Lange Dreisch und Osterberg

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Lange Dreisch und Osterberg

IUCN-Kategorie IV − Habitat-/Species Management Area

NSG Lange Dreisch und Osterberg 1.JPG
Lage Nordwestlich von Hildesheim, Landkreis Hildesheim, Niedersachsen
Fläche 245 ha
Kennung NSG HA 218
WDPA-ID 555546338
Geographische Lage 52° 11′ N, 9° 54′ OKoordinaten: 52° 10′ 31″ N, 9° 54′ 21″ O
Lange Dreisch und Osterberg (Niedersachsen)
Lange Dreisch und Osterberg
Meereshöhe von 83 m bis 180 m
Einrichtungsdatum 3. März 2011
Verwaltung NLWKN

Lange Dreisch und Osterberg ist ein Naturschutzgebiet in der niedersächsischen Stadt Hildesheim.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

NSG „Lange Dreisch und Osterberg“
Schild im Naturschutzgebiet

Das Naturschutzgebiet mit dem Kennzeichen NSG HA 218 ist 245 Hektar groß. Es ist zum größten Teil Bestandteil des FFH-GebietesHaseder Busch, Giesener Berge, Gallberg, Finkenberg“. Im Osten grenzt es an das Naturschutzgebiet „Mastberg und Innersteaue“, im Norden an das Naturschutzgebiet „Giesener Teiche“. Das Gebiet steht seit dem 3. März 2011 unter Naturschutz und soll zum „Nationalen Naturerbe“ erhoben werden.[1] Zuständige untere Naturschutzbehörde ist die Stadt Hildesheim.

Das Naturschutzgebiet liegt im Nordwesten von Hildesheim zwischen Himmelsthür und Giesen im Bereich des ehemaligen Standortübungsplatzes Hildesheim, der Ende 2007 von der Bundeswehr aufgegeben wurde. Es stellt ein Hügelland auf einem weit in die Calenberger (Westen) und Hildesheimer Börde (Osten) hineinragenden Ausläufer des Hildesheimer Berglandes als Teil des Innersteberglandes unter Schutz. Das Gebiet ist von großflächigem, extensiv genutzten Grünland, Kalkhalbtrockenrasen, Gebüschen und Waldbeständen auf Kalk- und Silikatgestein geprägt. Daneben sind Kleingewässer und Kalkquellbereiche mit nassen Standorten zu finden.

Das weitgehend unzerschnittene Naturschutzgebiet bietet zahlreichen schutzbedürftigen Arten geeignete Lebensräume. Die offen Landschaft ist Lebensraum zahlreicher Schmetterlinge, darunter Schwalbenschwanz, Resedaweißling, Senfweißling, Goldene Acht, Hufeisenklee-Gelbling, Postillon, Berghexe, Quendel-Ameisenbläuling, Kleiner Sonnenröschen-Bläuling und Silbergrüner Bläuling.[2] Wassergefüllte Senken dienen zahlreichen Libellen als Lebensraum, darunter Gebänderte Heidelibelle, Gefleckte Heidelibelle, Südliche Binsenjungfer, Große Moosjungfer und Kleines Granatauge.[3][4] Auch der Kiemenfußkrebs Triops cancriformis kommt hier vor.[5] Ehemalige Munitionsbunker auf dem Gelände dienen Fledermäusen und Insekten als Winterquartier.[6]

Viele Arten stoßen hier an die Grenze ihres natürlichen Verbreitungsgebietes, da es sich bei dem Naturschutzgebiet um eines der nördlichsten Vorkommen von Kalkhalbtrockenrasen und Wälder trockenwarmer Standorte handelt.

Das Gebiet ist im Besitz der Paul-Feindt-Stiftung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem Gebiet handelt es sich um eine ehemalige Hutelandschaft, die als Allmendeweide der Dorfgemeinschaften Himmelsthür, Groß Giesen und Emmerke genutzt wurde. Teile des Gebietes waren im Besitz von adeligen oder geistlichen Grundherren.

1937 richtete die Wehrmacht auf einem 260 Hektar großen Areal einen Schießplatz ein, der 1961 von der Bundeswehr auf den 270 Hektar großen, ehemaligen Standortübungsplatz ausgedehnt wurde. Die Anfang des 20. Jahrhunderts ausgeweitete Nutzung der Böden als Ackerflächen war damit nicht mehr möglich und die Flächen wurden wieder in Weideland umgewandelt.

Naturerlebnisgebiet Kleeblatt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Naturschutzgebiet ist Teil des Naturerlebnisgebietes Kleeblatt, das sich im Norden Hildesheims und Teilen der Gemeinde Giesen zwischen Osterberg und Innerste erstreckt. Es umfasst die Naturschutzgebiete „Haseder Busch“, „Mastberg und Innersteaue“, „Lange Dreisch und Osterberg“ und „Giesener Teiche“ und die Giesener Berge und ist in vier Themenbereiche unterteilt: „Wasserwelt“ (Naturschutzgebiet „Haseder Busch“), „Weidewald“ (Naturschutzgebiet „Mastberg und Innersteaue“), „Offene Weide“ (Naturschutzgebiet „Lange Dreisch und Osterberg“) und „Erdzeitreise“ (Naturschutzgebiet „Giesener Teiche“ und Giesener Berge).

Ortsumgehung Hildesheim-Himmelsthür[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Hildesheim-Himmelsthür war der Bau einer etwa 3,5 Kilometer langen, vierspurigen Ortsumgehung im Verlauf der Bundesstraße 1 geplant. Diese wäre durch den südlichen Teil des Naturschutzgebietes verlaufen. Gegen das Vorhaben hatte der BUND gemeinsam mit der Bürgerinitiative Himmelsthür 1998 Klage eingereicht, weil die geplante Straße durch das Naturschutzgebiet als Teil des FFH-Gebietes „Haseder Busch, Giesener Berge, Gallberg, Finkenberg“ verlaufen wäre, welches hierdurch massiv beeinträchtigt worden wäre.[7] Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht sah den Bau der Umgehungsstraße als unvereinbar mit wesentlichen Erhaltungszielen des FFH-Gebietes und erklärte den Planfeststellungsbeschluss in seinem Urteil vom 12. September 2008 für rechtswidrig und daher nicht vollziehbar.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwischen Osterberg und Innerste, Schriften der Paul-Feindt-Stiftung, Band 7, Hildesheim 2010, ISBN 978-3-926247-00-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Naturschutzgebiet Lange Dreisch und Osterberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Osterberg soll „Nationales Naturerbe“ werden, Artikel der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung, 7. September 2011. Abgerufen am 29. März 2016.
  2. Guido Madsack, Burkhard Rasche, Jochen Tänzer: Die Tagfalterfauna des Standortübungsplatzes Hildesheim und angrenzender Gebiete, Schriften der Paul-Feindt-Stiftung (PDF, 180 kB). Abgerufen am 19. Juni 2018.
  3. Bagger schafft Platz für Moosjungfern, Artikel der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung, 19. Oktober 2013. Abgerufen am 29. März 2016.
  4. Hubschrauber mit 200 Millionen Jahren Geschichte, Artikel der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung, 12. Januar 2015. Abgerufen am 29. März 2016.
  5. Urzeitkrebs Triops überlebte selbst die Dinosaurier, Artikel der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung, 24. September 2011. Abgerufen am 29. März 2016.
  6. Vom Munitionsdepot zum Winterquartier, Artikel der Kehrwieder am Sonntag, 12. August 2007. Abgerufen am 29. März 2016.
  7. BUND-Klage erfolgreich: Nordumgehung Hildesheim rechtswidrig, BUNDmagazin 4/2008, BUND Landesverband Niedersachsen e. V. Abgerufen am 2. März 2012.
  8. OVG Lüneburg, Urteil vom 11. September 2008, Az. 7 K 1269/00, Volltext und Ortsumgehung Hildesheim – Himmelsthür&, Europäisches Naturschutzrecht – Natura 2000 (Blog). Abgerufen am 2. März 2012.