Landtagswahl in Baden-Württemberg 1992

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1988Landtagswahl 1992[1]1996
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Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 1988
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Insgesamt 146 Sitze

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg 1992 fand am 5. April parallel zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein statt. Sie führte nach 20 Jahren Alleinregierung zu einem Verlust der absoluten Mehrheit für die CDU, zu einer Schwächung der beiden großen Volksparteien, insbesondere der CDU, und zum erstmaligen Einzug der Republikaner in den Landtag.

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Landtagswahl 1988 hatte die CDU unter Führung des langjährigen Ministerpräsidenten Lothar Späth trotz leichter Stimmverluste ihre seit 1972 bestehende absolute Mehrheit verteidigt. Am 13. Januar 1991 trat Späth infolge der Traumschiff-Affäre von seinem Amt als Ministerpräsident zurück. Sein Nachfolger wurde der bisherige CDU-Fraktionschef Erwin Teufel.

Spitzenkandidaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spitzenkandidat der CDU: Ministerpräsident Erwin Teufel, Foto von 2004

Für die CDU trat der seit einem Jahr regierende Ministerpräsident Erwin Teufel (52) als Spitzenkandidat an. Spitzenkandidat der SPD war Fraktionschef Dieter Spöri (48).[2]

Wahlergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wahl hatte folgendes Ergebnis:[1]

Wahlberechtigte 7.154.575
Wähler 5.014.446
Wahlbeteiligung 70,1 %
Gültige Stimmen 4.949.199 (98,7 %)
Ungültige Stimmen 65.247 (1,3 %)
Partei Stimmen
absolut
Stimmen
in %
Erst-
mandate
[3]
Zweit-
mandate
[3]
Sitze
gesamt[3]
Sitze
1988[3]
Diffe-
renz
CDU 1.960.016 39,6 64 64 66 -2
SPD 1.454.477 29,4 6 40 46 42 +4
REP 539.014 10,9 15 15 +15
GRÜNE 467.781 9,5 13 13 10 +3
FDP/DVP 291.199 5,9 8 8 7 +1
ÖDP 93.604 1,9
NPD 44.416 0,9
GRAUE 28.719 0,6
PBC 27.272 0,6
DLVH 23.255 0,5
CM 1.577 0,0
DKP 794 0,0
LIGA 644 0,0
AFP 595 0,0
NO 183 0,0
Einzelbewerber 15.653 0,3

Nach dem amtlichen Endergebnis musste die bisher allein regierende CDU Verluste von fast zehn Prozent hinnehmen und verlor damit nach 20 Jahren ihre absolute Mehrheit; auch ein eventuelles Bündnis mit der FDP/DVP hatte keine Mehrheit. Die SPD verlor ebenfalls 2,6 Prozent. Als einer der Gründe für den Einbruch der großen Parteien wird die Asyldebatte gesehen.[4] Mit einem Ergebnis von 10,9 Prozent konnten die Republikaner – entgegen Wahlvorhersagen von 4,5 %[5] – erstmals mit 15 Abgeordneten in ein Parlament eines deutschen Flächenlandes einziehen. Sie wurden drittstärkste Partei im Land vor den seit langer Zeit im Landtag vertretenen Grünen und der FDP/DVP. Als Gründe für den Einzug der Republikaner wurden die Unzufriedenheit nach 20 Jahren CDU-Alleinregierung auf der einen Seite und die nicht überzeugende Opposition auf der anderen Seite genannt.[6] Die wichtigste Rolle spielte dabei aber die erwähnte Asyldebatte; außerdem waren die Erfolge der „REP“ regional unterschiedlich stark in Abhängigkeit zu ihren aufgestellten Kandidaten.

Die Grünen konnten mit einem Plus von 1,6 Prozent ihr Ergebnis stabilisieren, die FDP/DVP stagnierte bei 5,9 Prozent der Stimmen. Die ÖDP erreichte mit 1,9 Prozent ihr bislang bestes Landtagswahlergebnis außerhalb Bayerns.[7] Die NPD verlor gegenüber der Landtagswahl 1988 1,2 Prozentpunkte und kam nur noch auf 0,9 Prozent der Stimmen.

Landtag und Landespolitik nach der Wahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem überraschenden Wahlausgang wurde eine große Koalition aus CDU und SPD unter Führung von Ministerpräsident Erwin Teufel gebildet, da aufgrund des Einzugs der Republikaner in den Landtag weder ein schwarz-gelbes noch ein rot-grünes Bündnis eine parlamentarische Mehrheit besaß. SPD-Spitzenkandidat Dieter Spöri wurde Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident.

Siehe auch

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Wahlberechtigte, Wähler und gültige Stimmen. In: Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg 1984–1996. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, abgerufen am 3. August 2010.
  2. Fußkranke und Lustfeinde. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1992 (online).
  3. a b c d Sitzverteilung im Landtag. In: Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg seit 1952. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, abgerufen am 3. August 2010.
  4. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Ministerpräsident Erwin Teufel verabschiedet sich nach 14 Jahren Amtszeit. Abgerufen am 16. August 2010.
  5. Die Republikaner - Landesverband Nordrhein-Westfalen: Entstehung und Entwicklung der Partei. Abgerufen am 16. August 2010.
  6. Fred Ludwig Sepaintner: Politische Willensbildung im Südwesten – 50 Jahre Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Abgerufen am 16. August 2010.
  7. ödp.de: Chronik der Ökologisch-Demokratischen Partei. Abgerufen am 16. August 2010.