Kulturpalast (Dresden)

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Kulturpalast Dresden gesehen vom Altmarkt/Wilsdruffer Straße

Der Kulturpalast Dresden ist ein modernistischer DDR-Bau des Architekten Wolfgang Hänsch. Er wurde 1969 eröffnet und hatte den größten Mehrzwecksaal der Stadt Dresden, der für Konzerte, Tanz- und Unterhaltungsveranstaltungen sowie Tagungen und Kongresse genutzt wurde. Nach einen Umbau samt Einbau eines neuen Konzertsaales wurde er im April 2017 wiedereröffnet.[1]

Der im Gegensatz zur sonstigen Platzbebauung im schmucklosen Stil der internationalen Moderne als Solitär wirkende, quaderförmige Baukörper mit einer Grundfläche von rund 100 mal 70 Metern schließt den Altmarkt an der Nordseite als Teilbebauung an der Wilsdruffer Straße ab. Östlich der Schloßstraße und südwestlich des nahen Neumarktes gelegen befindet er sich genau im Zentrum der am 13. Februar 1945 weitgehend zerstörten historischen Altstadt. Durch den seit 2005 laufenden Wiederaufbau des barocken Neumarktes erhält der Kulturpalast eine Nachbarbebauung an der nördlich gelegenen Rückseite.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planung und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fundamente des Kulturpalastes 1967
Kulturpalast (1985)

Ursprünglich war der Kulturpalast als sozialistisch-klassizistischer Ensemblebau geplant. In den weiteren Planungen wollte man ein Hochhaus im Stil der sieben Moskauer Schwester-Hochhäuser errichten. Nach den „16 Grundsätzen des Städtebaus“ und dem Aufbaugesetz der DDR im Jahr 1950 sollten die Prinzipien des sozialistischen Städtebaus nun in der DDR verwirklicht werden. Ein wichtiger Grundsatz lautete: zentraler Platz – zentrales, stadtbildprägendes Hochhaus und breite Magistralen. Der Kulturpalast sollte ursprünglich diese Funktion der Höhendominante übernehmen. Eine Verwirklichung des Projektes in den 1950er Jahren blieb aber aus.

Realisiert wurde der Kulturpalast in den 1960er Jahren als kulturelles Zentrum der Stadt und des Bezirks Dresden als quaderförmiger Baukörper mit einer Traufe von 19,35 m auf Basis der architektonischen Planung von Leopold Wiel.[2] Ein zunächst geplantes drittes Geschoss und eine Tribüne für die Paraden auf der Ernst-Thälmann-Straße wurden nicht ausgeführt.

Brandschutzsanierung 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch nicht fachgerecht durchgeführte Umbaumaßnahmen in den 1990er Jahren wurde eine Sanierung von Brandschutzvorrichtungen nötig, die eine fünfmonatige Schließung des Kulturpalastes ab dem 19. März 2007 erforderte. In den Wochen vor Beginn der Sanierung wurden während der Veranstaltungen Feuerwehrfahrzeuge direkt neben dem Kulturpalast postiert.

Letzte Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2008 steht der Kulturpalast unter Denkmalschutz. Der „Palast“, im Volksmund auch Kulti genannt, hat, die Aufgaben einer Stadthalle erfüllend, eine wichtige Funktion im Kulturleben der Stadt. Betreiber ist die städtische Konzert- und Kongressgesellschaft mbH Dresden. Hauptnutzer ist die Dresdner Philharmonie.

Jährlich diente er als Hauptspielstätte für das Dixieland-Festival. 2011 wurde er beim Evangelischen Kirchentag als Organisationszentrum, Hauptinformation und Veranstaltungsort genutzt.

Am 23. Juli 2012 fand mit Das Brückenmännchen lädt ein – Der kleine Vampir die letzte Vorstellung vor dem Umbau des Kulturpalastes statt.[3] Danach wurde das Haus geschlossen und komplett ausgeräumt.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der multifunktionale Festsaal mit bis zu 2435 Plätzen (früher 2740) war durch das besondere „Kippparkett“ in einen komplett mit festen Sitzreihen und Überhöhung bestuhlten Zuschauerraum oder in einen Bankettsaal mit ebenem Boden im Bereich des Parketts vor der Bühne verwandelbar.

Der Festsaal wurde in seiner Raumakustik für die Multifunktionalität optimiert und konnte auf die Nutzung als Konzertsaal oder für elektronische verstärkte Musik- oder Sprachveranstaltungen durch veränderbare Absorptions- oder Reflexionsflächen angepasst werden.

Neben dem großen Saal hatte der Kulturpalast ein Studiotheater mit 192 Sitzplätzen, Seminar-, Proben- und Einspielräume, Foyerebenen, Bürotrakte sowie ein Restaurant mit Tagungsmöglichkeit.

Nach außen zeichnet sich der Festsaal durch das aus dem quaderförmigen Grundbaukörper herausragende Dach mit der Grundfläche eines symmetrischen Trapezes aus.

Wandbild Der Weg der roten Fahne

Wandbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 30 mal 10 Meter große Wandbild Der Weg der roten Fahne an der Westseite des Gebäudes ist seit 2001 als Kulturdenkmal ausgewiesen. 1968 wurde Gerhard Bondzin mit der Erarbeitung der Entwürfe beauftragt. Das Wandbild wurde bis 1969 durch eine Arbeitsgemeinschaft der Hochschule für Bildende Künste Dresden umgesetzt. Dem Künstlerkollektiv gehörten neben Bondzin (künstlerischer Leiter) auch Alfred Hesse (Mitwirkung an Übertragungsarbeiten), Gerhard Stengel (künstlerische Technologie), Gerhard Präkelt (Architekt), Emil Spiess (Studienorganisation), Martin Hänisch (Schriftgestaltung), Wolfgang Richter (Fachinstrukteur) und Studenten des 3. und 4. Studienjahres der Fachrichtung Wandbildgestaltung an. Es besteht aus Farbglas auf Betonplatten, die elektrostatisch beschichtet wurden – eine Technik, die bei einem Wandbild dieser Größe erstmals angewendet wurde.[4]

Der Wandfries Unser sozialistisches Leben von Heinz Drache und Walter Rehn in den Abmessungen 45 m x 1,90 m im 1. Obergeschoss wurde beim Umbau erhalten. [5]

Türen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fünf bronzenen Haupteingangstüren schuf Gerd Jaeger 1969, sie stellen die Entwicklung Dresdens vom Fischerdorf zur Großstadt dar.[6] Der Bronzeguss der Türen erfolgte durch die Gießerei Pirner & Franz in Dresden.

Brunnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Gebäude wurden 1969 an der Wilsdruffer Straße drei Wasserspiele angelegt. Im Zuge der Baumaßnahmen für die Tiefgarage am Altmarkt wurden die Brunnen entfernt. Dabei handelte es sich um Terrazzobecken mit den Abmessungen 7,90 mal 8,55 Meter. In den Becken befanden sich jeweils eine Strahlenfontäne auf einer Fläche von 3 mal 3 Meter, am Beckenrand waren jeweils 24 kleine Häufchenfontänen installiert.[6]

Ansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama des Kulturpalastes vom Altmarkt aus (Februar 2017)

Umbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umbauplanung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2013 begannen die Umbauarbeiten am Kulturpalast.[7] Der Festsaal sollte zu einem reinen Konzertsaal mit einer verringerten Kapazität als Spielstätte der Dresdner Philharmonie umgebaut werden. Studiobühne, Seminarräume und andere genutzten Bereiche des Kulturpalastes sollten als Spielstätte der Herkuleskeule und für den Büchereibetrieb der Städtischen Bibliothek umgestaltet werden, um die alten Standorte aufgeben zu können. Damit sollte neben der Kostenersparnis eine ganztägige Öffnung und Nutzung des Gebäudes und eine Nutzung durch unterschiedliche Alters- und Interessengruppen erreicht werden.

Architekturwettbewerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu diesem Zweck wurde durch die Landeshauptstadt ein Architekturwettbewerb ausgelobt, bei dem einstimmig und mit Empfehlung das Büro von Gerkan, Marg und Partner den 1. Preis gewann.[8] Der Entwurf sah einen reinen Konzertsaal in Form eines Weinberges vor (ähnlich dem Saal des Gewandhauses in Leipzig), der gute Bedingungen für die Dresdner Philharmonie bieten soll.

Kritik am Umbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker des Umbaues wie der Konzertveranstalter Bernd Aust verweisen darauf, dass ein Umbau zu einem reinen Konzertsaal mit nur zwei Dritteln der ursprünglichen Plätze einen großen Teil der Unterhaltungsveranstaltungen unmöglich oder unwirtschaftlich macht. Gleichzeitig lehnten mehrere Fraktionen des Dresdner Stadtrates den Umbau ab, da ein funktionierendes wirtschaftlich zu betreibendes Gebäude zerstört würde und der Substanzverlust sowie die Umbaukosten einen höheren Aufwand als der Neubau eines Konzertsaales darstellen würden. Unklar ist, warum der Stadtratsbeschluss von 2004, der eine Sanierung und eine akustische Ertüchtigung des Festsaales in Auftrag gab, nicht umgesetzt und durch einen erneuten Stadtratsbeschluss von 2008 wieder aufgehoben wurde.

Wiedereröffnung im April 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der neue Konzertsaal

Der Kulturpalast wurde nach Umbau und Rekonstruktion am 28. April 2017 mit einem Festkonzert der Dresdner Philharmonie wiedereröffnet. [9] Der alte Festsaal wurde zum neuen Konzertsaal mit einer verringerten Kapazität von bis zu 1800 Plätzen umgebaut. Damit erhält die Dresdner Philharmonie wieder ihre traditionelle Spielstätte. Die neue Konzertorgel der Firma Eule verfügt über 67 Register mit insgesamt 4109 Pfeifen, die auf vier Manuale und Pedal verteilt sind. Die Trakturen sind elektrisch, der Spieltisch fahrbar. Der neue Konzertsaal wird künftig auch von internationalen Orchestern für Konzerte genutzt. Er wird bezüglich seiner Akustik von Musikern, Publikum und Presse gleichermaßen gelobt.

Außerdem haben jetzt auch die Städtischen Bibliotheken Dresden (Zentralbibliothek) und das Dresdner Kabarett "Die Herkuleskeule" hier ihr neues Domizil gefunden. Damit wird eine ganztägige Öffnung und Nutzung des Gebäudes erreicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Tietz: Dresdens neuer Konzertsaal – Späte Harmonien. In: Neue Zürcher Zeitung, 3. Mai 2017.
  2. Initiative Kulturpalast Dresden erhalten
  3. Letzte Vorstellung im Dresdner Kulturpalast – Proteste gegen Umbau halten an. In: Dresdner Neueste Nachrichten. 23. Juli 2012, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  4. Rudolf Kober: Wandbilder in der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin 1973, 5. Auflage 1987, S. 24–33, 39.
  5. Der neue Kulturpalast (abgerufen am 9. Mai 2017)
  6. a b Kunst im öffentlichen Raum. Kulturamt Dresden, Dresden 1996.
  7. Baustart im Dresdner Kulturpalast. Landeshauptstadt Dresden, 11. Oktober 2013, abgerufen am 15. Oktober 2013 (Pressemitteilung).
  8. Jury ermittelte Siegerentwurf zum Kulturpalastumbau. In: dresden.de. Landeshauptstadt Dresden, 23. Juni 2009, abgerufen am 16. August 2015 (Pressemitteilung).
  9. Ein zauberischer Dunst in FAZ vom 3. Mai 2017, Seite 12

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Birk Engmann: Bauen für die Ewigkeit: Monumentalarchitektur des zwanzigsten Jahrhunderts und Städtebau in Leipzig in den fünfziger Jahren. Sax-Verlag, Beucha 2006. ISBN 3-934544-81-9.
  • Wolfgang Hänsch: Haus der sozialistischen Kultur. In: Deutsche Architektur, Heft 4, Jahrgang 1968, S. 212–671.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kulturpalast (Dresden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 3′ 3,6″ N, 13° 44′ 18,6″ O