Klötze

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Klötze
Klötze
Deutschlandkarte, Position der Stadt Klötze hervorgehoben
Koordinaten: 52° 38′ N, 11° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Altmarkkreis Salzwedel
Höhe: 60 m ü. NHN
Fläche: 278,29 km²
Einwohner: 10.292 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 37 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 38486, 39638 (Schwiesau)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 03909, 039005 (Kusey, Wenze), 039008 (Dönitz, Jahrstedt, Kunrau, Neuferchau, Steimke), 039085 (Schwiesau)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: SAW, GA, KLZ
Gemeindeschlüssel: 15 0 81 280
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schulplatz 1
38486 Klötze
Webpräsenz: www.stadt-kloetze.de
Bürgermeister: Matthias Mann
Lage der Stadt Klötze im Altmarkkreis Salzwedel
Apenburg-Winterfeld Arendsee (Altmark) Beetzendorf Dähre Diesdorf Gardelegen Jübar Kalbe (Milde) Klötze Kuhfelde Rohrberg Salzwedel WallstaweKarte
Über dieses Bild

Klötze ist eine Stadt im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Klötze liegt in der hügeligen Landschaft des Südlichen Landrückens, hat aber auch Anteil an flachen Gebieten wie dem Drömling, etwa bei Kunrau. Südwestlich der Kernstadt liegt der 110 Meter hohe Zißberg, der östlich gelegene, ausgedehnte Klötzer Forst erhebt sich bis 120 Meter über NHN.

Die Purnitz entspringt südlich der Kernstadt und durchquert sie in Richtung Norden. Bei Altferchau liegt die Jeetze-Quelle. Die Ohre durchfließt die westlichen Ortschaften der Stadt.

Die Stadt liegt rund 40 Kilometer nordöstlich von Wolfsburg, 23 Kilometer nordwestlich von Gardelegen und rund 30 Kilometer südlich von Salzwedel in der Altmark.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt gliedert sich in folgende Ortschaften mit Ortsteilen (OT) und Wohnplätzen:[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Klötze als castrum clotz im Jahr 1311 als ein halberstädtisches Lehen im Besitz der Markgrafen von Brandenburg. Der Ort befand sich in unmittelbarer Nähe der Burg Klötze. Im Jahr 1343 wurden die Alvensleben mit Klötze belehnt. 1392 wurde erstmals eine Kirche in Klötze erwähnt. Im 15. Jahrhundert kam Klötze zu Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und entwickelte zum Sitz eines Amtes. 1660 besaß das fürstliche Amt eine eigene Gerichtsbarkeit. Kreisstadt für Klötze war im 17. Jahrhundert Gifhorn, Regierungssitz war Celle. 1808 kam die Stadt zum Königreich Westphalen und nach dem Wiener Kongress 1815 zum Kreis Gardelegen in der preußischen Provinz Sachsen.

Im Jahr 1846 erhielt Klötze das Stadtrecht. 1855 wurde eine erste städtische Verfassung verabschiedet. 1870 wurde mit dem Cloetzer Wochenblatt eine erste Zeitung herausgegeben. 1880 wurde die Klötzer Feuerwehr gegründet. Durch die am 1. November 1889 erfolgte Eröffnung der Bahnstrecke Oebisfelde–Salzwedel war Klötze an das moderne Verkehrsnetz angeschlossen, die Bedingungen für wirtschaftliche Unternehmungen besserten sich damit erheblich. Am selben Tag fuhr die letzte Postkutsche aus Klötze ab. Um 1900 hat Klötze 3419 Einwohner in 447 Häusern. Bis 1904 war die Schreibweise des Stadtnamens Cloetze. 1907 wurde am Ortsausgang in Richtung Immekath ein Gaswerk errichtet. Mit dem Lichtspielhaus in der Bahnhofstraße öffnete 1914 das erste Kino in der Stadt. Im Jahr 1910 lebten 3971 Einwohner in Klötze.[3] 1928 konnte das Waldbad als städtische Badeanstalt eingeweiht werden.

1948 wurde die erste Produktionsgenossenschaft des Handwerks gegründet, 1953 folgte die Gründung der LPG Einheit. Klötze wurde 1952 mit der Gründung des Bezirks Magdeburg in der DDR zur Kreisstadt. 1966 konnte mit der Inbetriebnahme des neuen Wasserwerks erstmals für die gesamte Stadt eine zentrale Wasserversorgung sichergestellt werden. Die starke Nachfrage nach Wohnungen führten ab 1979 zur größten Baustelle im Kreis, als An der Wasserfahrt bis 1981 in industrieller Plattenbauweise 340 Wohnungen gebaut wurden.

Nach der deutschen Wiedervereinigung war Klötze Kreisstadt im Bundesland Sachsen-Anhalt.

Mit der Umstrukturierung der Verwaltungseinheiten in Sachsen-Anhalt 1994 wurde der Landkreis Klötze aufgelöst und die Stadt verlor diesen Status wieder.

Im Jahr 1964 wurde der Tierpark Klötze eröffnet.

Von 1993 bis 2004 bestand die Verwaltungsgemeinschaft Klötze mit der Stadt Klötze und den Gemeinden Schwiesau und Neuendorf. Die Kommunalreform führte zur Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Jeetze-Ohre-Drömling zum 1. Januar 2005 als neue Verwaltungsgemeinschaft Klötze. Diese wurde zum 1. Januar 2010 mit der Eingemeindung der bisherigen Mitgliedsgemeinden Dönitz, Immekath, Jahrstedt, Kunrau, Kusey, Neuendorf, Neuferchau, Ristedt, Schwiesau, Steimke und Wenze in die Stadt Klötze aufgelöst.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 führte zu folgender Zusammensetzung des Stadtrats in Klötze:[5]

Rathaus
Fraktion Sitze
CDU 9
Die Linke 3
SPD 6
UWG JOD* 10
Gesamt 28

* Unabhängige Wählergemeinschaft „Jeetze – Ohre – Drömling“

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Klötzer Wappen

Blasonierung: „In Silber einen grünen bewurzelten Eichenstumpf mit gestümmelten Ästen, aus denen grüne Blätter treiben.“

Im Jahr 2001 änderte die Stadt Klötze ihr Wappen, das bis dahin in Gewohnheitsrecht in der unheraldischen Tinktur Braun geführt wurde, in Grün. Die Wappenzeichnung und Dokumentation zum Genehmigungsverfahren realisierte der Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch.

Der Name Klötze – früher Clotz, Clod, Clotzecke – entstammt dem slawischen Wort clada, „Baumstumpf“, der entsprechend dem Brauch, das Stadtwappen redend zu machen, als Symbol der Stadt aufgenommen wurde. Das Wappen von Klötze besteht in seiner heutigen Form seit 1861.

Die Flagge der Stadt Klötze zeigt die Farben Grün und Silber (Weiß).

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zugang zur Fußgängerzone

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Seit 2000 ist in Klötze eine Mikroalgen-Produktionsanlage in Betrieb, die Bioprodukte Prof. Steinberg. Das Unternehmen nutzt das Gelände einer früheren Schäferei und produziert mithilfe einer patentierten Technologie Algen in großem Maßstab. Das 1,2 Hektar große gewächshausähnliche Gebäude beherbergt einen Reaktor, bestehend aus einem 500 Kilometer langen Glasröhrensystem, in dem die Algen statt in offenen Teichanlagen gezielt wachsen. Der größte Bioreaktor der Welt wird durch Computer gesteuert, die unter anderem Temperatur, pH-Wert und CO2-Gehalt überwachen. Dem schließt sich eine Trocknungsanlage an, aus der Chlorellastaub herauskommt. Dieses Produkt wird in Tablettenform gepresst und kam zuerst im Jahr 2004 als Nahrungsergänzungsmittel Algomed auf den Markt. Inzwischen gibt es ein weltweites Interesse an der Technologie und den Erzeugnissen. Die Anlage gehört seit dem Jahr 2008 dem französischen Konzern Roquette. Er investierte kräftig und legte das Forschungsprogramm Algohub auf. Beteiligt sind inzwischen (Stand August 2013) 13 Wirtschaftspartner aus Frankreich, die neue Wirkstoffe für Medizin, Kosmetik und Nahrungsmittel entwickeln und weltweit vermarkten.
Karl-Hermann Steinberg, der letzte Umweltminister der DDR, hatte den Reaktor einst für die Firma Preussag AG entwickelt und nach deren Umwandlung in einen Touristikkonzern den Standort in Klötze ausgewählt.[6]
  • In der DDR-Zeit gab es in Klötze einen Betriebsteil des Kombinats Elektronische Bauelemente Teltow, der Kondensatoren herstellte. Nach der Wende wurde das Kombinat mit seinen Werken abgewickelt. Drei frühere Mitarbeiter aus der Fabrik Klötze setzten die Produktion im kleinen Rahmen fort. Sie gründeten das neue Unternehmen WIKO Elektronische Bauelemente GmbH, nahmen zusätzlich spezielle Widerstände in ihr Programm und lieferten ihre Erzeugnisse bald vor allem an Autofirmen. WIKO beschäftigt seitdem 25 Mitarbeiter und hat sich in den folgenden Jahrzehnten am deutschen Markt etabliert. Schwerpunkte sind Zündentstörwiderstände und maßgeschneiderte Bauelemente, die mithilfe einer eigenen Werkzeugabteilung produziert werden. Zu den Abnehmern gehören auch der Schienenfahrzeugbau, Hersteller von Schweißtechnik, Messgerätehersteller, allgemeiner Maschinenbau und Schiffswerften.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Klötze treffen sich die Landesstraße L 19, die von Beetzendorf nach Wiepke an der B 71 führt, und die L 20, die von Weferlingen an die B 71 bei Brüchau führt. Klötze liegt an den stillgelegten Bahnstrecken Oebisfelde–Salzwedel und Klötze–Wernstedt; die Strecke nach Wernstedt ist abgebaut. Die Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel betreibt den ÖPNV. Durch die beiden Landesbusse 300 und 400 bestehen direkte Verbindungen nach Salzwedel, Oebisfelde und Gardelegen.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Stadt war im Jahr 2006 Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 der Menschen mit geistiger Behinderung.
  • Der VfB 07 Klötze bietet zahlreiche Sportarten an, seine Gewichtheber gehören zu Deutschlands Besten. Der Verein wurde 1907 gegründet.
  • In Klötze wurde am 7. September 2007 der Altmärkische Wanderverein gegründet, der dort auch seinen Sitz hat. Die Stadt selbst gehört zu den Altmärkischen Wandernestern, die in diesem Verein organisiert sind.[7]

Feste und Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martinimarkt in Klötze

In der Stadt werden traditionell verschiedene Volksfeste gefeiert, wie der Karneval im November und im Februar mit großem Tulpensonntagsumzug in Klötze und dem Carnevalsumzug in Immekath. Das Schloss- und Parkfest in Kunrau, das Dahlienfest in Immekath, das Spargel- und Besenbinderfest in Klötze, das Museumsfest in Böckwitz und die Schützenfeste in den Ortsteilen von Klötze gehören auch dazu. Im Oktober führt die Theatergruppe Klötze jeweils an drei aufeinanderfolgenden Tagen ein Stück auf. Ende Oktober gibt es alljährlich den Martinimarkt, das größte altmärkische Innenstadtfest, das sich über fünf Tage erstreckt. An einem Dezembertag findet der Klötzer Weihnachtsmarkt statt.

Bauwerke und Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den beiden Kirchengebäuden ist eine Holländerwindmühle vorhanden.[8] Im Klötzer Forst befindet sich mit dem Eisernen Kreuz ein Kriegerdenkmal mitten im Wald.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Ägidius-Kirche, eine an der Kirchstraße gelegene Fachwerkkirche, ist benannt nach Ägidius von St. Gilles. Sie wurde 1759 errichtet, ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Salzwedel. Weitere evangelisch-lutherische Kirchen stehen in zu Klötze eingemeindeten Ortschaften.

Die katholische Kirche St. Joseph, südlich des Friedhofs am Kapellenberg gelegen, ist benannt nach Josef von Nazaret. Sie wurde 1930 geweiht und gehört heute zur Pfarrei St. Hildegard mit Sitz in Gardelegen.

Bis ca. 1880 stand ein jüdisches Gebetshaus im Garten der heutigen Stadt- und Kreisbibliothek Klötze (Geburtshaus von Adolph Frank).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolph Frank (1834–1916), Chemiker, Ingenieur und Unternehmer
  • Jürgen Barth (* 1955), Politiker (SPD) und seit 2006 Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt
  • Kerstin Helmecke (* 1960), Landtagsabgeordnete (DVU)

Personen, die mit Klötze in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinzgeorg Oette, Ludwig Schumann: „Sachsen-Anhalt“, 1. Auflage 2016, Trescher Verlag, Berlin, ISBN 978-3-89794-325-4, S. 315
  • Berent Schwineköper: Klötze. In: Berent Schwineköper (Hrsg.): Provinz Sachsen, Anhalt (= Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Bd. 11). Kröner, Stuttgart 1987, ISBN 3-520-31402-9, S. 241f.
  • Ernst Schulze: Chronik der Stadt Cloetze. Nachrichten aus der Umgebung von Cloetze und dem Drömling nebst einer Geschichte des ehem. hannoverschen Amtes Cloetze. Cloetze 1900

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klötze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Klötze – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2014 (PDF) (Fortschreibung) (Hilfe dazu).
  2. Hauptsatzung der Stadt Klötze Abgerufen am 9. November 2015.
  3. Gemeindeverzeichnis von 1910
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  5. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt – 2014
  6. Kathrin Schrader: Das grüne Steak, In: Berliner Zeitung, 11. Juli 2013; abgerufen am 27. August 2013
  7. http://www.wanderverband.de/conpresso/_data/Altmaerkischer.pdf
  8. Holländische Windmühle Klötze, abgerufen am 9. November 2015.