Saranskoje

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Siedlung
Saranskoje
Laukischken mit Powangen

Саранское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Polessk
Gegründet 1258
Frühere Namen Lowki (1258),
Laukiskin (nach 1384),
Laukisken (nach 1433),
Lawkischken (um 1540),
Laukiszken (nach 1820),
Laukischken (bis 1946)
Bevölkerung 988 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40158
Postleitzahl 238640
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 230 807 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 50′ N, 21° 14′ OKoordinaten: 54° 49′ 44″ N, 21° 14′ 5″ O
Saranskoje (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Saranskoje (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Saranskoje (russisch Саранское, deutsch Laukischken, auch: Powangen, litauisch Laukiška) ist eine Siedlung mit 988 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010)[1] im Rajon Polessk der russischen Oblast Kaliningrad. Sie liegt östlich der Rajonsstadt Polessk an der Regionalstraße 27A-016 (ex R 514) unweit deren Kreuzung mit der Regionalstraße 27A-034 (ex A 190). Der Ort gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Polessk.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Teilung des Samlands wurde Lowki[2] 1258 erstmals erwähnt. Genannt wurde eine Burg des Deutschen Ordens, die 1525 Herzog Albrechts Jagdbude wurde. 1584 wurde sie zu einem „schönen lustigen Schlößchen“ ausgebaut. 1913 wurde das Gutshaus aus Anlass der Hochzeit des Besitzers Ludwig Meyländer gen. Rogalla von Bieberstein von den Grundmauern auf neu errichtet. Im Ersten Weltkrieg wurde es schwer beschädigt und danach wieder hergerichtet. 1940 wurde der Besitzer hingerichtet oder beging Selbstmord durch Erhängen nach der Inhaftierung durch das nationalsozialistische Regime. Daraufhin wurde das Anwesen von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft übernommen. Unter anderem wirkte dort von 1941 bis 1944 der Lupinenzüchter Joachim Hackbarth. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dort eine Schule eingerichtet.

Mit dem Dorf Laukischken war das große Vorwerk Powangen[3] in seiner Geschichte aufs Engste verbunden.

Zwischen 1874 und 1945 war Laukischken Amtssitz und namensgebender Ort eines Amtsbezirks[4]. Er gehörte zum Kreis Labiau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen.

Im Jahre 1910 waren in Laukischken und Powangen zusammen 416 Einwohner registriert[5]. Ihre Zahl stieg – nachdem im Jahre 1928 auch die Gutsbezirke Adlig Laukischken und Paddeim eingemeindet worden waren – bis 1933 auf 725 und belief sich 1939 auf 826[6].

In Kriegsfolge kam Laukischken 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. Im Jahr 1947 erhielt der Ort die russische Bezeichnung „Saranskoje“.[7] Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets. Von 2008 bis 2016 war Saranskoje Namensgeber einer Landgemeinde, deren Sitz sich aber in Sosnowka befand.

Amtsbezirk Laukischken (1874–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1874 und 1945 bestand der Amtsbezirk Laukischken, der anfangs aus zwölf Landgemeinden (LG) bzw. Gutsbezirken (GB) bestand[4]:

Name Änderungsname
1938–1946
Russischer
Name
Bemerkungen
Adlig Laukischken (GB) 1928 in die LG Laukischken eingegliedert
Bartuszen (LG),
1936–1938: Bartuschen
Bartelshöfen Petino
Groß Mühlwalde (GB) 1928 in die LG Bartuszen eingegliedert
Groß Wannegen (GB) 1928 in die LG Baruszen eingegliedert
Kelladen (LG) Waldwinkel Iljitschowo
Klein Wannegen (GB)
Laukischken (LG) Saranskoje
Meyerhof (GB) Lomonossowka 1928 in die LG Schelecken eingegliedert
Paddeim (GB) 1928 in die LG Laukischken eingegliedert
Permauern(LG) Mauern Lomonossowka
Schelecken (GB) Schlicken Scholochowo
Szerszantinnen, (LG)
1936–1938: Scherschantinnen
Kleinwaldwinkel 1928 in die LG Kelladen eingegliedert
ab 1935:
Lucknojen (LG)
Neuenrode Sapowedniki bis 1935 dem Amtsbezirk Pfeil zugehörig

Am 1. Januar 1945 bildeten noch fünf Gemeinden den Amtsbezirk Laukischken: Bartelshöfen, Mauern, Neuenrode, Schlicken und Waldwinkel.

Dorfsowjet/Dorfbezirk Saranski 1947–2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dorfsowjet Saranski (ru. Саранский сельский Совет, Saranski selski Sowet) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[7] Im Jahr 1954 wurde offenbar ein Teil des Dorfsowjets Iljitschowski und im Jahr 1961 weitgehend der Dorfsowjet Nowoderewenski in den Dorfsowjet Saranski eingegliedert. Nach dem Zerfall der Sowjetunion trug die Verwaltungseinheit den Namen Dorfbezirk Saranski (ru. Саранский сельский округ, Saranski selski okrug). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks Saranski mit der Ausnahme von Belomorskoje, das in die Landgemeinde Golowinskoje gelangte, in die neu gebildete Landgemeinde Saranskoje übernommen.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Belomorskoje (Беломорское) Groß Friedrichsgraben I, seit 1918: Hindenburg Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoderewenski eingeordnet.
Dalneje (Дальнее) Pettkuhnen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoderewenski eingeordnet. Er wurde vermutlich um 1990 verlassen.
Geroiskoje (Геройское) Neu Gertlauken Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoderewenski eingeordnet. Er wurde vermutlich um 1980 an den Ort Nowaja Derewnja angeschlossen.
Grigorjewka (Григорьевка) Sprindlack, Groß Balzerischken, 1938–1945: „Balzershof“, Groß Birkenfelde und (Adlig) Rathswalde[8] Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoderewenski eingeordnet.
Iljitschowo (Ильичёво) Kelladen, 1938–1945: „Waldwinkel“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Iljitschowski.
Isobilnoje (Изобильное) Dedawe, 1938–1945: „Deimehöh“, Klein Fließ, und (Adlig) Rathswalde[9] Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoderewenski eingeordnet.
Krasny Bor (Красный Бор) Krakau, (Klein) Steindorf[10], Peremtienen, Skrusdienen[11], 1938–1945: „Steinrode“, und Müllershorst [Fh.][12] Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoderewenski eingeordnet.
Lomonossowka (Ломоносовка) Permauern, 1938–1945: „Mauern“, und Meyerhof Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Iljitschowski eingeordnet.
Marxowo (Марксово) (Groß) Steindorf, (Klein) Steindorf[13], Skrusdienen[14], 1938–1945: „Steinrode“, und Steingrenz Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Meschdulessje (Междулесье) Kukers, Jodeiken und Knäblacken Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoderewenski eingeordnet.
Nowaja Derewnja (Новая Деревня) Alt Gertlauken Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Nowoderewenski.
Sapowedniki (Зaповедники) Lucknojen, 1938–1945: „Neuenrode“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Iljitschowski eingeordnet.
Saranskoje (Саранское) Laukischken Verwaltungssitz
Scholochowo (Шолохово) Schelecken, 1938–1945: „Schlicken“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Iljitschowski eingeordnet.

Der im Jahr 1947 umbenannte Ort Petino (Klein Rudlauken/zu Jorksdorf, Perdollen, Groß Rudlauken/Rotenfeld und Bartuszen/Bartelshöfen), der zunächst ebenfalls in den Dorfsowjet Saranski eingeordnet worden war, kam dann (vor 1976) aber zum Dorfsowjet Sosnowski.

Landgemeinde Saranskoje 2008–2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage der Landgemeinde Saranskoje innerhalb des Rajons Polessk

Die Landgemeinde Saranskoje (ru. Саранское сельское поселение,Saranskoje selskoje posselenije) wurde im Jahe 2008 eingerichtet.[15] Der Verwaltungssitz der Gemeinde befindet sich allerdings in Sosnowka. Der Gemeinde gehörten 17 Siedlungen an, die sich vorher in den Dorfbezirken Saranski und Sosnowski befanden. In der Gemeinde lebten mehr als 4.000 Menschen. Die westliche Grenze bildete die Deime (russisch: deima). Im Jahr 2017 ging die Gemeinde im neu gebildeten Stadtkreis Polessk auf.

Ortsname Einwohner
(2011)[16]
deutscher Name
Berjosowka (Берëзовка) 102 Burgsdorf, Geidlauken/Heiligenhain, Friedrichsfelde, Petruschkehmen/Kleinburgsdorf und Schönwalde
Bogatowo (Богатово) 138 Szargillen/Eichenrode
Fewralskoje (Февральское) 469 Groß Kirschnakeim/Kirschkeim und Klein Kirschnakeim/Kleinschanzkrug
Grigorjewka (Григорьевка) 19 Sprindlack und Rathswalde
Iljitschowo (Ильичёво) 290 Kelladden/Waldwinkel
Isobilnoje (Изобильное) 150 Dedawe/Deimehöh und Klein Fließ
Jelnikowo (Ельниково) 79 Neu Kirschnabeck/Kleinhirschdorf
Krasny Bor (Красный Бор) 165 Krakau, (Klein) Steindorf[17], Peremtienen und Müllershorst [Fh.]
Lomonossowka (Ломоносовка) 173 Permauern/Mauern und Meyerhof
Marxowo (Марксово) 73 (Groß) Steindorf, (Klein) Steindorf[18], Skrusdienen/Steinrode und Steingrenz
Meschdulessje (Междулесье) 50 Kukers und Jodeiken
Nowaja Derewnja (Новая Деревня) 543 (Alt und Neu) Gertlauken
Petino (Петино) 92 Bartuszen/Bartelshöfen, Groß Rudlauken/Rotenfeld, Perdollen und Jorksdorf
Sapowedniki (Заповедники) 25 Luknojen/Neuenrode
Saranskoje (Саранское) 1089 Laukischken
Scholochowo (Шолохово) 113 Schelecken/Schlicken
Sosnowka (Сосновка) 888 Groß Baum

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kirche Laukischken

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ersatz einer im Jahre 1607 errichteten Holzkapelle wurde in den Jahren 1809 bis 1812 in Laukischken das heute noch erhaltene Kirchengebäude errichtet. Es handelt sich um ein neugotisches Bauwerk mit einem ursprünglich an der Westseite angesetzten Turm. Die Kirche wurde 1914 bei den Kriegshandlungen schwer beschädigt, ein Wiederaufbau (ohne den Turm, lediglich ein Dachaufsatz) erfolgte in den Jahren 1920 bis 1924. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude unbeschadet, wurde jedoch in der Folgezeit bis heute zweckentfremdet und als Kulturhalle sowie Diskothek genutzt.

Das alte Pfarrhaus, in dem die als Ännchen von Tharau besungene Anna Neander als Pfarrfrau 35 Jahre lebte, wurde 1993 abgerissen.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in vorreformatorischer Zeit war Laukischken ein Kirchdorf. Mit Einzug der Reformation wurden hier lutherische Geistliche tätig. Das nahezu 60 Ortschaften umfassende Kirchspiel zählte im Jahre 1925 mehr als 6.000 Gemeindeglieder. Die Pfarrei, in der zwischen 1863 und 1945 zwei Pfarrer tätig waren, gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Labiau in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Nach 1945 kam das kirchliche Leben aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie der restriktiven Kirchenpolitik der Sowjetunion zum Erliegen. In den 1990er Jahren entstand im Nachbardorf Lomonossowka (Permauern, 1938–1946 Mauern) eine neue evangelisch-lutherische Gemeinde, in deren Einzugsbereich Saranskoje heute liegt. Sie ist eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad[19] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Persönlichkeiten des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rittergut Laukischken (1932)

In Laukischken lebte von 1641 bis 1676 Anna Neander, das Ännchen von Tharau, als Frau von drei Pfarrern, die an der Kirche Laukischken amtierten und alle vor ihr starben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Laukischken
  3. D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Powangen
  4. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Laukischken
  5. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Labiau
  6. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Labiau
  7. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  8. Im Umbenennungserlass heißt es "Rastfals", was im offiziellen Ortsverzeichnis von 1976 als Rathsgrenz gedeutet wurde, zumal "Ratswalde" im Umbenennungserlass für Isobilnoje auftaucht. Auf den bekannten Karten ist die Ortsstelle (Adlig) Rathswalde aber mit Grigorjewka bezeichnet.
  9. vgl. Grigorjewka
  10. vermutlich der südliche Ortsteil
  11. vermutlich der östliche Ortsteil
  12. wurde nicht umbenannt
  13. vermutlich der nördliche Ortsteil
  14. vermutlich der westliche Ortsteil
  15. Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 260 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Полесский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 260: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung "Stadtkreis Polessk")
  16. Rechenschaftsbericht auf http://polessk.gov39.ru (MS Word; 618 kB)
  17. südlicher Teil
  18. nördlicher Teil
  19. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad