Letzte Meile

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Letzte Meile (Hausanschlüsse)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als letzte Meile (engl.: last mile bzw. final mile) bezeichnet man bei Strom- und Gasversorgungs- sowie bei Telekommunikationsnetzen (z. B. Telefonnetz, Kabelfernsehen, Internet) sowie in der Postzustellung den letzten Abschnitt der Leitung, die zum Hausanschluss bzw. zum Teilnehmerhaushalt führt. Sie wird offiziell, insbesondere als Teil des klassischen Telefonnetzes, als Teilnehmeranschlussleitung (TAL) bezeichnet.

Die letzte Meile stellt den Flaschenhals in der internationalen Kommunikation dar, weil heutzutage nahezu alle Vermittlungsstellen mit mehreren Gigabit/s schnellen Glasfaserkabeln verbunden sind, während die Geschwindigkeit der zweiadrigen Kupferleitungen auf der letzten Meile stark von Dämpfungswerten, Entfernung und ausgebauter Technik (z. B. Outdoor-DSLAMs) abhängig ist.

Die letzte Meile ist üblicherweise im Besitz von regionalen, nationalen oder internationalen Monopolunternehmen (sogenannten etablierten Netzbetreibern), wobei die Ursache sowohl ein ehemaliges rechtliches Monopol von Staatsbetrieben als auch ein natürliches Monopol von privatwirtschaftlichen Netzbetreibern sein kann.

Da die Gesamtheit der Netzanschlüsse – insbesondere in der Fläche wegen der dort geringen Netzdichte – nur sehr kostenintensiv dupliziert werden kann, ändern sich die Eigentumsverhältnisse an der letzten Meile allenfalls längerfristig.

Um Wettbewerbern ohne eigene letzte Meile den Zugang zu den Netzanschlüssen zu ermöglichen, können Anbieter durch die sogenannte Entbündelung gegen ein Entgelt an die Besitzer der letzten Meile Zugang zu den Netzanschlüssen der etablierten Betreiber erhalten. Die Höhe dieser Gebühren und die Konditionen des Zugangs sind ein andauernder Streitpunkt, in deren Spannungsfeld die Regulierungsbehörden stehen.

Letzte Meile (Lieferverkehr, Post, Logistik)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff wurde aus der IuK-Technik (Telefonanschluss, Internetanschluss) auf die Logistik, Post und Lieferwege übertragen; dort wird die „letzte Meile“ als der Teil des Transports zur Haustür des Kunden bezeichnet.[1]

Mit dem Thema des auch durch den Internethandel zunehmenden Paketversands werden effiziente Lösungen für die letzte Meile gesucht. Die zunehmenden Packetmenge soll mit geringem Aufwand (Personal, Zeit, Wege, Kosten, Preise) sicher und schnell verteilt werden. Die eigentlich klassische Fragestellung der Logistik wird hier durch den variablen Faktor Kunde (Packetempfänger) erweitert. Wann ist er erreichbar, wie können multiple Anfahrten vermieden werden, wie kann die Arbeitslast der Paketboten vermindert werden. Vorgeschlagene und experimentell wie praktisch erprobte oder bereits umgesetzte Wege umfassen Paketbriefkästen, Paketautomaten, Hausmeisterdienste und Inhouse-Paketautomaten etwa in Wohnanlagen, Lieferung zum Paketshop, in den Kofferraum oder zum Arbeitgeber sowie Absprache und Kommunikation des Lieferzeitpunkts.[2]

Gesucht wird häufig eine technische, räumliche, bauliche oder organisatorische Lösung. Die zufällige und freiwillige Annahme und Weiterleitung einer Sendung durch einen Nachbarn ist für den Dienstleister und Logistiker dagegen ein nicht berechenbarer und auch nicht einkalkulierbarer Faktor.

Mit den Problemen und erkennbaren heutigen und zukünftigen Einschränkungen des städtischen Verkehrs wird nach neuen, teils auch kreativen Lösungen für den eigentlichen Transport gesucht. Paketboten, Lieferdienste und Postboten sollen durch fahrende Roboter unterstützt und durch fliegende Drohnen ergänzt werden.[3][4] Elektrofahrzeuge wie der bereits im Einsatz befindliche Streetscooter der Deutschen Post sollen Postboten, aber auch Logistikdienstleister, Lieferanten und Handwerker auf der letzten Meile umweltfreundlich machen, neue Fahrzeuge wie etwa Lastenräder sollen Verkehrswege entlasten und unabhängig vom Autoverkehr machen.[5][6]


Andere Bedeutungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Des Weiteren wird der Ausdruck „Die letzte Meile“ auch bei Hinrichtungen verwendet. Der Weg von der Zelle bis zum elektrischen Stuhl o. a. ist die letzte Meile. Unter dieser Bedeutung verfasste Stephen King den Roman The Green Mile, der später unter dem gleichen Titel verfilmt wurde.

Im Bevölkerungsschutz bezeichnet die „letzte Meile“ den Schritt vom Erkennen einer Gefahr, deren Weitergabe und Verbreitung über Warnkanäle (z. B. Sirenen oder Warn-SMS) bis zur tatsächlichen Wahrnehmung der Warnungen durch die betroffenen Menschen. Dies setzt voraus, dass sie die Warnmeldung verstehen und entsprechend reagieren können.[7] Ein Beispiel für ein bürgernahes System zur Überwindung der „letzten Meile“ ist das vom Fraunhofer-Institut FOKUS und den öffentlichen Versicherern entwickelte kommunale Warn- und Informationssystem KATWARN.[8]

Im Schienenverkehr bezeichnet Last Mile die Fähigkeit von Elektrolokomotiven, mit Hilfe eines Zusatz-Dieselmotors nicht elektrifizierte Teilstrecken zu befahren. Dadurch kann auf den zusätzlichen Einsatz von Rangierlokomotiven verzichtet werden.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. last mile logistik bei www.logistik-info.net
  2. Manager-Magazin, Kofferraumlieferung
  3. Golem.de, Zustellungsroboter trägt Lasten für den Postboten
  4. Spiegel, Lieferung mit Drohnen
  5. Nationaler Radverkehrsplan und Pilotprojekt Ich-Ersetze-Ein-Auto
  6. PDF zum Pilotprojekt Ich-Ersetze-Ein-Auto
  7. [1], GITEWS
  8. [2], KATWARN
  9. BOMBARDIER TRAXX AC3 Last Mile-Lokomotive erhält offizielle Zulassung in Österreich. Bombardier, 1. Februar 2016, abgerufen am 23. Januar 2017.