalz. 2. Auflage. Amberg 1997, ISBN 3-924350-61-2.
  • Dr. Rolf Löttgers: Wallersdorf–Münchshöfen. In: Wolf-Dietger Machel (Hrsg.): Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland. GeraMond, München.