Elektro-Tretroller

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E-Scooter

Ein Elektro-Tretroller ist ein Roller, der trotz seines Namens üblicherweise nicht durch Treten, sondern von einem Elektromotor angetrieben wird. Die Fortbewegung durch Treten ist dennoch möglich. Es gibt Ausführungen mit und ohne Sitz, sodass der Fahrer sitzt oder steht. Elektro-Tretroller werden oftmals auch als E-Scooter oder Elektro-Scooter bezeichnet[1], wodurch sie mit Elektromotorrollern verwechselt werden können, die zur sitzenden Fortbewegung dienen und häufig ebenfalls E-Scooter genannt werden. Auch die bisweilen als Scooter bezeichneten Elektromobile für Gehbehinderte sind hier nicht gemeint.

Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elektroroller sind für die Nutzung auf kurze Entfernungen konzipiert, beispielsweise von zu Hause zum nächsten Stadtbahnhof oder vom Pkw-Parkplatz nach Hause, wenn vor dem Haus kein Parkplatz zur Verfügung steht. In diesem Zusammenhang sprechen die Betreiber von der „letzten Meile“. Viele Städte haben die Einführung von E-Roller-Mietangeboten (E-Scooter-Sharing) positiv gesehen und erhoffen sich von der Verwendung auch eine Verringerung des Auto-Verkehrs und damit eine Entlastung der angespannten Verkehrssituation und der Parkplatznot.

E-Scooter-Sharing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Elektroroller befinden sich nicht in Privatbesitz, sondern werden für einzelne Fahrten von Unternehmen vermietet. Die Verleihfirmen haben mit den Städten Aufstellgebiete abgestimmt. Angemeldete Interessenten können mittels einer App die Fahrzeuge ausfindig machen und über einen Entriegelungscode ausleihen. Die größten Anbieter weltweit sind Lime, Bird oder Uber. Bezahlt wird mit Kreditkarte für jede verbrauchte Minute und/oder per Fahrstrecke, manche Anbieter erheben eine Grundgebühr für jede Anmietung. In großen Städten wie etwa San Francisco, Washington D.C., Las Vegas, Paris und Wien sind Elektroroller Bestandteil des Stadtbildes (Stand Anfang 2019).

In deutschen Großstädten wie Berlin, Dresden, Köln oder München haben seit Juni 2019 folgende Unternehmen bereits Hunderte oder sogar Tausende E-Roller aufgestellt: Lime, Silc, Tier[2] oder Bird.[3][4] (Stand Mitte Juli 2019)

Aufbau und Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Elektroroller ist ein Fahrzeug aus Plastik, Kunststoff, Stahl, Aluminium oder Carbon mit zwei (selten drei) Rädern, zwischen denen sich ein Trittbrett befindet. Über dem Vorderrad erhebt sich die Lenkstange, die auch als Knüppel ausgeführt sein kann. Die leichtesten Modelle wiegen ca. 7 kg, die schwersten Modelle mehr als 20 kg.
  • Die Reifen haben einen Durchmesser von 5 bis 12 Zoll (12,5 bis 30 cm). Unterschieden werden drei Kategorien von Reifen:(a) Vollgummireifen: Der Großteil der am Markt erhältlichen Elektroroller hat Vollgummireifen. Der Vorteil von Vollgummireifen liegt darin, dass sie bei Schnitten keine Luft verlieren können, widerstandsfähig sind und eine lange Lebensdauer aufweisen. Andererseits sind sie auch relativ hart und schwer und können Vibrationen und Erschütterungen kaum abfangen. (b) Luftbereifung: Reifen, die mit Luft befüllt werden. Sie bieten einen höheren Fahrkomfort, da sie Vibrationen und Unebenheiten besser abfedern als Vollgummireifen. Luftbefüllte Reifen sind aber auch anfälliger für Beschädigungen, etwa durch spitze Steine oder Gegenstände mit scharfen Kanten oder Glassplitter. (c) Luftkammerreifen: Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Vollgummireifen und Luftreifen, welche die Vorteile dieser beiden Reifenvarianten vereinen sollen. Der Reifen besteht aus Kunststoff, und ist segmentiert (Kammern), so dass bei Schäden an der Lauffläche nur unbedeutende Mengen Luft austreten.
  • Die elektrische Energie für den Motor liefert eine aufladbare Batterie, die entweder unter dem Trittbrett, in der Lenkstange oder im Bereich des Vorderreifens verbaut ist. In den meisten Modellen werden Lithium-Ionen-Akkus verwendet. Einige Modelle bieten die Möglichkeit, einen zusätzlichen Akku einzubauen oder den bestehenden Akku zu tauschen.
  • Elektroroller müssen eine Beleuchtung (vorn und hinten), eine Klingel und einen Aufkleber einer Versicherungsgesellschaft besitzen.
  • Die mit einem Elektroroller erreichbare Geschwindigkeit hängt insbesondere von der Stärke des Elektromotors, dem Gewicht des Fahrers, der Steigung und den Straßenverhältnissen ab. Einige Modelle können eine Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h erreichen. In den genehmigten Städten können individuelle Höchstgeschwindigkeitsgrenzen beschlossen sein und werden durch technische Maßnahmen eingehalten.
  • Elektroroller verfügen über zwei voneinander unabhängige Bremsen: Zum einen über eine elektrische Bremse am Vorderrad sowie über eine mechanische Schutzblechbremse am Hinterrad. Als Bremssysteme kommen auch Scheibenbremsen oder Trommelbremsen zum Einsatz. Bessere Modelle besitzen eine Nutz- oder Rekuperationsbremse, welche bei jedem Bremsvorgang dem Akku Energie zuführt und damit die Reichweite vergrößert.

Straßenzulassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtslage in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland sind die Elektroroller im öffentlichen Straßenverkehr seit dem 13. Juni 2019 legal.[5] Zulassungsfähig sind Elektroroller bis maximal 20 km/h, für das Fahren ist keine Prüfung, aber ein Mindestalter von 14 Jahren erforderlich. Einzelheiten zur Zulassung und Straßenbenutzung in Deutschland siehe

Vorher durften Elektroroller im öffentlichen Straßenraum nur verwendet werden, wenn sie all jene Merkmale aufwiesen, die etwa auch für ein Moped verlangt werden, also festinstallierter Sitz, eingebaute Beleuchtung, Rückspiegel, Dualbremsen, Kennzeichen, Haftpflichtversicherung und StVZO-Konformitätsprüfung.

Es besteht Benutzungszwang auf Fahrradwegen oder -streifen. Sind keine solchen vorhanden, muss der Rollerfahrer die Fahrbahn benutzen. Das Fahren auf Gehwegen, auch in touristischen Zentren, ist untersagt und kann mit Geldstrafen belegt werden. Bisher besteht keine Helmpflicht, jedoch wird diese Frage wegen bereits innerhalb kurzer Zeit aufgetretenen teilweise schweren Unfällen heftig diskutiert.

Rechtslage in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elektroroller mit einer Bauartgeschwindigkeit bis 25 km/h und einer Antriebsleistung von maximal 600 Watt werden in Österreich rechtlich wie ein Fahrrad behandelt.[6][7] Geregelt ist dies in § 2 Abs. 1 Z 22 lit d StVO iVm § 1 Abs. 2a KFG 1967. Das Fahren mit einem Elektroroller ist in Österreich nur auf Verkehrsflächen erlaubt, auf denen auch Fahrräder fahren dürfen.

Kritik am Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In mehrfacher Hinsicht wird Kritik an Elektrorollern vorgebracht. Erstens bergen sie nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) eine erhebliche Unfallgefahr; insbesondere Schädel-Hirn-Traumata sowie Verletzungen der Sprunggelenke (die „Trittbretter der Roller sind tief, sodass sich bei Stürzen der Fuß schnell darunter verfängt“) werden befürchtet. Andere Verkehrsteilnehmer sollen sich nur schwer auf die neuen Fahrzeuge einstellen können.[8][9] Kritiker verweisen auf durch E-Scooter gestiegene Unfallzahlen, beispielsweise in den USA.[10]

Kritisch gesehen werden sowohl Umweltfreundlichkeit als auch Klimabilanz. Die Bezeichnung „umweltfreundlich“ treffe auf E-Scooter nur zu, wenn tatsächlich Autofahrten ersetzt würden. Die Herstellung der Akkus ist sehr energieintensiv, und die Gewinnung der hierfür benötigten Rohstoffe geht häufig mit großen Umweltbelastungen einher (siehe auch Umweltbilanz von Lithium-Ionen-Akkumulatoren). Für die Umweltbilanz ist darüber hinaus problematisch, dass die Fahrzeuge durch schlechte Qualität, Vandalismus oder sehr schnelle Innovationszyklen (siehe auch Obsoleszenz) oft nur eine sehr kurze Lebensdauer aufweisen.[11] Im Sharingbetrieb von Fahrrädern liegt sie laut Studien teilweise nur zwischen 28 Tagen und drei Monaten.[12][13] Bisher gibt es nur eine kleinere Studie, die aufgrund von Schätzungen den E-Scootern eine positive Ökobilanz im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln konstatiert.[14]

Im Rahmen der Zulassung von E-Scootern in Deutschland im Mai 2019 kam es zu vielfacher Kritik, insbesondere von Senioren und Behinderten und ihren Vertretungen, aber auch von Fußgängern generell. Sie fürchten eine erhebliche Gefährdung und Verunsicherung in ihrem bisher sicheren Straßenverkehrsbereich, den Fußwegen. E-Scooter seien doppelt so schnell wie Fußgänger und seien kaum hörbar, warnte beispielsweise Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer.[15] Aber auch auf Radwegen oder auf der Straße seien E-Scooter problematisch.[16] So sieht der ADFC die Zulassung von E-Scooter zwar grundsätzlich als Chance, kritisiert aber, dass Radfahrer die ohnehin unzureichenden Radwege nun zusätzlich mit E-Scooter-Fahrern teilen müssten. Auch die Gewerkschaft der Polizei warnt vor den E-Scootern; sie könnten die bereits seit längerem hitzige Lage im innerstädtischen Straßenverkehr weiter zuspitzen. Zudem seien die Beamten außer Stande, zusätzlich rollenden E-Verkehr auf Bürgersteigen zu moderieren und zu kontrollieren.[17]

Unfallbilanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Zeitraum von einem Monat, in dem die E-Roller in Berlin eingesetzt worden sind (15. Juni bis 16. Juli 2019), hat die Polizei eine erste detaillierte Unfallbilanz vorgelegt. Danach wurden 21 Unfalle registriert, mit vier Schwer- und 15 Leichtverletzten. 18 dieser Unfälle wurden von Scooterfahrern verursacht. Jeder dritte Unfall ereignete sich ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer. Als wichtigste Probleme wurden bestätigt:

  1. Viele Fahrer überschätzen ihre Fähigkeiten.
  2. Es wird kaum beachtet, dass für die Benutzer der Roller laut Straßenverkehrsordnung dieselben Promillegrenzen gelten. Auch Strafpunktevergabe ist möglich, die sich auf eine vorhandene Fahrerlaubnis auswirkt.
  3. Die Fahrdynamik und Stabilität ist schlechter als bei allen anderen Kleinstfahrzeugen; die Füße und der Kopf sind beim Touchieren oder bei Stürzen extrem gefährdet. Der Nutzer ist nicht sicher mit dem Trittbrett verbunden, es bestehen Defizite beim Umgang mit der Technik.
  4. Wer ohne Versicherung unterwegs ist, begeht eine Straftat.
  5. Das Verbot der Benutzung von Gehwegen, Parkanlagen oder Fußgängerzonen wird ignoriert.
  6. Das Mitfahren einer zweiten Person auf dem Gefährt ist verboten, wurde jedoch auch schon etliche Male beobachtet.
  7. Drei Unfallverursacher begingen sogar Fahrerflucht.

Bei den meisten Unfallverursachern handelt es sich um Touristen im Innenstadtbereich. Eine Zunahme der Probleme wird nicht ausgeschlossen, weil sich wahrscheinlich auch Berliner privat solche E-Roller anschaffen und diese einsetzen werden.[18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Warum E-Scooter in Deutschland noch ausgebremst werden.
  2. Tier: Kosten für den E-Scooter Verleih im Überblick, auf www.chip.de; abgerufen am 16. Juli 2019.
  3. E-Scooter: Elektro-Tretroller nun auch bei uns. In: Nachrichtenportal Berlins. Abgerufen am 16. Juli 2019.
  4. Baran Datli: Erste Elektro-Tretroller starten in Berlin. In: rbb24. 17. Juni 2019, abgerufen am 16. Juli 2019.
  5. Bundesrat entscheidet über E-Ecooter und gibt grünes Licht.
  6. E-Scooter Straßenzulassung. Abgerufen am 1. Juli 2019.
  7. E-Scooter Vergleich. Abgerufen am 1. Juli 2019..
  8. Deutschlands Unfallchirurgen warnen vor E-Scootern. In: Der Tagesspiegel. 17. Mai 2019, abgerufen am 20. Mai 2019.
  9. Unfallchirurgen warnen vor Elektrostehrollern. In: Der Spiegel. 17. Mai 2019, abgerufen am 20. Mai 2019.
  10. Hunderte Verletzte bei Unfällen mit Elektrorollern in den USA. Spiegel Online, 7. Februar 2019, abgerufen am 19. April 2019.
  11. Umweltfreundliche Elektroroller? So eindeutig ist das nicht. In: Die Welt. 17. Mai 2019, abgerufen am 20. Mai 2019.
  12. Deutschland erlaubt Elektroroller - ausgerechnet jetzt denkt Paris ans Verbot. In: Focus Money. 17. Mai 2019, abgerufen am 20. Mai 2019.
  13. Andreas Albert, Emil Nefzger, Nils-Viktor Sorge: Deutschland rüstet sich für den E-Scooter-Boom. In: Der Spiegel. 17. November 2018, abgerufen am 20. Mai 2019.
  14. E-Scooter CO2-Bilanz - Eine wissenschaftliche Studie zur Ökobilanz. In: Epowers. Abgerufen am 14. Juni 2019 (deutsch).
  15. Gefährlich, lästig, verkehrlich sinnlos: E-Roller auf Gehwegen. Fachverband Fußverkehr Deutschland FUSS e. V., abgerufen am 19. April 2019.
  16. Andreas Böhnisch: Was rollt da auf uns zu? SWR aktuell, 3. April 2019, abgerufen am 19. April 2019.
  17. E-Tretroller kommen: Neue Mobilität oder Sicherheitsrisiko? Merkur.de, 3. April 2019, abgerufen am 19. April 2019.
  18. Frank Schattling: Risiko auf zwei Rädern. In: Berliner Zeitung, 19. Juli 2019, S. 1.