Kyffhäuserdenkmal

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Kyffhäuserdenkmal – Hauptturm
Gesamtansicht um 1900
Reiterstandbild und Turm (Mai 2005)

Das Kyffhäuserdenkmal (auch Barbarossadenkmal) ist ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Kyffhäusergebirge im Gelände der ehemaligen Reichsburg Kyffhausen in der Gemarkung von Steinthaleben im thüringischen Kyffhäuserkreis. Das 81 m hohe Denkmal wurde 1890 bis 1896 zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. errichtet und ist nach dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig und dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica das drittgrößte Denkmal Deutschlands.

Nahe dem Kyffhäuserdenkmal befindet sich ein Hindenburgdenkmal.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Das Kyffhäuserdenkmal steht innerhalb des Kyffhäusergebirges im Naturpark Kyffhäuser etwa 300 m südlich der Parknordgrenze. Es befindet sich auf zirka 420 m ü. NN[1] etwas östlich und unterhalb vom Gipfel des Kyffhäuserburgberges (ca. 439,7 m ü. NN[2][1]), einem rund 800 m langen Ostausläufer des Gebirges, zwischen der Ober- und Mittelburg der ehemaligen Reichsburg Kyffhausen.

Etwa 3 km südwestlich liegt der Steinthalebener Ortsteil Rathsfeld und zirka 6,5 km (jeweils Luftlinie) südlich die Kernstadt von Bad Frankenhausen, die beide zum thüringischen Kyffhäuserkreis gehören. Etwas nördlich befindet sich Sittendorf und nordöstlich Tilleda, die beide zur Stadt Kelbra (Landkreis Mansfeld-Südharz, Sachsen-Anhalt) zählen und in der rund 260 m tiefer gelegenen Goldenen Aue (ca. 160 m ü. NN[1]) liegen.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Wilhelm I. zu Pferde

Nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. 1888 wurden vielerorts repräsentative Denkmäler zu Ehren des Verstorbenen errichtet. Das Kyffhäuserdenkmal ist eines der größten und bekanntesten dieser Kaiser-Wilhelm-Denkmäler. Zusammen mit dem Niederwalddenkmal bei Rüdesheim am Rhein, dem Hermannsdenkmal bei Detmold am südlichen Teutoburger Wald, dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig und der Walhalla bei Donaustauf ordnet es sich in die Gruppe der monumentalen Gedenkbauwerke Deutschlands ein.

Wie so oft im Wilhelminismus zeugen die gewaltigen Ausmaße nicht unbedingt von Selbstgewissheit und Zukunftssicherheit. Die imposanten Gedenkbauwerke waren eher symbolische Bollwerke gegen äußere und innere Feinde. In diesem Fall ging es vor allem um die inneren Feinde, die deutsche Sozialdemokratie, gegen die sich die Kriegervereine als Hüter und Wahrer der Reichseinheit stellen wollten. Dem Reich, das einst an innerem Zwist zugrunde gegangen war, sollte ein solches Schicksal kein zweites Mal widerfahren. Das mächtige Kyffhäuserdenkmal sollte diese Entschlossenheit zum Ausdruck bringen.[3]

Planung und Bau[Bearbeiten]

Das Kyffhäuserdenkmal wurde nach den Plänen des Architekten Bruno Schmitz errichtet und am 18. Juni 1896 eingeweiht. Angeregt wurde der Denkmalbau vom Deutschen Kriegerbund, der auch ab 1900 als Kyffhäuserbund die Denkmalverwaltung übernahm.

Grotte vom Turm aus – im Hintergrund die Reichsburg

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Architektur lehnt sich stilistisch an den Burgenbau der Stauferzeit an. Das Bildprogramm soll das neue, von Preußen dominierte Kaiserreich als legitimen Nachfolger des mittelalterlichen Heiligen Römischen Reiches darstellen.

Wilhelm I. (oben) und Friedrich I. Barbarossa (unten)

Im Sockelbereich des etwa 81 m hohen Denkmals befindet sich eine 6,5 m hohe, vor Ort von dem Bildhauer Nikolaus Geiger aus Sandstein gemeißelte Figur Friedrichs I. (Barbarossa), der soeben zu erwachen scheint. Darüber befindet sich ein 11 m hohes Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. des Bildhauers Emil Hundrieser, eine Kupfertreibarbeit in neubarocken Formen. Diese Komposition vermittelt den programmatischen Gedanken des Denkmals, der die mittelalterliche Kyffhäusersage aufgriff und in die Gegenwart fortschrieb: Kaiser Wilhelm, zuweilen auch als Barbablanca tituliert, vollendete die Reichseinigung, auf die das deutsche Volk so lange gewartet hatte.

Das Denkmal besitzt einen rund 57 m hohen, mit einer Kaiserkrone bekrönten Turm, von dessen Kuppel man nach Ersteigen der 247 Stufen einen guten Rundumblick hat. Der Blick fällt nicht nur in das Kyffhäusergebirge, sondern unter anderem auch zum Harz (z. B. mit dem Brocken) im Nordwesten, Norden und Nordosten, in die Goldene Aue etwa im Norden und zum Thüringer Wald (u. a. mit dem Großen Inselsberg) im Süden.

Im zugehörigen Denkmalgebäude befindet sich heute das Burgmuseum, welches sich vor allem mit der Reichsburg und der Barbarossasage beschäftigt.

Freigelegtes Paul-von-Hindenburg-Standbild (Foto vom 2. August 2009)

Hindenburgdenkmal[Bearbeiten]

Am 6. Mai 1939 wurde unterhalb des Kyffhäuserdenkmals ein Hindenburgdenkmal von Hermann Hosaeus eingeweiht. Die zehn Tonnen schwere und fünf Meter große Figur ist aus bayerischem Porphyr gearbeitet. Die Statue wurde 1945 umgestürzt und an Ort und Stelle eingegraben. Am 7. Juni 2004 fand der Besitzer Paul Breul die eingegrabene Statue auf seinem Gelände.[4] Da bei den Behörden Unklarheit über die rechtlichen Verhältnisse und den künftigen Umgang mit dem Denkmal herrscht, liegt es noch immer nur halb ausgegraben und umzäunt in der Erde.[5]

Straße der Monumente[Bearbeiten]

Seit 2008 gehört das Kyffhäuserdenkmal zur Straße der Monumente, ein auf Initiative des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig gegründetes Netzwerk deutscher Denkmäler und Erinnerungsorte. Ziel des Netzwerks ist es, „die Erinnerungsorte als einstige Brennpunkte der Vergangenheit enger zu vernetzen und über gemeinsame Marketingmaßnahmen als Gesamtheit stärker erfahrbar zu machen“.[6]

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gunther Mai: Das Kyffhäuser-Denkmal 1896–1996. Ein nationales Monument im europäischen Kontext. Böhlau Verlag, Köln u. a. 1997, ISBN 3-412-02397-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kyffhäuserdenkmal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Sachsen-Anhalt-Viewer
  2. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  3. Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen. Rowohlt Taschenbuchverlag, 2010, ISBN 978-3-499-62394-3
  4. Hindenburgs Füße stecken fest. In: art – Das Kunstmagazin, Heft 03/2005.
  5. Hindenburg-Standbild am Kyffhäuser. Deutsche Welle, 7. Januar 2005
  6. Straße der Monumente auf der Website des Lippischen Landesmuseums, abgerufen am 9. März 2011

51.41305555555611.109722222222Koordinaten: 51° 24′ 47″ N, 11° 6′ 35″ O