Kurt Andermann

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Kurt Andermann im Jahr 2018 aufgenommen von Ernst-Dieter Hehl.

Kurt Andermann (* 15. August 1950 in Speyer) ist ein deutscher Historiker und Archivar. Er forscht vor allem zur südwestdeutschen und vergleichenden Landesgeschichte sowie zur Verfassungs- und Sozialgeschichte des Mittelalters.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurt Andermann studierte an der Universität Mannheim von 1971/72 bis 1977 die Fächer Geschichte, Germanistik, Politische Wissenschaft und Deutsche Rechtsgeschichte. 1976/77 legte er das Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab. Im Jahr 1982 wurde er in Mannheim mit einer von Fritz Trautz und Ulf Dirlmeier betreuten Arbeit über die Geschichte des pfälzischen Niederadels im späten Mittelalter promoviert.[1] Seit 1978 war er im staatlichen Archivdienst des Landes Baden-Württemberg tätig. Von 1980 bis 1982 besuchte er die Archivschule Marburg. Von 1982 bis 2010 war er in der baden-württembergischen Landes- und Kreisbeschreibung tätig. Von 2011 bis 2016 war Andermann Referatsleiter für die Altbestände im Generallandesarchiv Karlsruhe und 2012/13 interimistischer Leiter des Hohenlohe-Zentralarchivs Neuenstein. Von 1989 bis 1999 nahm er Lehraufträge am Historischen Institut der Universität Mannheim wahr. Seit 2000 ist er Lehrbeauftragter am Historischen Seminar der Universität Freiburg. Im Jahr 2012 wurde er zum Honorarprofessor ernannt. Seit 2017 ist er im Ruhestand.

Seine Forschungsschwerpunkte sind die südwestdeutsche und vergleichende Landesgeschichte, die allgemeine Verfassungs- und Sozialgeschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Andermann legte zur badischen, pfälzischen und fränkischen Geschichte Veröffentlichungen zum Adel, zur Leibeigenschaft, zu den Residenzen oder zu den landesherrlichen Städten vor. Er verfasste zahlreiche Artikel zum Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte und zum Lexikon des Mittelalters. Andermann ist Mitglied im Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte und in der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Im Herbst 2015 organisierte Andermann mit Enno Bünz eine Reichenau-Tagung des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte mit dem Thema „Kirchenvogtei und adlige Herrschaftsbildung im europäischen Mittelalter“. Die Beiträge wurden 2019 veröffentlicht.[2] Mit Franz Maier brachte er ein 500 Seiten umfassendes Werk mit mehr als 1000 Regesten aus der Zeit von 1243 bis 1845 zu den Urkunden aus dem Freiherrlich von Gemmingenschen Archiv auf Burg Hornberg heraus.[3] Er legte 2019 eine Edition des ältesten Urbars des Klosters Amorbach von 1395/97 vor.[4]

Andermann erwarb sich Verdienste um die Sicherung und Zugänglichmachung von Adelsarchiven vor allem aus dem Kraichgau. Er hat vor allem die reichhaltige urkundliche Überlieferung der vielfach noch in Privatbesitz befindlichen ritterschaftlichen Archive erschlossen. Mehrere Publikationen mit Urkundenregesten stammen dazu von ihm. Andermann ist Begründer und Organisator (seit 1996) der Kraichtaler Kolloquien (Tagungen und Schriftenreihe).

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien

  • Studien zur Geschichte des pfälzischen Niederadels im späten Mittelalter. Eine vergleichende Untersuchung an ausgewählten Beispielen (= Schriftenreihe der Bezirksgruppe Neustadt im Historischen Verein der Pfalz. Bd. 10). Verlag des Historischen Vereins der Pfalz, Speyer 1982.

Editionen

  • mit Franz Maier: Die Urkunden des Freiherrlich von Gemmingen’schen Archivs von Burg Hornberg über dem Neckar. Regesten 1283 bis 1845 (= Sonderveröffentlichungen des Heimatvereins Kraichgau e.V. Nr. 38). verlag regionalkultur, Heidelberg 2018, ISBN 3-95505-057-2.
  • Das älteste Urbar des Klosters Amorbach von 1395/97 (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe A, Quellen. Bd. 62). Kohlhammer, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-17-036522-3.

Herausgeberschaften

  • mit Enno Bünz: Kirchenvogtei und adlige Herrschaftsbildung im europäischen Mittelalter (= Vorträge und Forschungen. Bd. 86). Thorbecke, Ostfildern 2019, ISBN 978-3-7995-6886-9.
  • mit Wolfgang Breul: Ritterschaft und Reformation. (= Veröffentlichungen des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz. Bd. 75). Franz Steiner Verlag, Mainz 2019, ISBN 978-3-515-12258-0.
  • mit Sönke Lorenz: Zwischen Stagnation und Innovation. Landsässiger Adel und Reichsritterschaft im 17. und 18. Jahrhundert (= Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde. Bd. 56). Thorbecke, Ostfildern 2005, ISBN 3-7995-5256-1.
  • mit Peter Johanek: Zwischen Nicht-Adel und Adel (= Vorträge und Forschungen. Bd. 53). Thorbecke, Stuttgart 2001, ISBN 3-7995-6653-8 (online)
  • Residenzen. Aspekte hauptstädtischer Zentralität von der frühen Neuzeit bis zum Ende der Monarchie (= Oberrheinische Studien. Bd. 10). Thorbecke, Sigmaringen 1992, ISBN 3-7995-7810-2.
  • Historiographie am Oberrhein im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit (= Oberrheinische Studien. Bd. 7). Thorbecke, Sigmaringen 1988, ISBN 3-7995-7807-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. dazu die Besprechung von Ernst-Dieter Hehl in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 39, 1983, S. 689 (online).
  2. Vgl. dazu die Besprechung von Werner Rösener in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 79 (2020), S. 469–471 (online)
  3. Vgl. dazu die Besprechung von Peter Müller in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 167 (2019), S. 456–458 (online); Benjamin Müsegades in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 78 (2019), S. 638–639 (online).
  4. Vgl. dazu die Besprechung von Werner Rösener in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 79 (2020), S. 658–659 (online).