Lachen (St. Gallen)

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Lachen
Staat: Schweiz
Kanton: Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: St. Gallen
Politische Gemeinde: St. Galleni2w1
Postleitzahl: 9000
Koordinaten: 744245 / 253823Koordinaten: 47° 25′ 10″ N, 9° 21′ 1″ O; CH1903: 744245 / 253823
Karte
Karte von Lachen
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Lachen ist ein Quartier der Schweizer Stadt St. Gallen.

Lage und Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lachenquartier liegt im Kreis West der Stadt und wird von den Quartieren Winkeln, Bruggen, Rosenberg und der Innenstadt umschlossen. Ebenfalls grenzt das Quartier an die Gemeinde Gaiserwald.[1] Das Quartier liegt an der Zürcherstrasse, die bis zur Eröffnung der Stadtautobahn mit dem Rosenbergtunnel 1987 die Hauptverkehrsachse von St. Gallen Richtung Zürich war. Es wird durch die Trolleybuslinien 1 und 4 erschlossen. Der Autobahnanschluss Kreuzbleiche zur Autobahn A1 liegt am östlichen Ende des Quartiers an der Grenze zum Rosenbergquartier. Zum Quartier Lachen gehören die Ortsteile Stahl, Feldli, Sömmerli, Schönenwegen und Vonwil.

Häuserzeile der Nordseite der Zürcherstrasse im Zentrum von Lachen. Am äussersten rechten Rand das Bundesverwaltungsgericht

Demografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das statistische Quartier Vonwil-Lachen-Schoren hatte 2014 eine Einwohnerzahl von 6679, wobei die Alterszusammenstellung mit 17 % für 0–19-Jährige genau dem städtischen Durchschnitt entsprach. Der Anteil von Personen im Erwerbsalter von 20–64 lag mit 68 % um 2 % über, der Anteil der Menschen ab 65 Jahren mit 15 % um 2 % unter dem Durchschnitt. Der Ausländeranteil liegt mit 38 % um 8 Punkte über dem städtischen Durchschnitt, wobei mit 14 % Europäern aus dem Nicht-EU-Raum der höchste Anteil der Stadt erreicht wird.[2] Der hohe Ausländeranteil hat dazu geführt, dass das Lachenquartier als «Problemquartier» wahrgenommen wird, wobei dies von lokalen Politikern bestritten wird.[3]

Schulen und öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kaufmännische Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen, auch KV genannt an der Kreuzbleiche St. Gallen

Das Lachenquartier verfügt über zwei Primarschulen (Feldli-Schoren und Schönenwegen) und ein Oberstufenzentrum (Schönau). Zudem befindet im Osten des Quartiers das kantonale «Kaufmännische Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen» (KBZ),[4] in welchem der die Berufsausbildung begleitende Schulunterricht für kaufmännische Berufe und Weiterbildungen im kaufmännischen Bereich angeboten werden. Die Schule ist lokal unter dem Namen «KV» (vom Kaufmännischen Verein) bekannt und befindet sich am Standort des ehemaligen Waffenplatzes der 1980 abgebrochenen Kaserne St. Gallen.[5] Ebenfalls am östlichen Ende des Quartiers befindet sich das Bundesverwaltungsgericht, das im Sommer 2012 seinen Sitz in St. Gallen bezogen hat. Am südwestlichen Ende des Quartiers befindet sich der sogenannte Tröckneturm,[6] ein Holzturm aus der Blütezeit des St. Galler Textilgewerbes, der auch das Wahrzeichen des Quartiervereins Lachen ist.

Der Tröckneturm im Lachenquartier, der im 19. Jahrhundert zum Trocknen gefärbter Tuchbahnen diente.

An der Grenze zum Quartier Rosenberg befindet sich auch der Friedhof «Feldli», der 1874 weit ausserhalb des damaligen Siedlungsgebietes angelegt worden ist und die überfüllten Friedhöfe auf dem Stadtgebiet ersetzte.[7] Die Einrichtung eines eigenen Grabfelds für Muslime wurde 2014 nach einigen Diskussionen abgeschlossen.[8]

In dem Quartier befand sich auch lange Jahre die Abfalldeponie der Stadt St. Gallen. Das Tal des Feldbaches wurde nach dessen Eindohlung von 1903 bis 1967 als Schutt- und Abfalldeponie, den sogenannten 'Gallemescht' (St. Galler Mist) aufgefüllt. Die Deponie wurde danach abgedeckt und das so gewonnene Land erschlossen. Allerdings treten immer noch Gärgase aus der einstigen Deponie aus. Ebenso muss das Sickerwasser aus den ca. 1.8 Millionen Tonnen Abfall geklärt werden.[9]

Namensgebung und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name 'Lachen' wird mitunter auf 'Lache' (im Sinne eine Pfütze) zurückgeführt, die durch den früher offen durch das Gebiet zur Sitter fliessenden Feldbach verursacht worden sein könnten. Allerdings sei der Name Lachen schon 1340 erwähnt worden und wird in diesem Zusammenhang erklärt mit "Grenzscheidland, Grenzkerbe an einem Baum, Läch, Läg".[10] Diese Annahme ist mindestens ebenso gut, da an der Ostgrenze vom Lachenquartier die Grenze zwischen äbtischem und städtischem Land verlief. Später trennte diese Grenze das Stadtgebiet von der Gemeinde Straubenzell, zu dem das Lachen-Quartier bis 1918 gehörte. Die Besiedlung des Lachen-Gebietes war noch bis in die 1880er Jahre (wie zum Beispiel aus der Siegfriedkarte, erstellt 1878–1883, ersichtlich) praktisch auf zwei Häuserzeilen entlang der Zürcherstrasse beschränkt. Die Erschliessung dieses um 1900 herum auch Innerstraubenzell genannten Gebietes begann in den 1880er Jahren, nahm aber erst nach

Feldli-Lachen im Jahr 1860: Blick gegen Süden zur Burg Waldegg (Bildmitte) und an die Menzlen bei Schneeschmelze

der Jahrhundertwende richtig fahrt auf, als zwei Baumeister, Anton Stärkle und Andreas Osterwalder, Billgwohnungen, Wohnblöcke und einige stattlichere Gebäude errichteten.[11] Die sehr dichte und kleinräumige Bebauung ist auch heute noch nördlich der Zürcherstrasse zu sehen (z. B. Metallstrasse) und in dieser Form in St. Gallen einzigartig. Neben diversen Gewerbe- siedelten sich auch Industriebetriebe in dem Quartier an: Eine Stickereiwarenfabrik und eine Seifenfabrik standen mitten in dem dicht bebauten Wohngebiet, wobei die Industrie seit Mitte des 20. Jahrhunderts aus dem Quartier verschwunden ist. Am ersten Juli 1918 wurde die Gemeinden Straubenzell und Tablat mit der Stadt St. Gallen im Rahmen der Stadtverschmelzung zusammengeführt, womit auch Lachen als früherer Teil von Straubenzell nun zu St. Gallen gehörte.

Bemerkenswerte Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vergleich Metallstrasse St. Gallen 2017 und 1920. Die eng gestaffelten Miethäuser sehen immer noch praktisch gleich wie 100 Jahre zuvor aus.

Durch die recht späte Bebauung des Gebietes gibt es nur wenige bemerkenswerte historischen Gebäude. Neben dem oben erwähnten Tröckneturm ist die Burg Waldegg zu erwähnen. Das Gebäude wurde 1475 von den Handelsherren Stefan Grübel und Konrad Enggasser ausserhalb des Gebietes der Stadt auf dem Hoheitsgebiet des Fürstabtes errichtet. Ab 1505 war sie in fürstäbtlichem Besitz und diente als Sitz des Landeshofmeisters. Als in der Folge der napoleonischen Kriege die Fürstabtei aufgehoben wurde, wurde das Gebäude vom Kanton St. Gallen übernommen und 1825 dem Industriellen Jakob Täschler verkauft, der eine Rotfärberei aufbaute und dafür u. a. den Tröckneturm baute. 1901 brannten Burg und Fabrik ab. Die Burg wurde 1902/3 vom bekannten Kirchenarchitekten August Hardegger wieder aufgebaut und 1997/98 renoviert.[12]

Das Quartier wird ausserdem vom Postgebäude an der Zürcherstrasse 27 geprägt, das 1956 St. Gallens erstes Hochhaus war. [13]

Prominente aus dem Quartier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schweizer Volksschauspieler Walter Roderer ist im Lachenquartier aufgewachsen. Die ehemalige Springreiterin Monica Bachmann stammt ebenfalls aus dem Quartier.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lachen SG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. QV Lachen. In: www.qv-lachen.ch. Abgerufen am 31. Januar 2016.
  2. Kurzportraits über die 18 Quartiere der Stadt St.Gallen. Amt für Gesellschaftsfragen, 21. Mai 2015, S. 24-27, abgerufen im 7. Juni 2017.
  3. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Lachen-Quartier: Schöner als im Ghetto. In: St. Galler Tagblatt Online. (tagblatt.ch [abgerufen am 7. Juni 2017]).
  4. KBZ
  5. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: In wenigen Tagen abgebrochen. In: St. Galler Tagblatt Online. (tagblatt.ch [abgerufen am 7. Juni 2017]).
  6. Tröckneturm
  7. Friedhof Feldli. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  8. St. Galler Nachrichten: Ein Grabfeld für Muslime. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  9. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Der «Gallenmist» lebt. In: St.Galler Tagblatt Online. (tagblatt.ch [abgerufen am 8. Juni 2017]).
  10. Martin Arnet: : Die Orts- und Flurnamen der Stadt St. Gallen. Verlag St. Galler Namenbuch, St. Gallen 1990, ISBN 3-908048-15-X.
  11. Paul Bächtiger: Die bauliche Entwicklung im Feldli- und Sömmerliquartier. In: In alten Akten gestöbert - Eine Chronik über das Lachenquartier. St. Gallen 1997, S. 16.
  12. Saint Gall Sankt Gallen: Schloss Waldegg Le chateau de Waldegg. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  13. Zürcherstrasse Damals. Quartierverein Lachen, S. 17, abgerufen im 8. Juni 2017.