Landgericht Essen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gebäude des Landgerichts in Essen-Rüttenscheid (2011)

Das Landgericht Essen ist ein Landgericht in Essen, das mit etwa 300 Mitarbeitern für einen Landgerichtsbezirk mit knapp 1,4 Millionen Einwohnern zuständig ist.

Gerichtsbezirk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landgericht Essen liegt im Bezirk des Oberlandesgerichtes Hamm.

Für die neun Amtsgerichte Bottrop, Dorsten, Essen, Essen-Borbeck, Essen-Steele, Gelsenkirchen, Gladbeck, Hattingen und Marl, sowie die sechs Bewährungshilfen Essen I, Essen II, Essen III, Gelsenkirchen, Gladbeck, Marl ist das Landgericht Essen zuständig.

Historisch gehörten bis zur Errichtung des Landgerichts Bochum im Jahre 1892 auch das Amtsgericht Bochum und das Amtsgericht Wattenscheid zum Landgerichtsbezirk Essen, die danach zum Bezirk des neu errichteten Landgerichts Bochum kamen. Bis zu ihrer Aufhebung ebenfalls zum Landgerichtsbezirk Essen gehörten das 1976 aufgelöste Amtsgericht Essen-Werden und das zum Jahreswechsel 2015/2016 aufgehobene Amtsgericht Gelsenkirchen-Buer. Das Gleiche gilt für das 1979 aufgelöste Amtsgericht Haltern, das allerdings nur in den fünf letzten Jahren seines Bestehens im Landgerichtsbezirk Essen angesiedelt war, da es noch bis 1974 zum Landgerichtsbezirk Münster gehört hatte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstes Landgericht am III. Hagen 1883[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstes Landgericht am III. Hagen, erbaut 1883

Das ursprüngliche Landgericht wurde zwischen Dezember 1881 und 1883 in der Innenstadt an der Straße III. Hagen 39/41, gegenüber dem Salzmarkt, errichtet. Einige Nachbarstädte bewarben sich zuvor um dessen Sitz. Die Stadt Essen stellte auf ihre Kosten das Grundstück im Wert von 180.000 Mark zur Verfügung und musste für die Standsicherheit des Gerichtsgebäudes garantieren, denn in Essen traten immer häufiger Bergschäden auf. Mit diesen Zugeständnissen gewann Essen den Wettbewerb um den Sitz der Körperschaft. Zur Standsicherheit gliederte man das Gerichtsgebäude in fünf Einzelbauten, die jeweils mit einem Ankersystem versehen, aber dennoch miteinander verbunden waren. Kreis-Bauinspektor Niedieck leitete das Gesamt-Bauprojekt, die Sicherungsmaßnahmen oblagen dem Ingenieur Gustav Diechmann.[1]

Neubau in Rüttenscheid 1913[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landgerichtsgebäude (zwischen 1913 und 1945)

Zwischen 1908 und 1913 erfolgte unter der Bauleitung des Regierungsbaumeisters Georg Güldenpfennig der Bau des neuen Gebäudes an der Zweigertstraße 52. Der 1908 erstellte Vorentwurf entstand unter Leitung von Paul Thoemer im preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten. Das 140 Meter lange, neubarocke Bauwerk kostete rund vier Millionen Mark und wurde am 4. April 1913 seiner Bestimmung übergeben. Da der Bau auf die Initiative des Oberjustizrates und Präsidenten am Landgericht Essen, Franz Christoph Büscher, zurückgeht, wurde ihm zu Ehren am gleichen Tage die gegenüberliegende Weyerstraße in Büscherstraße umbenannt.[2] Der nach dem Kriege wiederaufgebauter Ostflügel steht seit 2005 unter Denkmalschutz.[3]

Wiederaufbau nach dem Krieg, heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wieder aufgebauter, denkmalgeschützter Ostflügel

Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Gericht als Provisorium am 28. November 1945 durch die britische Militärregierung wiedereröffnet. Zwischen 1950 und 1956 baute man das Gebäude auf altem Grundriss nach Plänen des Essener Architekten Alfred Pegels mit einem Kostenaufwand von über fünf Millionen DM wieder auf. Nur der Westflügel wurde dabei erweitert, so dass 60 neue Zimmer entstanden. Mitte der 1970er Jahre wurde ein weiterer Anbau für eine Kantine, eine interne Bücherei und 22 weitere Zimmer errichtet.

Im Bereich des Haupteingangs wurde 1998 nach dem Mord an dem Richter Michael Teuber eine Sicherheitsschleuse eingebaut, wodurch der Vorbau an der Längsseite des Gebäudes sein derzeitiges Aussehen erhielt. Teuber war von einem Besucher, den er zuvor zu einer geringen Geldstrafe verurteilt hatte, in seinem Dienstzimmer erschossen worden. An ihn erinnert eine im Eingangsbereich des Gerichts befindliche Glastafel mit einem täglich erneuerten Blumengebinde.

Ebenfalls im Eingangsbereich des Gebäudes wird eine Dauerausstellung zur „Justiz im Nationalsozialismus“ gezeigt, die an die Schicksale am Amts- und Landgericht Essen tätiger und nach 1933 dienstentlassener, deportierter und ermordeter jüdischer Richter und Anwälte erinnert und Willkürakte dokumentiert, die von Mitarbeitern und Richtern des Gerichts in den Jahren bis 1945 begangen wurden.

Präsidentin des Landgerichts Essen ist seit 1996 die Kölner Prozessrechtlerin Monika Anders.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landgericht Essen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tony Kellen: Die Industriestadt Essen in Wort und Bild. Geschichte und Beschreibung der Stadt Essen. Zugleich ein Führer durch Essen und Umgebung. Essen Ruhr 1902, Druck und Verlag von Fredebeul & Koenen, S. 88, 89 (online)
  2. Erwin Dickhoff: Essener Straßen. Hrsg.: Stadt Essen–Historischer Verein für Stadt und Stift Essen. Klartext-Verlag, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-1231-1.
  3. Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen; abgerufen am 16. Juni 2015

Koordinaten: 51° 26′ 13″ N, 6° 59′ 55″ O